Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection # 02)

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Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection # 02)

Beitragvon jogiwan » 15. Dez 2009, 11:20

Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection # 02)

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Originaltitel: Invasion of the Blood Farmers

Alternativtitel: Invasion der Blutfarmer

Herstellungsland: USA / 1972

Regie: Ed Adlum

Darsteller: Norman Kelley, Tanna Hunter, Bruce Detrick, u.a.

Story:

Eine uralte Druidensekte benötigt eine spezielle Blutart um das Leben ihrer im Sterben liegenden Königin zu erhalten. In einer verschlafenen Kleinstadt machen die Sektenanhänger fortan Jagd auf unschuldige Menschen. Ein Pathologe stellt unterstützt von seinem Assistenten und seiner Tochter sich der Sekte entgegen...
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Re: Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection # 02)

Beitragvon horror1966 » 7. Jun 2010, 20:34

Als erstes sollte man wohl erwähnen, das man sich hier nicht von der viel zu hohen Alterseinstufung und dem reisserischen DVD-Cover blenden lassen sollte, denn nicht wenige leute könnten aufgrund dessen einen ziemlich hart geratenen Trashfilm erwarten. Um einen Trashfilm handelt es sich definitiv, sogar um einen, der zu den Klassikern dieser Film-Art gezählt wird, doch auf die eventuell erhoffte Härte muss man leider verzichten. Dennoch bekommt man ein wirklich äusserst trashuges Szenario geboten, dessen Reiz nicht unbedingt darin begründet liegt, das man mit äusserst viel Humor konfrontiert wird, sondern vielmehr mit der Tatsache, das die von Haus aus schon hanebüchene Geschichte eine so grottenschlechte Umsetzung erhalten hat, das man sich nur die Haare raufen kann über den hier an den tag gelegten Dilletantismus.

Gut, bei einem Budget von geschätzten 40.000 $ erwartet man kein Meisterwerk, aber hier fragt man sich unwilkürlich, wofür das geld eigentlich verbraucht wurde. Für die sogenannten darsteller kann man es eigentlich nicht ausgegeben haben, vielmehr hätten diese an die macher des Films ein immens hohes Schmerzensgeld zahlen müssen, denn was hier an Schauspiel geboten wird, treibt einem nun wirklich die Tränen in die Augen. Aufgesetzt und künstlich wären noch riesige Komplimente, die man verteilen würde, doch das, was man zu sehen bekommt, ist nur damit zu erklären, das die Protagonisten ihren Text von irgendwelchen für den Zuschauer nicht ersichtlichen Zetteln abgelesen haben und das ihnen zusätzlich unter Androhung der Todesstrafe verboten wurde, auch nur einen Gesichtsmuskel zu bewegen. Es ist einfach köstlich, in diese vollkommen leblosen und starren Gesichter zu schauen, die klotzhohlen Dialoge zu hören und dann festzustellen, das Mimik in diesem Film ein absolutes Fremdwort zu sein scheint.

Die Schauspieler wirken so, als wenn sie aus versehen in ein Film-Set geraten wären und nicht wissen, was sie jetzt tun sollen. Dieses Verhalten zieht sich ausnahmslos durch jede einzelne Szene dieses Werkes, das an Dilletantismus recht schwer zu überbieten sein dürfte, aber gerade aus dieser Tatsache seinen ganz besonderen Reiz für Liebhaber des Sub-Genres erhält. Ebenso genial sind die ständigen Versuche und Bemühungen, dem grotesken Treiben so etwas wie Atmosphäre oder gar Spannung beizufügen, was man mittels anschwellender Musik oder hörbaren Donnergrollen probiert, obwohl weit und breit kein Unwetter zu sehen ist. So erscheinen diese ansonsten förderlichen Stilmittel hier vollkommen fehl am Platz und unterstreichen den extremen Trashgehalt noch einmal zusätzlich.

Doch der Vogel wird im Endeffekt mit dem grandiosen Showdown auf einer Anhöhe abgeschoßen, bei dem man sich vor lachen kaum halten kann, denn eine so derartig künstlich und theatralisch erscheinende Passage hat man wohl eher selten gesehen. Es ist schwer vermittelbar, welche Gefühle man bei der Sichtung dieses Filmes durchlebt, man sollte schon sehr starken gefallen am Trash haben, um diesem "Müll" etwas abgewinnen zu können. Wenn man jedoch dazu in der Lage ist, dann kann man sich an diesem vor Dilletantismus triefenden Werk sicherlich erfreuen und hat eine Menge Spaß am offensichtlichen Unvermögen der menschen, die hier als darsteller aufgeführt sind, diese bezeichnung aber noch nicht einmal ansatzweise verdient haben.


