The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Moderator: jogiwan

Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon Theoretiker » 21. Aug 2016, 07:31

Adalmar hat geschrieben:Ich kenne von Mann nur "Heat". Und wenn ich den mit "The Neon Demon" vergleiche (wobei man sowieso schon mal Äpfel mit Birnen vergleicht) dann sehe ich in Heat einen Film, der Publikums- und Kritik-Erwartungen möglichst perfekt zu bedienen versucht (Starke Typen, von Hollywood-Stars gespielt, liefern sich ein perfekt inszeniertes Duell in "kühler Großstadtatmosphäre" - d. h. es wird so viel wie möglich durch einen Blaufilter gefilmt), ...... Refn dagegen lässt seine persönliche Besessenheit relativ ungefiltert aufs Publikum los und nimmt von vornherein in Kauf, dass viele damit nichts anfangen können. Ich glaube auch nicht, dass Refn eigentlich versucht, solche Filme wie Mann zu drehen, und nur daran scheitert, solche Drehbücher wie dieser zu schreiben. Es ist ein ganz anderer Ansatz und daher ergibt dieser Vergleich auch aus meiner Sicht nicht viel Sinn.


Das sehe ich auch so. Auch wenn ich vergleiche zwischen Regisseuren sowieso schwierig finde, sind die Werke von Mann und Refn kaum vergleichbar. Ich schätze Mann sehr, seine Werke sind aber ja bodenständig und konventionell, da würde ich eher Lynch & Co. für Vergleiche heranziehen.
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon Onkel Joe » 21. Aug 2016, 08:10

Da Refn bei Mann ganz ordentlich klaut, sogar ganze Kamera Einstellungen übernimmt habe ich ihn genommen. Hier haben wir etwas von dem durchgestylten Miami Vice bei "Drive" hat er ganze Komponente aus "The Thief" genommen. Ich kann dieses "Luftbeutel" & "Blender" vom Jogiwan schon verstehen. Refn ist ein großer Fanboy, er hat bestimmt ne ganze Menge Material gesichtet und übernimmt da wirklich sehr viel von. Er ist geschickt, hat ein klasse Timing was Musik und Bilder betrifft aber der große Retter ist er auch für mich nicht. Ist Ok wenn es anderen gefällt aber es ist einfach nicht meine Welt und ich bin aus dieser Diskussion nun raus.
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon supervillain » 21. Aug 2016, 12:02

Jetzt ist also Refn der Fanboy, kann ich mir das in etwa so vorstellen, wie bei einem John Carpenter, der Haward Hawks als wichtigen Einfluss bezeichnet und sich von "Rio Bravo" sichtlich inspirieren ließ?

Wie auch immer, zumindest muss ich mich jetzt nicht mehr persönlich angegriffen fühlen. Vielleicht sollten wir mal den Begriff definieren, um nicht aneinander vorbei zu reden. Wenn mich jemand als hirnlosen Zombie darstellt, der das selbstständige Denken aufgegeben hat und infolgedessen bei seinem Geschrei keinen halbwegs objektiven Gedanken mehr fassen kann, ist bei mir die Toleranzgrenze erreicht, den Fehdehandschuh nehme ich dann auch gerne an (eigentlich ungern aber hilft ja nichts). Es ist ja nicht gerade so, als hätte ich noch nie ein kritisches Wort über Refn verloren, gerade in jüngster Vergangenheit fällt mir dazu etwas ein, wo sich auch Adalmar kritisch dazu geäußert hat.

Dann bringst du wieder die Sache mit dem "Retter des Kinos" ins Spiel (ist das jetzt der neue Maßstab der fortan bei jedem Filmemacher angesetzt werden muss). Nochmal: Habe ich hier etwas überlesen oder legt ihr uns das einfach in den Mund. Eine andere Möglichkeit wäre, ihr haltet (insgeheim) selbst so große Stücke auf den Mann, weshalb euch eine dermaßen hohe Erwartungshaltung gerechtfertigt erscheint. Ich persönlich brauch eigentlich keinen neuen Messias.

