Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel (1981)

Moderator: jogiwan

Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon Die Kroete » 6. Mai 2013, 10:44

Außerdem bot es sich deshalb an, weil Bowie schon eigene Erfahrungen mit der Droge gemacht hatte und diese schließlich auch, in seinen Songtexten mit einfließen ließ.
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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon karlAbundzu » 6. Mai 2013, 15:37

Ich mußte in der Schule ja das Buch lesen (!!!) und dahe rweiß ich, dass ja schon dort Mr. Bowie der größte Held unter den ganzen Heroin-Usern war, also: dessen Platten wurden zu allerletzt verkauft, ein Bowie-Konzert spielt schon im Buch eine wichtige Rolle usw.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon untot » 6. Mai 2013, 15:40

Ist und bleibt ein starker Film und gerade Bowie find ich hier klasse, zumal Christiane im Buch ja auch riesen Bowie Fan ist und nach dem Konzi tatsächlich das erste Mal zum Heroin griff...

9/10
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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon jogiwan » 10. Sep 2013, 13:08

hat geschrieben:Das Schicksal des heroinsüchtigen Straßenmädchens Christiane F. hat Millionen Menschen bewegt. 35 Jahre nach dem Welterfolg des autobiografischen Buches "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" erzählt die Berlinerin Christiane Felscherinow jetzt ihr ganzes Leben. "Kaum einer hätte gedacht, dass ich 51 Jahre alt werde - aber sieh an, hier bin ich: Christiane F.", schreibt sie auf der Internetseite ihres Buches "Mein zweites Leben".

Der Tageszeitung "Die Welt" sagte Felscherinow, die Arbeit an der neuen Autobiografie sei ihr nicht immer leicht gefallen: "Es gab auch Zeiten, in denen ich mir unsicher war, ob der Schritt zurück in die Öffentlichkeit der richtige für mich sein würde", so Felscherinow, die bereits mit 14 Jahren heroinabhängig geworden war. In ihrer Autobiografie habe sie aber von den Dingen erzählen wollen, die seit dem Film in ihrem Leben passiert seien. In Planung ist demnach auch eine Christiane F. Stiftung, die unter anderem Kinder von abhängigen Eltern unterstützen soll.

Das Buch erscheint am 10. Oktober. Einen Tag später stellt Christiane Felscherinow es gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Sonja Vukovic bei der Frankfurter Buchmesse vor.


Quelle: APA
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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon dr. freudstein » 22. Mai 2014, 22:52

unendlich mal oft gesehen, damals in der Schule und auch von DVD. Lege ich zwdurch immer wieder mal gern ein, wenn ich mal einen Film sehen möchte, den ich auswendig kenne, damit ich mich nicht hoch konzentrieren muss. Nun also mal ein paar Zeilen, weil sonst noch keiner was grosses zu geschrieben hat.

Eine dunkle, seelenlose Stadt, hell erleuchtet in der Nacht durch künstliches Licht und doch erscheint die Nacht so menschenleer Doch selbst im Hochaus, in dem die Christiane F. wohnt, scheint das graue Gebäude kaum von Leben erfüllt zu sein. Düster, deprimierend, depressiv, hoffnungslos, zukunftslos, so wachsen schon die Kinder dort auf und flüchten sich in das Discoleben. Aber auch dort scheint alles trist und künstlich zu sein, ab und zu tauchen mal ein paar Gesichter auf, die im weiterem Verlauf des Films an Bedeutung gewinnen. Auch hier wieder künstliches Licht und man muss nicht genau hingucken um mitzukriegen, womit sich die Kids dort zudröhnen, um den grauem Alltag zu entfliehen, welcher übrigens, wie z.B. der Schulunterricht, hier gar nicht weiter beleuchtet wird. Der Film konzentriert sich hauptsächlich auf das Nachtleben, später gibt es ein paar relevante Tagesszenen, doch dazu später mehr.

Christiane macht hier erstmals? Bekanntschaft mit Lustigmachern (Trips) im Kino, wo NIGHT OF THE LIVING DEAD gezeigt wird, aber in einer verkehrten Reihenfolge. Erst sieht man eine Szene, wo die Tochter wieder aufersteht und die Mutti angreift, etwas später dann eine Szene ziemlich am Anfang, wo Barbra die Treppe hochsteigt und die Frauenleiche mit angeknabbertem Gesicht entdeckt. Aber das ist hier nicht Thema. Kaum einer scheint hier in der Disco drogenenthaltsam zu leben. Christiane entdeckt auf dem Klo eine vermeintliche Drogenleiche und bekommt einen kleinen Schock. Detlef und Atze, die sie später noch näher kennenlernt, kommen auf sie zu und sprechen sie an.

