Derrick: Folge 72 - Der Tod sucht Abonnenten

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Derrick: Folge 72 - Der Tod sucht Abonnenten

Beitragvon untot » 29. Mär 2011, 20:29

Erstausstrahlung: 27.06.1980

Aus dem gemütlichen Abend für Oberinspektor Derrick wird nichts: Vor seinen Augen wollen zwei Männer eine junge Frau entführen.
Als er für die unter starken Entzugserscheinungen leidende Drogensüchtige einen Arzt rufen will, flüchtet diese und wird kurze Zeit später erhängt in einem Gaststättenklo gefunden.
Die Tote ist Lieselotte Schenke und teilte sich eine kleine Wohnung mit ihrer Freundin Marga, die ebenfalls drogensüchtig ist, wie Derrick bei seinem Besuch feststellt.
Und noch etwas weckt sein Misstrauen, Marga verhält sich so, als wisse sie bereits von den tragischen Ereignissen der vergangenen Nacht...

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Mit:
Verena Peter (Marga Mende)
Dirk Dautzenberg (Heinz Engels)
Manfred Zapatka (Rudolf Schenke)
Frank Muth (Berthold Engels)
Jacques Breuer (Kurt Weber)
Ute Willing (Roswitha Wohmann)
Käte Jaenicke (Frau Wohmann)
Dinah Helal (Lieselotte Schenke)
Herbert Tiede (Herr Scholz)
Babette Arens (Frl. Schuchardt)
Werner Zeusel (Wirt)
Peter Rotter (Kommissar Nowak)
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Re: Derrick: Folge 72 - Der Tod sucht Abonnenten

Beitragvon Blap » 20. Aug 2011, 23:53

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Cover der Derrick Collectors Box 5, welche die Folgen 61-75 enthält


Folge 72 - Der Tod sucht Abonnenten (Deutschland 1980)

Nach einem langen Arbeitstag möchte Derrick den verdienten Feierabend geniessen. Plötzlich hört er laute Hilfeschreie, in letzter Sekunde kann er eine junge Frau (Dinah Helal) davor bewahren, von zwei unbekannten Gestalten in ein Auto gezerrt zu werden. Unser Lieblingsermittler erkennt sofort den Ernst der Lage, das Mädchen leidet offensichtlich unter starken Entzugserscheinungen. Während Derrick telefonisch einen Arzt verständigt, macht sich die Süchtige in aller Eile aus dem dem Staub. Die anschliessende Suche endet mit einem herben Tiefschlag, die junge Frau hat sich in der Toilette einer verufenen Kneipe erhängt. Derrick geht das traurige Schicksal des Mädchens nahe, er versucht die Hintergründe aufzudecken. Die Tote hieß Lieselotte Schenke, sie wohnte mit Marga Mende (Verena Peter) zusammen, die ebenfalls von Heroin abhängig ist. Lieselottes Bruder Rudolf Schenke (Manfred Zapatka) reist an, er möchte für einige Tage im Zimmer seiner verstorbenen Schwester leben, will das Unfassbare verstehen, verarbeiten. Derweil stellen Derrick und Klein weitere Nachforschungen an, die sie zu einer Grafikerschule führen, welche von Lieselotte und Marga besucht wurde. Vor allem fällt Kurt Weber (Jacques Breuer) auf, der für einen Schüler auf verdammt großem Fuß lebt...

