Königreich des Verbrechens - David Michôd

Moderator: jogiwan

Königreich des Verbrechens - David Michôd

Beitragvon Slim Naughton » 23. Feb 2011, 00:45

Neue Koch-VÖ, die für den 25. März angekündigt ist.

Hier schon mal Auszüge aus unserer Rev, die ihr vollständig hier findet:

Als sich Joshs Mutter den goldenen Schuss setzt, endet für den Jungen eine vergleichsweise ruhige Zeit. Der Teenager kommt unter bei seiner Großmutter Janine (Jacki Weaver), zu der die kleine Familie auf Betreiben der Mama jahrelang keinen Kontakt mehr hatte. Ist auch nicht verwunderlich, denn die fidele Oma hat’s der alten Ma Barker gleichgetan und ihre drei Söhne zu waschechten Kriminellen herangezogen, die ihre Brötchen mit Raubüberfällen und Drogenhandel verdienen.

Zu gerne wird auch der eh schon sehr präsente Quentin Tarantino herangezogen, wenn es gilt, einen neu erschienenen Thriller in der Anpreise zu veredeln und ihm zumindest eine Basisaufmerksamkeit zu sichern. Doch macht der gute Quentin hier, wenn überhaupt, nur von ferne seine Aufwartung. Nötig hat dieser feine australische Streifen so ein Aufrubeln sicher eh nicht.
Der Film ist so was wie eine Coming-Of-Age-Geschichte – Halt, nicht gleich weglaufen, liebe Gemeinde ;-) - im Gewand eines pechschwarzen, humorlos erzählten Thrillers. Josh ist der alterstypisch verwirrte Junge auf der Suche nach seiner Position im Leben, der in Ruhe seine Freundin Nickie knattern will. Der Tod seiner Mutter nötigt ihm eine Positionierung dann viel schneller ab als ihm lieb sein kann. Und die Optionen sind miteinander unvereinbar: Auf der einen Seite steht die kriminelle Familie, die zwar scheinbar eine Heimat anbietet, doch in Wirklichkeit eine Ansammlung psychopathischer, mörderischer Egozentriker ist. Der Kitt, der dieses allen misstrauende Sammelsurium oberflächlich zusammenhält, sind Abhängigkeiten: die von der so dominanten wie skrupellosen Frau Mutter oder auch die Angst vor dem Knast. Auf der anderen Seite zur Wahl steht die auch nicht sonderlich attraktive Möglichkeit, als Kronzeuge gegen die mörderische Verwandtschaft auszusagen. Am Ende findet J für sich einen eigenen Weg, doch wohin der führt, ist mehr als fraglich.
Der Streifen ist hervorragend gespielt, allen voran James Frecheville, und mit seinen gedeckten Bildern adäquat zur Stimmung fotografiert. Will man die vorherrschende Atmo beschreiben, so fallen zumindest mir an erster Stelle die Attribute „trostlos“, „unsicher“ und „gewalttätig“ ein. Höchstnote.
Slim Naughton
 
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