Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Moderator: jogiwan

Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon untot » 1. Mär 2011, 20:31

Derrick Folge 3 - Stiftungsfest
Erstausstrahlung 12.01.1975

Eine Liedertafel feiert in einem Hotel ihr 75jähriges Bestehen, es wird gesungen, getanzt und die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen.
Vor allem August Bark zeigt sich von Gesang und Alkohol äußerst animiert, schließlich wagt er sogar ein Tänzchen mit Irene Eppler, der Freundin seines Sohnes.
Wenig später wird Irene erdrosselt aufgefunden, Derrick versucht die Ereignisse des Abends zu rekonstruieren...

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Mit Siegfried (Der Alte) Lowitz, Bruno Dietrich, Herbert Fleischmann, Ullrich Haupt...
Schön hier Siegfried Lowitz mal auf der anderen Seite des Gesetzes zu sehen, als August Bark, der hier schon fast hysterisch versucht, das Geschehene zu vertuschen, erklären, verdrängen, davon zu laufen und sich letztenendes trotzdem seiner Tat stellen muß.
Das hier ist nicht etwa gespoilert, denn in den ersten Derrick Folgen hat man den Mörder immer zuerst schon gekannt, dieses Schema änderte sich aber später und der Mörder wurde erst am Ende entlarvt.
"Stiftungsfest" ist eine der Folgen, die mir außerordentlich gut gefallen!

8/10
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Re: Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon Blap » 1. Mär 2011, 22:47

Derrick: Folge 3 - Stiftungsfest (Deutschland 1974)

Ein Gesangverein feiert ein rauschendes Fest zum Jubiläum. Der Vorsitzende wird im Alkoholrausch von seiner Geilheit übermannt, fällt eine Freundin der Familie an. Die junge Frau kommt dabei unglücklich zu Tode, der Sohn des Täters gerät unter Verdacht...

Ein grosser Auftritt von Siegfried Lowitz, der alle anderen Anwesenden (mit Ausnahme von Tappert) überstrahlt. In einer Nebenrolle sehen wir Herbert Fleischmann, der zu viel trinkt und zur Schleimerei neigt.

Diese Folge ist handwerklich zwar sehr solide ausgeführt, aber vielleicht auch ein wenig zu bieder inszeniert. Ein paar Längen haben sich leider eingeschlichen.

Fast gut = 6,5/10
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Re: Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon Onkel Joe » 2. Mär 2011, 19:41

Diese Folge ist ja mehr oder weniger ein Kammerspiel, gut gespielt und mit 6/10 eine Folge die zu den besseren gehört :) .Mit Andrea Rau die in ihrer Sterbeszene Ihre Doppelflak präsentiert haben wir schon ein Highlight der Serie:Bild
:prost:
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Re: Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon dr. freudstein » 2. Mär 2011, 19:58

Ja, objektiv betrachtet, nicht unbedingt ein Glanzstück, aber S. Lowitz mal auf der anderen Seite ist schon ein Schmankerl und Zungenschnalzerl wert. Zur damaligen Zeit sicher weitaus beeindruckender als heute, aber ich finds als `nen gemütlichen Beitrag zum Fernsehabend durchaus sehenswert.
Entspannend, unterhaltsam, gemütlich...zurücklehnen und genießen :)
*gut*
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Re: Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon Blap » 2. Mär 2011, 20:00

Onkel Joe hat geschrieben:...6/10 eine Folge die zu den besseren gehört...


6/10 wäre (bezogen auf die Folgen 1-30) der absolute Bodensatz (IMHO).
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Re: Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon Onkel Joe » 2. Mär 2011, 20:10

Blap hat geschrieben:6/10 wäre (bezogen auf die Folgen 1-30) der absolute Bodensatz (IMHO).



Deine Bewertung muss man aber net verstehen oder ???6/10 ist Bodensatz und 8/10 ist gut bis sehr gut, was ist dann 5/10 oder gar weniger wenn 6/10 schon Bodensatz ist??? Funzt dann net wirklich diese Bewertung oder ???

