Mad Max - George Miller (1979)

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Mad Max - George Miller (1979)

Beitragvon Blap » 16. Jul 2010, 23:35

Mad Max (Australien 1979, Originaltitel: Mad Max)

Die nahe Zukunft sieht finster aus, auch im gelobten Land Australien. Auf den Strassen treibt sich allerlei Gesindel herum, die Polizei kommt kaum noch gegen die Flut aus Gewalt und Terror an. Max Rockatansky (Mel Gibson) gehört zu den zuverlässigsten Hütern des Gesetzes, sein Chef Fifi Macaffee (Roger Ward) hält grosse Stücke auf ihn. Bei einer wüsten Verfolgungsjagd zerlegt ein irrer Typ, der sich selbst Nightrider (Vincent Gil) nennt, etliche Polizei- und Zivilfahrzeuge. Dem Druck des harten Max ist der Nightrider nicht gewachsen, er verliert die Kontrolle über sein Gefährt und reicht den Löffel. Die Höllenjockeys, treue Gefolgsleute des Nightriders, gieren nach Vergeltung und Zerstörung. Goose (Steve Bisley) wird zum Opfer der Höllenjockeys, er endet als verbranntes Stück Fleisch auf der Intensivstation. Der Motorradcop war nicht nur ein geschätzter Kollege, sondern auch ein guter Freund für Max. Rockatansky hat die Schnauze voll. Er will die Brocken endgültig hinwerfen, sich Zeit für seine Frau und das gemeinsame Kind nehmen. Boss Macaffee redet ihm zu, er solle sich die Sache überlegen, zunächst ein paar Wochen Abstand gewinnen und Urlaub machen. Die kleine Familie fährt entspannt durchs Hinterland, doch es kommt zu einer Konfrontation mit den Höllenjockeys, die inzwischen vom wahnsinnigen Toecutter (Hugh Keays-Byrne) angeführt werden. Die Lage eskaliert unaufhaltsam, die sadistischen Verbrecher fahren des Maxens Dame samt Bengel zu Klump. Max verliert die Fassung. Nach kurzer Trauer holt er die Uniform aus der Kiste, und bringt den stärksten V8 der Polizei in seinen Besitz. Mad Max eröffnet die Jagd auf die Höllenjockeys, es wird keine Gefangenen geben...

"Eigentlich" sollte man sich eine Inhaltsangabe (und weitere Ausführungen) zu diesem Film sparen können. Nahezu jeder Filmfreund dürfte sich diesen Klassiker mehrfach zu Gemüte geführt haben. Aber vielleicht gibt es ja doch noch neugieren Nachwuchs, der diese Perle tatsächlich noch nicht gesehen hat. Heute ist das Wort "Kultfilm" abgegriffen, wird für jeden zweiten Film von der Stange verwendet, ist zur hohlen Worthülse verkommen. In den frühen achtziger Jahren war dies noch anders, die beiden ersten "Mad Max" Filme gehörten zum erlauchten Kreis echter Kultfilme. Mit wenig Geld hat Regisseur George Miller einen packenden Reisser an den Start gebracht. Für mich hat "Mad Max" auch nach all den Jahren nichts von seinem Reiz eingebüßt. Mel Gibson mag sich längst in die endlose Riege belangloser Hollywood-Hohlkörper eingereiht haben, doch für seine damalige Darbietung bleibt ihm ein Platz in meinem Herzen sicher. Der Fairness halber sollte man nicht vergessen, dass Gibson auch im späteren Verlauf seiner Karriere in guten Filmen mitgewirkt hat. So möchte ich z.B. die "Lethal Weapon" Reihe nicht missen, deren vier Teile sich getrost zu den besten Mainstream-Actionfilmen zählen dürfen. Zurück zu "Mad Max", der in einer frühen Phase der Endzeit angesiedelt ist. Noch ist die Gesellschaft nicht vollständig kollabiert, doch Gevatter Chaos und Bruder Zerstörung, sägen bereits mit allem Nachdruck an den Grundfesten des Systems. Wer sich Verbrechern wie den "Höllenjockeys" in den Weg stellt, wird von diesen kurzerhand abgemurkst, wer mit ein paar gebrochenen Knochen davonkommt, darf sich nahezu wie ein Gewinner fühlen. Mord und Totschlag, Schändung und Erniedrigung sind an der Tagesordnung. Der Arm des Gesetzes wird dem Treiben nicht mehr Herr, bedient sich bei Bedarf selbst fragwürdiger Methoden. Die Versorgung der Grundbedürfnisse steht nur noch auf Füsschen aus dünnem Ton, Treibstoff wurde bereits rationiert, was zu einem weiteren Anstieg der Kriminalität führt. Der Film bezieht seine Atmospähre nicht aus aufwändigen Kulissen, es sind die vielen kleinen Dinge, die für ein stimmiges und intensives Gesamtbild sorgen. Hier tönt uns per Durchsage die Spritrationierung ans Ohr, dort wird ein Schwerverletzter von der abgestumpften Polizei kaum beachtet. Nicht zu vergessen das verfallene Polizeirevier, Vater Staat befindet sich ganz offensichtlich in Auflösung.

