35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Länderübergreifendes, allgemeines Forum zum Thema Film

Moderator: jogiwan

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Onkel Joe » 27. Sep 2012, 08:10

Cronenberg hat geschrieben:Ich finde nach wie vor, dass 35mm besser aussieht (natürlich nur, wenn die Kopie gut ist und die Maschine/der Umgang mit dem Film korrekt). Ein Digitalfilm ist für mich einfach etwas Totes- klinisch rein, aber leblos.


Eine 35mm Film strahlt wärme aus und wenn man dann noch Fan ist gibt einem alleine nur das ein tolles gefühl.
Digital ist des Cineasten Tod :| aber ich glaube fest daran das es weiterhin kleine Kinos geben wird die Klassiker als echtes 35mm zeigen.
Bild
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
Benutzeravatar
Onkel Joe
Forum Admin
 
Beiträge: 13666
Registriert: 11.2009
Geschlecht: männlich

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon DrDjangoMD » 27. Sep 2012, 08:48

Onkel Joe hat geschrieben:
Cronenberg hat geschrieben:Ich finde nach wie vor, dass 35mm besser aussieht (natürlich nur, wenn die Kopie gut ist und die Maschine/der Umgang mit dem Film korrekt). Ein Digitalfilm ist für mich einfach etwas Totes- klinisch rein, aber leblos.


Eine 35mm Film strahlt wärme aus und wenn man dann noch Fan ist gibt einem alleine nur das ein tolles gefühl.
Digital ist des Cineasten Tod :| aber ich glaube fest daran das es weiterhin kleine Kinos geben wird die Klassiker als echtes 35mm zeigen.


Bin ganz eurer Meinung. Digital wirkt viel zu perfekt und viel zu sauber und damit unrealistischer und seltsamer als 35mm. 100% Logisch ist die Aussage, die ich gerade getätigt habe vielleicht nicht, aber es ist so; plus es wirkt einfach befriedigender, wenn man weiß, dass man im Kino eine andere Technik bekommt als genau diese, die man auch zu Hause haben kann.
Auch wenn die kleinen Kinos nacheinander verschwinden, ganz aussterben werden sie sicher nicht. Es wird nicht mehr soviele geben, aber es wird welche geben, die noch von Filmrollen ausstrahlen, erstens weil sich ein (zumindest kleines) Publikum, welches diese präferiert immer finden wird, und zweitens weil Nostalgie bezüglich Filmen heutzutage sowieso groß geschrieben wird, sonst würden wir nicht soviele Verbeugungen vor dem alten Grindhousekinos bekommen. Nicht, dass es diese immer richtig machen würden, aber Ansätze sind genug da, um mich davon zu überzeugen, dass momentan große Tendenzen hin zu älteren Formen des Kinos existieren.
Benutzeravatar
DrDjangoMD
 
Beiträge: 4251
Registriert: 05.2011
Wohnort: Wien, Österreich
Geschlecht: männlich

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Arkadin » 27. Sep 2012, 08:57

Erst einmal Danke, Cronenberg, für den aufschlußreichen Blick hinter die Kulissen.

Klar, Klassikern wird es weiterhin auf 35mm geben. Nur wer, ausser den Kommunalkinos, zeigt noch Filme, die älter als zwei Jahre sind? Für zukünftige Filme wird es kein 35mm mehr geben - allein schon, weil nun alle Kinos gezwungen werden auf digital umzurüsten, wenn sie aktuelle Filme ziegen wollen. Diese Kinos werden nicht nur ihre Projektoren verkaufen/-schrotten, sondern bald wird es nur noch wenige Vorführer geben, die sich mit der alten Technik noch auskennen. Das hat zwei Dinge zur Folge: 1. Kein Studio wird noch 35mm Kopien anfertigen, da die nur noch in sehr, sehr wenigen Kinos abgespielt werden können (also keinen Profit bringen) und 2. Wird der ehrenwerte Beruf des Filmvorführers aussterben und noch ein paar Leute mehr auf der Strasse stehen.

Ich sehe das in meiner Heimatstadt. Dort wurden die drei führenden Programmkinos komplett auf digital umgestellt, wodurch nicht mehr so viel Filmvorführer gebraucht werden (wenn ich das richtig verstanden habe, kann bei vorhandener Digitalisierung auch das Mädel an der Kasse den Film per Knopfdruck starten). Zumindest einer ist jetzt zeitweise beim Kommunalkino untergekommen, weil die noch 35mm/16mm zeigen.