Tagsüber ist die Stadt nicht mehr schwarz, aber dafür sehr grau und ebenfalls immer noch seelenlos, da der Bezug zu den Menschen fehlt und man einfach mittendrin lebt, ohne den anderen wirklich wahr zu nehmen. Die Ehe der Mutter ist zerrüttet, sie leben in Scheidung, Christianes Schwester Sabine zieht zu Vati. Einen wirklichen familären Halt erfährt unsere Titel"heldin" auch hier nicht und so zieht es sie immer wieder zu ihrer Discoclique, mit der sie eine aufregende Nacht verbringt.
Doch zunächst verspricht die Mutti, die tagsüber berufstätig ist, einen gemeinsamen Abend mit ihrer noch verbliebenen Tochter zu verbringen und so backen sie gemeinsam einen Kuchen und haben ihre Freude, bis es an der Wohnungstür klingelt. Es ist der neue Freund der Mutter, den sie ebenfalls eingeladen hat. Christiane scheint ein wenig enttäuscht zu sein und keine Bindung zu dem zukünftigen Stiefvater aufbauen zu wollen, auch wenn er ihr eine Platte von David Bowie mitgebracht hat. Leider hat sie diese auch schon. Eben erwähnter Sänger trägt den Soundtrack zum gesamten Film bei und auch ein Konzert wird gezeigt.

Christiane fragt also ihre allzu lockere Mutter, ob sie den Abend bei ihrer Freundin verbringen darf und sie genehmigt es auch. Natürlich war es nur ein Vorwand, den Christiane möchte natürlich in das Sound, ihrer Stammdisco. Die Mutter, wenn sie denn mal zu Hause ist, setzt ihrer Tochter keine Grenzen, setzt auf liberale Erziehung ihrer da 13 jährigen Tochter., die immer mehr in den Drogensumpf versinkt. Die Toleranz der Mutter fühlt sich aber eher an, wie Gleichgültigkeit ohne innige Beziehung zu ihrer Tochter. Selbst ein selbst gestochenes "Tattoo" toleriert sie ohne grossen Ärger.

Nun hat sich Chr. das erste Mal verliebt, in den Detlef. Doch dann bekommt sie mit, wie er sich Heroin besorgt und dieses auch nimmt. Chr. ist entsetzt und geht mit einem Discokumpel zum David Bowie Konzert, der allerdings ist auf Turkey, schiebt einen Affen. Detlef taucht mit einer anderen frau im Arm auf dem Konzert auf. Sie leiht dem Kumpel Geld für "8", damit er sich den dringend benötigten Schuss setzen kann. Auch C. hat jetzt Bock darauf, sich einen Schuss zu setzen, weil sie dadurch erhofft, eine Bindung zu Detlef zu finden, wenn sie mit ihm auf gleicher Höhe ist. Natürlich schwört sie "einmal und nie wieder, hab mich da völlig unter Kontrolle". Sie trifft wieder auf Detlef und geht das erste Mal in seine Bude, die sehr verdreckt und möbilararm ist, lediglich Matratzen liegen dort. Dort erfährt sie auch, das Detlef mittlerweile zum Bahnhof Zoo geht um dort von Freiern sein Geld für den nächsten Schuss zu verdienen.

Der 14. Geburtstag von ihr, doch keine lustige Feier mit Mutti, nur ein Geldschein und ein Kuchen. 14 "ab jetzt bin ich erwachsen". Sie besucht das erste Mal die Arbeitsstätte von ihrem Freund, wo sie auf allerlei Abschaum trifft. Männer die sich anpissen lassen oder auspeitschen lassen wollen. Noch snieft sie,aber sie möchte endlich mal ihren ersten Druck bekommen, um zu erleben wie Detlef sich dabei fühlt. Es geschieht, doch sie hat noch Angst. Einer erzählt ihr, das sei wie ein sexueller Höhepunkt. Leicht enttäuscht vom erstem Druck will sie nun ihr erstes Mal erleben um einen Vergleich erfahren zu können.Ich selbst habe auch nichts gegen einen sexuellen Höhepunkt einzuwenden, wirklich nicht, das schwöre ich, aber wenn ich danach so aussehe wie diese Junkies, verzichte ich lieber drauf bzw. nutze da lieber die konventionelle Methode, sofern eine Frau da mit mir einig ist (oder der Bux).

Sie erlebt nun ihr erstes Mal, aber auch ihren ersten Zusammenbruch und kann noch gerettet wird, was aber den kalten Entzug zusammen mit ihrem Freund und diversen Medikamenten und Rotwein zur Folge hat. Wirklich eindrucksvoll dargestellt, alleine das sollte schon abschrecken. Der Druck ist groß - ach nee, den hat Christiane durch ihre Kotzerei ja versaut, aber die beiden schaffen den Entzug und gleich am erstem cleanen Tag gehen sie selbstsicher zum Bahnhof Zoo. Doch die psychische Abhängigkeit ist nach wie vor latent und sie glauben wirklich, den Heroinkonsum in den Griff zu kriegen. Doch der Plan scheitert.Christiane muss trotz Sucht die Schulbank drücken, das wird aber nicht gezeigt. Ganz klar, das wäre ja auch Hardcore, so ne ganze Schulbank passt ja auch nicht in den Arm. Ständig gedrückte Stimmung, obwohl oft der Druck fehlt und so wächst auch der Leidensdruck und sie muss nun doch selbst auch auf den Strich gehen, denn schnorren bringt nicht viel Geld ein. Sie ekelt ich, aber der grosse Schein lockt bzw. der nächste Schuss. Der Abstieg der beiden geht immer weiter, sie sehen immer kränklicher aus. Platten müssen verkauft werden, die Immunität der mütterlichen Wohnung wird verletzt, um Geld aufzutreiben. Doch die Suche gleicht einer Nadel im Heuhaufen, denn die Heroinnadel muss gefüllt werden. Einer nach dem anderen ihrer Clique stirbt an einer Überdosis und sie bekommt Angst, aber die Angst vor dem Entzug ist zu groß. Das Geld, was sie damals auf dem Konzert verliehen hat, bekommt sie auch nie wieder, jeder braucht das Geld für seinen eigenen Stoff.

