Derrick: Folge 132 - Kranzniederlegung

Moderator: jogiwan

Derrick: Folge 132 - Kranzniederlegung

Beitragvon untot » 27. Mai 2011, 14:56

Erstausstrahlung: 06.09.1985

Alfons Köhler, ein Gymnasiast, wurde durch die Wohnungstüre hindurch erschossen.
Für Oberinspektor Derrick ist, dank dem Hinweis des Gerichtsreporters Gerhard Trosse, der Ermordete kein Unbekannter, Köhler soll mit Herion dealen.
Zusammen mit einem Kollegen steht er in Verdacht, den Tod einer jungen Schülerin verschuldet haben.
Am Grab seiner verstorbenen Freundin hatte Heinz Lissner, den beiden Rache geschworen, hat er seine Drohung etwa in die Tat umgesetzt?
Derrick sieht sich den jungen Mann genau an....

Bild
Bild
Bild

Mit:
Herbert Stass (Gerhard Trosse)
Eduard Erne (Heinz Lissner)
Jutta Kammann (Frau Dr. Lissner)
Klaus Rohrmoser (Alfons Köhler)
Bild
Benutzeravatar
untot
 
Beiträge: 6852
Registriert: 09.2010
Geschlecht: weiblich

Re: Derrick: Folge 132 - Kranzniederlegung

Beitragvon Blap » 26. Aug 2012, 12:53

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

Bild
Derrick Collectors Box 9 (Folge 121-135)


Folge 132 - Kranzniederlegung (Deutschland 1985)

Depressionen

Gerhard Trosse (Herbert Stass) hat seine besten Zeiten hinter sich, früher war der alternde Journalist häufig als Gerichtsreporter unterwegs. Aus dieser Phase kennt er Derrick, er sucht den Kriminalbeamten mit einem ungewöhnlichen Anliegen auf. Trosse vermutet bevorstehende Tötungen, den Rachefeldzug eines junges Mannes namens Heinz Lissner (Eduard Erne). Besagter Lissner legte am Grab seiner Freundin einen Kranz mit bedrohlichem Abschiedsgruß nieder, spricht offen über die Bestrafung der Verantwortlichen aus dem Drogenmilieu. Während Klein geneigt ist dem abgehalferten Schreiberling keine weitere Beachtung zu schenken, sucht Derrick das Gespräch mit Heinz Lissner. Nach der Unterhaltung ist auch Derrick überzeugt, der junge Mann ist eindeutig auf Rache aus. Ermittlungen fördern den Namen Alfons Köhler (Klaus Rohrmoser) zu Tage, in der Szene unter dem Decknamen "Igor" als Dealer unterwegs. Derrick setzt Köhler über die drohende Gefahr in Kenntnis, freilich streitet der Betroffene jede Verbindung zur Drogenszene ab. Offenbar verfehlen die Worte des Oberinspektors nicht ihre Wirkung, hektisch sucht Köhler den Geschäftsmann Adrian Schycker (Henry van Lyck) auf. Mit Trosse im Schlepptau bemüht sich Derrick erneut um ein klärendes Gespräch mit Heinz Lissner. Die Männer treffen auf dessen Mutter, der niedergelassenen Ärztin Dr. Lissner (Jutta Kammann). Heinz bekräftigt erneut seine radikalen Ansicht bezüglich "Igor" und Konsorten. Wenig später wird Alfons Köhler in seiner Wohnung erschossen...

Herbert Stass bringt überzeugend einen gebrochenen Charakter auf den Bildschirm. Damit keinerlei Zweifel aufkommen, darf der Zuschauer mehrere Blick in die trostlose Wohnung des Journalisten werfen, nebenbei scheint Trosse dem Alkohol zugeneigt. Die traurigen Ereignisse um Heinz Lissner pusten der abgetakelten Fregatte neuen Wind in die Segel, doch wohin geht die Reise? Eduard Erne spielt den zornigen jungen Mann, erweitert durch die Last schwerer Depressionen. So taumeln Trosse und Lissner in ihren kleinen Welten am Rande es Abgrundes umher. Der ältere Herr suhlt sich in philosophischen Anflügen, hofft auf ein kleines Licht am Ende des Tunnels, während der junge Mann Zorn und Trauer durch (imaginäre?) Mordgelüste zu bekämpfen gedenkt. Jutta Kammann ist heute einem breiten Publikum bekannt, seit Jahren verkörpert sie die Oberschwester in der erfolgreichen TV-Serie "In aller Freundschaft". Kammann gefällt als besorgte Mutter, Henry van Lyck passt vortrefflich in die Rolle des kalt-arroganten Drogenfritzen. Klaus Rohrmoser und Karl Renar führen eine entglittene Vater-Sohn-Beziehung. Wie üblich gibt das Ensemble keinen Anlass zur Kritik, die Präsenz von Herbert Stass und Eduard Erne drängt die übrigen Gastdarsteller ein wenig in den Hintergrund.

"Kranzniederlegung" lässt nicht nur Herbert Stass gross aufspielen, auch Horst Tappert und Fritz Wepper trumpfen einmal mehr auf. Schön stellt das Drehbuch die unterschiedlichen Gemüter der Ermittler in den Fokus. Derrick besonnen, vorausschauend und "herzlich-analytisch". Klein aufbrausend, hin und wieder betriebsblind, trotzdem ein harmonisches und auf den Punkt zusammenarbeitendes Duo. Trauer bis zur Depression, garniert mit verzehrendem Hass. Kein Nährboden für lockere Unterhaltung, die Dialoge werden der Ernsthaftigkeit der Story gerecht, aufgelockert durch dezent platzierten feinsinnigen Humor. Vielleicht kommt das Finale ein Spur zu pathetisch aus der Kiste, zumindest bleibt dem Betrachter ein gewisser Spielraum die eigene Phantasie schweifen zu lassen. Ferner zeigt sich die Folge am Puls der Zeit hängend, Jugendliche heizen auf Rollerblades über das Parkett einer Rollschuhbahn (aus heutiger Sicht ein herrlich nostalgischer Anblick). Untermalt wird das Treiben durch typische Frank Duval Klänge, die mir in diesem Zusammenhang (teilweise) eine Spur zu bieder tönen. Duvals kleiner Hit "Living like a cry" (1984) findet erneut Verwendung, der Song "Time for Lovers" muss als "Trauermelodie" herhalten und wird reichhaltig strapaziert. Zbyněk Brynych gehört zu meinen bevorzugten Regisseuren innerhalb der Reihe. Er inzenierte diesen Beitrag zum Derrick-Kosmos mit gutem Gespür für die wichtigen Gaststars, nutzt geschickt die Qualitäten des unschlagbaren Duos Tappert & Wepper.

7,5/10 (gut bis sehr gut)
Das Blap™ behandelt Filme wie Frauen
Benutzeravatar
Blap
 
Beiträge: 4111
Registriert: 12.2009
Geschlecht: nicht angegeben


Zurück zu "Derrick - die Serie von 1974 bis 1998"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

web tracker