Also kurzum: 35mm wird - wie Vinyl - weiterleben, aber nur in kleinen Nischenkinos, die sich auf Klassiker spezialisiert haben oder in kommunalen Kinos mit staatlichem Bildungsauftrag. Darum unterstützt diese Institutionen bitte.
Früher war mehr Lametta
***************************************************************************************
Filmforum Bremen
Weird Xperience
Benutzeravatar
Arkadin
 
Beiträge: 7380
Registriert: 04.2010
Wohnort: Bremen
Geschlecht: männlich

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon dr. freudstein » 27. Sep 2012, 09:15

Hamburg hat ja zum Glück noch viele kleine subventionierte Kinos, die auch weiterhin Celluloid zeigen und genau diese Kinos werde ich unterstützen. Auf Digital habe ich keinen Bock, dann kann ich mir auch einen Beamer kaufen und mir das mit lecker Essen und Trinken und Rauchen auch zu Hause gemütlich machen.
Scheiß Plastikgesellschaft. Aber ich gucke ja eh nicht gerne neuere Filme, zumindest auf die meisten kann ich verzichten und insbesondere, wenn dann nicht mal echtes Kinofeeling aufkommt. Hach, das sanftmütige wohlklingende rattern des Projektors im Hintergrund.... :knutsch:
dr. freudstein
 
Beiträge: 14495
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Onkel Joe » 27. Sep 2012, 11:21

Scheiße Mann was sind das für Zeiten gewesen, mein lieblingskino war im kleinsten Saal beflastert mit Plakaten von Filme aus den 70er und 80er und aufeinmal stehste vor verschlossenen Türen :( .Traurig, viele erinnerungen gehen dahin.Der erste Kinobesuch, das erste Knutschen und viele, viele tolle Stunden.

Soetwas vergißt man nie, das kann man mit heute gar nicht vergleichen.Deswegen denke ich werden kleine Kinos weiterleben und weiterhin 35mm zeigen weil es solche Menschen wie uns mit erinnerungen an anderen Zeiten noch gibt ;).Die Riffs z.b. werden solche eine Reise in Vergangenheit geben die man NIE mehr vergißt.
Ein HOCH auf Trash und seine Bande :prost: .
Bild
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
Benutzeravatar
Onkel Joe
Forum Admin
 
Beiträge: 13666
Registriert: 11.2009
Geschlecht: männlich

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon ugo-piazza » 27. Sep 2012, 11:29

Arkadin hat geschrieben:Also kurzum: 35mm wird - wie Vinyl - weiterleben, aber nur in kleinen Nischenkinos, die sich auf Klassiker spezialisiert haben oder in kommunalen Kinos mit staatlichem Bildungsauftrag. Darum unterstützt diese Institutionen bitte.


In Großstädten/Ballungsräumen wird eine kleine Nische bleiben, ja. Ansonsten ist die klassische Filmrolle dem Untergang geweiht.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


Bild
Benutzeravatar
ugo-piazza
 
Beiträge: 7978
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon purgatorio » 27. Sep 2012, 15:49

ugo-piazza hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:Also kurzum: 35mm wird - wie Vinyl - weiterleben, aber nur in kleinen Nischenkinos, die sich auf Klassiker spezialisiert haben oder in kommunalen Kinos mit staatlichem Bildungsauftrag. Darum unterstützt diese Institutionen bitte.


In Großstädten/Ballungsräumen wird eine kleine Nische bleiben, ja. Ansonsten ist die klassische Filmrolle dem Untergang geweiht.


So sieht's aus! Man kann sich in den Ballungszentren gern noch etwas sicher fühlen, aber mit etwas Logik betrachtet kann die Feststellung, dass die Filmrolle und das kleine Kino an der Ecke im Sterben liegen, nicht einfach wegignoriert werden. Hier auf dem Land wird's in absehbarer Zeit keine Kinos mehr geben, lediglich in den größeren Städten, wo auf digital umgerüstet wurde. Das Liebhaberpublikum gibt's hier sicherlich auch, aber eben nicht in Dimensionen, die ein Kino am Leben halten können. Kulturell betrachtet ist das natürlich eine Tragödie :(
Bild
Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
- nicht nach Mitternacht füttern
- kein Wasser
- kein Sonnenlicht
Benutzeravatar
purgatorio
 
Beiträge: 14263
Registriert: 04.2011
Wohnort: Dresden
Geschlecht: männlich

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Blap » 27. Sep 2012, 16:22

Als einer der älteren Forianer bin ich mit altem Dorfkino und abgenudelten Kopien aufgewachsen. Ja, ich erinnere mich gern an diese Zeit, möchte sie nicht missen.

