Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl (1962)

Moderator: jogiwan

Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl (1962)

Beitragvon sid.vicious » 22. Jan 2012, 23:33

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Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland, Jugoslawien, Frankreich
Produktion: Horst Wendlandt
Erscheinungsjahr: 1962
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Harald G. Petersson
Kamera: Ernst W. Kalinke
Schnitt: Hermann Haller
Musik: Martin Böttcher
Länge: ca. 111 Minuten
Freigabe: FSK 6
Darsteller:
Lex Barker: Old Shatterhand
Pierre Brice: Winnetou
Götz George: Fred Engel
Herbert Lom: Colonel Brinkley
Karin Dor: Ellen Patterson
Eddi Arent: Lord Castlepool
Marianne Hoppe: Mrs. Butler
Ralf Wolter: Sam Hawkens
Mirko Boman: Gunstick Uncle
Sima Janićijević, Jan Sid: Patterson
Jozo Kovacevic: Großer Wolf
Slobodan Dimitrijević: Rollender Donner
Branco Špoljar: Doc Jefferson Hartley
Ilija Ivezić: Hilton
Vladimir Medar: Saloonwirt
Sime Jagarinec: Osagen-Häuptling



Der italienische Titel “Il Tesoro del Lago d'Argento” zergeht mir schon beim Lesen auf der Zunge. 1:1 übersetzt, aber einfach den Klängen einer Verdi-Oper gleichzusetzen. Wie komme ich darauf, nun: obwohl es sich um eine deutsch, jugoslawisch, französische Co-Produktion handelt, muss ich immer an Italien denken. Italo-Western, Sandalen-Filme, Karl May Western, war da nicht was? Irgendwie sagt mir das Jahr 1962 doch was, aber egal.

Der erste Karl-May-Western kam 1962 in die Kinos und bescherte den Produzenten einen Riesenerfolg. Die Einnahmen waren fast doppelt so hoch wie die Kosten und das damalige Publikum fand etwas Neues an dem man sich orientieren konnte. Winnetou 1 folgte ein Jahr später und sorgte für gleiche Begeisterung beim Publikum.

Was man anmerken muss und was dem geschulten Karl May Fan sofort auffallen wird bzw. aufgefallen ist, dass Harald G. Petersson sein Drehbuch im Vergleich zum Roman doch um Einiges geändert hat.

Charaktere:
„…und dieser Held der vor mir steht ist Gunstik Uncle der Prärie Poet.“ so frönt Marianne Hoppe in der Rolle der Mrs. Buttler ihre Begrüßung als die ruhmreiche Reiterschaft: Sam Hawkins, Old Shatterhand und Mirko Boman als Gunstik Uncle vor ihr steht. Dem wirft Gunstik Uncle ein „Wenn eine schöne Frau mich lobt, Freude in meinem Busen tobt.“ zurück, welches wiederum durch Marianne Hoppe mit den Worten „…und will auf Ruhm verzichten und höre auf zu dichten“, vollendet wird. Irgendwann hört er dann auch auf zu dichten verabschiedet sich von der Slapstick-Bildfläche, die dann von Eddie Arent in Beschlag genommen wird.

Typisch für einen Teutonen-Western oder für typisch Harald Reinl? immer wieder einen dieser Scherzkekse durch das Bild holpern zu lassen. Ralf Wolter als Sam Hawkins und eine große Schar an ziemlich unterbelichteten Tramps sind auch jederzeit im Begriff, den freiwilligen und den unfreiwilligen Humor an das Publikum zu vermittelt.

Irgendwie muss Harald Reinl schon einen gewissen Faible für Eddie Arent gehabt haben, da Reinl auch in den Wallace-Verfilmungen „Die Bande des Schreckens“ „Der grüne Bogenschütze“ und „Der Fälscher von London“ mit Arent zusammen arbeitete. Zwar ist Eddie Arents Penetranz innerhalb „Der Schatz im Silbersee“ nicht so derbe wie in „Der grüne Bogenschütze“ aber manchmal fragt man sich schon, was er eigentlich in diesem Karl May Western zu suchen hat. Schlaue Köpfe könnten nun sagen, die Rolle sei ein Pendant zu Mose Harper innerhalb John Fords „The Searchers“, sie könnten es allerdings auch sein lassen.

