Daddy's Little Girl - Chris Sun (2013)

Moderator: jogiwan

Daddy's Little Girl - Chris Sun (2013)

Beitragvon horror1966 » 1. Sep 2014, 14:43

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Daddy's Little Girl
(Daddy's Little Girl)
mit Michael Thomson, Allira Jaques, Billi Baker, Holly Phillips, Rebecca Plint, Sean Gannon, Christian Radford, Darrell Plumridge, Mirko Grillini, Madeleine Campbell, Brooke Chamberlain, Anthony Thomas, Craig Claxton, Kaushik Das
Regie: Chris Sun
Drehbuch: Chris Sun
Kamera: Scott Kimber
Musik: Mark Smythe
SPIO/JK
Australien / 2013

Die kleine niedliche Georgia ist das ganze Glück ihres stolzen Vaters. Als sie eines Nachts verschwindet und kurz darauf ermordet am Strand gefunden wird, bricht seine Welt zusammen. Nur langsam findet er ins Leben zurück. Gerade als er den Schicksalsschlag zu akzeptieren beginnt, entdeckt er Hinweise auf den Täter. Derek sieht zwei Möglichkeiten: Die Indizien der Polizei zu überlassen oder selbst für Gerechtigkeit zu sorgen. In seinem Keller und mit allem, was Schmerzen bereitet…


Rache-Thriller gibt es zur Genüge und die meisten von ihnen sind auch noch als absolut empfehlenswert zu bezeichnen. Dabei zeichnen sich viele Vertreter durch eine extrem hohe Intensität aus, die dem Zuschauer in den meisten Fällen auch extrem zusetzt. Die vorliegende australische Produktion schlägt genau in diese Kerbe und erzählt so sicherlich keine neue Geschichte, hebt sich aber dennoch durch diverse Feinheiten von vielen ihrer Genre-Kollegen ab. Zunächst einmal deutet hier allerdings rein gar nichts auf die explosive Mischung hin die Regisseur-und Drehbuchautor Chris Sun für seine Erzählung gefunden hat, der Film beginnt eher bedächtig und konfrontiert den Zuschauer mit dem äußerst liebevollen Verhältnis eines Vaters zu seiner kleinen Tochter, das man fast schon als eine Art Vergötterung bezeichnen kann. Diese Phase der Ereignisse erscheint aber keinesfalls kitschig oder gar aufgesetzt, sondern zeigt vielmehr eine innige Beziehung, die kaum liebevoller sein könnte. Nach einer etwas tieferen Beleuchtung der Haupt-Charaktere erfährt die Geschichte dann ihr erstes Break, denn mit der Ermordung der kleinen Georgia wandelt sich das Ganze zu einem waschechten Drama, das auch dem Betrachter spürbar unter die Haut geht. Das liegt ganz einfach darin begründet das man durch die gelungene Einführung eine enorme Sympathie zu den Figuren aufgebaut hat und so nun fast zwangsläufig auch mit dem verstörten-und trauernden Derek mitleidet, der Mit seiner kleinen Tochter ganz augenscheinlich seinen gesamten Lebensinhalt verloren hat.

Auch für diese Episode der Erzählung lässt sich Chris Sun genügend Zeit, so das man immer tiefer in das Szenario hinein gezogen wird, das bisher noch ohne jegliche visuelle Härte auskommt, was sich auch erst nach gut einer Stunde Laufzeit grundlegend ändern soll. Bis dahin jedoch setzt man sich vielmehr mit dem unglaublichen Schmerz des Vaters auseinander, der von Michael Thomson absolut großartig dargestellt wird. Die Emotionen wirken dabei so unglaublich real das man vermeint, eigentlich selbst fast diese innere Verzweiflung zu spüren die immer mehr die Oberhand gewinnt und dem guten Mann scheinbar jegliche Lebensfreude raubt. Das ändert sich schlagartig, als Derek eher zufällig auf die Spur des Täters kommt den die ermittelnden Polizeibeamten selbst nach gut sechs Monaten immer noch vergeblich sucht. An dieser Stelle hebt sich "Daddy's Little Girl" dann meiner persönlichen Meinung nach ganz erheblich von den ansonsten üblichen Vertretern ab, denn die Identität des Killers ist in vorliegendem Fall ein vollkommen anderes Kaliber als man es sonst gewohnt ist. Die Lüftung der Identität muss für den Vater trotz der schon vorhandenen Trauer und des immensen Schmerzes ein regelrechter Schlag in die Fresse sein, hinzu kommt auch noch erschwerend der Aspekt, das Georgia längst nicht das einzige Opfer des Mörders gewesen ist. Desweiteren ist ein Tagebuch voll detaillierter Beschreibungen sämtlicher Taten des Killers ein nicht unerhebliches Indiz dafür, weshalb das nun folgende letzte Film-Drittel so dermaßen mit visueller Gewalt vollgepackt wurde, das man dabei selbst als Zuschauer fast schon an seine Grenzen stößt.

