The Deadly Bees - Freddie Francis (1967)

Moderator: jogiwan

The Deadly Bees - Freddie Francis (1967)

Beitragvon Blap » 8. Okt 2010, 23:02

The Deadly Bees (Großbritannien 1967, Originaltitel: The Deadly Bees)

Bei Dreharbeiten in einem Fernsehstudio, bricht die Popsängerin Vicky Robbins (Suzanna Leigh) plötzlich zusammen. Der behandelnde Arzt besteht nachhaltig darauf, die junge Frau für ein paar Wochen aus dem Verkehr zu ziehen. Sehr zum Ärger ihres Managers, macht sie sich auf den Weg in die ärztlich verordnete Auszeit. Ralph Hargrove (Guy Doleman) und seine Gattin Mary (Catherine Finn), besitzen ein hübsches Anwesen auf einer beschaulichen Insel, dort ist gerade keine Saison, der ideale Ort zum Abschalten. Vicky wird freundlich begrüsst und aufgenommen, sie freut sich auf ruhige und erholsame Tage. Ralph frönt nebenher der Imkerei, ebenso wie der Insulaner Mr. Manfred (Frank Finlay). Die beiden Männer sind sich nicht besonders grün, nach und nach erkennt Vicky weitere Konflikte, die Ehe der Hargroves scheint zerrüttet. Als es zu Todesfällen durch Bienenstiche kommt, bittet Mr. Manfred die beunruhigte Vicky um Hilfe, sie soll Ralph Hargroves ausspionieren. Der erhoffte Erholungstrip entwickelt sich mehr und mehr zum Albtraum, die Sängerin muss schliesslich gar um ihr eigenes Leben fürchten. Welch teuflisches Spiel treibt Hargroves, wieso verhalten sich die Bienen so überaus aggressiv...???

In Deutschland lief diese Amicus Produktion unter dem Titel "Die tödlichen Bienen". Es kommt eher selten vor, dass man Titel derartig genau in die deutsche Sprache übersetzt, doch keine Regel ohne die berühmte Ausnahme. Regie führte der geschätzte Freddie Francis, der auch für die Brit-Horror Könige Hammer aktiv war. Schöne Gruselperlen wie "The Evil of Frankenstein" (Frankensteins Ungeheuer, 1964) und "Dracula has risen from the Grave" (Draculas Rückkehr, 1968), gehen auf das Hammer Konto von Freddie Francis. Für den wichtigsten Mitbewerber Amicus, war der Regisseur diverse Male im Einsatz. Hier ein paar Beispiele:

• Dr. Terror's House of Horrors (Die Todeskarten des Dr. Schreck, 1964)
• Torture Garden (Der Foltergarten des Dr. Diabolo, 1967)
• Tales from the Crypt (Geschichten aus der Gruft, 1972)

Sogar eine Edgar Wallace Verfilmung entstand unter der künstlerischen Leitung von Freddie Francis, der gelungene Beitrag "Das Verrätertor". Damit wäre eine Brücke zu "The Deadly Bees" geschlagen. Wer bei Amicus in erster Linie an Horror denkt, wird in diesem Fall mit einem Kriminalfilm konfrontiert, der mit einer schmackhaften Dosis Insektenhorror angereichert wurde. Trotz der mehrfachen Bienenattacken, dominiert hier eindeutig eine ansprechende Kriminalfilmatmosphäre. Zu Beginn stürzen wir in die wilden sechziger Jahre, erleben die Hauptdarstellerin als kleines Zahnrad im gnadenlosen Mahlwerk namens Showbusiness. Auf der "Insel" herrscht zunächst eine romatisch-ländliche Stimmung, die von Kameramann John Wilcox in schönen Bildern eingefangen wird. Die sorgfältige Inszenierung gönnt dem Zuschauer genussvolle Einblicke. Geschickt und leise, breitet sich nach und nach eine unterschwellige Bedrohung aus. Der Umgang der Charaktere miteinander wird harscher, zunehmend greifen Angst und Mißtrauen um sich, übernehmen schliesslich das Ruder. Natürlich wirken die Angriffe der Bienen tricktechnisch ein wenig historisch, ich bevorzuge jedoch die Bezeichnungen liebenswert und knuffig.

