Der Keller - James Kelley (Trash Collection # 78)

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Der Keller - James Kelley (Trash Collection # 78)

Beitragvon jogiwan » 1. Mär 2011, 15:20

Der Keller

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Originaltitel: The Beast in the Cellar

Alternativtitel: Are you dying, young man?

Herstellungsland: Großbritannien / 1971

Regie: James Kelley

Darsteller: Beryl Reid, Flora Robson, John Hamill, Tessa Wyatt, T.P. McKenna, u.a.

Story:

Auf einem britischen Militärstützpunkt kommt es zu bestialischen Morden an Soldaten durch etwas Unbekanntes, das eine Raubkatze oder ein Werwolf sein könnte. Die in der Nähe wohnenden älteren Schwestern Ellie und Joyce Ballantyne (Beryl Reid, Flora Robson) könnten dazu etwas erklären. Sie verstecken nämlich seit gut dreißig Jahren ihren Bruder Stephen eingemauert in ihrem Keller, seit er versuchte in den 2.Weltkrieg zu ziehen. Nach all den Jahrzehnten hat Stephen jetzt endlich eine Möglichkeit zur Flucht gefunden und hat eine Stinkwut auf alles, was eine Uniform trägt - also lauert er im Moor seinen unglücklichen Opfern auf... (Quelle: ofdb.de)
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Re: Der Keller - James Kelley (Trash Collection # 78)

Beitragvon untot » 1. Mär 2011, 18:12

"Der Keller" ist ein gemächlich dahinplätscherndes, recht dialoglastiges Filmchen!
Das werden bestimmt viele bemängeln, ich fands ganz gut, weil es lustig ist, den zwei alten Damen zuzuhören, die mich fast ein wenig an die beiden Alten aus "Arsen und Spitzenhäubchen" erinnern, natürlich ohne deren Klasse zu erreichen.
Der Film ist auch sonst recht unspektakulär inzeniert, es passiert nämlich nicht recht viel, die Mordszenen sind ziemlich kurios mit Wackelkamera gefilmt und sollten vermutlich den Eindruck erwecken, das Geschehen aus der Sicht des Mörders zu erleben, oder einfach nur um die schlechten FX zu kaschieren??? :?
Trotzdem hat mir der Film echt gut gefallen, denn der Schluß machte mir, oh Wunder, ein richtiges Gruselfeeling.
Auch sonst war für mich alles stimmig, deswegen gibts hier...

7/10
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Re: Der Keller - James Kelley (Trash Collection # 78)

Beitragvon jogiwan » 7. Apr 2011, 17:16

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Je spießiger das Umfeld und je tiefer die Keller – umso dunkler sind oft die Geheimnisse die darin vor der Umwelt verborgen werden. Dieses kleine Weisheit hat sich in den letzten Jahren vor allem in dem kleinen Land Österreich bewahrheitet, in dem in der letzten Jahren mit den Fällen der Natascha Kampusch und der Familie Fritzl ja gleich zwei unvorstellbare Verbrechen, dessen Grauen die menschliche Vorstellungskraft bisweilen übersteigt. Auch in dem englischen Horror-Drama „Der Keller“ geht es um einen ähnlichen Fall, in dem unter dem Vorwand der Nächstenliebe ein Mensch weggesperrt wird und danach verwahrlost und traumatisiert eine mörderische Spur hinterlässt.

Obwohl „Der Keller“ in der beliebten Trash-Collection aus dem Hause CMV-Laservision erscheint, ist der Streifen von Regisseur James Kelley aus dem Jahre 1970 eigentlich gar nicht mal so trashig, sondern ein solides, wenn auch etwas blutarmes Kammerspiel zweier alter Frauen mit Horror-Thematik, die unter ihren Spitzenhöschen und biederen Klamotten ein sehr düsteres Familiengeheimnis verbergen, dass sich schon bald aufgrund einiger Morde und dem fortgeschrittenen Alter der beiden Damen nicht mehr länger verheimlichen lässt. Denn was auch immer die beiden Frauen im Keller versperrt hatten, es ist ausgebrochen und zieht eine blutige Spur unter den jungen Rekruten der Gegend.

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Die Geschichte des Dialog-lastigen Streifens wird sehr, sehr behäbig erzählt und auch die blutigen Effekte sind mit einer kleinen Ausnahme auf ein Mindestmaß reduziert. Gore- und Bloodhounds kommen bei „The Beast in the Cellar“ jedenfalls nicht auf ihre Kosten und werden sich eher gepflegt langweiligen. „Der Keller“ ist dann auch aufgrund seines Entstehungsjahres eher den Gruselfreunden empfohlen, die sich eher an einer (halbwegs) guten Geschichte, schauspielerischen Leistungen und sparsamen Schock-Effekten im Stil von Filmen aus den Sechzigern erfreuen können. Und diese Personen werden bei „Der Keller“ auch auf ihre Kosten kommen, da der Streifen sehr solide ausgefallen ist und trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit gut unterhält.

