Tod auf dem Nil - John Guillermin (1978)

Moderator: jogiwan

Tod auf dem Nil - John Guillermin (1978)

Beitragvon horror1966 » 4. Jan 2014, 20:24

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Tod auf dem Nil
(Death on the Nile)
mit Peter Ustinov, Bette Davis, David Niven, Olivia Hussey, Mia Farrow, Simon MacCorkindale, George Kennedy, Maggie Smith, Jane Birkin, Jack Warden, Jon Finch, Angela Lansbury, Lois Chiles, Harry Andrews, Sam Wanamaker
Regie: John Guillermin
Drehbuch: Anthony Shaffer / Agatha Christie
Kamera: Jack Cardiff
Musik: Nino Rota
FSK 12
Großbritannien / 1978

Als die amerikanische Millionenerbin Linnet Ridgeway den armen Schlucker Simon Doyle heiratet, entsetzt sie nicht nur den Geldadel. Linnet hat sich durch diesen Schritt den Hass einer ganzen Horde von Neidern zugezogen, die sich alle an Bord des Luxusdampfers eingefunden haben, um das frisch vermählte Paar auf seiner Hochzeitsreise nilabwärts zu begleiten. Es kommt wie es kommen muss - eines Tages ist Linnet tot, erschossen. Nun ist der Spürsinn Hercule Poirots gefragt, dem die schwere Aufgabe zufällt, unter all den Verdächtigen den wahren Täter herauszufinden.


Vier Jahre nach dem "Mord im Orient Express" kam nun die nächste Verfilmung eines Romans von Agatha Christie heraus, in der einmal mehr der belgische Detektiv Hercule Poirot einen äußerst kniffligen Fall aufklären muss. Im Gegensatz zum Vorgänger übernahm hier Sir Peter Ustinov die Rolle des Schnüfflers und seiner unnachahmlichen Interpretation der Figur ist es wohl auch zu verdanken, das ihr noch mehr Charme verliehen wurde. Auch das Werk von John Guillermin (Flammendes Inferno, King Kong 1976) ist gespickt mit hochkarätigen Schauspielern, wobei in vorliegendem Fall auch die einzelnen Charaktere weitaus besser zur Geltung kommen, als es noch im Vorgänger der Fall war. Mit "Tod auf dem Nil" liegt meiner Meinung nach der absolut perfekte Krimi vor, denn besser hätte man ein vor Spannung strotzendes Szenario wohl kaum in Szene setzen könne. Die Zutaten sind allesamt perfekt aufeinander abgestimmt und ergeben am Ende einen Gesamteindruck, der einfach nur als brillant bezeichnet werden kann. Dabei hält sich Guillermin mit der Einführung in die Geschehnisse nicht zu lange auf, man bekommt zwar eine kleine für den Mord wichtige Hintergrund-Informationen und auch die Einführung der für die Geschichte wichtigen Figuren fällt durchaus ausführlich aus, jedoch streckt sich das Ganze keinesfalls so sehr, wie es noch im Werk von Sydney Lumet zu beobachten war. Im Prinzip hat man sich hier an das Erfolgsrezept gehalten, doch einige nicht unwesentliche Änderungen in der Erzählweise verleihen der Story eine Menge Drive und Esprit, zudem beinhalten die Geschehnisse eine ordentliche Portion des bissigen britischen Humors, der an diversen Stellen fast schon aus allen Poren dringt. Hauptsächlich auf mehrere Anspielungen der britischen Kolonialmacht, aber auch auf die Figur des Hercule Poirot bezogen ergeben sich so etliche fast schon skurrile Momente, ohne das man die Geschichte aber auch nur annähernd lächerlich darstellen würde. Vielmehr verleiht das dem Ganzen extrem viel Charme und sorgt trotz aller Ernsthaftigkeit für ein äußerst beschwingtes Film-Vergnügen, das trotz einer Laufzeit von immerhin 134 Minuten keinerlei Längen beinhaltet.