Was man hier mit bescheidenen Finanzmitteln aus dem Hut gezaubert hat, ist wirklich aller Ehren wert und sorgt für Begeisterung. Die Verfolgungssequenzen sind packend inszeniert, überhaupt steht die erdige Bodenständigkeit der Action dem Streifen perfekt zu Gesicht. Mel Gibson überzeugt als tougher Polizist, dessen Sorge um die eigene Familie, den Wunsch nach Abstand vom alltäglichen Wahnsinn wachsen lässt. Raus aus dem Polizeiwagen, runter vom glühenden Asphalt, der längst zu einer gnadenlosen Knochenmühle verkommen ist. Zu einem blutgierigen Fleischwolf, durch den sich Gesetzesbrecher und Gesetzeshüter gegenseitig pressen. Die Grenzen zwischen den Guten und den Bösen scheinen zu verschwimmen, mehr und mehr im Taumel aus Gewalt und Wahnsinn zu verwischen. Doch nicht nur Gibson liefert eine solide Leistung ab. Wo heute oft nur noch seltsam oberflächliche Abziehbilder am Start sind, werden die Nebenrollen -egal auf welcher Seite sie stehen- hier greifbar, saugen den Zuschauer in das Geschehen hinein. Irre Bösewichter haben es naturgemäß einfacher eine Duftmarke zu hinterlassen, aber in "Mad Max" überzeugen auch die "guten Nebenhelden". Da hätten wir den kernigen Steve Bisley, der den Abschaum am liebsten ohne Gerichtsverhandlung von der Strasse fegen möchte. Roger Ward kahlschädelt angenehm kantig umher, versucht irgendwie seine Leute auf Kurs zu halten. Hugh Keays-Byrne als völlig durchgeknallter Anführer der Höllenjockeys darf alle Register ziehen, der Wahn leuchtet im regelrecht aus den Augen. Der Typ hatte jede Menge Spass beim Dreh, da würde ich glatt mein Hinterteil drauf verwetten. Bei einem Film dieser Art, fallen selbstverständlich die Gefährte der Protagonisten recht stark ins Gewicht. Auch hier bleibt "Mad Max" überwiegend bodenständig. Die Mopeds der Höllenjockeys weisen nur dezente Veränderungen auf, die Wagen der Polizei kommen eine Spur prägnanter daher. Besonders die Kiste, mit der unser Maxen schliesslich zum finalen Kampf ausrückt. Ein wuchtiger PS-Klotz mit V8-Motor, Max sorgt für blankes Entsetzen bei seinen Widersachern.

Ein kleiner Film aus Australien, der sich schnell einen gigantischen Ruf erarbeitete. Man nehme ein beginnendes Endzeitszenario, spinne darum einen Faden aus Road- und Rockermovie, füge Rache ist Blutwurst hinzu, garniere das Süppchen mit einer Prise Romantik, schmecke mit einem Helden und einigen fiesen Fratzen ab. Fertig ist das vorzügliche Menü, eine gehaltvolle Speise, die man immer wieder gern auf der Karte vorfindet. Bedingt durch den grossen Erfolg, legte man bereits 1981 "Mad Max 2" nach. Erneut führte George Miller Regie, erneut landete er einen Volltreffer. Ich werde in nächster Zeit auf den Nachfolger eingehen, doch wir wollen nichts überstürzen. "Mad Max" liegt mir als DVD aus dem Hause Warner vor. Die Scheibe bietet den Film in ansprechender Qualität, leider gibt es keinerlei Boni für den Fan. Man kann -wie so oft- den Stempel "Typische Warner Veröffentlichung" auf die Hülle kloppen. Da der Preis sehr moderat ausfällt, will ich über die schwache (zutreffender: nicht vorhandene) Ausstattung hinwegsehen. Alternativ ist auch ein Set mit allen drei Teilen erhältlich, dort hat man die drei Einzelscheiben in einen zusätzlichen Schuber gestopft.

