Die Pinups und ein heißer Typ - Yoel Silberg

Moderator: jogiwan

Die Pinups und ein heißer Typ - Yoel Silberg

Beitragvon ugo-piazza » 11. Sep 2017, 21:50

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D/IS 1980

D: Sascha Hehn, Moti Giladi, Tobias Meister, Bea Fiedler und die Pinups: April Clough, Bonnie Benedict (aka June LaVonne), Susanne Tarleton, Kem McLeroy


Freddie ist ein echter Vollblutmusiker, auf den viele Frauen abfahren. Mit der "Du wirst mal ein Superstar"-Masche holt er sich die Mädchen ins Bett.

Mit Unterstützung eines Freundes soll ein Song mit dem Titel "Where are you No. 1" das neuentstandene Quartett "Freddie und die Pinups" in die Hitparaden powern.

In einem Barkeller haben sie den ersten Auftritt, die besoffenen Zuschauer sind begeistert, der Wirt bucht die Mädels für einen vollen Monat.

Ein übler Geschäftemacher will Freddie die Vier "abkaufen" und selber Kasse machen. Der will nicht, also inszeniert der Gauner einen Skandal. Er klaut den Mädchen die BH's, so dass sie oben ohne auf die Bühne müssen. (VHS-Backcover)

Was soll man angesichts dieser Inhaltsangabe erwarten? Wohl nichts als eine typische Teenie-Disco-Komödie jener Tage. Und tatsächlich erscheint gleich zu Beginn Bea Fiedler mit einer Gesangseinlage (!), ehe sie noch ihre beiden bekanntesten Körperstellen herzeigt, und anschließend nicht mehr im Film vorkommt.

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Dann erwartet uns Sascha Hehn als Freddie, ein chronisch erfolgloser Musiker, der sich eher darauf versteift hat, Mädels aufzureißen, indem er sich als großer Produzent ausgibt. Eines Nachts glaubt er allerdings, DIE Songidee schlechthin zu haben, und so bietet sich hier die wohl einmalige Chance, Sascha Hehn beim Nacktkomponieren am Klavier zu sehen. :mrgreen:

Nachdem er auch seinen Kumpel, den Tonstudiobetreiber Rolf, von der Qualität seines Songs überzeugt hat, muss Freddie allerdings einsehen, dass seine Gesangsqualitäten mangelhaft sind. Also geht er seine Damenbekanntschaften durch und überzeugt vier von ihnen (eine alleinerziehende Mutter, eine Supermarktkassiererin, eine Zahnarzthelferin. Was die Vierte machte, hab ich vergessen), seinen Hit zu performen. Und diese durchaus attraktiven Mädels bekommen den Namen "The Pinups" verpasst.

Nun sollte hier eingeschoben werden, dass dies wohl nicht die ganz wahre Geschichte darstellt, denn die Pinups waren tatsächlich vier Ladies aus den USA, die aus irgendwelchen Gründen deutschen Produzenten in die Hände gefallen waren und tatsächlich 1980 auf den Musikmarkt drängten.

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Wer auch immer nun auf die wahnwitzige Idee kam, einen Film um die gecasteten Mädels zu drehen, dürfte sich wohl kaum noch feststellen lassen. Und ob derjenige das Endergebnis dafür hilfreich fand, mag man bezweifeln.

Nach einem holprigen Karrierestart mit einem Playbackauftritt in einer Kellerdisco mit begrapschungsinteressiertem Publikum geht es (im Film) tatsächlich aufwärts. Ein Plattenvertrag wird an Land gezogen, der Song ein Hit. Auftritte in Düsseldorf, in Hamburg (Markthalle!) und in Amsterdam stehen an.

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Doch der Erfolg führt auch zu Zickenkrieg zwischen den Mädels, die ja eigentlich den ganzen Starstress nur auf sich nehmen, um nahe bei Freddie zu sein, in den augenscheinlich jede von Ihnen verliebt ist, was sich insoweit gut ergänzt, denn Freddie vergnügt sich zwar gerne mit den Damen, liebt aber niemanden außer sich selbst.

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Vielmehr steigt Freddie der Erfolg zu Kopf. Mehr Geld, mehr Erfolg müssen her. Die Mädels wollen nicht auftreten? Eine Runde Backpfeifen für alle, und schon spuren sie wieder. Eine will nach Hause, weil ihr Vater nach einem Herzanfall im Krankenhaus liegt? Nix da, the show must go on. Die Oberteile der Kostüme sind eigenartigerweise (Sabotage der Managerkonkurrenz!) verschwunden? Tja, Mädels, dann müsst ihr halt ohne auftreten! Dass die Ladies dabei ihre Blöße mit den Händen bedecken, bringt Freddie einen Anranzer vom Plattenboss ein: Die sollen sich gefälligst nicht so prüde anstellen!

Doch Freddie hat nur das Ziel vor Augen, die Mädels im "Musikladen" unterzubringen, während die Damen immer weniger gewillt sind, seine Eskapaden mitzumachen, zumal es doch auch noch andere wichtige Sachen im Leben gibt, so wie Liebe oder Freundschaft. Und so findet Freddie eines Tages geräumte Hotelzimmer vor, ist es doch seit Mitternacht sein Managervertrag ausgelaufen. Und der Freddie begann, sich in seine Wohnung zurückzuziehen und nachzudenken, was er falsch gemacht hätte. Und er schaltete den "Musikladen" im Fernsehen ein. Und da traten die Pinups auf. Denn die hatten gleich einen neuen Manager namens Henry (der Saboteur!) bekommen, der sich vermutlich nicht anders als Freddie verhalten wird.


Entweder war Yoel Silberg der beste israelische Satiriker seit Ephraim Kishon - oder der Film sollte gar keine Satire sein. Wollte man tatsächlich gecasteten Plastik-Pop und sexistische Produzenten anprangern, obwohl dies für die Pinups-Karriere kaum förderlich sein dürfte? Nach den wenigen bekannten Informationen soll der Film katastrophal gefloppt sein, offenbar wusste die vermutete Zielgruppe (gab es eine?) auch nichts damit anzufangen. Kurioserweise sollte ursprünglich Horst Buchholz die Hauptrolle spielen, doch könnte man sich tatsächlich eine bessere Wahl als Sascha Hehn als das gefühlskalte Arschloch Freddie vorstellen? Ich denke nicht.

Ich gebe zu, dass der Film sich komplett konträr zu meinen Erwartungen entwickelt hat, und so erscheint es äußerst bedauerlich, dass er wohl Atze Brauners Archiv (Ja, deutscher Produzent war die CCC-Filmkunst!) nie mehr verlassen wird, es sei denn, PIDAX würde dieses unglaubliche Zeitdokument voll bestürzender Authentizität adoptieren.


PS: Die Soundtrack-LP

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PPS: Der echte Musikladen-Auftritt 1980

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PPPS: Laut Discogs erschienen 1981 und 1983 noch zwei weitere Alben der Pinups, allerdings mit komplett ausgetauschter Besetzung. Quod erat demonstrandum.

https://www.discogs.com/artist/534749-The-Pinups
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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