Die Geschichte ist ja in Zeiten wie diesen vielleicht nicht mehr so der Bringer und einige unlogische Momente muss der Zuseher durchaus tolerieren können. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt auch ganz klar auf den beiden Schwestern und ihrem schwierigen Heranwachsen, welches immer von Verlust geprägt war. Nach knapp einer Stunde wird das Geheimnis ja auch schon fast gelöst und was dann folgt ist eher die Nacherzählung der Ereignisse, die schlussendlich zu einem tragischen Finale führen. Die ganze Sache mit dem Biest im Keller klingt auch wesentlich spannender, als sie schlussendlich ausgefallen ist, aber wer sich auf das langsame Tempo einlässt, bekommt definitiv einen netten, gut gemachten und vor allem ziemlich oldskooligen Gruselstreifen präsentiert.

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Der Streifen ist aber auch voll und ganz auf die Leistungen seiner beiden Hauptdarstellerinnen Beryl Reid und Flora Robson zugeschnitten, die nicht nur an die Damen aus Hitchcocks „Arsen und Spitzenhäubchen“ erinnern, sondern dem Film auch die notwendige Glaubwürdigkeit vermitteln, die dem vom Regisseur verfassten Drehbuch etwas fehlt. Vor allem die englische Theater – und Filmschauspielerin Beryl Reid schafft scheinbar mühelos den Spagat zwischen Hilflosigkeit und Wahnsinn und hat das letzte Drittel des Filmes dann auch fast im Alleingang gepachtet. Aber auch die renommierte Charakter-Darstellerin Flora Robson als etwas dominantere Schwester mit Vaterkomplex ist in einer ihrer letzten Rollen absolut glaubwürdig und überzeugt genauso wie der Rest vom Cast. Die schauspielerischen Leistungen sind jedenfalls sehr, sehr solide und haben relativ wenig mit dem bisweilen recht dubiosen Output der Trash-Collection zu tun.

Unterm Strich ist „Der Keller“ a.k.a. „The beast in the cellar“ solider, wenn auch etwas harmloser Horror aus englischen Landen, das mit einer etwas kruden Story, dafür aber mit zwei tollen Hauptdarstellerinnen punkten kann, der den Film dann auch aus der Masse vergleichbarer Werke herausragen lässt. „Der Keller“ ist zwar nicht so „Teuflisch spannend und gespenstisch dramatisch“ wie am Backcover angekündigt, aber solider Oldskool-Eurohorror mit recht kurzen Gewaltszenen und erhöhter Dialoglastigkeit. Wer sich daran nicht stört, bekommt auch einen guten Film präsentiert, der sich am Ende auch eher dramatisch als spannend gibt und in der Trash-Collection meines Erachtens auch etwas deplatziert ist. „Der Keller“ ist zwar sicherlich kein Genre-Highlight und der Gore- und Trashfreund wird ebenfalls nicht bedient, aber dennoch ist der Streifen sehr solide Grusel-Kost mit zwei starken Darstellerinnen, das den aufgeschlossenen Filmfreund auch kaum enttäuschen wird: 6-7/10

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Re: Der Keller - James Kelley (Trash Collection # 78)

Beitragvon sid.vicious » 27. Mai 2011, 23:16

In dem kleinen Dorf Lancashire, findet man die Leiche eines Rekruten. Dieser ist auf bestialische Weise zu Tode gekommen. Die Polizei steht vor einem Rätsel und meint, dass ein Tier für den Mord verantwortlich sei. Es kommt zu weiteren Morden und die Spur, findet man dort, wo es Niemand vermutet.

Ein gemütliches englisches Ambiente, wie z.B. in All Creatures Great and Small (Der Doktor und das liebe Vieh) findet man in James Kelleys Film vor. Ein Ambiente, das so gemütlich ist, dass man den Anschein hat, dass es sich bei diesem Film gar nicht um einen Horrorfilm handelt. Denn es bedarf doch so einiges an Zeit, bis der Film zumindest einigermaßen in die Gänge kommt. Kelley kümmert sich nämlich in erster Linie darum, die Präsentation der beiden Hauptdarstellerinnen, als eine Art Pondon zu Frank Capras Ladies in „Arsen und Spitzenhäubchen“ wirken zu lassen. Kelley ist dabei bestrebt einen schwarzen, britischen Humor wirken zu lassen, was ihm in Ansätzen auch gelingt.

Die beiden Schwestern, Ellie und Joyce Ballantyne, sind der zentrale Punkt des Films und sie reden und reden und reden…. Die Ladies reden einfach ein wenig zu viel und lassen sehr wenig Spielraum für ein klassisches Horrorambiente. Dieses ist es, was den Zuschauer doch eher enttäuscht, da dieser weniger auf Wortspielereien aus war, da er doch eigentlich einen Horrorfilm erwartet hat.

Es ist sehr schwierig den Film zu bewerten, ihn einfach als schlecht abzuhandeln, wäre nicht gerechtfertigt. Im Prinzip verläuft sich Kelleys Werk ja nur zwischen einigen Genres und das klitzekleine Element von Ambiente und Spannung, wird am Ende, wenn auch nur kurz, dargeboten.

Fazit: The Beast in the Cellar ist irgendwo zwischen Doctor Who (Tom Baker und späte Jon Pertwee Zeit) und englischer Geborgenheit auf dem Lande anzusiedeln. Wer die Briten kennt und mag, der wird in der ein oder anderen Passage angenehm unterhalten, wer einen Horrorfilm, mit Thrill und Gore erwartet, der ist hier wirklich völlig fehl am Platz.
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