Derrick: Folge 116 - Ein Mörder zu wenig

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Derrick: Folge 116 - Ein Mörder zu wenig

Beitragvon untot » 13. Mai 2011, 18:03

Erstausstrahlung: 20.07.1984

Es ist bereits der dritte Tag, an dem Walter Kramer unentschuldigt seiner Arbeit in einem Münchner Wasserwerk fernbleibt.
Seine Frau findet die Leiche ihres Mannes im Wohnzimmer, hingestreckt auf dem Boden.
Bei der Durchsuchung der Wohnung findet Oberinspektor Derrick die schriftliche Mitteilung einer staatlichen Lottogesellschaft über einen hohen Gewinn...

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Mit:
Karin Baal (Marianne Kramer)
Wolfgang Wahl (Walter Kramer)
Andreas Voss (Holger Kramer)
Hans Brenner (Herr Diehl)
Dirk Dautzenberg (Alois Bracht)
Volker Eckstein (Alfons Bracht)
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Re: Derrick: Folge 116 - Ein Mörder zu wenig

Beitragvon Blap » 5. Mär 2012, 00:35

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 8 (Folge 106-120)


Folge 116 - Ein Mörder zu wenig (Deutschland 1984)

Gier ist auch (k)eine Lösung

Walter Kramer (Wolfgang Wahl) überredet seinen Freund und Arbeitskollegen Alois Bracht (Dirk Dautzenberg) einen Lottoschein auszufüllen. Kramer soll den Wisch für Bracht abgeben, Bracht vergisst jedoch seinen Namen auf dem Tippschein einzutragen. Als Kramer seine von ihm getrennt lebende Frau Marianne (Karin Baal) aufsucht, schickt er den gemeinsamem Sohn Holger (Andreas Voss) zur Lotto-Annahmestelle. Da auf einem Tippschein die Daten des Spielers fehlen, trägt der Junge ohne böse Absicht Name und Anschrift seines Vaters im Adressfeld ein. Als Alois Bracht wenige Tage später in die Zeitung schaut, traut er zunächst kaum seinen Augen, seine Zahlen wurden tatsächlich gezogen! Es gibt keinen Zweifel, denn er tippte sein eigenes Geburtsdatum und das seiner verstorbenen Frau. In freudiger Erregung berichtet er seinem Stiefsohn Alfons (Volker Eckstein) von dem bevorstehenden Geldsegen. Längst hat Walter Kramer den Volltreffer ebenfalls festgestellt, eiskalt lässt er den aufgeregten Alois abblitzen, schliesslich stehe Brachts Name nicht auf dem Los, ergo kein Gewinn. Nachdem weitere Tage verstrichen sind, fällt dem Arbeitgeber Kramers dessen unentschuldigtes Fehlen unangehm auf. Die verständigte Ehefrau des Vermissten sucht widerwillig dessen Wohnung auf, dort findet sie die Leiche ihres Gatten vor. Bei der ersten Durchsuchung der Räumlichkeiten fällt Derrick die Gewinnbenachrichtung der Lottogesellschaft in die Hände. Eineinhalb Millionen Mark sind ein verdammt starkes Mordmotiv!

Da ist er wieder, der knuffige Grummler Dirk Dautzenberg. Vor Freude fährt er mit seinem Rad fast in ein Auto, alles kein Problem, die Begeisterung über den unverhofften Reichtum verdrängt alle Sorgen. Dautzenberg meistert das Umschalten von freudiger Erregung zu schäumender Wut souverän, gleiches gilt für die drauf folgende Depression. Ganz anders (aber nicht weniger stark) Wolfgang Wahl, der nicht eine Sekunde daran denkt seinem "Freund" den Gewinn zu überlassen, den Zaster zumindest zu teilen. Geradezu vor Gier geifernd und lechzend verteidigt er seine Ansprüche, jahrelange Verbundenheit ist plötzlich nichts mehr wert. Karin Baal hat eine interessante Rolle erwischt. Zunächst mutet sie durchschnittlich, regelrecht unscheinbar an. Fassade? Tarnung? Ein Wandel der nach dem Gewinn einsetzt? Oder entfesselt der Gewinn lediglich bisher schlummernde "Talente"? Volker Eckstein wird gern als "Psychobübchen" besetzt, diesmal bleibt er jedoch erstaunlich bodenständig, normal und beherrscht. Hans Brenner schleicht als neugieriger Schleimbeutel umher, nervt seinen Nachbarn Kramer mit aufdringlicher, unangenehmer Indiskretion.

Was macht Geld mit Menschen? Wird der brave Bürger ohne Vorwarnung zur Bestie? Ein Sechser im Lotto, der grosse Traum eines Volkes, hier als Trip in die Hölle der Verdorbenheit angelegt. Alte Freunde werden über Nacht zu Feinden, zu lästigen Insekten. Was will uns der Autor damit sagen? Gebt dem Pöbel nicht zu viel Kohle in die Hand? Naja, ich möchte Herbert Reinecker keine fiesen Absichten unterstellen. Der Titel "Ein Mörder zu wenig" könnte nicht treffender gewählt sein, akute Spoilergefahr verbietet mir weitere Äußerungen dazu. Da sich das Drehbuch und Regisseur Alfred Vohrer Zeit zur Vorstellung der wichtigen Figuren nehmen, fällt es dem Zuschauer nicht schwer deren Gedankengänge und Triebfedern zu erkennen. So kommt die Auflösung kaum als grosse Überraschung daher, versetzt dennoch einen kleinen Stich, löst vielleicht gar Gefühle zwischen sadistischer Schadenfreunde und eiskaltem Entsetzen aus, manchmal kommt das Böse eben doch davon, sogar wenn der Ermittlungsbeamte den klangvollen Namen Stephan Derrick trägt (oder...? Überprüft es auf eigene Faust!). Bereits mehrfach beklagte ich den fehlenden Popanz in den späten Arbeiten des von mir sehr geschätzen Alfred Vohrer. Erneut bleibt Vohrer in dieser Disziplin zurückhaltend, lässt zum Ausklang der Handlung ganz kurz einen kleinen Saubratz von der Leine. Schaut genau hin, Derrick muss seine Sklaven nicht ansprechen, ein Fingerschnippen genügt und der Abschaum wird abgeführt. So funktionert die moderne Führung von Mitarbeitern.

7/10 (gut)
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