Derrick: Folge 67 - Unstillbarer Hunger

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Derrick: Folge 67 - Unstillbarer Hunger

Beitragvon untot » 28. Mär 2011, 19:41

Erstausstrahlung: 25.01.1980

Helga Wichmann, eine lebenslustige junge Frau wurde vor ein Auto gestoßen und starb, Derrick obliegt nun die traurige Pflicht, die Angehörigen der Toten zu informieren.
Derrick wundert sich aber über die merkwürdigen Reaktionen in der Familie, die Schwiegermutter scheint die einzige zu sein, die über den Tod von Helga Wichmann einigermaßen erschrocken ist, wenn gleich auch nicht sonderlich überrascht.
Der Ehemann dagegen reagiert völlig emotionslos, die Ermittlungen ergeben bald, das die Vorgeschichte für den Mord im Familienleben der Wichmans zu suchen sein muß.

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Mit:
Maria Wimmer (Elisabeth Wichmann)
Peter Fricke (Eberhard Wichmann)
Diana Körner (Helga Wichmann)
Pierre Franckh (Ralf Gebhardt)
Wolfgang Wahl (Werner Hess)
Sascha Hehn (Robert Berger)
Helma Seitz (Frau Keeler)
Klaus Wildbolz (Barbesitzer)
Veit Relin (Harald Lüssmann)
Robert Naegele (Herr Ecker)
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Re: Derrick: Folge 67 - Unstillbarer Hunger

Beitragvon Blap » 1. Aug 2011, 00:44

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Cover der Derrick Collectors Box 5, welche die Folgen 61-75 enthält


Folge 67 - Unstillbarer Hunger (Deutschland 1980)

Helga Wichmann (Diana Körner) wird nach dem Besuch einer Bar vor ein nahendes Auto geschubst, sie ist sofort tot. Der Fahrer und weitere Zeugen haben den Täter gesehen, doch er konnte unerkannt die Flucht ergreifen. Als Derrick der Familie des Opfers die traurige Nachricht überbringt, zeigt sich die Schwiegermutter Elisabeth (Maria Wimmer) zutiefst betroffen. Indessen fällt die Reaktion des Ehegatten Eberhard Wichmann (Peter Fricke) erstaunlich aus, seine Gefühlskälte lässt die Ermittler erschauern. Eberhard Wichmann wusste von den Seitensprüngen seiner Frau, dachte aber trotzdem nicht an eine Scheidung, da dies nicht in sein eingeschränktes Weltbild passt. Derrick und Klein finden ein Notizbuch der Toten, sie suchen daraufhin diverse Bekanntschaften der attaktiven Frau auf. Derrick interessiert sich für das Schicksal Helga Wichmanns, die nur auf den ersten, oberflächlichen Blick einen ruchlosen Lebenswandel führte. Offenbar war die sensible Person in erster Linie auf der Suche nach Wärme und Zuneigung, die ihr von ihrem verstockten Ehemann verweigert wurde. Dem eiskalten Eberhard Wichmann ist der Mord zuzutrauen, doch er kann für den Zeitpunkt der Tat ein Alibi vorweisen...

Peter Fricke ist auf (mehr oder weniger) seltsame Charaktere abonniert. Seine Darbietungen in den Folgen "Klavierkonzert" (45) und "Die Versuchung" (63) waren stark, in "Unstillbarer Hunger" stellt er eine (un)menschliche Tiefkühltruhe sehr überzeugend dar. Er verströmt jedoch nicht nur eisige Kälte, die Krönung ist sein fieser Zynismus, der seinem Umfeld (und nicht nur dem) schwer zusetzt. Maria Wimmer entspricht nicht im Ansatz dem Klischee der bösen Schwiegermutter. Im Gegenteil, sie fühlt sich ihrer Schwiegertochter sehr nahe, hatte Verständnis für deren zunehmende Verzweiflung, den daraus resultierenden Griffen nach einem Rettungsanker. Pierre "Pecko" Franckh sehen wir als jüngeren Sohn Maria Wimmers, der sich unterwürfig-schleimig um die Zuneigung seines älteren Bruders bemüht. Diana Körner kommt nach ihrem Episodentod durch Rückblenden zum Zuge, in denen der Zuschauer mehr über die Ehe der Wichmanns erfährt. Sascha Hehn taucht in einer Nebenrolle auf, Klaus Wildbolz als freundlicher Barmann. Harry entpuppt sich als Spiesser, während Derrick eine differenzierte Sicht auf die Dinge hat. Wie üblich spielen alle Beteiligten auf gutem bis hervorragendem Niveau.