Ich möchte hier nochmal festhalten: Solange mich seine Filme begeistern, habe ich keinen Grund mich nicht auf das nächste Projekt zu freuen, deshalb bin ich noch lange kein ferngesteuertes Opfer eines Hypes.
Bitte kommt mir nicht mit Beispielen, wenn ich z.B. im Musikfaden ein Dirty Harry Hauptthema mit der Überschrift "Lalo Schifrin Superstar" versehe. Das soll nur auf simple Weise meine Begeisterung widerspiegeln und ist im Kern nicht so ernst gemeint. Bei einer sachlichen Diskussion verzichte ich auf solche Mittel. Ernsthafter Personenkult ist mir ohnehin fremd. Wenn ich sowas jemanden unterstellen wollen würde, wäre das für mich bei den zahlreichen Autogrammjägern noch eher schlüssig (wenn auch genauso unnötig).

Noch was in eigener Sache: Purgatorio erwähnte vor zwei Jahren in Nürnberg am Frühstückstisch etwas abwertend, dass mir doch ohnehin alles gefällt. Damals hab ich das nicht näher kommentiert, doch in diesem Zusammenhang passt das ganz gut. Dem ist mitnichten so, ich definiere mich nur nicht über einen Verriss und spar mir meine Zeit lieber für Themen die mir liegen. Wem ist geholfen wenn ich stoisch bei jedem Bud Spencer Thema meine Abneigung mitteile. Mir ist bewusst das ich dafür nicht die Zielgruppe bin und mir deshalb eventuelle Qualitäten auf ewig verborgen bleiben werden (über Humor lässt sich bekanntlich schlecht streiten). Wiederholungen bezüglich meiner Abneigung würden weder mir noch Euch helfen. Das hat nichts mit einer kritiklosen Haltung zu tun. Die Liste ließe sich mit Verballhornungen der Marke "Scary Movies", einer bestimmten Sorte von ollen Sexklamotten, Lisa-Film Komödien etc. beliebig erweitern. Actionfilme der Marke "Fast and the Furious" kommen mir auch nicht in den Player. So, jetzt ist zumindest der Punkt geklärt! :o :shock: :D

Peace ya
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon karlAbundzu » 21. Aug 2016, 12:09

Ich finde den Vergleich Mann / Refn interessant und stimmig.
Nur vielleicht allgemein den Ball flachhalten, die einen sind begeistert, die anderen nicht. so weit.

und eigentlich hör ich mir immer gerne an, dass mir alles gefällt. Was tendentiell stimmt... :D
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon supervillain » 21. Aug 2016, 12:46

karlAbundzu hat geschrieben:Nur vielleicht allgemein den Ball flachhalten, die einen sind begeistert, die anderen nicht. so weit.


Hast ja recht, selbstverständlich! :)

Zur Erklärung, im zweiten Absatz habe ich nur dargestellt was für mich ein Fanboy ist und wie ich somit Jogis Kommentar aufgenommen habe (hat also nichts mit Onkel Joe zu tun und ist für mich auch schon wieder aus der Welt. ;)

Beim letzten Absatz wollte ich nicht gegen Purgatorio schießen, falls das aufgrund der Nennung so rüberkommt, möchte ich das hiermit berichtigen. Das ist zwei Jahre her, ich war weder damals beleidigt, genauso wenig gab es in der Folgezeit böses Blut. :!:

PS: Bezüglich "Fanboys" bin ich vorbelastet, was ich schon mit extrem festgefahrenen Menschen diskutieren musste geht auf keine Kuhhaut. Am schlimmsten war das in jungen Jahren bei so manchen Konsolenkrieg (der Name wird den Auswüchsen durchaus gerecht).
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon sergio petroni » 21. Aug 2016, 15:25

supervillain hat geschrieben:Wem ist geholfen wenn ich stoisch bei jedem Bud Spencer Thema meine Abneigung mitteile. Mir ist bewusst das ich dafür nicht die Zielgruppe bin und mir deshalb eventuelle Qualitäten auf ewig verborgen bleiben werden (über Humor lässt sich bekanntlich schlecht streiten)
Die Liste ließe sich mit Verballhornungen der Marke "Scary Movies", einer bestimmten Sorte von ollen Sexklamotten, Lisa-Film Komödien etc. beliebig erweitern. Actionfilme der Marke "Fast and the Furious" kommen mir auch nicht in den Player.

