Schulmädchen-Report, 10. Teil - Walter Boos (1976)

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Schulmädchen-Report, 10. Teil - Walter Boos (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 22. Sep 2017, 16:43

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Originaltitel: Schulmädchen-Report, 10. Teil - Irgendwann fängt jede an

Herstellungsland: Deutschland / 1976

Regie: Walter Boos

Darsteller: Alexandra Bogojevic, Astrid Boner, Reiner Brönneke, Siggi Buchner, Walter Feuchtenberg, Paul Glawion, Max Griesser, Joachim Hackethal, Peter Hamm, Gina Janssen, Yvonne Kerstin, Günther Kieslich u. A.

Im Unterricht rollt die Lehrerin einer Mädchenklasse mehrere Fälle zum Thema 'Recht und Moral' auf. Rückblenden erzählen von pikanten Nachhilfestunden, Eifersucht und Liebe mit Hindernissen... (Quelle: http://www.maxdome.de)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
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Re: Schulmädchen-Report, 10. Teil - Walter Boos (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 22. Sep 2017, 16:56

„Ich gebe zu, dass das Wort Sitte etwas irreführend ist. Wie könnte man es anders bezeichnen?“ – „Vielleicht mit Moral!“

Wie bei Teil 9 durfte erneut Walter Boos auf dem Regiestuhl platznehmen, um den mittlerweile zehnten Teil der fragwürdigen „Schulmädchen-Report“-Reihe zu inszenieren. Wir schreiben das Jahr 1976 und der Markt ist offenbar noch immer nicht mit „Reportfilmen“ gesättigt…

Die Rahmenhandlung, die die einzelnen Episoden lose zusammenhält, findet in einer Schulklasse statt, wo über Recht und Moral, genauer: über Unterschiede zwischen moralisch verwerflich und strafrechtlich belangbar diskutiert wird. Die Lehrerin (Anke Syring, „Wie sag‘ ich’s meinem Kinde?“) berichtet von einem pikanten Fall, der in Form des ersten Beitrags verarbeitet wird: Ein Lehrer muss sich wegen Missbrauchs seiner Schülerin Susanne Hofer (Bärbel Markus, „Geheimtechniken der Sexualität“) verantworten. Susannes Mutter (Eva Berthold, „Jagdszenen aus Niederbayern“) habe gewollt, dass er ihrer Tochter Nachhilfe gibt, doch laut belastender Aussage habe er sie abgefüllt und defloriert, was Boos in gewohnten Nackedeibildern illustriert. Doch der junge Bert (Claus Obalksi, „Wer spritzt denn da am Mittelmeer“), der scharf auf Susanne ist, gibt zu Protokoll, bei ihr abgeblitzt und eifersüchtig geworden zu sein und sie daraufhin beobachtet zu haben. Nun stellt sich alles ganz anders dar: Susanne stürzte sich nackt auf ihren Lehrer, der sie abwehrte und verschwand. Stattdessen bumsten dann Susanne und Bert miteinander – das Verfahren wurde eingestellt. Diese Episode schlägt voll in die alte Kerbe, in der Herren mittleren Alters Opfer der sexuellen Gelüste von Schülerinnen werden und bedient damit einmal mehr Altherren-Fantasien.

