35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

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35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon jogiwan » 26. Sep 2012, 10:48

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Aus gegegbenen Anlass: der Diskutier-Fred für Kino-Nostalgiker, Technik-Freaks und andere Strömungen des Kinos!

(Ursprünglich von hier: asia-f36/symbol-hitoshi-matsumoto-2009-t5871.html#p74520)

blöde Frage: gibts zu aktuellen Filmen überhaupt noch Kinorollen? :?
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Arkadin » 26. Sep 2012, 12:11

jogiwan hat geschrieben:blöde Frage: gibts zu aktuellen Filmen überhaupt noch Kinorollen? :?


Off-Topic, bei Bedarf bitte irgendwohin verschieben.

Ist keine blöde Frage. Ja, gibt es noch ("Cabin in the Woods" z.b.oder "Moonrise Kingdom") , wird aber immer seltener. Beim Fantasy Filmfest z.B. wurden gerade mal 4 (!) von 71 Filmen als 35mm Kopie gezeigt. Der Rest als DCP. Für die kleinen Verleihe - wie REM oder Capelight, die für Kinovorführungen nur noch BluRays verschicken - rechnet sich das Kopieren auf 35mm nicht und die Großen sparen eh, wo es nur geht. Wenn Du als Kino noch nicht umgerüstet bist, um DCP zeigen zu können, dann bist Du richtig in den Hintern gekniffen. Dann bleibt Dir nichts weiter übrig, als aktuelle Filme von BluRay oder DVD zu zeigen.

Ein Beispiel: Für die Veranstaltung Ende November, bei der auch "Symbol" läuft, wollten wir u.a. "The Possession" zeigen. Das ging aber nicht, weil der vom Verleih nur auf DCP rausgegeben wird und das Kino noch nicht auf digial umgerüstet hat.

Hier noch ein hochinteressanter Link zum Thema Digitalisierung: http://www.eskalierende-traeume.de/da-weis-man-man-hat/
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon buxtebrawler » 26. Sep 2012, 12:23

Arkschis interessanter Beitrag aus dem Thema Symbol:

Arkadin hat geschrieben:
jogiwan hat geschrieben:blöde Frage: gibts zu aktuellen Filmen überhaupt noch Kinorollen? :?


Off-Topic, bei Bedarf bitte irgendwohin verschieben.

Ist keine blöde Frage. Ja, gibt es noch ("Cabin in the Woods" z.b.oder "Moonrise Kingdom") , wird aber immer seltener. Beim Fantasy Filmfest z.B. wurden gerade mal 4 (!) von 71 Filmen als 35mm Kopie gezeigt. Der Rest als DCP. Für die kleinen Verleihe - wie REM oder Capelight, die für Kinovorführungen nur noch BluRays verschicken - rechnet sich das Kopieren auf 35mm nicht und die Großen sparen eh, wo es nur geht. Wenn Du als Kino noch nicht umgerüstet bist, um DCP zeigen zu können, dann bist Du richtig in den Hintern gekniffen. Dann bleibt Dir nichts weiter übrig, als aktuelle Filme von BluRay oder DVD zu zeigen.

Ein Beispiel: Für die Veranstaltung Ende November, bei der auch "Symbol" läuft, wollten wir u.a. "The Possession" zeigen. Das ging aber nicht, weil der vom Verleih nur auf DCP rausgegeben wird und das Kino noch nicht auf digial umgerüstet hat.

Hier noch ein hochinteressanter Link zum Thema Digitalisierung: http://www.eskalierende-traeume.de/da-weis-man-man-hat/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon jogiwan » 26. Sep 2012, 12:28

Und was ist dann das Medium z.B. bei einem 3D-Film?
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Onkel Joe » 26. Sep 2012, 12:36

Es gibt noch 35mm und ich hoffe doch inständig das es sie noch lange oder auch als kleines nischen Produkt für immer geben wird.
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon purgatorio » 26. Sep 2012, 16:23

Onkel Joe hat geschrieben:Es gibt noch 35mm und ich hoffe doch inständig das es sie noch lange oder auch als kleines nischen Produkt für immer geben wird.