Für mich ist eine 6/10 ganz OK für eine TV Serie die aus den 70er stammt :popcorn: .
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Re: Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon Blap » 2. Mär 2011, 22:29

6/10 wäre für mich der Bodensatz im Rahmen der frühen Derrick-Folgen, da ich keine Folge unterhalb von 6/10 (obere Mittelklasse) bewerten würde. Darin liegt ein grosser Reiz der Serie, obschon die Episoden vordergründig sehr unterschiedlich anmuten, wird immer ein gewisses "Mindestmaß" an Klasse und Unterhaltungswert geboten.
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Re: Derrick Folge 3 - Stiftungsfest

Beitragvon Prisma » 28. Okt 2014, 21:48



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● Folge 3: STIFTUNGSFEST (1974)
mit Horst Tappert und Fritz Wepper
Gäste: Siegfried Lowitz, Andrea Rau, Bruno Dietrich, Herbert Fleischmann, Ulrich Haupt, Claudia Butenuth, u.a.
hergestellt durch die Telenova Film- und Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF | ORF | SRG
Regie: Helmut Käutner




Eine Liedertafel feiert in einem Gasthaus großes Jubiläum. Nachdem einige Lieder zum Besten gegeben wurden, wird die Stimmung wesentlich ausgelassener und die Familien und Freunde der Jubilare fangen an zum gemütlichen Teil der Veranstaltung überzugehen. Es wird getrunken, gealbert und getanzt und einer unter ihnen namens August Bark zeigt sich in besonderer Feierlaune, als er mit der attraktiven Irene, der Freundin seines Sohnes, sogar ein Tänzchen wagt. Doch die Stimmung kippt schlagartig um, denn wenig später wird Irene leblos in ihrem Zimmer aufgefunden. Für Oberinspektor Derrick beginnt nun Routine, aber der Fall lässt sich doch nicht so einfach rekonstruieren, wie er sich das gedacht hat. Er ahnt nur eines: der Täter muss unter den Gästen sein und schon bald ergeben sich begründete Verdachtsmomente gegen eine gewisse Person...

Bereits innerhalb von gerade einmal drei Folgen stellte man bei "Derrick" die unterschiedlichsten Motive und Facetten des Verbrechens vor: pathologische Sexualdelikte, Mord aus Berechnung sowie Kalkül und in der Episode "Stiftungsfest" schließlich Totschlag in einer überaus alltagstauglichen Situation mit einer fatalen Kettenreaktion. Die Stärke der Folge zeigt sich nicht zuletzt anhand der Tatsache, dass diese Situation (abgesehen von einem Todesfall natürlich) jedem vielleicht ein wenig bekannt vorkommt und deswegen einen hohen Transfer widerspiegelt. Es wird sehr gut dargestellt, wie die allgegenwärtige Ausgelassenheit und Freude, plötzlich das Gesicht des schlimmsten Alptraums bekommt, wie aus langjährigen Freunden Gegner und sogar Feinde werden, wie das Leben innerhalb einer Minute nicht nur für das Opfer, sondern auch für den Täter vorbei sein kann. Verfeinert wurde das Ganze schließlich mal wieder mit einer Besetzung der A-Kategorie. Die Tragödie nach Zufalls- oder Schicksalsprinzip spielt sich in einem abgelegenen, bürgerlichen Gasthof, vor unscheinbarer winterlicher Kulisse ab, was könnte dort schon außergewöhnliches passieren? Die Sangeskollegen haben mit ihren Familien und Freunden einen unbeschwerten, heiteren Abend geplant, die Bier- und Schnapslaune transportiert Ausgelassenheit, alle Sorgen und Probleme wurden an der Garderobe abgegeben. Es wird gealbert, gesungen, getanzt und vor allem getrunken, es verspricht eine unvergessliche Nacht zu werden, was sich auch bewahrheiten wird, doch leider in einer fatalen Umkehrreaktion.