An dieser Stelle ziehe ich gern 8,5/10 (seht gut bis überragend). Der Film ist mir seit den frühen achtizger Jahren ein treuer Begleiter. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich jemals eine Änderung dieses Zustandes einstellen wird. Erst der Knochenmann mit der satanischen Sense des Verderbens wird diese Freundschaft beenden.

Lieblingszitat: (Überhaupt eines DER Zitate! Ich liebe es!)

"Die Kette an der Handschelle ist aus Edelstahl. Du brauchst etwa zehn Minuten um sie durchzusägen. Aber wenn du Glück hast, dann schaffst du es in fünf Minuten deinen Knöchel durchzusägen."
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon Onkel Joe » 18. Jul 2010, 11:08

Die Mad Max reihe ist auf ewig KULT.Es gibt kaum noch etwas was man dazu schreiben kann was Blap nicht schon erwähnt hätte.Außer das Teil 2 Actionmäßig gesehen eine Terrormaschine ohne wenn und aber ist .Es geht praktisch von einer größeren Action Szene in die nächste und macht einen heiden spaß.Bei Teil 3 durfte Max sich etwas ausruhen und good old Tina beruhigt die Nerven mit ihrem geklampfe.Im grunde ein guter abschluß der Triologie.MUST HAVE !!!
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon Blap » 18. Jul 2010, 12:17

Als ich "Mad Max 3" damals im Kino gesehen habe, wäre ich vor Wut fast explodiert. Was für ein unfassbarer Dreck, dazu noch die grauenvolle Tina T.. Heute bin ich entspannter, wertet man den letzten Teil als Parodie, kann man recht gut damit leben. ;)
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon Onkel Joe » 18. Jul 2010, 20:03

Blap hat geschrieben:Als ich "Mad Max 3" damals im Kino gesehen habe, wäre ich vor Wut fast explodiert. Was für ein unfassbarer Dreck, dazu noch die grauenvolle Tina T.. Heute bin ich entspannter, wertet man den letzten Teil als Parodie, kann man recht gut damit leben. ;)



Ein bekannter der sehr viel zum Thema Film liest und sich jede DVD der er schaut mit allen Tonspuren(dt.+engl.+Audiokommentar) durchnudelt, meinte einmal zu mir als ich Mad Max 3 total zerissen habe, das man diesen Film mit den Augen der Kinder sehen sollte für die Max kämpft.Den Kinder sind "ALLES" und das beste was es gibt, deswegen sollte man Ihnen helfen ein gutes Leben zu führen.Das hat mich zum nachdenken gebracht und genau so ist es auch.Mad Max hat sein Leben schon länger gelebt als es für diese verhältnisse normalerweise möglich ist aber für die Kinder die Ihr Leben noch vor sich haben gibt er nochmals alles.
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon Blap » 18. Jul 2010, 21:05

Ich werde dies bei der nächsten Sichtung beachten. Aber "eigentlich" habe ich ja schon meinen Frieden mit dem Film gemacht.
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon Santini » 19. Jul 2010, 00:14

Mad Max ist Kult, Kult, Kult!

Ohne wenn & aber.

Die kaputten Typen / Rocker wirken fuckin' real & sind heute noch absolut beängstigend.
Überhaupt: Das ganze Szenario ist beängstigend. Der Zahn der Zeit konnte diesem Meisterwerk NICHTS anhaben.

