Der Horrorfilm - Mehr als nur Zombies und Innereien: Teil 1

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Der Horrorfilm - Mehr als nur Zombies und Innereien: Teil 1

Beitragvon horror1966 » 23. Aug 2012, 19:12

Teil 1
Einführung & Übersicht




Leider Gottes zählt der Horrorfilm immer noch zu den Genres, die am argwöhnischsten beäugt werden. Da muß man sich als Fan zwangsläufig die Frage stellen, woran das wohl liegen mag. Vielleicht ganz einfach an der Tatsache, dass viele Leute dieses Genre immer nur auf Zombies oder gezeigte Härte reduzieren. Dabei zählt diese Filmgattung doch eigentlich zu den abwechslungsreichsten überhaupt, dazu muß man ganz einfach nur einmal über den Tellerrand hinausschauen, um zu erkennen, welche vielfältigen Möglichkeiten dieses Genre dem Zuschauer bietet.

Aber um das zu verstehen, sollte man sich selbst erst einmal die Frage beantworten, welches Ziel ein Horrorfilm hat und welche Gefühle er beim Betrachter auslösen will. Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich sehr simpel, Angst, Schrecken und auch Verstörung sind doch die häufigsten Gefühle, die einen bei der Sichtung eines solchen Films überkommen. Und wenn ein Film dies erreicht, dann hat man es mit einem Horrorfilm zu tun. Sicherlich gibt es auch etliche Filme, bei denen durch gezielt eingefügte, sehr harte Szenen gar Ekel, oder bei manchen etwas zartbesaiteteren Leuten sogar Anflüge von Panik hinzukommen.

Hierzu muß man aber auch die jeweiligen Sub-Genres unterscheiden, was jetzt eventuell so manchen sogenannten Horror-Fan überraschen wird, denn Horror ist nicht gleich Horror, auch wenn mancher das nicht wahrhaben will. Es gibt sehr feine, aber auch teilweise ziemlich starke Unterschiede, weshalb jetzt mal eine kleine Auflistung verschiedener Arten des Horrorfilms kommt.

Der klassische Horror - Gruselfilm

Ja genau, jetzt kommen die sogenannten "Alten Schinken", die keinerlei Härte innehaben, doch diese Filme sind die Grundlage dafür, das es überhaupt den Horrorfilm gibt, das sollte man nicht vergessen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab es die ersten klassischen Horrorfilme, zu dieser Zeit gab es natürlich noch keine tollen Effekte, so etwas wie Splatter - und Gore waren zu der Zeit noch Fremdworte und dennoch verstanden es diese Filme, den Zuschauer zu schocken und zu begeistern. Das lag ganz einfach daran, das diesen Filmen eine so ausgeprägte und dichte Atmosphäre anhaftet, die selbst in der heutigen Zeit noch sehr faszinierend auf den Betrachter wirkt. Hinzu kommt die Tatsache, das durch die s/w Optik noch einiges an Bedrohlichkeit hinzukommt und Darsteller, die ihren Rollen ganz einfach eine so starke Präsenz verleihen, das man davon begeistert sein muß.

Als Meilensteine dieser Zeit - und Filmgattung gelten Werke wie zum Beispiel "Der Golem", "Nosferatu" und natürlich die wohl mit am bekanntesten wie "Dracula", "Der Wolfsmensch" und "Frankenstein". Aber auch spätere Werke wie "Bis das Blut gefriert" zählen zu den absoluten Klassikern des Genres. All diese Filme leben von ihrer guten Story, der starken Spannung und der unvergleichlichen Atmosphäre und haben auch keinerlei Härte nötig, um den Zuschauer spannend zu unterhalten. Aus der heutigen Zeit sind auch Filme wie "Ring" oder "The Grudge" zu nennen.