„Mich kotzt diese ewige Bumserei mit dir an!“

Anders in Ingas (Marianne Dupont, „Ob Dirndl oder Lederhos' - gejodelt wird ganz wild drauflos“) Fall: Diese beginnt im Wohnzimmer ihrer Familie zu masturbieren, wird dabei von ihrer Mutter (Ingeborg Moosholzer, „Erotik im Beruf - Was jeder Personalchef gern verschweigt“) unterbrochen. Inga hat erstmals Gefallen an ihrem Körper gefunden, hegt sexuelle Fantasien und räkelt sich nackt auf ihrem Bett. Den Bruder ihrer Freundin, Max (Heinz Gerstl, „Teenager-Report - Die ganz jungen Mädchen“) sein Name, begleitet sie auf eine Party und kommt ihm anschließend im Auto näher. Anscheinend stocknüchtern kehren sie von der Party zurück, wie Inga aus dem Off berichtet. Max bricht das Liebesspiel jedoch vorzeitig ab: Er will nicht, weil Inga noch Jungfrau ist. Aus Trotz reißt sich Inga den Nächstbesten auf, der sie entjungfert und verdammt schnell zum Höhepunkt kommt. Inga ist enttäuscht und schnappt sich einen Anfänger, mit dem’s auch nicht recht klappen will. Schließlich lernt sie Freddy (Siggi Buchner, „Kesse Teens und irre Typen“) kennen, mit dem zunächst alles in Ordnung scheint. Doch dem wird der viele Sex schnell zu viel und so hetzt er zwei seiner Kumpels auf Inga! Heulend auf der Flucht lernt Inga dann endlich ihren Rolf (Heiner Lauterbach, „Männer“) kennen, mit dem sie die ideale Kombination aus Sex und Liebe erfahren darf. In komprimierter und extrem unglaubwürdiger Form gibt diese Episode vor, die Schwierigkeiten ihre Sexualität entdeckender Mädchen bei der Partnerwahl und damit verbundenen Gefahren, Enttäuschungen zu erleben, zu thematisieren. Das Ergebnis ist jedoch nicht mehr als ein weiterer schmieriger, unsensibler, plakativer Beitrag zur Reihe, der sich rein aus seinen Schauwerten nährt und beinahe suggeriert, dass junge Frauen Freiwild seien, die richtiggehend nach ihrer Entjungferung dürsteten.

Nun erzählt Kati ihre Geschichte und redet von einer „Wald- und Wiesen-Party“, obwohl diese unschwer erkennbar in einem Schwimmbad stattfand. Kati möchte erst mit ihrem Verehrer Frank (Carl-Heinz Kühn, „Champagner aus dem Knobelbecher“) schlafen, wenn er ihre verhasste Stiefmutter „auf’s Kreuz gelegt“ hat. Sie meint es bitter ernst und lässt ihn tatsächlich vorher nicht ran. Frank gibt alles und so gelingt ihm die Verführung der Stiefmutter, wovon Kati Fotos macht. Mit diesen schwärzt sie sie bei ihrem Vater an, um sie loszuwerden. Doch als Frank zu seinem verdienten Sex mit Kati kommt, stellt er fest, dass er mit ihrer Stiefmutter mehr Spaß hatte. Und zu allem Überfluss hat Katis Vater auch bald eine Neue: Paula (Carina Kreisch, „Monika und die Sechzehnjährigen“), ihre Sitznachbarin aus der Schule! Diese Episode ist letztlich recht lustig in ihrer moralischen Ausrichtung, in der das Karma zurückschlägt und Kati ihre List doppelt zurückbezahlt bekommt. Dass sie vermutlich komplett dem Reich der Fantasie entspringt und kein sonderlich gutes Licht auf Stiefmütter (die ohnehin einen schweren Stand haben) wirft, ist dabei die andere Seite der Medaille, von der abermaligen Bedienung Altherrengegeifers als finale Pointe einmal ganz zu schweigen.

Seffi (Alexandra Bogojevic, „Engelchen macht weiter - Hoppe, hoppe Reiter“) fehlt heute in ihrer Klasse, krankheitsbedingt. Ihre Geschichte erfahren wir trotzdem: Sie muss sich mit ihrem Freund Karl (Peter Hamm, „Liebesgrüße aus der Lederhose“) heimlich treffen, weil ihre Mutter so sehr aufpasst. Karl leiht sich den damaligen Horror-Kassenknüller „Der Exorzist“, während Seffi einsam in Gedanken an Karl und was mit ihm alles möglich wäre masturbiert. Gemeinsam heckt man einen Plan aus: Sie übt nach dem „Der Exorzist“-Vorbild Besessenheit, schneidet Grimassen, raunt „Fick mich!“ etc. Gegenüber ihrer Mutter spielt sie schließlich die dämonisch Besessene, entledigt sich vor ihr ihres Höschens und gibt an, ihre Muschi würde brennen. Ihren Rock liftend springt sie begleitet von „lustigen“ Klangeinspielern durch die Kulissen, dass es zum Fremdschämen ist. Doch die Schmierenkomödie geht weiter und Seffi pinkelt auf den Fußboden. Karl verkleidet sich als Exorzist und betreibt Teufelsaustreibung durch Geschlechtsverkehr, bis er enttarnt und davongejagt wird. Dieser komödiantische Beitrag zum zehnten Teil ist ein weiteres Beispiel für hochnotpeinlichen schlüpfrigen deutschen „Humor“ und sprengt jede Trash-Skala.

