Das Orakel – Roberta Findlay (Trash Collection # 27)

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Das Orakel – Roberta Findlay (Trash Collection # 27)

Beitragvon jogiwan » 16. Dez 2009, 08:04

Das Orakel – Roberta Findlay (Trash Collection # 27)

Originaltitel: The Oracle

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Herstellungsland: USA / 1985

Regie: Roberta Findlay

Darsteller: Caroline Capers, Powers, Roger Neil, Pam La Testa, Victoria Dryden, u.a.

Story:

Eine Hellseherin verschwindet spurlos, nachdem sie einen Mord vorhergesehen hat. Kurz darauf bezieht die attraktive Jennifer gemeinsam mit ihrem Mann die leerstehende Wohnung. Der Hausverwalter überlässt ihnen den Nachlass der alten Zigeunerin. Darunter befindet sich auch eine mystische, als Orakel fungierende künstliche Hand, die eine Kommunikation mit der Schattenwelt ermöglicht.
Als Jennifer während einer Weihnachtsfeier ihren ungläubigen Gästen die Macht des Orakels demonstrieren will, geschehen merkwürdige Dinge. Kurz darauf gerät die Situation völlig außer Kontrolle und Jennifer in den Bann eines Geistes, der seine Ermordung rächen will. Was folgt, ist ein grauenhafter Alptraum aus Blut und Gewalt...

Ein bluttriefendes Meisterwerk von Roberta Findlay („Snuff“) mit einer mystischen, nervenzerfetzenden Spannung!
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Re: Das Orakel – Roberta Findlay (Trash Collection # 27)

Beitragvon jogiwan » 15. Jan 2011, 15:38

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Mit Geistern ist ja nicht wirklich zu spaßen und schon gar nicht, wenn diese auch noch richtig zornig sind. Blöd auch, wenn man als naives Medium und Nachmieterin einer Hellseher-Wohnung allen Anzeichen der jenseitigen Kontaktaufnahme keine Beachtung schenkt, sodass der Dämon erst einmal mit gorigen Effekten und schrecklichen Visionen so richtig aufdrehen muss, damit ihm auch entsprechendes Gehör geschenkt wird. Und genau so geht es der Titelheldin Jenny in dem 1985 entstandenen B-Schocker „The Oracle“ von Exploitation-Regisseurin Roberta Findlay, der den Zuschauer auch mit allerlei obskuren Einfällen, seltsamen Entwicklungen und Logiklöchern an der Zurechnungsfähigkeit der verantwortlichen Filmemacher und vor allem Drehbuchautor R. Allen Leider zweifeln lässt.

Die Geschichte von „Das Orakel“ ist ja schon ziemlicher Mist und ist eine unausgegorene, dafür umso gorige Mischung aus Kriminalgeschichte und Horror, wobei wohl gleich in mehreren Szenen William Lustig´s „Maniac“ und der drei Jahre zuvor sehr erfolgreiche Streifen „Poltergeist“ Pate stand. Wo letzterer aber mit einer spannenden und ironischen Geschichte und tollen Effekten aufwarten kann, werden bei „The Oracle“ bedeutend kleinere Brötchen gebacken und es müssen wohl in allen Belangen deutliche Abstriche gemacht werden. Leider ist die okkulte Mörderhatz, in der Jenny von bösen Mächten, rachsüchtigen Dämonen und geschlechtslosen Auftragskillern verfolgt wird und von einem Fettnäpfchen ins Nächste tappt, ja leider nicht sonderlich durchdacht und bis die Kriminalgeschichte mit dem ermordeten Geschäftsmann mal in Fahrt gerät, ist der Film ja auch schon wieder dabei.

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Objektiv betrachtet ist „The Oracle“ selbst für Achtzigerjahre-Verhältnisse etwas unterdurchschnittlich geraten und erinnert mit seinen plakativen und teils auch sehr billig ins Szene gesetzten Gore-Effekte schon sehr an italienische Werke. Diese sind dann teilweise auch recht herb ausgefallen und passen irgendwie nicht so recht zum lahmen Rest. Irgendwie konnte man sich wohl nicht so richtig zwischen den Genres entscheiden und da sich der Streifen größtenteils auch selber viel zu ernst nimmt, mochte sich die Freude nicht so wirklich einstellen. Wäre der Film knapp 10 Minuten kürzer ausgefallen und hätte man auf die ein- oder andere lahmarschige Verfolgungsjagd und Gekreische der Hauptdarstellerin verzichtet, dann wäre der Streifen mit Stop-Motion-Effekte, Plastikmonster und der Szene in der Nervenheilanstalt wohl ein wahres Freudenfest für alle geeichten Trashfans geworden.