Was, wenn der Entzug geschafft wurde, was kommt danach? Gibt es eine Perspektive in einem drogenfreiem Leben, ständig die Angst, wieder drauf zu kommen.

Nach diesem Film habe ich die Nase voll von Drogen, aber verpetzt mich bitte nicht. Ich snief nur ab und zu, hab mich da völlig unter Kontrolle. Beeindruckend und nachwirkend der Film, auch nach mehrfacher Sichtung lässt er sich immer noch gut anschauen und ich finde, der Film wirkt wirklich abschreckend, weil er sich mehr auf das Leid konzentriert und all den Schmutz und eben auch keine positiven bunten Bilder zeigt, sondern nur diese trostlose Betonwüste, in der man ja depressiv und sich verlassen fühlen muss. Doch harte Drogen wie Heroin bringen nur eine kurze glückliche Zeit, die sich mit jedem Schuss mehr und mehr verkürzt und der Körper immer mehr verfällt und das Leben sich um nichts anderes dreht als um den nächsten Schuss, der auch jederzeit wegen Streckmittel der letzte sein könnte. Finger weg, Kinder !!!

10/10
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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon ugo-piazza » 23. Mai 2014, 10:59

dr. freudstein hat geschrieben:
Sie ekelt ich,


Ziel erreicht, würde ich sagen.


Aber ansonsten gut geschrieben, Freudschi!

(Aber doch eher "H" statt "8", oder?)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon dr. freudstein » 23. Mai 2014, 11:22

argh, ja die Tastatur schluckt ständig Buchstaben, verdreht die, ich editiere mich hier kaputt. ich brauch mal ne Schnelltipptastatur :|

na gut, die 8 steht ja für das H, eights oder so nennt man das ja auch. egal, Finger weg vom Zeuch :opa:
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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon FarfallaInsanguinata » 23. Mai 2014, 14:06

Ja, schöne Besprechung, Doktor. :verbeug:

Ich persönlich war bei Erstsichtung ziemlich enttäuscht, wie die Gefahr ja immer besteht, wenn man vorher ein Buch liest und sich dabei eigene Bilder im Kopf macht. Bei späteren Sichtungen gewann der Film allerdings.
Nur das mit der funktionierenden Abschreckung würde ich nach wie vor bezweifeln. Mich hat das mir von meinen Eltern in den allerbesten Absichten geschenkte Buch nicht abgeschreckt, sondern im Gegenteil eher fasziniert, und ich weiß auch von einigen, denen es ähnlich erging. Bei mir kam zum Glück bald danach Punk dazwischen, deshalb hatte ich eine Alternative gefunden, sonst weiß ich ehrlich gesagt nicht, wo ich gelandet wäre.
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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon ugo-piazza » 23. Mai 2014, 15:53

FarfallaInsanguinata hat geschrieben:Ja, schöne Besprechung, Doktor. :verbeug:

Ich persönlich war bei Erstsichtung ziemlich enttäuscht, wie die Gefahr ja immer besteht, wenn man vorher ein Buch liest und sich dabei eigene Bilder im Kopf macht. Bei späteren Sichtungen gewann der Film allerdings.
Nur das mit der funktionierenden Abschreckung würde ich nach wie vor bezweifeln. Mich hat das mir von meinen Eltern in den allerbesten Absichten geschenkte Buch nicht abgeschreckt, sondern im Gegenteil eher fasziniert, und ich weiß auch von einigen, denen es ähnlich erging. Bei mir kam zum Glück bald danach Punk dazwischen, deshalb hatte ich eine Alternative gefunden, sonst weiß ich ehrlich gesagt nicht, wo ich gelandet wäre.


Ich bin damals bei einer TV-Aussstrahlung von meiner Mutter genötigt worden, mir den Film anzuschauen, und das hat als Abschreckung hervorragend funktioniert (tat es übrigens auch, als ich den Film vor einigen Jahren auf DVD gekauft und gesehen hab). Das Buch hab ich erst seeeehr viele Jahre erworben.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Uli Edel

Beitragvon Theoretiker » 23. Mai 2014, 16:50

Schöne Besprechung, freudschi. :thup:

Als Leseratte habe natürlich damals das Buch gelesen, den Film kenne ich nach wie vor nicht, die Verfilmung interessiert mich auch nicht wirklich.
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