Suzanna Leigh ist eine nahezu perfekte Sympathieträgerin. Sie ist hübsch und aufgeweckt, dezent sexy, in den jeweils richtigen Dosierungen ängstlich bis mutig, bei Bedarf zielstrebig. Ihre Karriere währte nicht allzu lange, doch sie wirkte in ein paar wirklich schönen Filmen mit. "Heisse Katzen" (1966), "Bestien lauern vor Caracas" (1968) und "Nur Vampire küssen blutig" (1971). Diese Titel sollten als Anhaltspunkte reichen, ich möchte keinen dieser Filme in meiner Sammlung missen. Guy Doleman gibt den knarzigen Gutsherrn, der sich mit seiner Filmgattin Catherine Finn grantige Auseinandersetzungen liefert. Frank Finlay nimmt man den leicht schrulligen Typen stets ab. Finlay hat sowieso einen kleinen Platz in meinem Herzen sicher, ich liebe die Musketier Filme von Richard Lester sehr. Dort sehen wir Frank Finlay in der Rolle des Genussmenschen Porthos. Eine gewisse Katy Wild sorgt für zusätzliche Attraktivität, obwohl sie klar im Schatten von Suzanna Leigh bleibt. Wild hat hier den markantesten Nebendarsteller der britischen Insel zum Filmvater. Den legendären, allseits verehrten Michael Ripper, der massive Fels in der Brandung des Schreckens, der Mann für alle Fälle.

"The Deadly Bees" überzeugt in allen relevanten Belangen. Die Schauspieler passen prima in ihre Rollen, die Kamera fängt ansprechende Bilder ein, die Inszenierung bewegt sich abseits hektischer Schnitt- und Tempomassaker. Die Atmosphäre nimmt den geneigten Zuschauer gefangen, für Spannung ist ebenso gesorgt. Ein Amicus Perlchen zum knuddeln und gern haben. Leider gibt es bislang keine DVD-Auswertung für den deutschen Markt. Daher verweise ich auf die US-Scheibe von Legend Films. Der Film ist einzeln zu bekommen, doch wer sich für das Boxset mit der Bezeichnung "The Cult Horror Collection" entscheidet, bekommt weiterhin folgende Titel ins Haus geliefert:

• The Skull (Der Schädel des Marquis de Sade, 1965. Eine weitere Amicus Produktion, ebenfalls von Freddie Francis inszeniert. Mit Peter Cushing!)
• The Man who could cheat Death (Den Tod überlistet, 1959. Eine Hammer Produktion. Regie führte Terence Fisher, in der Hauptrolle sehen wir Anton Diffring, Christopher Lee ist auch mit von der Partie!)

Diese Box gibt es momentan z.B. bei http://www.axelmusic.com für schlappe 9.99€! Die drei enthaltenen DVDs sind identisch mit den Einzelveröffentlichungen, teilen sich aber eine etwas breitere Amaray(Clone) Hülle. "The Deadly Bees" ist den geforderten Preis schon bereits für sich allein betrachtet locker wert. Zwar bietet die Scheibe keine Boni, doch der Film liegt in schöner Qualität vor.

Guter Stoff, nahezu sehr guter Stoff = 7,5/10

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Re: The Deadly Bees - Freddie Francis

Beitragvon buxtebrawler » 23. Nov 2017, 18:12

„Hier werden Sie keine Gelegenheit zum Reiten haben!“

Freddie Francis, wohlbekannter britischer Genre-Regisseur, war 1967 richtig fleißig: Neben dem „Amicus“-Episodengrusler „Der Foltergarten des Dr. Diabolo“ und der Science-Fiction-Gurke „Sie kamen von jenseits des Weltraums“ drehte er, ebenfalls für die „Amicus“-Produktion, den mutmaßlich ersten Bienenhorrorfilm: „Die tödlichen Bienen“, dem der (mir unbekannte) Roman „A Taste for Honey“ des Schriftstellers H.F. Heard zugrunde liegt. Um einen reinrassigen Beitrag zum Tierhorror-Subgenre handelt es sich jedoch nicht, vielmehr um eine Mischung mit Elementen des klassischen Kriminalfilms.

„Hier gibt‘s keine kreischenden Teenager!“

Sängerin Vicki Robbins (Suzanna Leigh, „Bestien lauern vor Caracas“) hat einen Zusammenbruch erlitten, weshalb ihr Arzt ihr eindrücklich eine Auszeit verordnet. Ihr Manager ist zwar dagegen, doch das hält die junge Frau nicht davon ab, die Pension auf dem Anwesen Ralph Hargroves (Guy Doleman, „Bei Anruf Mord“) und seiner Frau Mary (Catherine Finn, „Der Teufel tanzt um Mitternacht“) aufzusuchen, das sich auf einer idyllischen Insel befindet. Da sie außerhalb der Feriensaison anreist, herrschen perfekte Bedingungen für nachhaltige Erholung. Ralph betätigt sich zudem als Imker, sein Nachbar Mr. Manfred (Frank Finlay, „Teufelskreis Y“) tut es ihm gleich. Zwischen beiden schwelt jedoch schon seit langem ein Konflikt. Vicki beobachtet seltsame Verletzungen an einem Pferd und kurz darauf wird der Hund der Hargroves von Bienen tödlich gestochen. Es dauert nicht mehr lang, bis das erste Menschenopfer zu beklagen ist. Mr. Manfred hegt den Verdacht, dass Hargrove Killerbienen züchte und bittet Vicki um Mithilfe – sie soll dazu beitragen, den Ereignissen auf den Grund zu gehen, gerät dadurch jedoch selbst in Gefahr…