Nun nämlich erfährt die Geschichte ihr mittlerweile zweites Break und das zuvor einfühlsam erzählte Drama wechselt zu einem waschechten Torture Porn Movie der diesem Begriff alle Ehre macht. War man bis zu diesem Zeitpunkt gänzlich ohne visuelle Gewaltdarstellungen ausgekommen, so ist dieser Zustand ab sofort vorbei. Stattdessen präsentiert sich nun ein Folter-Szenario das an Härte-und Brutalität schwerlich zu überbieten ist und die gelungene Kameraarbeit tut alles Nötige, um dem Betrachter auch die explizitesten Szenen in allen Einzelheiten näher zu bringen. Das sich dabei das Tempo der Erzählweise drastisch erhöht muss man eigentlich nicht erwähnen, doch der brachiale Stilbruch des Filmes trifft einen dabei mit der Wucht eines Keulenschlags. Nun kann man sich sicher die Frage stellen, wie aus dem zuvor trauernden Vater ein fast schon hyperaktiver Folterknecht werden konnte, doch wenn man die Identität des Mörders kennt und die vorgelesenen Einzelheiten seiner Greueltaten präsentiert bekommt merkt man immer mehr, wie auch in einem selbst eine fast unbändige Wut aufkommt. Manch einer mag das Verhalten von Derek eventuell unrealistisch vorkommen, zudem der gute Mann auch ganz augenscheinlich kaum Erholungspausen benötigt wenn es darum geht, dem Killer seiner Tochter nun die größtmöglichen Schmerzen zuzufügen. Dabei wird dann auch kein Mittel ausgelassen um sein Opfer regelrecht zu konditionieren und so in mehreren Etappen an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu bringen. Derek verwandelt sich dabei in eine Art sadistischen Folterknecht dem es sichtlich Freude bereitet, seinem Opfer die gleichen Schmerzen zuzufügen, die er zuvor bei seinen Taten bereitet hat. Manch einem mag das vollkommen unnötig oder gar weltfremd vorkommen, doch wenn man die gesamten Zusammenhänge betrachtet, kann man das Verhalten des Vaters zumindest von der menschlichen Seite her jederzeit nachvollziehen. Natürlich gibt es im Prinzip keinerlei Rechtfertigung für Selbstjustiz, doch wenn man sich einmal in die Lage des Betroffenen und seines erlangten Wissens hinein versetzt, dann kann man seine Handlungen in jedem Fall nachvollziehen.

Dennoch wird man natürlich auch einmal mehr mit den üblichen moralischen Bedenken konfrontiert und von der juristischen Seite aus ist ein wie hier dargestelltes Verhalten auch keinesfalls zu tolerieren, auf der anderen Seite ist dann aber auch wieder die rein menschliche Sichtweise und die Frage, wie man sich selbst verhalten würde, wenn man in der Lage von Derek wäre. Ist nämlich die Ermordung seiner kleinen Tochter an sich schon so ziemlich grausamste Schicksalsschlag den man sich vorstellen kann, so spielt in diesem Fall auch die Identität des Mörders eine zusätzlich erschwerende Rolle, die dem Ganzen noch einmal eine ganz andere Qualität verleiht. Es ist teilweise einfach unglaublich und das eigene Hirn möchte sich nur zu gern weigern, die feststehenden Fakten zu akzeptieren. Zu grausam und surreal erscheint einem das Ganze, so das man als Betroffener schon fast den Verstand verlieren möchte. All diese einzelnen Zutaten hat Chris Sun absolut brillant unter einen Hut gebracht und so letztendlich einen Film geschaffen, der einen ganz bestimmt auch noch nachhaltig beschäftigt. In Einführung, Trauerphase und brutale Vergeltung lässt sich "Daddy's Little Girl" in drei Episoden teilen, die dann jedoch im Endeffekt ein berührendes und streckenweise verstörendes Gesamtbild ergeben, das nicht so einfach zu verdauen ist. An diesem Werk dürften auch Hartgesottene noch länger zu knabbern haben, denn die Geschichte brennt sich fast unauslöschlich in das menschliche Gehirn ein und setzt dabei eine immense Intensität frei, die dem Zuschauer fast schon körperliche Schmerzen bereitet.


Fazit:


In einer exzellenten Kombination aus Drama/Thriller-und Folterfilm hat Chris Sun hier einen einprägsamen Film präsentiert, der sich längst nicht nur auf seine letztes Drittel reduzieren lässt. Dennoch ist es aber wohl gerade die Strecke der visuell dargestellten Gewalt, die bei den meisten Leuten den größten Eindruck hinterlässt, da die gezeigten Bilder nun wirklich äußerst harter Tobak sind und man an diversen Stellen sogar am liebsten den Blick abwenden möchte. Man sollte "Daddy's Little Girl" aber vielmehr als gelungenes Gesamtpaket ansehen, das den Betrachter zwar wieder einmal mit den üblichen moralischen Fragen konfrontiert, andererseits aber auch durchaus Verständnis für den handelnden Vater aufkommen lässt.


9/10
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