Diesmal steht der erschreckende Werdegang junger Mädchen im Blickpunkt, die in die gnadenlose Knochenmühle aus Drogensucht und Prostitution geraten. Noch vor "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" wird die Abhängigkeit von Heroin thematisiert. Ich erinnere mich noch recht gut an die frühen achtziger Jahre, die Hysterie um Drogen und deren Folgen war damals allgegenwärtig. "Der Tod sucht Abonnenten" wedelt dermaßen heftig und ausführlich mit dem erhobenen Zeigefinger vor der Nase des Zuschauer herum, dass die gut gemeinte Warnung nahezu in Richtung Nerventerror abdriftet. Glücklicherweise kippt die Folge nicht in unerträgliche Gefilde ab, was wir der flotten Inszenierung von Zbynek Brynych zu verdanken haben. Trotz "Zaunpfahl" und gebotener Ernsthaftigkeit, transportieren die teils skurrilen Dialoge und überzeichneten Charaktere einen hohen Unterhaltungswert. Selbst der ansonsten stets souveräne Derrick verliert fast die Contenance, macht der ausflippenden Marga eine harte Ansage: "Wenn Sie hysterisch werden, versohle ich Ihnen den Hintern!" Horst Tappert entgleisen jedoch vor allem die Gesichtszüge, wenn er sich mit dem von Jacques Breuer dargestellten Widerling auseinandersetzen muss. Fritz Wepper macht seinem Unmut im Büro Luft, zwar ziemlich aufgesetzt, aber ohne Frage sehr kurzweilig.

Das Ensemble soll nicht ohne Würdigung bleiben. Verena Peter liefert als Drogenwrack eine erstklassige Vorstellung ab, hat starke Szenen mit dem sehr engagierten Manfred Zapatka. Aus der Verzweiflung heraus entwickelt sich ein Band zwischen den Charakteren, für Marga vielleicht ein Weg aus Drogensumpf? Dirk Dautzenberg dreht als Onkel der Toten durch, Frank Muth spielt dessen Sohn. Muth mutet wie eine groteske Schiessbudenfigur an, inklusive einzigartig bizarrer Brille und Trenchcoat mit aufgestelltem Kragen. Jacques Breuer spielt überzeugend einen äusssert schmierigen Kerl, einen aalglatten Widerling der ekelhaftesten Sorte. Käte Jaenicke und Ute Willing füllen die Abteilung der verzweifelten Figuren auf, Herbert Tiede gibt den überforderten Schuldirektor. Die Reihe kann quasi immer mit starken Darstellern auftrumpfen, diese Folge sticht besonders hervor, auch -aber nicht nur- wegen Verena Peter und Manfred Zapatka. Der Score von Frank Duval ist mir sehr positiv aufgefallen, eine Passage aus dem Pink Floyd Album "Wish you were here" kommt ergänzend zum Zuge.

7/10 (gut) - Eventuell sogar ein halbes Pünktchen mehr, sofern man die penetranten Versuche den Zuschauer zu gängeln nicht berücksichtigt.
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Re: Derrick: Folge 72 - Der Tod sucht Abonnenten

Beitragvon dr. freudstein » 24. Aug 2011, 15:27

DERRICKS Spruch mit dem Hintern versohlen fand ich auch klasse. Ja, passte in den damaligen Zeitgeist mit der Drogenproblematik und der Rudolf Schenke hat wohl nicht viel Ahnung, was ein Turkey ist.
Bißchen aufgesetzt das Ganze, dennoch die Marga (Verena Mende) hat hervorragend aufgespielt ebenso der schmierige Kurt Weber (brrrr).
Zwar fand hier kein vorsätzlicher Mord statt, sondern ein Selbstmord und wohl eher ein Fall für die Rauschgiftabteilung, aber indirekt ja ein Mord auf Raten durch den Dealer.

Sehr gut
dr. freudstein
 
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Re: Derrick: Folge 72 - Der Tod sucht Abonnenten

Beitragvon Die Kroete » 16. Nov 2013, 15:29

Realistisch betrachtet, darf man die Folge wohl nicht allzu ernst nehmen.
Da taucht zwar in der Kneipen-Toilette mal ein Kollege Derricks, vom Rauschgift-Dezernat auf, dieser verschwindet aber auch so schnell wieder, wie er gekommen war und der Fall wird komplett von der Mordkommission bearbeit, was doch eher unwahrscheinlich ist. :roll:

Die Folge ist trotz der übertriebenen Theatralik recht gut gelungen und kann, dank der guten Darsteller-Auswahl, überzeugen. Für mein Dafürhalten, eine der besseren Episoden, der 3. Staffel. :thup:

7,5/10
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