"Unstillbarer Hunger" gibt dem Zuschauer mit dem von Peter Fricke verkörperten Eberhard Wichmann, sehr schnell und eindeutig ein glasklares "Hassobjekt" an die Hand. Hingegen werden die von Maria Wimmer und Diana Körner gespielten Charaktere mit jeder Minute sympathischer. Auf Graustufen wird weitgehend verzichtet, wodurch der Betrachter freilich einer Gängelung unterzogen wird (Der ich mich nicht entziehen wollte, denn Fricke ist grandios als Widerling, Eberhard Wichmann kann (und darf) ich/man mit Leidenschaft verabscheuen). Das Schicksal des Opfers mutet mit fortschreitender Spieldauer zunehmend tragischer an. Eine Frau auf der Suche nach Wärme, die auch abseits ihrer grauenvollen Ehe nur auf oberflächliche Gestalten trifft. Der finale Hohn des Witwers treibt selbst den erfahren Derrick wortlos aus dem Haus. Die Auflösung ist nachvollziehbar, wird dem aufmerksamen Zuschauer frühzeitig klar sein. Als Schwäche möchte ich diesen Punkt nicht werten, denn der Schwerpunkt wurde auf das bittere Familiendrama gelegt. Frank Duval beendet die Folge mit melancholischen Klänge über dem Abspann, die den Zuschauer bedrückt und nachdenklich zurücklassen. Eine der besten Folgen von Regisseur Helmuth Ashley, der mich in der Vergangenheit nicht immer vollends zufriedenstellen konnte.

7/10 (gut)
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Re: Derrick: Folge 67 - Unstillbarer Hunger

Beitragvon dr. freudstein » 21. Aug 2011, 18:21

Ei, ei, Eberhard Wichmann ist ja wirklich eine eiskalte Sau :o Klasse gespielt, absolut. Selbst einen Schuß auf ihn kommentiert der ganz gelassen :roll:Peter Fricke passt hier hervorragend in die Rolle.War früher ja auch oft in Filmen, besonders im Fernsehen zu sehen und ich mochte den Kerl, auch wenn er meinen spärlichen Erinnerungen zufolge nie eine sympatische Person spielte oder doch? Der Apfel fällt hier aber doch weit vom Stamm, selbst die Mutti ist entsetzt von der Kaltschnäuzigkeit ihres Sohnes. Sein Hausdiener Ralf, wieder sehr schön gespielt von Pierre Franckh habe ich früher auch immer sehr gerne gesehen, so eine Type gibts nicht oft.

Hier werden auch wieder mehr die Charaktere der Personen durchleuchtet, als das man einen wirklich spannenden Krimi vorgesetzt bekommt, dennoch sehr schön anzusehen. Die Auflösung mag keine Überraschung sein, wenn man die Beteiligten aufmerksam beobachtet. Lenkten einem zunächst Herrenhandschuhe auf die falsche Fährte, wäre auch zu offensichtlich gewesen, so war es letztendlich dann doch nicht schwer zu erraten. Vielleicht nicht ganz so kniffig und raffiniert wie ein COLUMBO, wo man der Tat jedesmal beiwohnen durfte, lediglich der Auflösung zuschaut (warum eigentlich immer dieser Vergleich von mir? Wahrscheinlich, weil diese beiden Krimiserien die einzigen sind, die ich umfangreich hier stehen habe) so geht es hier auch mehr um die Motive der Täter, warum sie einen Menschen töten.

Jetzt ist Schluß mit Punktewertung, es könnte als Schleimerei angesehen werden, doch es obliegt mir keineswegs dem hervorragendem Vorredner Frau Blap nachzueifern :nixda: Schön, was der Kamerad aus einer Fernsehfolge so alles herausholt :thup:

Von mir ein sehr gut, was bei mir allerdings 7-8 Punkte darstellt.
Insgesamt würde eine DERRICK Folge also entweder mit gut, sehr gut oder hervorragend bewertet werden können.
dr. freudstein
 
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Re: Derrick: Folge 67 - Unstillbarer Hunger

Beitragvon Die Kroete » 26. Okt 2013, 13:17

Hervorragend, auch oder gerade wegen der darstellerischen Leistung von Peter Fricke und Pierre Franckh! :thup:

8/10
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