Gappa - Frankensteins fl. Monster – Haruyasu Noguchi (TC#41)

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Gappa - Frankensteins fl. Monster – Haruyasu Noguchi (TC#41)

Beitragvon jogiwan » 16. Dez 2009, 08:47

Gappa - Frankensteins fliegende Monster – Haruyasu Noguchi (Trash Collection # 41)

Bild

Originaltitel: Daikyoju Gappa

Herstellungsland: Japan / 1967

Regie: Haruyasu Noguchi

Darsteller: Tamio Kawaji, Yoko Yamamoto, Kokan Katsura, Keisuke Yukioka, u.a.

Story:

Um einen neuartigen Freizeitpark um weiteren Attraktionen zu bereichern, wird eine Gruppe von Forschern damit beauftragt, seltene tropische Tierarten ausfindig zu machen. In einer versteckt gelegenen Höhle auf einer kleinen Insel werden die Wissenschaftler schließlich fündig. Sie stoßen auf ein Jungtier von prähistorischen Ungeheuern. Bei den Eingeborenen heißen sie Gappa, werden wie Götter verehrt und im gegenseitigen Einvernehmen verschont. Allen Warnungen der Eingeborenen zum Trotz rauben die fanatischen Wissenschaftler das Jungtier aus der Höhle und ziehen damit den Groll der feuerspeienden Eltern auf sich, die sich kurz darauf auf die Suche nach ihrem Nachwuchs machen. Dabei hinterlassen sie in ihrem Zorn eine gnadenlose Spur totaler Verwüstung…
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Re: Gappa - Frankensteins fl. Monster – Haruyasu Noguchi (TC#41)

Beitragvon jogiwan » 19. Jan 2011, 19:33

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Im Jahre 1954 drehte ein findiger Regisseur namens Ishiro Honda einen Film über ein prähistorisches Monster, dass durch Atomtests geweckt wird und in blinder Wut alles zerstörte, was sich ihm in den Weg stellte. Der Film bzw. das putzige Tierchen hieß Godzilla und begründete mit seinem wirtschaftlichen Erfolg, seinen Special-Effekts und Aufarbeitung des japanischen Atombomben-Traumatas ein eigenes Film-Genre namens „Kaija“ und beflügelte zahlreiche Regisseure zu noch zahlreicheren Sequels und Plagiatsfilmen, die mehr aufgrund (vor allem im deutschsprachigen Raum) ihrer fantasievollen Titelgebung, als durch spannende Ideen von sich reden machten.

Der 1967 von Haruyasu Noguchi gedrehte „Gappa – Frankensteins fliegende Monster“ hat nicht nur einen äußerst gewagten Titel, der in keiner Relation zum Inhalt steht, sondern bietet wohl auch noch die niedlichsten und sympathischsten Monster des Kaija-Genres und als Krönung des Ganzen noch eine herrlich-unlogische Story als Grundlage für eine Unzahl herrlich-naive Spezialeffekte, bei denen kein Auge bzw. Spielzeugpanzer trocken bleibt. Okay, Baby-Gappa sieht aus wie ein mutierter Kanarienvogel und auch die Gappa-Eltern sind alles andere als gruselig, nichtsdestotrotz sorgen die beiden Tierchen nach einer etwas zu langen Vorgeschichte für ein paar hübsche Zerstörungsorgien. Aber im Grunde sind die Monster sind ja auch ziemlich harmlos gegen den durchgeknallten Verleger und seine Pläne für seinen Freizeitpark, von dem auch die – meiner Meinung nach – wahre Bedrohung ausgeht.

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Die Geschichte des Jungtieres, dass aufgrund wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Überlegungen entführt wird und deren Eltern mit Vehemenz und sehr eindrucksvoll das Sorgerecht zurückfordern, ist ja auch nur ein Teil des Filmes. Nebenbei bietet der Film ja auch noch Platz für eine zarte Liebesgeschichte zwischen Itoko und Kurosawa, die in der internationalen Fassung jedoch etwas rausgeschnitten wurde. Das längere, japanische Ende, das im Bonus-Bereich zu finden ist, hab ich aufgrund sprachlicher Barrieren nicht ganz verstanden, aber ich nehme stark an, dass die beiden da doch zusammenkommen. Aber auch mit oder ohne Love-Story bleibt beim berührenden Ende kein Auge trocken, wenn auch eher vor Lachen. Wie sich die Gappas gegenseitig in die Arme bzw. Flügel fallen und auch die ersten unbeholfenen Flugversuche des Baby-Gappas sollte man ja schon gesehen haben.