Götz George versucht in der Rolle des Fred Engel alle Schnellsprechrekorde zu brechen, auch auf sein Pferd kann er nicht vernünftig aufsteigen, sondern muss immer auf dieses springen. Ein Hektiker der wirklich Alles gibt um sich in den Vordergrund zu spielen. Karin Dor hält sich dezent zurück und frönt wie man es von ihr kennt einer sympathischen schauspielerischen Darstellung, welche von Natürlichkeit und Charisma begleitet wird.

Die böse Seite des Silbersees wird von vielen Vollidioten dominiert, die einfach nur unfreiwillig komisch wirken. Einzige Ausnahme natürlich Herbert Lom als Colonel Brinkley. Zu gern nimmt der Gehörgang seine einzigartige Stimme auf und auch die Gesamtleistung verdient es geschätzt zu werden. Herbert Lom ist als Colonel einfach großartig.

Musik:
Martin Böttchers Musik steht außer Frage. Melodien die sich auch durch folgende Karl May Western zogen und für Begeisterung und einen hohen Wiedererkennungswert sorgten. Apropos Wiedererkennungswert, es gibt wohl kaum einen Film (außerhalb der Karl May Filme) in dem die Musik so angelegt wurde, das der Auftritt der Guten und der Bösen jederzeit unverkennbar angekündigt wurde.

Fazit:
Ein unterhaltsamer und aufwendig gefilmter Karl May Western, in dem Kameraführung und die Landschaften für ein wirklich schönes und gemütliches Ambiente mit garantiert hohem Wohlfühlfaktor sorgen und der zu recht einen festen Platz in der deutschen Filmgeschichte hat.


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Re: Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl

Beitragvon jogiwan » 8. Dez 2012, 19:00

Ein sehr interessanter und unterhaltsamer Artikel von Lukas Zimmer zum 50jährigen Jubiläum ist heute auf orf.at erschienen.

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orf.at hat geschrieben:
Flächendeckende Winnetou-Mania

Für die deutsche Filmbewertungsstelle war es ein „wenig überzeugendes“ Drehbuch, das von schlechten Schauspielern mit „penetrantem Ernst“ unter „führungsloser“ Regie und mit „durchschnittlicher Kameraführung“ dargestellt worden sei. Für Generationen von anderen war es der Film ihrer Kindheit schlechthin: „Der Schatz im Silbersee“, der am 12. Dezember 1962 im deutschen Stuttgart Premiere feierte.

Die Filmbewertungsstelle verweigerte dem Film jegliches Prädikat, trotzdem wollten aber alle Winnetou und Old Shatterhand sehen. Schon die Premiere geriet zum Großereignis, über Wochen waren die Kinovorstellungen ausverkauft, eine regelrechte Wildwesthysterie erfasste den gesamten deutschsprachigen Raum für zumindest die folgenden sechs Jahre, in denen zwölf weitere Karl-May-Western und fünf andere Karl-May-Verfilmungen folgen sollten. Der Erfolg war gewollt und kalkuliert - und ist den Produzenten letztlich doch nur „passiert“.

Am Anfang war die Ratlosigkeit

Am Anfang der Filmpläne stand vor allem Ratlosigkeit: Die deutschen Kinos wurden angesichts immer höherer TV-Dichte immer leerer. Vor allem die eigene Filmindustrie litt. Verfilmte Kammerspiele zogen nicht mehr. Produzent Horst Wendlandt entschloss sich zur gewagten Flucht nach vorne: Etwas Großes und Buntes und Monumentales musste her, in der Machart der Amerikaner - eben etwas, das das kleinformatige und schwarzweiße Fernsehen nicht bieten konnte.

Es sollte etwas typisch Deutsches sein, ohne deutsch zu sein: 17 Jahre nach Ende der Nazi-Herrschaft war das Begriffspaar deutsch und Monumentalfilm nur für eindeutig negative Konnotationen gut. Der logische Kandidat: Karl May und dessen Phantastereien über Abenteuer in der Ferne. Die Geschichte, dass Wendlandts eigener Sohn ihn um einen Winnetou-Film angebettelt habe, kann wohl eher ins Reich der PR-Legenden verwiesen werden - „Der Schatz im Silbersee“ war ein am Reißbrett geplanter Kassenerfolg.