Wow, ich bin über so viel Übereinstimmung mit meinen Abneigungen doch sehr erstaunt! :?
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon Theoretiker » 25. Aug 2016, 09:42

Arkadin hat geschrieben:Fettes Veto und daran anschliessend gleich die Frage, wo Du die 4-Scheiben-Variante für 27,99 gesehen hast. Bei Amazon ist die deutlich teuer, bei der OFDb noch nicht gelistet und sicherlich die Variante, die ich nehmen werde, da ich mir den Soundtrack sowieso geholt hätte und das dann mit der Blu-ray zusammen eh auf einen ähnlichen Preis gekommen wäre.


Das MB ist bei OFDb nun ebenfalls für € 27,98 gelistet.
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon jogiwan » 25. Aug 2016, 11:12

Adalmar hat geschrieben:Mir ist auch nicht klar, was mit "Blender" in diesem Kontext eigentlich gemeint ist. Heißt das, dass Refn es irgendwie schafft, dass ich mir einbilde, der Film hätte mir gefallen, obwohl ich ihn in Wirklichkeit nicht gut fand? :?


Deine Frage ist bei den ganzen Polterkommentaren irgendwie untergegangen und daher jetzt erst ein paar ergänzende Worte. "Blender" in Hinblick, dass "Drive" und "Only God Forgives" ja weithin von selbsternannten Filmexperten gerne als innovativ, bahnbrechend und unkonventionell abgefeiert und in den Himmel gelobt werden und bei näherer Betrachtung weit weniger originell daher kommen. "Drive" ist eine 1:1-Kopie von Walter Hills "Driver" gepaart mit viel der unterkühlten Coolness vom amerikanischen Achtziger-/Neunzigerjahre-Action-Kino, wie auch schon vom Onkel angemerkt. Das funzt ja hier auch ganz gut. "Only God Forgives" hingegen kopiert den Look von "Into the Void", "Guilty of Pleasure", etc und erinnert von der Erzählweise und Aufbau an die unzähligen Arthouse-Episoden-Streifen eines Iñárritu wie „21 Gramm“, „Babel“ etc., die in den Nuller-Jahren so populär waren und kombniert diesen mit der Brutalität asiatischer Yakuza-Filme. Hier geht die Rechnung ja weit weniger auf.

Die Liste ließe sich hier auch beliebig fortsetzen und wenn der sich in „The Neon Demon“ jetzt auch noch den Lynch vorknöpft, dann schränke ich meine Erwartungshaltung lieber gleich im Vorfeld ein, bevor ich da nachher mit langen Gesicht vor dem Fernseher sitze. Nichts gegen unterschiedliche Einflüsse, aber im Falle von Refn werden diese dann zumindest für meinen Geschmack eine Spur zu offensichtlich eingesetzt und zelebriert und mir persönlich fehlen trotz technischer Perfektion eigenständige Momente oder eine persönliche Handschrift, mit denen ein Regisseur nachhalting in Erinnerung bleibt. Und für jemanden, der sich gerne im Glanz von Alejandro Jodorowsky sonnt, Retrospektiven plant, Bildbände herausgibt und als Beitragskandidat und Jury-Mitglied auf Filmfestivals weltweit herumgereicht wird ist das alles doch überraschend wenig und erinnert doch frappant an das ehemalige Kritiker-Liebkind Quentin Tarantino nach seinem vollkommen gerechtfertigten Erfolg mit „Pulp Fiction“ und was bei dem danach noch gekommen ist, wissen wir ja alle…

PS: Wegen meiner persönlichen Meinung zu Nicolas Winding Refn muss sich aber sicherlich niemand und auch kein Fanboy beleidigt oder persönlich angegriffen fühlen – jeder wie er mag, gell? ;)
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon karlAbundzu » 25. Aug 2016, 13:29

Oh, Lynch ist aber gar nicht so nah im Neon Demon, er linzt höchstens mal um die Ecke, viel näher sind Argento und Schrader.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: The Neon Demon - Nicolas Winding Refn (2016)

Beitragvon jogiwan » 25. Aug 2016, 13:31

karlAbundzu hat geschrieben:Oh, Lynch ist aber gar nicht so nah im Neon Demon, er linzt höchstens mal um die Ecke, viel näher sind Argento und Schrader.


Puh - da hab ich ja nochmal Glück gehabt! Das Mediabook mit Soundtrack ist natürlich längst bestellt! :nick:
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