"Digital" nicht das Ende der Knuffigkeit, ganz im Gegenteil, denn ohne rechtzeitige Digitalisierung löst sich das alte Material nach und nach in Wohlgefallen auf. Schlagworte wie "steril" sind unangemessen, das ist nicht das Problem digitaler Datenträger, es ist ein Problem (teils) unangemessener Aufbereitung des Materials (glücklicherweise gibt es viele ansprechend restaurierte Veröffentlichungen). Mit der BD liegt nun endlich ein geeignetes Medium vor, trotz weiterhin starker Kompression lässt sich für 99% Prozent der Anwendungen ein ordentliches Ergebnis erzielen. Weitere Vergrösserung des Speicherplatzes/höhere Datenraten werden auch die letzten Reste digitaler Artefakte beseitigen. Wer unbedingt analoge Defekte benötigt, kann diese mit geeigneter Software simulieren.

Das "Kinosterben" hat IMHO mit veränderten Konsumgewohnheiten zu tun. Der Stoff ist sofort im Netz verfügbar, es wird "schwarz geglotzt" bis die Schwarte kracht, ein Unrechtsbewusstsein ist oft nichtmal im Ansatz vorhanden. Andererseits sind die sechziger, siebziger und achtziger Jahre eben vorbei, die Filmlandschaft sieht in der heutigen Zeit völlig anders aus. Dank digitaler Speichermedien und geeigneter Heimkinoausstattung kann ich mich jede Nacht in meiner eigenen Zeit-/Raumblase zurück in diese Zeit schiessen. Ich geniesse das sehr, vor 35 Jahren war nicht mehr als der wöchentliche Besuch des alten Kinos drin, später war VHS eine denkbar ungeeignete Krücke zwecks Erzeugung von "Kinofeeling". Es mag nicht ganz den Kern des Threads treffen, doch ich fühle mich inmitten meiner eigenen Hausvideothek verdammt wohl. Freilich wünsche ich mir den Erhalt kleiner Nischenkinos, denn die heutigen Kinofabriken machen mich nicht wirklich an. Aber das ist nicht die Schuld der Digitalisierung, die aus meiner Sicht ein Segen für den Filmfreund ist.
Das Blap™ behandelt Filme wie Frauen
Benutzeravatar
Blap
 
Beiträge: 4023
Registriert: 12.2009
Geschlecht: nicht angegeben

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon Cronenberg » 28. Sep 2012, 02:55

Da kann ich Dir nur zustimmen, Blap; im Heimbereich ist die Digitalisierung ein Segen, gerade deshalb muss sich im Kino was tun, um wieder einen Vorsprung zu haben. Klar kann sich ein Normalo in den seltensten Fällen einen Projektor für 40.000 € in die Bude stellen, bzw den Stromverbrauch den wir so haben, bezahlen. Aber nur die Größe ist in diesem Fall auch nicht das Superargument ( :kicher: ). Die Entwicklung geht rasant voran und ich bin mir sicher, dass die Quali von 35mm in den Schatten gestellt werden wird, es tut mir nur in der Seele weh, wenn ich sehe, wie immer noch gute Projektoren verstauben/verramscht werden, und der Ottonormalkunde sich momentan sogar oft mit einem schlechteren Bild zufrieden gibt, weil er denkt, digital wäre im Kinobereich genau so ein Qualitätssprung, wie im Fernsehbereich.

Aber vielleicht seh ich da auch nur so schwarz, weil in dem Kino, in dem ich arbeite, nur aktueller Kommerz-Einheitsbrei gezeigt wird. Wenn jede Woche die schönsten Fulci- und Bava-Restaurierungen laufen würden, wär mir digital recht :mrgreen: .
Benutzeravatar
Cronenberg
 
Beiträge: 264
Registriert: 07.2012
Geschlecht: nicht angegeben

Re: 35mm vs. DCP - Kinotechnik einst und jetzt

Beitragvon jogiwan » 1. Okt 2012, 10:53

it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
 
Beiträge: 24762
Registriert: 12.2009
Wohnort: graz / austria
Geschlecht: männlich

VorherigeNächste

Zurück zu "Film allgemein"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Yahoo [Bot] und 5 Gäste

web tracker