Sehr frei nach May

Wendlandt ließ so auch gnadenlos alles aus der Buchvorlage streichen, was dem Publikum missfallen könnte: Unzählige Nebenfiguren und Handlungsstränge des Buches wurden für den Film ausgemistet. Aus den Kindern Fred Engel und Ellen Patterson wurde umgekehrt ein schmachtiges Liebespaar. Old Shatterhand musste außerdem ansehnlich sein - daher fehlen der ins Gesicht gezogene Hut und der Vollbart der Vorlage. Dafür sucht man umgekehrt Sam „Wenn ich mich nicht irre, hihi“ Hawkens im Buch vergeblich.
Gekonntes Marketing von Anfang an

Wendlandt betrieb auch reichlich - gekonntes - Marketing: Schon Monate vor der Premiere wurde das kommende „filmische Großereignis“ eingetrommelt, bis hin zum gezielt platzierten Fotofortsetzungsroman in Illustrierten. Immerhin warteten 3,5 Millionen D-Mark Produktionskosten darauf, eingespielt zu werden. Die Werbeoffensive funktionierte: Schon zur Premiere fanden sich kreischende Mädchen ein, die ihre eigene kleine Winnetou-Mania an dessen Darsteller Pierre Brice abarbeiteten.

Die Winnetou-Mania sollte den deutschsprachigen Raum schließlich flächendeckend überziehen. So gab es in „Bravo“ ganze dreimal einen „Winnetou-Starschnitt“. Keine Beatles, kein Elvis Presley und auch sonst niemand wurde so oft in einer der legendären Postercollagen der Jugendzeitschrift verewigt. Deutschen TV-Shows reichte damals allein die Ankündigung, dass Brice und Old-Shatterhand-Darsteller Lex Barker dabei sein würden, für beinahe 100-prozentige Einschaltquoten.

Wilder Westen a la Europa

Damit das Marketing funktionieren konnte, brauchte es allerdings das entsprechende Produkt. Dass es das am Ende tatsächlich gab, grenzte an ein Wunder. So sehr Wendlandt das Marketing beherrschte, so wenig Ahnung hatten er und Regisseur Harald Reinl von Monumentalfilmen. Der Tross der deutsch-französisch-jugoslawischen Koproduktion, der sich im Sommer 1962 in die Gegend der kroatischen Plitvicer Seen aufmachte, war eher eine Chaostruppe als ein Profifilmteam.

Ohnehin war es gewagt, den an US-Filmkost gewöhnten Kinobesuchern die kroatische Landschaft als USA verkaufen zu wollen. Doch genau das wurde zum Teil des Erfolgs: Das Publikum liebte die europäisierte Version des Wilden Westens, die ihm quasi auf halbem Weg entgegenkam. Das galt auch für die vor allem deutschen Cowboys und die kroatischen Indianer. Brice und Barker waren lediglich als Aufputz dafür da, um dem ganzen internationalen Anstrich zu geben.
Winnetou und Old Shatterhand im Film "Der Schatz im Silbersee"picturedesk.com/Interfoto/FriedrichPierre Brice und Lex Barker

Mach’s nochmal, Lex

Die Wahl von Barker war geradezu ein Eingeständnis, dass man selbst nichts von Western verstand. Sein Auftrag bestand darin, seine Rolle als Wildtöter aus der damals fünf Jahre alten US-Verfilmung von „Lederstrumpf“ noch einmal abzuspulen - inklusive eines Kostüms, das jenem aus dem amerikanischem Vorbild auf die Franse genau glich. Barker nahm das wenig attraktive Angebot an. Er hatte seine Karriere an zu vielen US-B-Pictures verschlissen und wenig zu verlieren.

Auch ohne Barkers Alkoholprobleme hätte sich die Zusammenarbeit allein wegen der Sprachprobleme schwierig gestaltet. Das zeigte sich nicht nur an ratlosen kroatischen Statisten, die oft genug zum falschen Zeitpunkt losstürmten oder eben nicht, sondern auch an „Winnetou“ Brice. Ohnehin waren die beiden nur als Nebenrolle angelegt. Die Hauptrolle war dem jungen Götz George als Fred Engel zugedacht, wie auch der im Internet zu sehende Originaltrailer belegt.

Erkennen Sie die Melodie

Dass das Publikum entgegen Wendlandts Erwartungen vor allem von Winnetou und Old Shatterhand angetan war, korrigierte der Produzent ab dem ersten der eilig nachgereichten Winnetou-Filme. Einen anderen „Fehler“, der im Originaltrailer noch auffällt, beseitigte Wendlandt quasi in letzter Sekunde vor der Premiere: Er ließ den Soundtrack neu schneiden und machte die bisher im Film versteckte „Old-Shatterhand-Melodie“ zum Leitmotiv: Der größte Instrumentalerfolg der deutschen Hitparade war geboren.