wir hatten da auf dem Cinestrange schon ein interessantes Gespräch zu dem Thema: noch gibt es vereinzelt 35mm-Kopien von diversen Filmen, wie Arkschi aber schon andeutete: das wird stetig weniger! So ein Kino auf High-Tech umzurüsten muss wohl auch eine sehr kostspielige Angelegenheit sein, wesshalb das nicht unbedingt für jeden in Frage kommt - die Liebe zum klassischen Lichtspiel gehört aber auch auf's gleiche Blatt. Ich beobachte die Folgen aber hier auf dem Land ganz massiv: Großes Kinosterben! Publikum, also Geld, erreichst du nur mit Blockbustern, die kommen immer seltener und bald gar nicht mehr auf 35mm. Ergo: umrüsten (kostet Geld) oder pleite. Ein Liebhaberkino, dass irgendwann nur noch alte Filme von alten Rollen zeigen kann, kann sich in ländlichen Regionen mangels Nachfrage (und drei bis vier Nerds im Einzugsgebiet sind nun einmal ein "Mangel") nicht halten. Folglich darf man gut und gerne das Zwangsumrüsten auf digitale Medien als systematischen Kinomord bezeichnen. Und Filme von DVD oder BlauStrahl zeigen ist für den Kinobetreiber ja auch Selbstmord - warum teuer ins Kino gehen, um eine DVD zu sehen? Hier gibt's eine existenzielle Zwickmühle, deren weitere Entwicklung sehr unangenehm für die Kinokultur werden kann - oder sogar bereits ist... mein zwei Cent ;)
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Onkel Joe » 26. Sep 2012, 20:09

jogiwan hat geschrieben:Und was ist dann das Medium z.B. bei einem 3D-Film?


Bei einem 3 D Film gibt es beides als Vorlage.

purgatorio hat geschrieben:wir hatten da auf dem Cinestrange schon ein interessantes Gespräch zu dem Thema: noch gibt es vereinzelt 35mm-Kopien von diversen Filmen, wie Arkschi aber schon andeutete: das wird stetig weniger! So ein Kino auf High-Tech umzurüsten muss wohl auch eine sehr kostspielige Angelegenheit sein, wesshalb das nicht unbedingt für jeden in Frage kommt - die Liebe zum klassischen Lichtspiel gehört aber auch auf's gleiche Blatt. Ich beobachte die Folgen aber hier auf dem Land ganz massiv: Großes Kinosterben! Publikum, also Geld, erreichst du nur mit Blockbustern, die kommen immer seltener und bald gar nicht mehr auf 35mm. Ergo: umrüsten (kostet Geld) oder pleite. Ein Liebhaberkino, dass irgendwann nur noch alte Filme von alten Rollen zeigen kann, kann sich in ländlichen Regionen mangels Nachfrage (und drei bis vier Nerds im Einzugsgebiet sind nun einmal ein "Mangel") nicht halten. Folglich darf man gut und gerne das Zwangsumrüsten auf digitale Medien als systematischen Kinomord bezeichnen. Und Filme von DVD oder BlauStrahl zeigen ist für den Kinobetreiber ja auch Selbstmord - warum teuer ins Kino gehen, um eine DVD zu sehen? Hier gibt's eine existenzielle Zwickmühle, deren weitere Entwicklung sehr unangenehm für die Kinokultur werden kann - oder sogar bereits ist... mein zwei Cent ;)


Das Kinosterben haben wir schon seit Jahren in Deutschland, es gibt momentan keine 2000 Kinos in Deutschland und wöchentlich gehen die Zahlen nach unten :thdown: :angst:.Dieses 3D soll aber der heilsbringer sein, was ich nicht ganz glauben will.Da werden es die kleinen kultigen Kinos in Zukunft immer schwerer haben und auf dem Land ist da sowieso ebbe angesagt.Dort kann sich sowieso kein Kino halten egal ob groß oder klein, alte Technik oder neue, dort geht nichts mehr.Um nochmals auf 35mm & CO. zu kommen, das ich persönlich in ein Kino gehe um eine DVD oder Blu-Ray schaue wird zu 99% nicht passieren.Das DCP verfahren wird bestimmt noch einige Kinos rasieren aber die 35mm wird nicht komplett verschwinden.Es gibt überall im Land Kinos die darauf bauen werden, da bin ich mir sicher.Selbst wenn sie irgendwann nur altes Zeugs spielen weil es kaum noch neue 35mm geben wird.Die Platte wurde auch totgesagt und nun ist sie wieder "BACK IN ACTION"!
Es lebe das Kino, es lebe die 35mm :prost: .
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Cronenberg » 27. Sep 2012, 03:47