„Diese scheiß Konferenz!“

Die Rahmenhandlung schweift nun zum Thema Gleichberechtigung (Hört, hört!) ab und Iris (Gina Janssen, „Jagd auf Jungfrauen“) ergreift das Wort: Sie hat in Walter (Paul Glawion, „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“) einen wesentlich älteren Liebhaber, der Generaldirektor eines Chemiekonzerns ist und ihr ein Appartement geschenkt hat. Ihre Eltern wissen von nichts; denen erzählt sie, sie sei babysitten. Plötzlich trifft Iris auf Walters Ehefrau (Astrid Jacob, „Ehrenhäuptling der Watubas“) in ihrer Wohnung. Diese suggeriert, Walter habe die Liaison mit Iris beendet. Beobachtet wird Iris von Franz (Peter Hamm, „Weiße Haut auf schwarzem Markt“), Walters Neffen. Der ist scharf auf sie. Zur Abschreckung stellt sie ihn ihren Eltern vor usw. usf., Quintessenz: Walter hin oder her, jemand wie Iris bleibt nicht lang allein.

„Was willst du mit der Bildung?!“

Die Zuschauer und die Darsteller(innen) waren den Filmemachern augenscheinlich scheißegal; Hauptsache, es ließ sich noch weiterer Gewinn mit einer Billigproduktion erwirtschaften. Ob dabei etwas halbwegs Vertretbares, Gehaltvolles herauskam, interessierte ebenso wenig wie insbesondere die Jungdarstellerinnen davor zu schützen, sich komplett zum Affen zu machen. Das Resultat ist mit seinem peinlich-aufgesetzten Authentizitätsanspruch einmal mehr zum Kopfschütteln und insbesondere in seiner „Exorzismus“-Episode derart neben der Spur, dass man es selbst gesehen haben muss, um es glauben zu können – dadurch jedoch für Trashologen ebenso interessant wie für Liebhaber ‘70er-Jahre-Sexploitation, die neben viel Zeit- und Lokalkolorit einmal mehr die Gelegenheit bekommen, urdeutsche Erzeugnisse wie diese in den internationalen Vergleich zu setzen und dabei festzustellen, wie wenig hierzulande offenbar Sinnlichkeit und Anspruch gefragt waren: Sexualität haftete noch immer etwas Schmuddeliges an, über das man hinter vorgehaltener Hand kicherte, was den komödiantischen und realsatirischen Anteil dieser Produktionen erklärt und sie für den Konsum durch Spießer prädestinierte. Doch wie steht es um den eigentlichen Kern des Films, den Erotikanteil? Man lasse es mich so formulieren: Das erneut durchmischte Ensemble aus bekannten und neuen Darstellerinnen (mit der aus Teil 9 bekannten Gina Janssen ist auch eine waschechte Pornodarstellerin dabei) ist attraktiv, natürlich und selbstbewusst genug, um gegen schwachsinniges Drehbuch und lieblose Regie anzuspielen und für nicht von der Hand zu weisende optische Anreize zu sorgen – in Kombination mit dem sich aus all seinen Unzulänglichkeiten ergebenden Unterhaltungsfaktor und dem Verzicht auf allzu kranken Stoff wie Vergewaltigungs- oder Inzest-Fantasien ergibt sich so ein zehnter Teil der absurden Reihe, der nicht zu seinen schlechtesten zählt, der aber auch keinerlei Interesse an einer Evolution der Reihe oder des Genres hegt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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