Fixpunkt des 70er-Jahre-Fernsehens

Wendlandt saß, halb aus Berechnung, halb aus Zufall, auf seinem eigenen Schatz und wusste ihn zu nutzen: Dass die Karl-May-Filme für Generationen zum prägenden Filmerlebnis wurden, war auch seiner Vermarktungsstrategie zu verdanken: So ließ er nicht locker, bis die Altersfreigabe von ursprünglich zwölf Jahren auf sechs Jahre gesenkt wurde und brachte den Film drei Jahre nach der Uraufführung erneut groß in die Kinos - eine zweite Generation von Zusehern war erobert.

Generation Nummer drei war dran, als Wendlandt das Paket der Karl-May-Filme ab 1974 an die Fernsehanstalten verkaufte, wo sie fortan im Dauereinsatz standen. Die deutsche Filmbewertungsstelle hatte ihren eigenen Kampf gegen die Allianz aus Indianern und Publikum zu dem Zeitpunkt schon lange verloren gehabt: Dem einstmals so geschmähten Streifen war schon rund einen Monat nach der Premiere still und heimlich das Prädikat „wertvoll“ verliehen worden.

Lukas Zimmer, ORF.at



quelle: http://www.orf.at/stories/2155095/2155096/
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Re: Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl

Beitragvon DrDjangoMD » 8. Dez 2012, 20:13

Wirklich sehr interessanter Artikel. Den Trailer über den gesprochen wird, hab ich gleich auf Youtube rausgesucht. Herrlich, Götz George spricht gegen Ende direkt zum Publikum, absolut großartig :D :

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl

Beitragvon jogiwan » 8. Dez 2012, 20:20

ich muss ja ehrlich gestehen, dass ich den noch nie gesehen hab - aber irgendwie hab ich große Lust den zu gucken! Der Trailer ist auch wirklich großartüsch! :thup:
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Re: Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl

Beitragvon purgatorio » 8. Dez 2012, 20:43

hab das Buch gelesen und den Film früher sehr oft gesehen... jetzt gerade den Trailer geguckt und festgestellt, dass ich wohl nichts mehr davon weiß :? :palm:
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Re: Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl

Beitragvon untot » 9. Dez 2012, 22:40

Ich war ja früher als Kind wirklich ein riesen Winnetou Fan und wenn die Filme liefen hing ich vor der Glotze.
Letzes Jahr zu Weihnachten hab ich mal wieder reingeschaut... :shock:
Ich hab echt selten so gelacht und mich gefragt ob die Filme früher auch schon so peinlich gewesen waren, besonders wenn Winnetou von sich in der 3. Person spricht, zum Fremdschämen wirklich. :palm:
Andererseits ists wieder amüsant zu sehen wie sich ein Sachse den Wilden Westen so vorstellte!! :mrgreen:
Trotzdem muss ich die glaub ich dieses Jahr nicht wieder gucken.
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Re: Der Schatz im Silbersee - Harald Reinl

Beitragvon Arkadin » 12. Feb 2018, 12:40

Nach Jahrzehnten wieder geguckt. Schöne B-Western-Atmosphäre und tolle Landschaftsaufnahmen aus Kroatien. Ich war sehr überrascht, dass Winnetou und Old Shaterhand hier eher untergordnete Rollen spielen. Zwei "Polizisten", die dem jungen Helden des Films (Götz George gibt alles) wie Schutzengel zur Seite stehen. Macht Spaß, wirkt heute aber irgendwie "kleiner" als früher. Selbst bei Massenszenen wie der Attacke auf Baker's Farm, wirken daa irgendwie weitaus billiger, als ich das in Erinnerung hatte. Und man merkt schon deutlich, dass die Anzahl der Angreifer durch Kameratricks und Schnitt weitaus größer wirken sollte. Interessant fand ich die Synchronstimme von Herbert Lom. Die Klang bei manchen Betonungen etwas komisch, obwohl 1A akzentfreies Deutsch. Bis ich gelesen habe, der Herbert hat sich da selber synchronsiert. Aber klar: Herbert Charles Angelo Kuchačevič ze Schluderpacheru war ja auch Prager.
Früher war mehr Lametta
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