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Bei den Darstellern gibt es für B-Verhältnisse eigentlich auch nicht wirklich etwas zu meckern. Caroline Capers Powers hat mich die ganze Zeit an Jennifer Connely erinnert, während Victoria Dryden irgendwie wie Cybill Shepherd aussieht. Highlight in „The Oracle“ ist aber sicherlich Pam La Testa als psychopathischer Transgender-Killer, bei dem man nie so genau weiss, ob es sich jetzt um ein weibliches oder männliches Wesen handelt, wobei die miese deutsche Synchro noch ein Scherflein dazu beiträgt, den Zuschauer im Ungewissen zu lassen. Im wahren Leben ist Pam la Testa aber natürlich weiblich und angeblich war Roberta Findlay von der korpulenten Dame so begeistert, dass die eigentlich männlich angelegt Rolle für sie umgeschrieben wurden.

Regisseurin Roberta Findlay ist ja innerhalb des Exploitation-Genres ja schon so etwas wie ein Unikum und es gibt wohl wenige Tätigkeiten vor und hinter der Kamera, die von der umtriebigen Dame gemeinsam mit ihrem Gatten Michael Findlay nicht übernommen wurden. So schrieb Frau Findlay Drehbücher, war an den erotischen Werken ihres Gatten als Produzentin und Kamerafrau maßgeblich beteiligt und auch als Schauspielerin aktiv. Unter den 36 Filmen, bei denen sie Regie führte, finden sich dann auch illustre Titel wie „Altar der Lust“, „Hot Nurses“, „Fantasex“ und Anfang der Achtziger entdeckte Frau Findlay dann wohl auch die Welt des Low-Budget-Horrors und realisierte den hier besprochenen „The Oracle“, aber auch weitere Filme wie die in einschlägigen Kreisen ebenfalls berüchtigten „Slash“ und „Prime Evil“.

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Da der Film dezent Langeweile mit brutalen Splattereffekten kombiniert, hat es aber auch die FSK seinerzeit natürlich auch nicht sonderlich gut mit dem Streifen gemeint und bei vielen Szenen musste die Schere angesetzt werde. Unser Lieblings-Label aus Berlin bringt den Streifen nun aber selbstverständlich komplett ungekürzt als Nummer 27 der Trash-Collection, wo das ambivalente Werk auch ganz gut aufgehoben ist. Die Bildqualität geht in für ein Werk aus der B-Kiste auch in Ordnung, jedoch ist die deutsche Synchronisation doch eher kostengünstig entstanden, aber immer noch einen Tick besser als die englische Sprachfassung, die doch etwas dumpf daherkommt. Als Bonus gibt es noch zwei Trailer zum Film, eine Bildergalerie, sowie noch Trailer zu weiteren Filmen wie „Mondo Cannibale“, „Dark Universe“, „Die Wurmfresser“ und „Teenage Exorcist“.

Unterm Strich ist Roberta Findlay ein etwas zwiespältiges Mischdings zwischen Horror, Trash und Krimi gelungen, der sich irgendwo zwischen „Poltergeist“, „The sixth sense“ und „Maniac“ einordnet und leider zwischen den blutigen Gore-Szenen jede Menge Leerlauf und unlogische Szenen zu bieten hat. Leider nimmt sich „Das Orakel“ auch irgendwie viel zu ernst und ist andererseits für einen ernstzunehmenden Horrorstreifen viel zu billig, als das sich bei der Sichtung gute Laune einstellen wollte. Ein paar lustige Szenen und komplett doofe Einfälle retten den Film zwar vor dem Totalabsturz, aber im Gegensatz zu den anderen Werken der Serie, ist „Das Orakel“ maximal unteres Mittelmaß. 4,5/10 Punkten

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