Der Kampfgigant - Bruno Mattei (1987)

Söldner, Mutanten und Kriegshelden

Moderator: jogiwan

Der Kampfgigant - Bruno Mattei (1987)

Beitragvon jogiwan » 1. Jan 2015, 12:03

Der Kampfgigant

Bild

Originaltitel: Double Target

Herstellungsland: Italien / 1987

Regie: Bruno Mattei

Darsteller: Miles O'Keeffe, Donald Pleasence, Bo Svenson, Kristine Erlandson, Ottaviano Dell'Acqua, Massimo Vanni

Story:

Schneller als eine abgezogene Handgranate zündet, sieht sich der Vietnam-Veteran Bob Ross (Miles O'Keefe) erneut dem tödlichen Inferno aus Hass, Blut und Feuer gegenüber, das er gerade zu vergessen suchte. Ein geheimer Spezialauftrag führt ihn noch einmal in den Dschungel. Hier kann Bob zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen - seinen Sohn befreien und die offene Rechnung mit dem Land begleichen, das ihm die besten Jahre seines Lebens zu Hölle machte. Mit Bob Ross zieht eine Spur aus Feuer, Blut und Tod durch den Dschungel. - Gibt es eine Rettung aus dieser gnadenlosen Hölle? Ross, der Kampfgigant beantwortet diese Frage Kompromisslos. (Quelle: VHS-Cover)
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
 
Beiträge: 27189
Registriert: 12.2009
Wohnort: graz / austria
Geschlecht: männlich

Re: Der Kampfgigant - Bruno Mattei (1987)

Beitragvon jogiwan » 1. Jan 2015, 12:04

Vorzeige-Charakterdarsteller Miles O’Keeffe in einem Streifen von Bruno Mattei, der hier in fernen Vietnam zwischen die Fronten von amerikanischen, russischen und vietnamesischen Interessen gerät und auch noch das Vertrauen und Ansehen seines leiblichen Sohnes erlangen musst. Dabei rummst und scheppert es nicht nur an allen Ecken und Enden, sondern es gibt auch noch spannende Verfolgungsjagden mit Helikoptern und den dreistesten Überrumpelungsversuch feindlicher Heerscharen, der jemals auf Zelluloid gebannt wurde. Leider verzettelt sich „Der Kampfgigant“ etwas in seiner episodenhaften Handlung (die seltsame Haifisch-Szene wurde übrigens in "Shark Terror - Die Bestie aus der Tiefe" gleich nochmals in voller Länge verwendet) und die verbalen Dispute zwischen dem „Schreibtischtäter“ Donald Pleasence, Major Mike Monty und Front-Rampensau O’Keefe nehmen dem Film ebenfalls unnötig Fahrt. Der Rest ist Action-Gülle der Güteklasse B bis C mit unüberschaubarem Bodycount auf allen Seiten und jeder Menge Explosionen, die den Fan derartiger Werke auch auf System-erhaltende Weise zufriedenstellen sollte. Etwas weniger Pathos, Ernsthaftigkeit und Gequatsche, sowie ein Hauptdarsteller mit mehr als nur einem durchtrainierten Körper und einer Gefühlsregung zur Verfügung hätten in dem dennoch durchaus guckbaren Streifen mit einem Tick zu langer Laufzeit aber trotzdem nicht geschadet.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
 
Beiträge: 27189
Registriert: 12.2009
Wohnort: graz / austria
Geschlecht: männlich

Re: Der Kampfgigant - Bruno Mattei (1987)