Der unvermeidliche Höhepunkt der Story erfolgt wie immer im letzten Drittel des Filmes, denn es ist einfach immer wieder eine absolute Augenweide, wenn der belgische Detektiv damit beginnt, den unzähligen Verdächtigen die Auflösung des Rätsels zu präsentieren. Doch auch bis dahin verläuft alles unglaublich spannend-und sehr atmosphärisch, denn obwohl auch in vorliegendem Fall mit dem Schauplatz eines Schiffes einmal mehr ein räumlich begrenzter Schauplatz vorliegt, bietet man dem Zuschauer durch diverse Zusätze weitaus mehr Kurzweil. Diverse Landausflüge präsentieren zum Beispiel einige wunderbare Impressionen eines Landes, das allein schon aufgrund seiner Geschichte eine unglaublich starke Faszination ausübt. Doch nicht nur visuell offenbart sich "Tod auf dem Nil" als grandioser Klassiker, das inszenierte Rätselspiel lässt nämlich noch einmal eine viel höhere Qualität erkennen, als es bei "Mord im Orient Express" der Fall war. Natürlich wird der Zuschauer auch hier immer wieder mit falschen Spuren versorgt die ihn in die Irre führen sollen und auch die Anzahl der Verdächtigen ist sehr ordentlich geraten, zudem auch wirklich jeder ein Motiv für den Mord hätte. Anders als im Vorgänger werden in dieser Geschichte aber noch zwei weitere Personen ins Jenseits befördert, bevor Poirot endlich die etlichen Verwirrungen auflösen kann und damit eine fast unglaubliche Lösung des mysteriösen Geschehens präsentiert. Vor allem wenn man diesen wunderbaren Film das erste Mal sieht dürfte man nur schwer auf eine Antwort kommen und zum Ende hin mit geöffnetem Mund staunend verfolgen, wie der beleibte Belgier mit einer absolut faszinierenden Logik das Netz aus Lügen und Intrigen zerstören kann. Doch auch nach mehrmaliger Ansicht findet man immer wieder neue Anhaltspunkte, die einem zuvor eventuell nicht aufgefallen sind. So kehrt niemals Langeweile ein und "Tod auf dem Nil" dürfte ganz eindeutig zu den wirklich zeitlosen Klassikern zählen, die man sich in regelmäßigen Abständen gern anschaut.

Hier liegt ganz eindeutig eine Geschichte vor, der das Rad der Zeit nie etwas anhaben kann und der dramaturgische Aufbau der Fälle von Poirot ist immer wieder so dermaßen faszinierend, das man nicht genug davon bekommen hat. War das Werk von Sydney Lumet schon zu den erstklassigen Vertretern seiner Art zu zählen, so hat John Guillermin noch einmal eine Schippe drauf gelegt und den in meinen Augen perfekten Krimi mit Mystery-Touch geschaffen. Zudem wird der Zuschauer mit teilweise grandiosen darstellerischen Leistungen konfrontiert und obwohl Poirot natürlich im Mittelpunkt steht, kommen dieses Mal auch die anderen Akteure dazu, sich in ihren Rollen wunderbar entfalten zu können. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle nur die Performance einer Angela Lansbury, die als egozentrische-und ständig betrunkene Autorin eine Kostprobe ihrer Schauspielkunst zum Besten gibt und damit nicht unwesentlich den heiteren Unterton der Ereignisse hervorhebt. Und hier ist Guillermin das eigentliche Meisterstück gelungen, denn obwohl seine Geschichte mit jeder Menge Humor angereichert wurde, äußerst sich dieser zu keiner Zeit in einer überzogenen-oder gar lächerlichen Form, sondern ist absolut perfekt in die Abläufe integriert worden. Drei Morde, eine faszinierende Geschichte, jede Menge Hochspannung und eine nicht vorhersehbare Lösung sind die absoluten Highligths in einem Film, der zudem auch noch mit einer Darsteller-Riege ausgestattet ist, die man kaum besser hätte zusammenstellen können. Legenden der Leinwand wie beispielsweise David Niven oder die große Bette Davis sind dabei ebenso zu erwähnen wie eine brillante Mia Farrow und selbst die etwas kleineren Rollen sind perfekt besetzt, so das es in diesem Bezug überhaupt nichts zu bemängeln gibt.

Im Endeffekt kann man das jedoch auf den gesamten Film beziehen, denn mir fällt beim besten Willen kein einziger negativer Kritikpunkt ein, denn man hier erwähnen könnte. Litt "Mord im Orient Express" trotz seiner ohne Frage vorhandenen Qualität ein wenig an der Vorhersehbarkeit der Ereignisse, so tritt dieser Aspekt hier überhaupt nicht in Erscheinung. Es war gut das man diverse Veränderungen vorgenommen hat, ohne dabei den eigentlichen Geschichtsaufbau vollkommen zu verändern. Die Verpflichtung eines Peter Ustinov war dabei ein absoluter Glücksfall, denn auch wenn Albert Finney in der Rolle des Hercule Poirot absolut überzeugend agierte, so kommt er keinesfalls an den Charme und die Ausstrahlung seines Nachfolgers heran. Die etwas temporeichere Erzählweise der Geschichte und die leichte Flexibilität der Schauplätze sind definitiv als weiteres Plus anzusehen, doch der wohl größte Unterschied dürfte durch die humoristische Untermalung der gesamten Chose zu erkennen sein, die bei "Mord im Orient Express" im Prinzip vollkommen fehlte. Wie dem aber auch sei, die Meinungen darüber werden sicherlich auseinander gehen, doch in meinen Augen liegt mit "Tod auf dem Nil" ein grandioses Meisterwerk des Krimis vor, von dem sich so manch neuerer Vertreter mehr als nur eine dicke Scheibe abschneiden könnte. Filme mit dieser Qualität und auf diesem hohen Niveau bekommt man in der heutigen Zeit leider viel zu selten zu sehen, so das einem kaum etwas anderes übrig bleibt, als immer wieder auf diese zeitlosen Klassiker zurück zu greifen, an denen die Zeit scheinbar spurlos vorüber gezogen ist.