Fazit:


Eine vollkommen hanebüchene Geschichte, eine grottenschlechte Umsetzung, jede Menge talentfreie Zonen, die als Darsteller bezeichnet werden und Dialoge, die jeder Beschreibung spotten sind die Markenzeichen eines Filmes, der nicht umsonst als einer der Klassiker unter den Trashfilmen anzusehen ist. "Invasion der Tollwütigen" zeigt eindrucksvoll, was man bei einem Film alles falsch machen kann und bezieht gerade daraus seinen ganz besonderen Charme, von dem er auch im Laufe der Jahre rein gar nichts eingebüßt hat.


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Re: Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection # 02)

Beitragvon buxtebrawler » 7. Jun 2010, 21:28

Immer mal wieder werde ich mit der Existenz dieses Films konfrontiert und bin mittlerweile wirklich neugierig. Würde ich gern mal sehen. Allerdings nicht auf gut Glück Geld für die DVD ausgeben... leih mir den doch mal jemand aus :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection # 02)

Beitragvon Johnny Danger » 14. Jul 2010, 22:13

Was habe ich gelacht, als ich den Film gesehen habe. Hab ihn sogar in meiner Sammlung stehen. Aufgrund seines skurillen deutschen Titels und imposanten Covers war er in meiner Jugendzeit auch stets ein Mysterium für mich, welches es zu ergründen galt.
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Re: Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection # 02)

Beitragvon funeralthirst » 17. Jul 2010, 16:37

Der Titel ist reisserisch, der Film eher total langweiliger und uninspirierter Mist, dem man sein geringes Budget jederzeit ansieht. Es passiert einfach zu wenig, und wenn es passiert ist es meist zu substanzlos um für mich als unterhaltsamen Trash durchzukommen.
Wer Dracula vs. Frankenstein mochte, oder H.G.Lewis absolut jeden Tag sehen kann, sollte mal zugreifen.
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Re: Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection #

Beitragvon untot » 28. Mai 2011, 03:03

Man muss schon den gewissen Hang zum Trash haben, wenn man an "Invasion der Tollwütigen" seinen Spaß haben will, ich hab ihn und wurde gut unterhalten.
Denn ich kann mich auch über Nebensächlichkeiten amüsieren, wie zum Beispiel das der fiese Doktor hier Kinski heist! :kicher:
Ach nen Blick ist der Streifen auf jeden Fall wert, auch wenns nicht der große Brüller ist!

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Re: Invasion der Tollwütigen - Ed Adlum (Trash Collection #

Beitragvon jogiwan » 4. Jan 2012, 20:53

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In dem amerikanischen Ort Jefferson Valley sind die Besucher des örtlichen Drive-Inns "Huddle II" in Aufruhr. Ellen, die ehelich-angetraute Frau von Clive ist ebenso wie der Alkoholiker Jim Carry (!) ist seit einiger Zeit wie von der Bildoberfläche verschwunden. Die vermeintlich untreue Seele Ellen wird natürlich von ihrem Gatten bereits schmerzlich vermisst, da die flugs als Ersatz geholte Flasche Whiskey kann wohl nicht sämtliche Aufgaben Ellens übernehmen kann. Doch die Probleme des beschaulichen Örtchens sind weit größer als vermeintlicher Ehebruch und latenter Alkoholismus, da sich in der Nähe der Stadt eine mysteriöse Sangruiden Sekte niedergelassen hat, die ihrerseits seit Jahrtausenden auf der Erde herrscht und für so manch ungeklärtes Blutopfer verantwortlich ist.

Leider sind dem Verein über die Jahre hinweg jedoch die Mitglieder etwas abhanden gekommen und dass die Mutter Oberin der Sangruiden namens Ohorid im Koma dahinvegetiert ist für das Rekrutieren neuer Mitglieder auch nicht sonderlich zuträglich. Doch das soll sich ändern, da die gute Dame in ihrem gläsernen Schneewittchen-Sarg mittels Blutopfer zum Menanan-Fest wieder zum untoten Leben erweckt werden soll. Doch Sangruiden Königin Ohorid lässt sich leider nicht mittels dahergelaufener Blutspende reanimieren, sondern benötigt natürlich spezielles Blut, das sich nicht so einfach auftreiben lässt, während der Eignungstest bei allen ungeeigneten Personen die Blutbildung im rasante Ausmaß ansteigen lässt.