Zu den Effekten muss ja auch nicht viel gesagt werden. Neben den üblichen Miniatur-Zerstörungsorgien im Playmobil-Land und Blue-Screen-Gedöns gibt es auch noch ein hübsch-montierte Killerwelle für das geneigte Auge des Betrachters. Gut gelungen auch die Szenen in der Höhle bzw. auf der Insel, bei der man sich wohl auf keine einheitliche Vegetation einigen konnte. Highlight sind aber sicher die beiden bemitleidenswerten Darsteller in ihren Echsenvogel-Kostümen, die durch eine Halle mit explodierenden Silvester-Knallereien gejagt werden und neben Styropor-Bauten zerlegen müssen, die sich bei bloßer Berührung bereits in ihre Bestandteile auflösen. Ganz groß aber auch das Eingeborenen-Völkchen, bei dem einfach in Ermangelung authentischer Schauspieler einfach ein paar japanische Schauspieler dunkel angemalt wurden, die dann ein bisschen in freizügiger Wäsche in der Gegend herumhüpfen. Klingt lustig? Ist es auch und neben ein paar weiteren Dialogszenen natürlich herrlich politisch-unkorrekt. Das sollte aber nicht allzu ernst genommen werden.

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In seiner Ursprungsfassung war „Gappa“ mit all seinen liebenswerten Verfehlungen und vermenschlichten Monstern auch eher so was wie eine Satire auf das gesamte Genre des Kaiji-Films. Doch von diesem ist in den unterschiedlichen Schnittfassungen und der deutschen Synchronisation nicht viel übrig geblieben. In der japanischen Version gibt es ja auch noch einen rockigen Track mit lustigen Textzeilen wie „sayonara Nippon, sayonara Gappa“, der auch im DVD-Menü kurz und beim japanischen Alternativ-Ende länger zu hören ist. Warum allerdings ausgerechnet Frankenstein im deutschen Titel herhalten muss, wird wohl auf ewig ein Geheimnis der PR-Firma bleiben. Im englisch-sprachigen Raum heißt der Film ja dann auch treffender „Gappa, the triphibian Monster“. Da aber vermutlich die angepeilte Kundschaft, sowie Durchschnittsblondine mit diesem Fremdwort - das übrigens „gleichzeitig zu Lande, See und in der Luft“ bedeutet – wenig anfangen kann, wurde wohl der leichtgängigere Titel gewählt.

Woran es aber überhaupt nichts zu meckern gibt, ist die DVD aus dem Hause CMV-Laservision. Diese verfügt über ein gutes Bild, dass nur bei einigen Szenen etwas zu weichzeichnerisch und zu dunkel aufgefallen ist. Aber ich führe das jetzt mal auf das Ausgangsmaterial zurück. Neben der deutschen Version gibt es auch die japanische Sprachfassung, die allerdings in Ermangelung deutscher Untertitel wohl nicht so recht Freude machen will. Der Bonusbereich ist ausserordentlich üppig ausgefallen und so gibt es neben zahlreichen Trailer, das bereits erwähnte, alternative Ende und auch erweiterte Monsterszenen, die den Karton noch weiter rappeln lassen. Ein kurzes Featurette über die Dreharbeiten und eine umfangreiche Bildergalerie runden das schöne Gesamtbild ab.

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So ist „Gappa“ ein unterhaltsamer Vertreter des japanischen Monsterfilmes, der sehr sympathisch daherkommt, aber aufgrund einiger Mängel Kaiji-Hardlinern vermutlich jedoch auf eher wenig Gegenliebe stoßen wird. Aber weil ich ja wenig Erfahrung auf diesem Gebiet hab, und nebenbei nicht pedantisch wirken möchte, gibt’s von mir an dieser Stelle auch eine Empfehlung. Da ich im Grunde meines Herzens noch immer ein Kind bin, dass am liebsten seine Legosammlung aufbaut um es danach wieder kaputtzumachen und ich mich an der zu Herz-gehenden Geschichte auch nicht störe, gibt’s zwei erhobene – wenn auch mutierte - Daumen. Und der taschengeldfreundlich Preis, das tolle Cover und die spektakulär-unspektakulären Effekte tun das Übrige: Go Gappa, go!

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