Fazit:


"Tod auf dem Nil" ist nicht nur auf das Genre des Krimis bezogen ein Meisterwerk und offenbart dem Betrachter immer wieder absolut brillante, spannende und extrem kurzweilige Unterhaltung. Die Geschichte übt eine unglaublich starke Faszination auf einen aus und macht einen ganz automatisch selbst zum Hobby-Detektiv, wobei man die logischen Gedankengänge eines Hercule Poirot zumeist erst weitaus später als er selbst nachvollziehen kann.


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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon dr. freudstein » 4. Jan 2014, 21:14

Klasse beschrieben. Der war tatsächlich noch nicht eingetragen, obwohl ich den während der Zeit in diesem Forum schon 3 x gesehen habe :o Das ist ja in deinem Forum so geil mit der Datenbank, aber hier mittlerweile unmöglich. Ja ich liebe diesen Klassiker. So sonnig und trotzdem spannend, aber auch herrlich versehen mit der Gesellschaftsetikette aus der sogenannten besseren Gesellschaft. Größtenteils auf dem Schiff spielen und trotzdem bekommt man noch einige antike architektonische Wunder zu sehen. Auch wenn man die Auflösung kennt, ist es doch immer wieder spannend, den Detektiv bei seiner Arbeit zuzuschauen. Ein Klassiker der Filmgeschichte, der einfach unvergessen bleibt und zu den besten Filmen aller Zeiten zu zählen ist.
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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon untot » 7. Jan 2014, 15:56

Hab den Film als Kind zu ersten Mal gesehen und ich war einfach fasziniert, das bin ich heute immer noch!
Traumhafte Kulissen, eine tolle Besetzung und ein schön verschachtelter Mordfall, herrlich.
Hier kann ich sogar Mia Farrow verschmerzen, die Frau find ich einfach furchtbar, die macht mir Angst! :angst:

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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon horror1966 » 7. Jan 2014, 17:25

untot hat geschrieben:Hier kann ich sogar Mia Farrow verschmerzen, die Frau find ich einfach furchtbar, die macht mir Angst! :angst:

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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon jogiwan » 7. Jan 2014, 17:28

:lol: :lol: :lol:
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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon untot » 7. Jan 2014, 18:35

horror1966 hat geschrieben:
untot hat geschrieben:Hier kann ich sogar Mia Farrow verschmerzen, die Frau find ich einfach furchtbar, die macht mir Angst! :angst:

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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon horror1966 » 7. Jan 2014, 18:51

untot hat geschrieben:
horror1966 hat geschrieben:
untot hat geschrieben:Hier kann ich sogar Mia Farrow verschmerzen, die Frau find ich einfach furchtbar, die macht mir Angst! :angst:

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Aber du machst mir immer Angst. :cry:
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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon untot » 7. Jan 2014, 18:54

Musste doch vor mir nicht haben Dummchen! :troest: :engel: :twisted: Harhar :twisted: :kicher:
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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin

Beitragvon dr. freudstein » 7. Jan 2014, 19:01

ähem

:offtopic:

:nixda:
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Re: Tod auf dem Nil - John Guillermin (1978)

Beitragvon jogiwan » 13. Jan 2015, 07:32

Wunderbare Verfilmung des Agatha Christie-Romans, der in allen Belangen verschwenderisch ausgefallen ist. Das fängt bei der Laufzeit an, geht bei den exotischen Kulissen weiter und hört bei den großen Namen auf, die in den zahlreichen Nebenrollen von „Der Tod auf dem Nil“ zu sehen sind. Der Streifen einfach exzellent ausgefallen und glänzt mit skurrilen Figuren, pointierten Dialogen und trockenem Witz, der den Streifen auch zu einem Genuss macht, selbst wenn man ihn schon mehrfach gesehen hat und die Auflösung des trickreichen Kriminalfalls keine Überraschung mehr darstellt. Die sogenannte feine Gesellschaft entpuppt sich wieder einmal als Hort der Niederträchtigkeit und Hercule Poirot, der französische ähm… belgische Privatdetektiv als Mensch mit besonderer Auffassungsgabe und Menschenkenntnis, dem auch kein noch so kleines Detail verborgen bleibt, dass für die finale Auflösung vor versammelter Mannschaft inklusive Knalleffekt von Nöten ist. Für einen Streifen mit FSK-12-Freigabe ist „Der Tod auf dem Nil“ jedenfalls überraschend zeigefreudig, aber ansonsten gibt es an diesem Werk, das mir schon seit vielen Jahren ausnehmend gut gefällt, auch gar nichts zu meckern.
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