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Und so fristen auch die verschwundenen Bewohner ihr Dasein als unfreiwillige Blutproduktionsstätte, während bald weitere Personen entführt werden. Als jedoch ein aufstrebender Wissenschaftler namens Don hinter die ganze Sache kommt und somit sich und seine Verlobte Jenny in Gefahr bringt, sind die beiden in großer Gefahr. Als erster muss Buster, der flauschige Hund von Jenny dran glauben. Von dem blutgierigen Egon wird das Zotteltier niedergemetzelt, ausgesaugt und als Warnung vor die Anderson´sche Haustüre gehängt. Als das Menanan-Fest dann kurz bevor steht und mit Jenny auch das passende Blutopfer von den teuflischen Sektenmitgliedern gefunden wird, kommt es wenig später zu einem dramatischen und spannenden Kampf von Gut gegen das abgrundtief Böse…

Ooops, hab ich im vorigen Satz soeben das Wort "spannend" verwendet? Das war dann wohl die Macht der Gewohnheit, denn wenn "die Invasion der Tollwütigen" eines bestimmt nicht ist, dann wohl spannend. Ed Adlum mutet dem Zuschauer mit seinem lowest-Budget Werk aus dem Jahre 1972 auch wirklich einiges zu und selbst der geneigte Trash-Fan muss wohl auch einiges an gutem Willen aufbringen. Zugegeben, die Story klingt ja noch halbwegs brauchbar und hätte in den richtigen Händen sicherlich ein tolles B-Movie werden können. Leider ist bei der filmischen Umsetzung dann so einiges danebengegangen. Selten zuvor - deutsche Amateur-Produktionen mal ausgenommen - hab ich sowas Dilettantisches vor die Linse bekommen. Da hatte wohl jemand ganz große Pläne, die dann am Geld, am Setting, an der technischen Umsetzung (einzige Ausnahme: die Blutpumpe samt Geräuschkulisse) und vor allem an dem Talent des Regisseurs und der Darstellerriege gescheitert ist. Aber was den Film von vergleichbaren Werken aus deutschen Landen unterscheidet ist, dass "die Invasion der Tollwütigen" trotz aller Widrigkeiten lustig und unterhaltsam daherkommt.

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"Invasion of the blood farmers" so der etwas treffendere Originaltitel wurde an drei Wochenende gedreht und hat insgesamt ein Budget von 24.000,-- US-Dollar verschlungen. Für einen guten Schnitt war dann anscheinen auch kein Geld mehr vorhanden, denn anders kann ich mir die holprigen Übergängen und das wahllose Verwenden von Bildmaterial ohne Rücksicht auf laufende Dialoge und dergleichen auch gar nicht erklären. Laut IMDB hat der Film, der übrigens in Norwegen auf die Verbotsliste gewandert ist, auch nie seine Kosten eingespielt. Die Gore-Effekte halten sich in Grenzen, gehen aber angesichts des Alters und des vorhandenen Budgets durchaus in Ordnung. Leider ist bei aller Liebe der Schluss dann doch gleich mehrere Spuren zu unspektakulär geraten, sodass es zum absoluten Kracher dann doch nicht ganz reicht.

Den eigenen Aussagen des Regisseur nach, erhielten die meisten Darsteller für ihre Mitwirkung ein paar Biere und waren imho damit nicht einmal unterbezahlt, obwohl man neidlos zugestehen muss, dass Jack Neubeck als Egon schon schlichtweg der Hammer ist. Mr. Neubeck gibt dem Wort "overacting" eine vollkommen neue Bedeutung und dass ihm zu seinem jugendlichen Gesicht auch noch graue Haare verpasst wurden sorgt für zusätzliches Stirnrunzeln. Doch spätestens beim Anblick vom Sekten-Chef Creton mit seinem leicht schwulettigen schwarz-lila Umhang und seiner Frisur ist dieses bereits wieder vergessen. Auffallend neben dem total unlogischen Handeln aller Figuren und den sinnbefreiten Dialogen ist aber auch, dass es Regisseur Ed Adlum mit Tages- und Nachtzeiten nicht so genau genommen hat, was zusätzlich für Lacher sorgt.

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Dennoch ist „Invasion der Tollwütigen“ ein lustiger Spaß und wird in der geeichten und aufgeschlossenen Runde wohl für gehörig gute Laune sorgen. Nach normalen Gesichtspunkten müsste man vor diesem cineastischen Super-Gau natürlich nachdrücklich warnen und der lokale Häkelclub, sowie die belesene Kulturrunde, dürften an Adlums Werk auch keine große Freude haben. Für Freunde des gepflegten Mülltonnenfilms ist der Streifen mit seinen schlechten Darstellern, dümmlichen Dialogen und zahlreichen Ungereimtheiten aber eine wahre Fundgrube des grottigen Vergnügens, der dann auch Trashfreunden und Blutspendern gleichermaßen mit gutem Gewissen empfohlen werden kann. Prädikat: besonders doof und diletantisch, aber dennoch schwer sympathisch!

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