Der Splatter / Gore Film

Hier kommen wir zur härteren Gattung des Horrorfilms, in der es durch durch gezielt eingesetzte Schockszenen der teilweise recht harten und derben Art dazu kommen soll, das der Betrachter fasziniert und unterhalten werden soll. Generell ist dagegen auch nichts einzuwenden, doch in der heutigen Zeit wird bei vielen dieser Filme leider zuviel auf extreme Härte gesetzt und dabei werden die für einen Horrorfilm sehr wichtigen Dinge wie Atmosphäre und Spannung stark vernachlässigt. Sicher, welcher Fan schaut nicht auch gern härtere Filme des Genres, nur wenn statt einem guten Film lediglich ein absolut sinnloses Gemetzel über den Bildschirm flimmert, dann kann das auch schnell langweilig und stumpfsinnig wirken. Bei dieserArt von Filmen muß man sehr wohl zwischen guten und schlechten Filmen unterscheiden, zu den wirklich guten zählen sicherlich Klassiker wie "Dawn of the Dead","Tanz der Teufel", oder auch das Remake von "Dawn of the Dead" von 2004. Schlechtere Vertreter dieser Art sind sicherlich Filme wie "Return of the living Dead 4 & 5", oder auch "Wrong Turn 2 - Dead End", wo der Unterhaltungswert zwar durchaus gegeben ist, aber eigentlich nur im Bezug auf den Härtegrad des Films und sonst gar nichts.

Der Slasher Film

Der Slasher ist mein absoluter Favorit unter den Horrorfilmen, denn hier wird dem Zuschauer meiner Meinung nach der größte Unterhaltungswert geliefert, obwohl ja eigentlich immer alles nach dem gleichen Schema abläuft. Es gibt eigentlich immer einen wahnsinnigen, psychopatischen Massenmörder, der meist mit einem Messer bewaffnet Jagd auf fast immer gutaussehende, aber meist leicht dümmliche und naive Teenager macht und einen nach dem anderen tötet. Bei dieser Art von Horrorfilm gibt es auch die meisten unlogischen Verhaltensweisen der Opfer zu sehen, aber vielleicht ist es gerade das, was den Reiz dieser Filme ausmacht. Nicht umsonst hat gerade dieses Sub - genre des Horrorfilms 3 der erfolgreichsten und und größten Filmreihen hervorgebracht, als da wären:

* 1. Halloween
* 2. Freitag der 13.
* 3. Nightmare on Elm Street

Wo wir auch gleichzeitig bei 3 der beliebtesten fiktiven Serienkillern des Genres wären, nämlich Michael Myers, Jason Vorhees und dem sprücheklopfenden Freddy Krueger. Diese 3 Killer sind schon längst Legende und genießen vollkommen zu recht absoluten Kultstatus. Gerade das Slasher Sub - Genre kann man sich ohne diese liebenswerten Kerlchen eigentlich nicht vorstellen, denn sie haben es nachhaltig geprägt.

Der Teenie - Horrorfilm

Mitte der 90 er trat Wes Craven mit dem Film "Scream - Schrei" eine Welle los, die bis in die Gegenwart noch nicht verebbt ist, die sogenannte Teenie - Horrorwelle. Nachdem "Scream" ein Riesenerfolg beim Publikum wurde, setzte das natürlich auch Bewegung bei anderen Regisseuren frei und es folgte eine wahre Flut dieser Art von Filmen. natürlich hatten nicht alle dieser Filme die gleiche, hohe Qualität von "Scream", aber es gab doch so einige Filme, die wirklich sehr gut und auch spannend sind. Zu diesen zählt sicher auch "Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast", oder auch "Düstere Legenden".Die beiden genannten Werke zogen jeweils noch 2 Sequels nach sich, die aber nicht die Klasse der ersten Teile erreichen konnten. Aber auch einige nicht so gute Vertreter machten die Runde, wie zum Beispiel "Dich kriegen wir auch noch", oder "Wishcraft". Diese Filme können zwar auch teilweise recht nett unterhalten, aber qualitätsmäßig sind sie doch eine Stufe niedriger anzsiedeln. Da hier eigentlich bei fast allen Vertreter dieser Filmgattung auch sämtliche Slasher - Merkmale zum Tragen kommen,kann man sie auch "Die Renaissance des Slashers" nennen.