Siegfried Lowitz als August Bark steht ganz im Mittelpunkt dieser Folge. Wo er nur kann, heizt er die Stimmung dynamisch an, man bekommt den Eindruck, dass sich nicht nur er an diesem Abend gut 25 Jahre jünger fühlt, sondern auch einige seiner Freunde. Für den Höhepunkt der Feierlaune sorgt schließlich die reizende Andrea Rau mit ihrem Tanz auf dem Vulkan, bis die schließlich Luft brennt. Ihre Irene, die mit Barks Sohn liiert ist, erweist sich als perfekte Projektionsfläche für die hemmungslos freigelassenen Fantasien bei den anwesenden Herren, die sich mittlerweile bis unter die Decke stapeln. Andrea Rau vereint das Bild der Heiligen, der Unschuldigen sowie der Verführerin und des Objekts wie keine Zweite, ihre Attraktivität und ihre Unbekümmertheit lassen Bark für einen kurzen Moment zu sehr den Verstand verlieren. Die Nacht findet ihr entsetzliches Ende mit einer Toten. Fortan sieht man die Stimmung in einem anderen Extremum, Siegfried Lowitz spielt bemerkenswert auf. Bark verliert an Haltung, trotzdem sucht er verzweifelt nach Mitteln und Wegen, um sich aus diesem immer enger werdenden Schraubstock zu befreien. Man sieht es ihm förmlich an, dass er bis zuletzt daran glaubt, einen Ausweg zu finden um an einen normalen Alltag anknüpfen zu können. Als schließlich auch noch sein Sohn, der von Bruno Dietrich sehr eingängig interpretiert wird, verdächtigt und belastet wird, erscheint die Zwickmühle in der er sich befindet aussichtslos zu sein. Es wird ganz erstaunlich verdeutlicht, dass in einer solchen Dramatik immer noch eine gute Portion mehr Druck hinzukommen kann.

Die eigene Haut retten, den eigenen Sohn beschützen, das Gesicht vor Familie und Freunden wahren, gegenüber des resoluten Derrick nicht noch auffälliger zu erscheinen... Siegfried Lowitz vermittelt die hochgradige Verzweiflung ausgezeichnet. Als dann auch noch Irenes Vater auftaucht, den Ulrich Haupt spielt, und der die Beteiligten über jeden Verdacht erhebt, sieht man ihn immer wieder kurz vor dem Zusammenbruch. Und darauf setzt auch Derrick. Er wartet ab, seine Erfahrung sagt ihm, dass einem Täter der kein Mörder ist, irgendwann die Luft ausgehen wird. Die Gespräche zwischen Ermittler und Täter, mit ihren indirekten Angeboten wirken hier sehr interessant, das Finale überzeugt in der Verdeutlichung des nahe liegenden Endes einer ausweglosen Situation. In dieser Folge ist man als Zuschauer direkt am Geschehen beteiligt, da das Setting nicht in so weiter Ferne liegt. Dichte Aufnahmen lassen einen buchstäblich den Schnaps, den Rauch und das Parfum von Andrea Rau riechen, ebenso wie die eiskalte Luft außerhalb, die Emotionen sind greifbar und regen weitgehend zur Reflexion an, das Katz-und-Maus-Spiel wird mit fortlaufender Zeit nicht nur für Bark, sondern auch für den Zuseher immer unerträglicher, so dass man förmlich auf eine Lösung wartet und hofft, egal wie diese letztlich aussehen wird. Außerdem bleibt man ein wenig nachdenklich zurück, wenn man sich die Konsequenzen und die unausweichlichen Reaktionen der Familie, der Freunde und Bekannten ausmalt. Besonders gelungen war die Präsentation der Ermittlungsarbeit, die einige subtile Komponenten veranschaulichen konnte. Insgesamt sehr gelungen dieses "Stiftungsfest" von Helmut Käutner, die Darsteller tun das Übrige hervorragend dazu.
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