Beitragvon jogiwan » 17. Okt 2016, 07:23

Deliria över Düsseldorf #2

Obwohl ich mit dem Kampfgiganten – siehe oben - ja erst 2015 das durchaus fragliche Vergnügen hatte, freute ich mich dennoch bereits auf die Auffrischung in Form des freitäglichen Zweitfilms, der uns nach eher schwerer Nonnen-Kost wieder in andere Stimmungsgefilden führen durften. Bruno Matteis Werke sind ja mittlerweile ohnehin gern gesehene (!) Stammgäste bei unseren Treffen und auch „Der Kampfgigant“ hat das Publikum natürlich nicht enttäuscht. Nach einer sympathischen Einleitung von Genre-Kenner Oliver Nöding, die krankheitsbedingt etwas anders als geplant ausfallen musste und einigen Trailern aus der Söldner- und Actionkiste entpuppte sich das Werk auch als Partyfilm, der das Publikum mit seiner überschwänglichen Testosteron-Action und Exploisions-Bombast auch mühelos zu Begeisterungstürmen und Spontan-Applaus hinreißen konnte. Der stoische Hauptdarsteller, die übertriebene Kawumm-Action zwischen militärischer Ernsthaftigkeit, Action-Diskont und Gaga, die dramatische Vater-Sohn-Beziehungskiste und die rasch aus dem Ärmel gezauberte weibliche Quoten-Figur mögen zwar erzählerisch nicht ganz ausgereift wirken, aber danach hat an diesem Freitagabend auch niemand verlangt. „Der Kampfgigant“ will auch gar nicht mehr sein, als voll und ganz auf eine auf das Actiongülle-Fanpublikum zugeschnittene Großpackung an unterhaltsamen Momenten und Ideen, bei der es auch weniger ins Gewicht fällt, dass Tempo, Witz und Tiefgang nicht die ganze Laufzeit gehalten werden können und die etwas aufgesetzt wirkenden Dispute zwischen Senator und dem Rest der militärischen Rasselbande der Spannung nicht gerade zuträglich sind. Dass es für mich so wirkte, dass der Streifen kein Ende findet, war aber wohl auch der zeitnahen Sichtung und der eigenen Müdigkeit geschuldet und hinterher gab es ja auch nur fröhliche Gesichter und Menschen zu betrachten, die sichtlich großen Spaß an dem schundigen Highlight, seinem Hauptdarsteller und diesem wunderbaren Abend hatten.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
 
Beiträge: 27189
Registriert: 12.2009
Wohnort: graz / austria
Geschlecht: männlich

Re: Der Kampfgigant - Bruno Mattei (1987)

Beitragvon karlAbundzu » 19. Okt 2016, 10:39

Deliria Over Düsseldorf
Fr., 14.10.2016, 22:30 Uhr, Black Box Düsseldorf
DER KAMPFGIGANT (1987)
R: Bruno Mattei, D: Miles O'Keeffe, Donald Pleasence, Bo Svenson, Kristine Erlandson, Ottaviano Dell'Acqua, Luciano Pigozzi, Massimo Vanni, Edison Navarro, Mike Villareal, Adrianne Joseph, Gerald McCoy, Gerald Tosco

Nach einer launigen Einführung, die Begeisterung für den Film sah man Oliver Nöding einfach an, ging es los:
Nun, Vietnam. Irgendwo läuft ein Sohn herum, der einen nicht besonders mag, aber ist ja Familie. Außerdem hat dieses Land sein Leben versaut, seiner großartigen Heimat (U!S!A!) eine Niederlage beschert, da braucht es nicht allzu langer Überredungen eines windigen Büropupsers, in den Dschungel zu gehen, um ein bisschen was in die Luft zu sprengen…
Wir befinden uns in den End-80ern, Vietnam ist dank Rambo immer noch Thema im Film, leider nicht auf die besonders aufklärerische Art, sondern als Vehikel für Ballereien, Muskeln und dumme Sprüche. Und dumme Sprüche gibt es einige schöne, die kurzen Sätze sorgten noch die ganze Nacht für Spaß.
In der Hauptrolle Miles O’Keefe, der einst als Tarzan neben Bo Derek und Richard Harris debutierte und reüssierte. Die Hauptrolle heißt Bob Ross, was wohl eine Hommage an den beliebten TV-Maler ist, der ja auch zwei Jahrzehnte diente, um sich dann den schönen Künsten, Tierchen und einem großen Afro widmete. Hoffen wir für den Film-Bob eine ähnliche friedliche Zukunft.
Miles ist nicht mit soviel Ausdruck gesegnet, aber sein stumpfer Gesichtsausdruck macht sich gut in dieser Kriegs-Komödie.
Es gibt herrliche absurde Szenen, unverständliche Charaktere und einen hustenden Donald Pleasance.
Das reicht für mich leider nicht über die ganze Zeit, hier hätte eine halbe Stunde genügt, und man hätte nicht warten müssen, bis Bo Svenson auch drauf geht. Aber in dieser netten Runde und nach dem mich flashenden (und beschäftigen) FLAVIA geht das ok.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
Benutzeravatar
karlAbundzu
 