BTW: Was hätten die Italiener in den 80iger Jahren in ihren Kiesgruben für (Endzeit) Filme drehen sollen - hätte es Mad Max nicht gegeben. 8-) :D

In Teil 2 wird die intensive Atmo / Bedrohung nochmals gesteigert.
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon Arkadin » 22. Jul 2010, 11:45

Teil 1 ist ein zeitloser Klassiker ohne wenn und aber. Gefiel mir auch nach Jahren immer noch sehr gut.
Teil 2 hat meiner Meinung nach über die Jahre etwas verloren. Oder die Erinnerungen haben die Erwartungshaltung nach all den Jahren dermaßen in die Höhe getrieben... ich weiß es nicht. Nach nochmaliger Betrachtung 10 Jahre später war ich etwas enttäuscht. Immer noch ein guter Endzeitfilm, aber nicht der Überfilm, als den ich ihn in Erinnung hatte. Dafür war die Story einfach zu simpel und einiges übertrieben bis an den Rand der Peinlichkeit. Macht aber trotzdem noch immer Spaß.
Daraufhin war ich gespannt, wie mir nun der 3. Teil gefallen würde, den ich bei seinem Kinostart damals gehaßt habe. Allein schon die Idee, dass das erste, was Max in diesen Film macht, seine Waffen abzugeben ist. Bäh. Und was soll ich sagen? Ich fand ihn immer noch blöd und langweilig. Und die Kinder haben mich immer noch extremst genervt (überhaupt finde ich, dass Kinder in solchen Filmen nichts zu suchen haben). Genauso wie der Typ aus Teil 2, der bei Herzogs "Wo die grünen Ameisen träumen" mitgespielt hat.
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon horror1966 » 15. Apr 2012, 18:32

Filme mit Endzeit - Storys gibt es sicherlich zur Genüge, aber mir fällt keiner ein, der auch nur annähernd an die Klasse von Mad Max heranreicht. Mit diesem Film wurde Mel Gibson über Nacht berühmt. Sicher ahnte damals keiner, welchen Ruhm und vor allem welchen Gewinn der Film einheimsen würde. In der Produktion kostete "Mad Max" 400.000$, spielte aber weltweit 100.000.000 & ein und stand damit sogar im Guiness Buch der Rekorde, bevor er von "The Blair Witch Project" abgelöst und auf Platz 2 geschoben wurde.

Der Film hat sicherlich keine besonders tiefgründige Story, was aber gar nicht weiter ins Gewicht fällt. Er besticht in erster Linie durch die wirklich geniale Endzeit - Atmosphäre, die wirklich ihresgleichen sucht. Die Action ist sehr gut und alles ist toll aufeinander abgestimmt. Die aufgemotzten Autos,die teilweise schrägen Charaktäre und auch die Klamotten, die getragen werden, ergebn im Ganzen diese tolle Atmosphäre.

Und dann ist da natürlich Mel Gibson, der von einem guten Polizisten zum absolut knallharten und gnadenlosen Rächer mutiert und dieses auch sehr überzeugend und autentisch rüberbringt.

Dieser Film ist ein absolutes Paradebeispiel dafür, das man auch mit einem sehr niedrigen Budget einen Film erschaffen kann, der in die Filmgeschichte eingeht. Und das hat "Mad Max" sicherlich schon längst geschafft und das auch vollkommen zu Recht, wie ich finde.




9/10
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Re: Mad Max - George Miller

Beitragvon purgatorio » 7. Jun 2014, 08:55

MAD MAX (MAD MAX, Australien 1979, Regie: George Miller)

Eine Bombe von Film in einer zunehmend apokalyptischen Welt, welche schleichend vor die Hunde geht! Den Höhepunkt des Anarchisierungsprozesses dürfen wir dann aber erst in Teil 2 bewundern. Hier hingegen wird ein Held geboren, nachdem er alles verloren hat. Dramatisch, actionreich und ganz, ganz großartig! 8-9/10
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Re: Mad Max - George Miller (1979)

Beitragvon Theoretiker » 7. Jun 2014, 12:08

Die ersten beiden sind perfektes Endzeitkino, wobei ich den ersten noch kompromissloser und nihilistischer finde, der Road Warrior ist dagegen einfach perfektes Endzeit-Actionkino. Teil 3 finde ich einfach langweilig und weichgespült.

Mad Max 8,5/10
Mad Max 2 9/10
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