Derrick: Folge 126 - Toter Goldfisch

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Derrick: Folge 126 - Toter Goldfisch

Beitragvon untot » 26. Mai 2011, 16:43

Erstausstrahlung: 22.03.1985

Julia Stettner und der wesentlich jüngere Student Roland Marks haben sich über eine Zeitungsanzeige kennengelernt.
Julia Stettners Sohn Ingo und ihr Bruder Wolfgang reagieren misstrauisch auf die Beziehung.
Als der Freund von Roland Marks erschossen in der gemeinsamen Wohnung aufgefunden wird, muss Oberinspektor Derrick, Julia Stettner einige Dinge über ihren jugendlichen Liebhaber offenbaren...

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Mit:
Elisabeth Wiedemann (Julia Stettner)
Paul Hoffmann (Wolfgang Scholz)
Thomas Astan (Ingo Stettner)
Hans Georg Panczak (Roland Marks)
Gerd Böckmann (Andreas Hessler)
Robert Naegele (Lapper)
Herbert Tiede (Schumann)
Jutta Kästel (Helga)
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Re: Derrick: Folge 126 - Toter Goldfisch

Beitragvon Blap » 25. Jun 2012, 00:41

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 9 (Folge 121-135)


Folge 126 - Toter Goldfisch (Deutschland 1985)

Von überspannten Bögen und kühlen Ermittlern

Derrick wird von seinem Kollegen Lapper (Robert Naegele) auf einen traurigen Fall angesprochen, eine Frau in den besten Jahren hat Selbstmord begangen. Lapper sieht die Schuld bei Roland Marks (Hans Georg Panczak). Der junge Mann hatte sich, offenbar aus Geldgier, auf eine Beziehung mit der wesentlich älteren Dame eingelassen. Tatsächlich sind die Motive des Roland Marks von fragwürdiger Natur, sein Freund Andreas Hessler (Gerd Böckmann) wählt mit Hilfe gesichteter Zeitungsannoncen geeignete Zielpersonen aus. Mehrfach will Lapper Derrick zu Ermittlungen bewegen, dem Oberinspektor fehlt jedoch ein geeigneter Ansatz für derartige Nachforschungen. Derweil hat Marks Kontakt zu Julia Stettner (Elisabeth Wiedemann) aufgenommen, einer Mittfünfzigerin mit grossem Haus und dickem Konto. Julia fühlt sich in der Gesellschaft ihres neuen Bekannten wohl, ihr Sohn Ingo (Thomas Astan) zeigt offen Ablehnung, aus seiner Sicht ist diese Beziehung völlig unangemessen. Das ungleiche Paar kommt sich näher und näher, doch eines Abends erschüttert ein erschreckender Vorfall das Leben der Beteiligten! Andreas Hessler wurde durch die geschlossene Tür der Wohnung erschossen, die er seit rund zwei Jahren gemeinsam mit Roland bewohnte...

Bereits in "Tandem" (Folge 58) unterhielt Elisabeth Wiedemann eine Beziehung zu einem jüngeren Mann (obwohl diese unter einem anderen Stern stand), erneut liefert sie eine erstklassige Leistung ab. Wiedemanns Darbietung mag auf den ersten Blick eine Spur zu dick aufgetragen sein, doch sie bringt die rasch erblühende Liebe in ihrem Herzen, die neue Lust auf das Leben, wundervoll zum Ausdruck. Da darf man durchaus naiv und leicht überdreht aus der Hüfte kommen, frech mit Kamera und Zuschauer flirten. Hans Georg Panczak bleibt nicht auf den Part des abgebrühten Heiratsschwindlers beschränkt, seine Fassade bröckelt bereits zu Beginn, stürzt später vollends in sich zusammen. Den kühlen und berechnenden Typ präsentiert uns Gerd Böckmann, dessen Nervenkostüm freilich längst nicht aus Stahl gestrickt ist. Für Thomas Astan bleibt einmal mehr eine unsympathische Rolle, Sohnemännchen sieht die feiste Erbschaft schrumpfen, die eigene Machtposition gefährdet. Paul Hoffmann sehen wir als älteren Bruder Wiedemanns, er stösst mit Ausdauer in das Horn der "guten Gesellschaft", mahnt die aus der Spur gelaufene Schwester zu Zucht und Ordnung. Herbert Tiede taucht als Verwandter des Selbstmordopfers auf, wird vom am Rande des Wahnsinns agierenden Robert Naegele ins Spiel gebracht. Elisabeth Wiedemann und Hans Georg Panczak glänzen mit tollen Leistungen, gleiches gilt für die Nebenfiguren.

Den mäßig interessanten Kriminalfall mag ich "Toter Goldfisch" nicht anlasten, die Folge hat -neben den starken Schauspielern- andere Qualitäten zu bieten. Horst Tappert und Fritz Wepper zeigen uns Stephan Derrick und Harry Klein diesmal von einer ungewohnten Seite. Derrick, sonst stets der väterliche Freund und Helfer, behandelt den verschrobenen Kollegen Lapper mit kühler Arroganz, führt den verzweifelten Kriminalbeamten teilweise regelrecht vor. Harry eifert seinem Herrn und Meister nach, kommt jedoch nicht über den Status Wadenbeisser hinaus, bleibt eine Randnotiz. Diese Marschrichtung sorgt für Abwechslung, ich gebe jedoch gern zu, mir ist der warmherzige Derrick deutlich lieber. Zwischen Hans Georg Panczak und Gerd Böckmann knistert es homoerotisch, das Drehbuch enthält sich einer eindeutigen Aussage. Vielleicht nicht die verkehrteste Entscheidung, ansonsten hätten homophobe Engstirnler Wind unten den fauligen Flügeln gespürt. Andererseits mutlos? Wie wäre Alfred Vohrer mit dieser Vorlage umgegangen? Wir werden es nie erfahren, der bewährte Zbyněk Brynych zeichnet für die Regie von "Toter Goldfisch" verantwortlich. Unterschiedliche Interpretationen der letzten Einstellung sind möglich, der Tenor weist wohl in wenig hoffnungsvolle Gefilde. Derrick fies, Wiedemann charmant. Ein eigenwilliger Beitrag zum Derrick-Kosmos, ein sehr sehenswerter Beitrag!

7,5/10 (gut bis sehr gut)
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