Derrick: 122 - Stellen sie sich vor man hat Dr Prestel ersch

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Derrick: 122 - Stellen sie sich vor man hat Dr Prestel ersch

Beitragvon untot » 15. Mai 2011, 17:17

Erstausstrahlung: 14.12.1984

Der Anwalt Dr. Prestel ist in seiner Garage erschossen worden.
Inspektor Derrick findet heraus, dass Prestel der Liebhaber von Dora Kolberg war, der Frau eines wohlhabenden Verlegers, der seit einem Unfall gehbehindert ist und sich alleine nicht mehr hinters Steuer setzen kann.
Daher scheint sein Alibi unangreifbar zu sein, gelingt es Derrick trotzdem, ihn als Täter zu entlarven...?

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Mit:
Ursula Lingen (Dora Kolberg)
Armin Müller-Stahl (Alexander Kolberg)
Jutta Kammann (Frau Wilmers)
Klaus Herm (Herr Soskind)
Peer Augustinski (Dr. Gerhard Prestel)
Verena Peter (Lisbeth)
Hans Quest (Herr Münardy)
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Re: Derrick: 122 - Stellen sie sich vor man hat Dr Prestel e

Beitragvon Blap » 29. Apr 2012, 13:09

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 9 (Folge 121-135)


Folge 122 - Stellen Sie sich vor, man hat Doktor Prestel erschossen (Deutschland 1984)

Tödliche Liebe/Tödlicher Hass

Seit einem Unfall leidet Alexander Kolberg (Armin Müller-Stahl) unter einer schweren Gehbehinderung. Gattin Dora (Ursula Lingen) hat sich einen Liebhaber angelacht, am Abend soll sie der Rechtsanwalt Dr. Gerhard Prestel (Peer Augustinski) auf ein Empfang der feinen Gesellschaft begleiten. Zuvor sucht Kolberg das Gespräch mit dem lästigen Revierwilderer, mit seiner vordergründig souveränen Art verunsichtert und beeindruckt er den unliebsamen Kontrahenten. Stunden später wird Prestel auf dem Weg in die Tiefgarage seines Hauses erschossen, verstirb hinter dem Steuer seines Fahrzeugs. Dora Kolberg ist geschockt, sie bringt ihren Ehemann sofort mit der Tat in Verbindung, weist die Ermittler Derrick und Klein ausdrücklich auf ihren Verdacht hin. Alexander Kolberg verbrachte einen gemütlichen Abend mit der Haushälterin Frau Wilmers (Jutta Kammann) und deren Nichte Lisbeth (Verena Peter), sein Fahrer Herr Soskind (Klaus Herm) hatte sich längst in den Feierabend verabschiedet, Kolberg kann aufgrund seiner körperlichen Einschränkung kein Auto bewegen. Trotz dieser Fakten ist Dora Kolberg von der Täterschaft ihres Ehegatten überzeugt, Derrick fühlt dem Verleger auf den Zahn...

Armin Müller-Stahl steht im Zentrum dieser Folge. Die Rolle des verbitterten und zielstrebigen, verzweifelt Liebenden bietet jedem halbwegs fähigen Schauspieler eine prächtige Bühne, Müller-Stahl agiert erwartungsgemäß überzeugend. Peer Augustinski hat trotz Opferrolle zumindest in den ersten zwanzig Minuten Raum zur Entfaltung, auf den ersten Blick ein kerniger Rechtsanwalt, auf den zweiten Blick ein kleines Würstchen, eine Figur die vortrefflich zu Augustinskis Erscheinung passt. Ursula Lingen zeigt uns eine Ehefrau, die sich offenbar bereits sehr weit von ihrem Mann entfernt hat, ihrem Liebhaber weitaus stärker zugeneigt war. Lingen prallt mit bedrückender Kälte auf den verzweifelt kämpfenden Müller-Stahl, grosses Drama. Jutta Kammann ergreift eindeutig Partei, tpyisches Haushälterinnen-Klischee, gut gespielt. Verena Peter darf sich auf brav-harmlose (etwas langweilige) Art um die Gunst des Arbeitgebers ihrer Tante bemühen, der gewohnt unscheinbare Klaus Herm mutet wie die Idealbesetzung für den Part des treuen Fahrers an. In kleinen Rollen tauchen vertraute Gesichter auf, z. B. Hans Quest und die damals noch unbekannte Christine Neubauer.

Starkes Ensemble trifft auf mittelprächtiges Drehbuch. Viel gibt der Kriminalfall tatsächlich nicht her, der flotte Auftakt im Gerichtsgebäude (Augustinski und Tappert liefern sich einen herrlichen Schlagabtausch, hektischer Anwalt trifft auf tiefenentspannten Kriminalbeamten) bildet einen deutlichen Konstrast zu den weiteren Ereignissen, bietet darüber hinaus die Grundlage für die folgende "Schrumpfkur" des Rechtsverdrehers. Vom engagierten Anwalt bleibt ein Muttersöhnchen ohne Arsch in der Hose, unter den treffsicheren Wortpeitschen des gehörnten Ehemanns knickt er wie ein Stäbchen ein, Luftpumpe, Dünnbretbohrer. Drängt das Drehbuch den Zuschauer dazu dem Opfer mit Antipathie zu begegnen? Ehebrecher in den Sarg? So weit würde ich nicht gehen, doch zumindest bewirkt Herbert Reinecker ein gewisses Verständnis für den Täter, wohlwollend betrachtet mahnt er zu mehr Aufmerksamtkeit für die Befindlichkeiten des Partners. Der von Müller-Stahl dargebotene Verleger rührt den Betrachter an, die sektenartige Verehrung durch seine Mitarbeiter mag vielleicht eine Spur zu dick aufgetragen sein. Das Finale klatscht dem Fall zusätzlich den fetten Tragödienstempel auf, hier hätte ich mir ein wenig mehr Mut gewünscht, eventuell eine überraschende Demaskierung. Während Horst Tappert zumindest immer wieder kleine Glanzpunkte setzen kann/darf, bleibt für Fritz Wepper nur wenig Raum, so unscheinbar und uninteressant war Harry nur selten. Zbyněk Brynych gehört zu meinem bevorzugten Regisseuren innerhalb der Reihe, aus dem durchschnittlichen Drehbuch holt er nahezu das Maximum heraus, eine Prise "Siebziger-Popanz" wäre aus meiner Sicht reizvoll.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)
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