Die Mörder sind unter uns - Wolfgang Staudte (1946)

Moderator: jogiwan

Die Mörder sind unter uns - Wolfgang Staudte (1946)

Beitragvon purgatorio » 10. Feb 2013, 17:02

DIE MÖRDER SIND UNTER UNS

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Deutscher Titel / Originaltitel: Die Mörder sind unter uns
Alternativtitel: Der Mann, den ich töten werde / Murderers Among Us

Regie: Wolfgang Staudte
Produktionsland: Deutschland (1946)

Darsteller: Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Arno Paulsen, Elly Burgmer, Erna Sellmer, Hilde Adolphi, Marlise Ludwig, Ursula Krieg, Robert Forsch, Albert Johannes, Wolfgang Dohnberg, Ernst Stahl-Nachbaur

Story:
Berlin im Jahre 1945: Der Arzt und ehemalige Offizier Mertens kehrt aus dem Krieg zurück. Seelisch gebrochen versucht er, seine Kriegserinnerungen im Alkohol zu ertränken. Als Susanne Wallner, selbst mit den Erlebnissen des KZs konfrontiert, ihm begegnet und ihn umsorgt, fassen beide neuen Lebensmut. Dann wird Mertens mit seinem ehemaligen Hauptmann Brückner konfrontiert, der im Krieg Dutzende unschuldiger Frauen und Kinder erschießen ließ. Die Begegnung läßt Mertens keine Ruhe, und am Weihnachtsabend beschließt er, den inzwischen wohlhabenden Fabrikanten für seine Verbrechen büßen zu lassen ...

(via ofdb)
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Re: Die Mörder sind unter uns - Wolfgang Staudte (1946)

Beitragvon purgatorio » 11. Feb 2013, 08:56

DIE MÖRDER SIND UNTER UNS (DIE MÖRDER SIND UNTER UNS, Deutschland 1946, Regie: Wolfgang Staudtke)

Großartiger, sehr eindringlicher und bedrückender Film. Zieht surreale, teilweise sogar expressionistische Kraft (im Stile des deutschen Films der 20er Jahre) aus authentischen, sehr gut ausgeleuchteten Sets (Nachkriegsberlin 1946 war Originaldrehort!). Der Film wartet nebst einer bedrückenden und aufwühlenden Geschichte (wenn auch nicht in aller Konsequenz detailliert beleuchtet – warum war die Hauptcharakterin gleich im KZ?) auch mit fantastischen, perfekt komponierten Aufnahmen auf (sehr erinnerungswürdig beispielsweise eine Szene, in der Menschen zum Weihnachtsfeste in einer Kirchenruine zusammen kommen, während es den Schnee über den Altar weht).
Auch als Zeitdokument bietet der Film Potenzial, atmet er doch den Zeitgeist der Stunde Null. Speziell die letzte Einstellung scheint hier auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft spenden zu wollen. Aber auch die Unwissenheit über das gesamte Ausmaß der Katastrophe gibt dem Film authentische, dokumentarische Kraft (erwähnt sei eine Zeitung auf dem Schreibtisch des ehemaligen Nazi-Hauptmanns, deren Schlagzeile „2 Millionen vergast!“ wohl etwas knapp bemessen wurde). Trotz einiger Schwächen zeugt dieser überhaupt allererste deutsche Nachkriegsfilm aber davon, dass die kreativen Köpfe des Landes nach 12 Jahren Einschränkung und Diktat ihr Handwerk noch nicht verlernt hatten: 7/10
Zuletzt geändert von purgatorio am 11. Feb 2013, 16:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Mörder sind unter uns - Wolfgang Staudte (1946)

Beitragvon Die Kroete » 11. Feb 2013, 12:09

Einer der vielen Umerziehungsfilme der Nachkriegszeit, mit denen die Deutschen auf Linie getrimmt wurden.
Damals war jedoch wesendlich mehr Wahres enthalten als bei den politisch-motivierten Streifen der letzten 20 Jahre.

Stimmungstechnisch und Dramaturgisch ein kleines Meisterwerk, erinnert der Film stark an die "Schwarze Serie" aus den USA, was aber nich heißen soll, daß es ihm geschadet hätte. ;)
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Re: Die Mörder sind unter uns - Wolfgang Staudte (1946)

Beitragvon buxtebrawler » 11. Feb 2013, 13:24

Die Kroete hat geschrieben:Einer der vielen Umerziehungsfilme der Nachkriegszeit, mit denen die Deutschen auf Linie getrimmt wurden.
Damals war jedoch wesendlich mehr Wahres enthalten als bei den politisch-motivierten Streifen der letzten 20 Jahre.


Welche meinst du?
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Re: Die Mörder sind unter uns - Wolfgang Staudte (1946)

Beitragvon purgatorio » 11. Feb 2013, 16:10

ich hatte ehrlich gesagt nicht den Eindruck, dass der Film die Plakette "Umerziehungsfilm" verdienen würde. Viel eher ist er der erste, zaghafte Versuch einer Annäherung an die Täter-Opfer-Problematik. Immerhin ist er auch lange vor dem Bekanntwerden der wirklichen Tragweiten entstanden (auch beispielsweise in Bezug zur Goldhagen-Debatte der Spät-90er!).

Ich vergaß in meiner Kurzbesprechung übrigens auf die fantastischen Kontraste des Films, sowohl in technischer Sicht (Setausleuchtung) als auch mit Bezug auf den Inhalt zu erwähnen - sehr stark eine Szene, in der zwei Herren wie Dandys durch die Trümmer Berlins laufen, vorbei an den sog. Trümmerfrauen, um ein Etablissement aufzusuchen und sich bei Alkohol und Frauenbegattung zu amüsieren.
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Re: Die Mörder sind unter uns - Wolfgang Staudte (1946)

Beitragvon buxtebrawler » 21. Aug 2017, 15:18

Erscheint zusammen mit "Geständis unter vier Augen" voraussichtlich am 25.08.2017 bei Edel Germany noch einmal auf Doppel-DVD:

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Extras:
Trailershow; DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge 1946/08: Über die Gründung der DEFA; Der Augenzeuge 1946/26: Über die Premiere von "Die Mörder sind unter uns"

Quelle: https://ssl.ofdb.de/view.php?page=fassu ... &vid=80738
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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