Derrick: Folge 133 - Tod eines jungen Mädchens

Moderator: jogiwan

Derrick: Folge 133 - Tod eines jungen Mädchens

Beitragvon untot » 27. Mai 2011, 17:33

Erstausstrahlung: 04.10.1985

Ilse Becker steht am morgen vor der verschlossenen Ladentüre der Modeboutique in der sie arbeitet und wartet vergeblich auf Margot Glogau, die den Schlüssel hat, doch die Kollegin erscheint nicht zum Dienst.
Nach einer Zeit des Wartens informiert Ilse ihren Chef, der ihr rät die Polizei zu verständigen, die dann die Wohnung öffnen.
Im Schlafzimmer erwartet die Beamten eine böse Überraschung: dort liegt auf ihrem Bett die vermisste Margot Glogau, mit tödlichen Kopfverletzungen.
Der Wohnungsschlüssel steckt von innen, Derrick ist der Meinung, das Margot ihren Mörder gekannt hat und selbst in die Wohnung gelassen haben muss...

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Mit:
Hans Korte (Robert Linder)
Gustl Halenke (Agnes Linder)
Claus Biederstaedt (Harald Linder)
Pierre Franckh (Bertold Linder)
Frank Nufer-Hessenland (Hans Glogau)
Peter Kuiper (Albert Sussloff)
Margot Mahler (Ilse Becker)
Frithjof Vierock (Rudolf Dorsen)
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Re: Derrick: Folge 133 - Tod eines jungen Mädchens

Beitragvon Blap » 3. Sep 2012, 22:01

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 9 (Folge 121-135)


Folge 133 - Tod eines jungen Mädchens (Deutschland 1985)

Signalwirkung

Margot Glogau verdient ihre Brötchen als Verkäuferin in einem Modegeschäft. Da die junge Frau als sehr zuverlässig gilt, wundern sich ihre Kollegen Ilse Becker (Margot Mahler) und Rudolf Dorsen (Frithjof Vierock) über die morgendliche Abwesenheit der Verkäuferin. Nach einiger Wartezeit verständigen die Mitarbeiter ihren Chef Robert Linder (Hans Korte), welcher seine Angestellten zur Wohnung der Vermissten schickt. Aus der Wohnung ertönt Musik, schliesslich wird die Tür unter Aufsicht der Polizei geöffnet. Margot Glogau liegt mit schweren Schädelverletzungen im Schlafzimmer, laut Gerichtsmediziner trat der Tod am vorherigen Abend ein. Wenig später taucht Robert Linder in der Wohnung auf, der von Derrick befragte Ladenbesitzer beschreibt das Opfer durchweg positiv. Offenbar war Bertold Linder (Pierre Franckh), Robert Linders Sohn, gut mit dem Mädchen befreundet, der junge Mann hinterlässt während der Vernehmung einen äusserst fahrigen Eindruck. Hinzu kommen widersprüchliche Angaben der Familie Linder bezüglich der Freundschaft zwischen Bertold und Margot, mehr und mehr Anhaltspunkte sprechen für die Täterschaft des jungen Mannes. Robert Linders Bruder Harald (Claus Biederstaedt) unterstützt seinen Neffen nach Kräften, versucht auf seinen Bruder und dessen Frau Agnes (Gustl Halenke) beruhigend einzuwirken. Derrick und Klein befragen den Nachbarn der Toten, Albert Sussloff (Peter Kuiper) zeigt kein Interesse an dem Fall. Harry macht in Sussloffs Küchenschrank eine interessante Entdeckung...

Pierre Franckh verkörpert meist neurotische Gestalten, irgendwo zwischen leicht überspannt und völlig durchgedreht. "Tod eines jungen Mädchens" macht da keine Ausnahme, der blonde Jüngling fährt auf der verletzt-überforderten Schiene, kommt nicht bedrohlich-aggressiv daher. Klar, die Darbietungen Franckhs sind polarisierend, nicht jeder Zuschauer kommt mit dem eigenwilligen Schauspieler klar. Aus meiner Sicht liefert er einmal mehr eine solide Vorstellung ab, in geringer Dosierung geht Pierre Franckh gut runter. Neben Franckh hat Claus Biederstaedt die auffälligste Gastrolle inne, obschon er nicht mehr als das Klischee des scheinheiligen Unsympathen ins Feld führen darf. Harald Linder ist ein verlogener und verdorbener Charakter, Biederstaedts "unverbindlich-seriöse" Erscheinung passt perfekt ins Bild. Hans Korte und Gustl Halenke werden zu Spielbällen, Robert Linders Kraft und Ausdauer wird bis zum Anschlag strapaziert, seine Gattin Agnes ist bestrebt die gutbürgerliche Fassade zu wahren. Peter Kuiper sorgt in der einen oder anderen Folge für bedrohliche Momente, man erinnere sich nur an "Tod am Bahngleis" (5) oder "Der Untermieter" (87). Als Albert Sussloff zeigt sich Kuiper nicht bösartig, Sussloff ist ein verbitterter und einsamer Mensch, lebt sein kleines Leben ohne Freude oder gar Freunde. Mit erschreckender Gleichgültigkeit begegnet er den Fragen der Ermittler, Sussloff nagt an Derricks Geduld und Verständnis, das schafft nicht längst nicht jeder Charakter. Ich muss mich korrigieren, nicht nur Franckh und Biederstaedt bleiben in Erinnerung. Es ist vor allem auch Peter Kuiper, der im Rahmen der Reihe stets für besonders hochwertige Auftritte steht! Frank Nufer-Hessenland taucht als jüngerer Bruder des Opfers auf, an seiner Leistung gibt es nicht viel zu bemängeln. Unscheinbarkeit mag ich dem jungen Burschen nicht vorwerfen, immerhin ist diese Farblosigkeit der Anlage des Charakters geschuldet. Margot Mahler und Frithjof Vierock füllen das Ensemble auf, kleine Angestellte aus der Mitte des Volkes, glaubwürdig auf den Bildschirm gebracht.

Wie weit geht Familie, wie weit darf Familie gehen? Familienbande sind ein beliebtes Thema bei "Derrick", Autor Herbert Reinecker lieferte etliche Vorlagen dieser Art ab. Gern werden Sippen aus den oberen sozialen Schichten unserer Gesellschaft ins Zentrum gestellt, es soll nicht nur vor dem Fernseher brodeln, es soll in erster Linie in der Glotze brodeln. Als Kriminalfall macht "Tod eines jungen Mädchens" nicht viel Staat, Theodor Grädlers einen Hauch zu nüchterne Inszenierung vermag die Scharte nicht auszuwetzen. So wird die Qualität des Ensembles um Pierre Franckh, Claus Biederstaedt und Peter Kuiper umso wichtiger, nicht zu vergessen die durch Horst Tappert und Fritz Wepper bereitgestellte "Grundqualität mit Wohlfühlgarantie". Max Greger jr. steuerte die Musik bei. Erneut liefert Greger lediglich unverbindliches Gedudel ohne grösseren Wiedererkennungswert, bitte nie wieder ein böses Wort über die ab und an nicht ganz geschmackssicheren Anflüge des geschätzten Frank Duval. Fans der Reihe werden ansprechend unterhalten, dennoch eine Folge das geplegte Serien-Unterhaus (Gejammer auf hohem Niveau). Einsteiger sollten sich zunächst mit den kleinen und grossen Höhepunkten aus dem Derrick-Kosmos beschäftigen, die Reihe hält jede Menge Schätzchen bereit.

6/10 (obere Mittelklasse)
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