Ich arbeite in einem großen Kino als Vorführer. Wir zeigen mittlerweile auch nur noch DCPs. Wir haben 10 Säle, der größte davon fasst 729 Personen. Die Umrüstung wurde nicht auf einmal vollzogen, sondern nach und nach. Die Summen, die dafür aufgewendet werden müssen, sind für ein Kleines Kino fast nicht machbar. Jetzt haben wir in 4 Sälen noch Analog-Projektoren stehen (von denen man 2 sogar noch "Interlock" bespielen könnte), die verstauben :-(. Ich hab seit ca 4 Monaten überhaupt keinen Film mehr eingelegt (also echt EINGELEGT, statt auf der Maus rum zu drücken). Das ist ein sehr merkwürdiges Gefühl; früher pro Schicht 20 Filme täglich eingelegt, heute monatelang 0. Der einzige analoge war ein türkischer Film mit dt Untertiteln, aber auch die türkischen Kleinverleiher machen mittlerweile (schlechte) DCPs (mit merkwürdigem Format und noch merkwürdigerer Farbcodierung, aber Hauptsache digital). Bei sowas wie Expendables-Doppelnacht mussten wir den ersten Teil als BluRay zeigen, weil der Verleih keine OmU-Kopie hatte, weder DCP noch 35mm. Einige Verleihe wie Disney vernichten die Analogkopien aus Platzgründen!
Ich finde nach wie vor, dass 35mm besser aussieht (natürlich nur, wenn die Kopie gut ist und die Maschine/der Umgang mit dem Film korrekt). An den ruhigen Bildstand, den man digital hat, hab ich mich gewöhnt, das hat was. Aber die Auflösung und Farben gefallen mir digital noch nicht. Einen einzigen Film hab ich bisher gesehen, der sehr gut aussah, das war "Rubbeldiekatz" (leider ein Scheißfilm). Vielleicht wird eine höhere k-Zahl die Lösung sein, aber bisher gefällts mir einfach nicht (und wir haben gutes Equipment).

Ein Digitalfilm ist für mich einfach etwas Totes- klinisch rein, aber leblos. Zudem hat man ja zuhause fast das gleiche, nur kleiner und mit schlechterem Sound. Ich bin mir sicher, dass die Leute in einigen Jahren gar nicht glauben werden können, dass man 2012 für Filme in 2k Eintritt bezahlt hat ("Expendables 2" hat übrigens das schlechteste Bild, was ich seit "Iron Sky" gesehen hab und dort konnte man noch mit dem geringen Budget argumentieren- einfach grauenhaft, wie der aussieht).

Langfristig hab ich Angst, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch 48 Bilder/Sekunde, wie ja demnächst erstmals bei "Der Hobbit", ändern werden. Im schlimmsten Fall ist man das dann so gewöhnt, dass einem die 24 Bilder ruckelig erscheinen. Das ist natürlich kein Grund, die Technologie nicht weiter zu verbessern, das seh ich schon ein, Fortschritt braucht immer auch Umgewöhnung, aber die ganzen alten, liebgewonnenen Schätzchen irgendwann nicht mehr genießen zu können, weils einem abgehackt vorkommt, ist für mich schon eine Horrorvorstellung.
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Cronenberg » 27. Sep 2012, 03:55

Die Besucherzahlen bei 3D-Filmen sind übrigens bei uns schon wieder rückläufig :kicher:
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Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon purgatorio » 27. Sep 2012, 05:09

Cronenberg hat geschrieben:Die Besucherzahlen bei 3D-Filmen sind übrigens bei uns schon wieder rückläufig :kicher:


ich hab noch nie einen 3D-Film in 3D gesehen :mrgreen: und ich vermute ganz stark, dass das auch so bleiben wird :nick:
übrigens ein sehr informativer Einblick, Herr Cronenberg. Danke! Kann man den Verleih nicht am Vernichten der 35mm-Kopien durch Abtritt dieser an Privatarchive hindern? Ist doch Unsinn die teuren Dinger im Ofen zu versenken :(
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