Der Prolog zeigt, wie einem Ministerium schriftlich mit Todesbienen gedroht, diese Drohung jedoch nicht ernstgenommen wird. Einem TV-Auftritt der „Birds“, was eine Anspielung auf Hitchcocks gleichnamigen genredefinierenden Tierhorrorfilm sein dürfte, folgt Vickis Playback-Auftritt, während dessen sie ihren Zusammenbruch erleidet. Die Insel schließlich scheint zunächst das perfekte Kontrastprogramm zu bieten, betont idyllisch führt Francis sie ein. Erste Misstöne werden laut, wenn Vicki vor Mr. Manfred gewarnt wird. Bald schon geht es Knall auf Fall und nach Familienhund Tess‘ Tod setzt Mrs. Hargrove Mr. Manfreds Bienenstöcke in Brand. Leider kann niemand die Insel verlassen, das nächste Boot fährt erst nächste Woche. Aus der anfänglichen erholsamen Idylle wird bedrohliche Isolation.

Als Mrs. Hargrove totgestochen wird, lässt Francis sein Spezialeffektteam von der Leine, bis Mr. Manfred die Insekten mittels eines hochfrequenten Tons in Schach halten kann. Unlängst befindet man sich inmitten eines klassischen Whodunit?-Spiels: Im Verhör gibt Mr. Hargrove zu Protokoll, seine Bienen seien es nicht gewesen. Da er sich mit seiner Frau im Streit befand, hätte er aber ein Motiv gehabt. Vicki entwendet Unterlagen sowie einen Fotofilm ihres Gastgebers, den Mr. Manfred entwickelt – und eine Adrenalintheorie aufstellt. Nachdem es auch Vicki mit den Viechern zu tun bekommen hat, wird sie von Alpträumen geplagt und sucht schließlich das Weite. Als Mr. Hargrove sie verfolgt, baut sie jedoch einen Unfall und findet sich unversehens in ihrer Pension wieder.

Trotz eines weiteren Todesopfers wirkt das alles doch reichlich angestaubt und unspektakulär. Dass da jemand permanent versucht, die Schuld auf Mr. Hargrove zu lenken, fällt natürlich ebenfalls früh auf. Nachdem der Täter sich endgültig zu erkennen gegeben hat, erklärt er sich in aller Ausführlichkeit, damit auch der beschränkteste Zuschauer kapiert, wie der Hase läuft. Dass die ärmste Vicki noch einmal in akute Lebensgefahr gerät, ist ebenso Usus wie die „reinigende“ Feuersbrunst am Ende, die ein verbreitetes Motiv gerade auch bei britischen Produktionen jener Zeit war. Zweifelsohne empfahl sich Suzanna Leigh mit ihrer Darbietung für weitere Produktionen und auch die übrigen Rollen wurden seriös und zielführend besetzt. An der orchestralen Musikuntermalung, die die jeweilige Stimmung reflektiert, gibt es ebenfalls wenig zu kritisieren. Und, ja, den „Hach…“-Effekt angesichts der Bilder der naturbelassenen Insel und der vermittelten Aussicht auf einen dreiwöchigen Urlaub ebendort habe ich wider besseres Wissen tatsächlich verspürt. Verkehrt ist das alles nicht. Doch seien wir ehrlich: Hitchcocks „Die Vögel“ hat vier Jahre zuvor Maßstäbe gesetzt, an die dieser Film abgesehen von den Schauspielern in keiner Weise heranreicht, nicht einmal in Sachen Spezialeffekte, die eher belustigend wirken. Derart stark auf den kriminologischen Aspekt zu setzen denn mehr aus seiner Insektenterror-Prämisse zu machen, ist eine vertane Chance. Doch sollte es stimmen, was ich irgendwo vernommen habe, nämlich dass der Film noch in der Produktion von ursprünglich über zweistündiger Laufzeit auf nicht einmal eineinhalbstündige heruntergekürzt wurde, würde dies einerseits die mangelhafte Dramaturgie erklären, andererseits aber auch eine Bewertung der eigentlich erbrachten Leistung unmöglich machen. Doch wie dem auch sei, die dritte „Dracula“-Fortsetzung „Draculas Rückkehr“, die Francis ein Jahr später umsetzte, stand ihm weitaus besser zu Gesicht.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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