Beiträge: 4610
Registriert: 11.2012
Geschlecht: nicht angegeben

Re: Der Kampfgigant - Bruno Mattei (1987)

Beitragvon buxtebrawler » 15. Feb 2017, 14:58

„Alle rund um dich sterben immer. Nur du nicht! Warum?!“

Ab Anfang der 1980er investierte die US-amerikanische Filmindustrie verstärkt in Action-/Kriegsfilme, die der aggressiven Außenpolitik des US-Präsidenten Ronald Reagan folgten und teils mit finanzieller Unterstützung des US-Militärs das Vietnamkriegstrauma überwinden und das Bild der Rolle der eigenen Soldaten verklären, im Prinzip die Geschichte umschreiben sollten: So entstanden Propagandafilme, die reaktionär vor der „roten Flut“, als die man die Bedrohung durch die Sowjetunion und ihrer Verbündeten darstellte, warnen und so das Feindbild des Kommunismus festigen sollten ebenso wie sog. Rescue Movies, in denen tapfere, heldenhafte Soldaten es als Ein-Mann-Armee mit den Vietcong aufnehmen, um US-amerikanische Kriegsgefangene zu befreien und somit die Überlegenheit der eigenen Soldaten zu demonstrieren. Gern erledigte man auch beides in einem Abwasch wie beispielsweise in „Rambo II“, der dem italienischen Plagiator Bruno Mattei offensichtlich Vorbild für „Strike Commando“ alias „Cobra Force“ war und 1987, nur ein Jahr später, für Matteis leicht abgewandelten „Der Kampfgigant“ Pate stand:

Robert „Bob“ Ross (Miles O’Keeffe, „Ator – Herr des Feuers“) hat bereits sechs Himmelfahrtskommandos überlebt und nimmt dankbar den Auftrag Senator Blasters (Donald Pleasence, „Halloween – Die Nacht des Grauens“) an, eine Gruppe nordvietnamesischer Terroristen im Dschungel des gebeutelten Landes aufzuspüren und auszuschalten. Seine persönliche Motivation liegt jedoch vielmehr darin begründet, seinen Sohn ausfindig zu machen, den er einst mit einer Vietnamesin zeugte, die mittlerweile das Zeitliche gesegnet hat. Die Sowjettruppen um Colonel Galckin (Bo Svenson, „Night Warning“) beäugen Bob natürlich kritisch und halten ihn für einen CIA-Agenten, wissen jedoch nicht, dass dessen Rückkehr in die USA gar nicht geplant ist – zumindest nicht lebendig…

„Der Junge mag dich nicht!“

Da wäre er also wieder: Der raubeinige US-Elite-Soldat, der sich heldenhaft und waghalsig zurück in den mörderischen Dschungel Vietnams begibt und nicht nur auf der Abschussliste des bösen Vietcong steht, sondern es auch noch mit dem Russen zu tun bekommt und sich zu allem Überfluss nicht einmal der Unterstützung der eigenen Administration sicher sein kann, die ihn opfern und im Dschungel verrecken lassen möchte – schließlich waren es Bürokratie und Politik, die seinerzeit die moralisch eigentlich integren eigenen Truppen verraten haben und wer überlebt hatte, musste sich auch noch gesellschaftlichen Spott und Ausgrenzung durch die Kriegsgegner gefallen lassen. So einfach funktioniert US-amerikanische Verklärung realer Ereignisse und nur allzu bereitwillig ließen sich Mattei, Co-Autor Claudio Fragasso (der mit „Troll 2“) und Konsorten darauf ein, um auch an diesem idiotischen Filmgenre zu partizipieren. Gestreckt wurde „Der Kampfgigang“ mit der Handlung um Bobs Sohn, welcher seinen Vater zunächst einmal verständlicherweise verachtet, was zum einen oder anderen scharfzüngigen Dialog führt.