Mysteryfilm und Horror/Thriller

Hier verschwimmen manchmal etwas die Grenzen und mehrere Genres gehen in einem Film ineinander über. Als bestes Beispiel fällt mir hier immer "Ghotika" ein, der, wie ich finde, alle 3 Genres miteinander verbindet. Manchmal sind es aber auch nur 2 Genres, die zusammenfließen, wie es bei "The Messengers" der Fall ist, bei dem es sich um einen Mystery/Thriller handelt. Die dritte Möglichkeit ist der Horror/Thriller, für den meiner Meinung nach "Sieben" das prägnanteste Beispiel ist. Viel werden jetzt vielleicht denken, das es sich hierbei um einen reinen Thriller handelt, teilweise ist es ja auch rein subjektive Empfindungssache, Doch wenn man gerade bei diesem Beispiel daran denkt, welche Gefühle ein Horrorfilm beim Zuschauer auslösen will, dann finde ich sehr wohl, das "Sieben" ein nahezu perfekter Horror/Thriller ist. Denn wenn hier nicht Angst, Schrecken und Verstörung ausgelöst wird, dann weiss ich nicht mehr weiter.

Der Fun - Splatter

Nun kommen wir noch zu einer der beliebtesten Sparten des Horrorfilms, dem Fun - Splatter. Bei dieser Art von Filmen ist meist ein extremer Härtegrad vorhanden, der vielen manchmal gar nicht so bewust wird, weil hier halt eine Riesenportion Humor vorhanden ist. Wer kennt nicht die Klassiker dieser Sparte, die beide vom heutigen Star - Regisseur Peter Jackson stammen, nämlich "Braindead" und "Bad Taste", wobei letzterer Jackson's Erstlingswerk darstellt. Ja, manch einer mag sich das gar nicht richtig vorstellen können, aber der Mann , der uns mit der "Herr der Ringe - Trilogie" ein meisterhaftes Film - Epos beschert hat, das seinesgleichen sucht, begann seine Karriere mit Fun - Splattern und das ist auch gut so, denn sonst gäbe es viel weniger Spaß im Horror - Genre. Aber auch Spanien hat hier mit "Mucha Sangre" einen fantastischen Beitrag geliefert, der aber leider nicht so vielenfans bekannt sein dürfte. Und vor kurzem erschien mit "Black Sheep" ein weiterer mehr als sehenswerter Film dieser Art aus Neuseeland, das anscheinend für diese Filme wie prädestiniert zu sein scheint.

Der Tierhorrorfilm

Auch dieses Sub - Genre erfreut sich sehr großer Beliebtheit, allerdings sollte man hier anmerken, das gerade in diesem Bereich auch sehr viel Müll produziert wird. Aber der Horrorfilm, in dem unsere tierischen Freunde die Hauptrolle spielen, hat auch einige richtige Klassiker hervorgebracht. man nehme nur die beiden Meisterwerke Die Vögel von Altmeister Alfred Hitchcock, oder auch Der weisse Hai von Steven Spielberg. Auch absolut erwähnenswert sind Klassiker wie Tarantula oder Formicula. Leider gibt es aber auch sehr viele negative Beispiele wie Alligator, Der weisse Hai 3 & 4, oder auch Mimic 2 & 3.

Man könnte hier jetzt noch viel mehr aufzählen und erwähnen, aber für den Anfang soll diese kurze Einführung erst einmal genug sein. Ich hoffe, das die Einführung für einige etwas hilfreich sein kann, ich werde mich aber auch demnächst ausführlich mit jedem einzelnen Sub - Genre beschäftigen,

Fortsetzung folgt....
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Re: Der Horrorfilm - Mehr als nur Zombies und Innereien: Tei

Beitragvon buxtebrawler » 24. Aug 2012, 15:34

Holla, wat biste grad fleißig, horrortschi! :shock:

Das muss ich mir mal in Ruhe durchlesen. Schon jetzt aber vielen Dank für dein Engagement :thup:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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