„Achtung, Jeep!“

Die Rollen wurden teilweise 1:1 aus den filmischen Vorbildern übernommen und auch hier ist der „Held“ einfach nicht totzukriegen, kennt er sich doch besser im Dschungel aus als es offensichtlich die einheimischen „Terroristen“ tun. Ein nordvietnamesisches oder russisches Menschenleben ist ihm keinen Pfifferling wert und so wütet er sich mit viel Kawumm durch die Kulissen, um das einzig wirklich wertvolle Leben, das seines Sohnes, zu retten – ungeachtet dessen, dass dieser eigentlich gar nicht gerettet werden will. Vom Versagen der US-Truppen im grausamen Guerilla-Krieg gegen den Vietcong und das übers Land nach dem US-Angriffskrieg gebrachte unfassbare Leid keine Silbe mehr. Stattdessen ringt der lungenkranke Senator mit dem vertrauenserweckenden Namen Blaster umso mehr nach Luft, je länger Bob seine Mission mit stoischer Miene (O’Keeffes einziger) überlebt. Da dies unter der Regie Matteis geschieht, ist diese (die Mission, nicht die Miene – obwohl…) zwar ähnlich platt wie die Originale, aber natürlich zusätzlich gepflastert mit fast karikierend anmutenden Charakter(über)zeichnungen und der einen oder anderen selbst für diese Art Filme unglaublichen Szenen: So wird unter Wasser schon mal ein Hai gesprengt oder vergisst Massimo Vanni („Der Superbulle schlägt wieder zu“), die Handbremse seines Jeeps zu betätigen. Momente wie der letztgenannte wirken auf sympathische Weise spontan und improvisiert, während ansonsten vor allem der rassistische Tonfall und Matteis Desinteresse, als Europäer die US-amerikanische Kriegspropaganda zu entlarven und satirisch zu verarbeiten, jeglichen Filmgenuss auch unter Trash-Gesichtspunkten torpedieren. Da hat Reagan gut lachen wie auf dem Foto in Blasters Büro, worüber ich mir natürlich auch kein Schmunzeln verkneifen kann. Doch Scheiße bleibt Scheiße und während reaktionäre Propagandafilme von mir prinzipiell mit nur einem von zehn Punkten abgestraft werden, bringt es „Der Kampfgigant“ mit seiner unfreiwilligen Komik und aufgrund des Umstands, dass Mattei sicherlich nicht in erster Linie politischer Propagandist, sondern „nur“ gewissenloser Plagiator war, immerhin auf zwei. Damit hat es sich dann aber auch. Dieses Genre und ich werden wohl keine Freunde mehr.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 23890
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Der Kampfgigant - Bruno Mattei (1987)

Beitragvon jogiwan » 15. Feb 2017, 15:53

buxtebrawler hat geschrieben:[...]während ansonsten vor allem der rassistische Tonfall und Matteis Desinteresse, als Europäer die US-amerikanische Kriegspropaganda zu entlarven und satirisch zu verarbeiten, jeglichen Filmgenuss auch unter Trash-Gesichtspunkten torpedieren.


kann man irgendwie verstehen - persönlich sehe ich das aber gänzlich anders und als europäische Produktion ist mir "Der Kampfgigant" auch weit genug entfernt, plumpe US-Militärpropaganda undifferenziert abzufeiern. Im Gegenteil - ich würde dem Streifen mit seinen seltamen Entwicklungen ja auch durchaus parodistische Züge attestieren. Aber eine Italo-Produktionen aus der Plagiatskiste sollte man wohl ohnehin nicht nach aktuellen Moralstandards bewerten oder politischen und geschichtlichen Hintergründen abklopfen.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
 
Beiträge: 27189
Registriert: 12.2009
Wohnort: graz / austria
Geschlecht: männlich


Zurück zu "Endzeit, Sci-Fi, Krieg"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast