Survival of the Dead - George A. Romero (2009)

Moderator: jogiwan

Survival of the Dead - George A. Romero (2009)

Beitragvon Blap » 10. Apr 2010, 16:20

Der neue Romero verdient einen eigenen Thread:


Survival of the Dead (USA 2009, Originaltitel: Survival of the Dead)

Die Welt wird von Untoten heimgesucht und stürzt in Chaos und Verderben. Selbst auf einer kleinen Insel vor der nordamerikanischen Ostküste treiben Zombies ihr Unwesen. Die Bewohner der Insel sind Fremden gegenüber wenig aufgeschlossen, sie wird von zwei etablierten Familien beherrscht. Auf der einen Seite die O'Flynn Sippe, deren Oberhaupt Patrick (Kenneth Welsh) ein sturer Querkopf ist. Der Clan Muldoon wird von Seamus (Richard Fitzpatrick) angeführt, einem Hinterwäldler mit Hang zum religösen Fanatismus. Als es zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Leitwölfen kommt, zieht Patrick O'Flynn zunächst den kürzeren, man verbannt ihn kurzerhand von der Insel. An anderer Stelle schlägt sich ein kleiner Trupp Soldaten durch die unsichere Gegend um Philadelphia. Sarge Crocket (Alan Van Sprang) ist ein harter und abgebrühter Bursche, ihm und seinen Leuten pinkelt so leicht keiner ans Bein. Als die Gruppe im Netz eine interessante Übertragung sieht, beschliesst man in die dort beschriebene Gegend aufzubrechen. Sie treffen auf O'Flynn und ein paar seiner Leute, nach diversen blutigen Anlaufschwierigkeiten bricht man per Fähre in Richtung der Heimatinsel des Verbannten auf. Ein erneuter Konflikt zwischen den Clanführern scheint unausweichlich, mittendrin eine Handvoll tougher Militärschädel... ...und ein waghalsiges "Experiment" des Anführers des Muldoon Clans...

"Survival of the Dead" ist der inzwischen sechste "...of the Dead" Beitrag von Altmeister George A. Romero. Über die Qualitäten und den Klassikerstatus von "Night of the living Dead" (1968) und "Dawn of the Dead" (1978), muss man nichts mehr schreiben. "Day of the Dead" (1985) gehört zu den besten Horrorfilmen der achtziger Jahre, "Land of the Dead" (2005) war ein gelungenes Comeback, obwohl es ein wenig an neuen Impulsen mangelte. 2007 legte Romero "Diary of the Dead" nach, diesmal ernsthaft um einen modernen, frischen Look bemüht. Ich hatte vor der Sichtung meine Bedenken, bin ich doch kein allzu grosser Freund der "Wackelkamera". Doch auch "Diary..." machte mir jede Menge Spass, ergo war die Vorfreude auf den sechsten Film aus dieser losen Reihe gross. "Survival..." schliesst vom zeitlichen Ablauf unmittelbar an "Diary..." an, setzt aber andere Figuren in den Fokus. Die Soldatengruppe tauchte bereits kurz in "Diary..." auf, dort überfielen die Gesellen die per Wohnmobil reisenden Hauptfiguren. Ein entsprechende Szene taucht sinnvollerweise in "Survival..." auf. Die Kamera lässt Romero nun wieder zur Ruhe kommen, insgesamt wirkt der Film für meinen Geschmack angenehm zeitlos. Sicher, ohne Internet und Smartphone geht es heute wohl nicht mehr, doch ansonsten kommt der Streifen erfreulich bodenständig daher. Wunderschöne Landschaften stehen dem nackten Grauen gegenüber, Romero klopft recht rustikal aufs Mett, verliert dabei aber nicht den Fortgang der Erzählung aus den Augen. Die Computereffekte können selbstverständlich nicht die herrlichen Panschereien eines Tom Savin ersetzen, sind aber doch erstaunlich ansprechend ausgeführt. Die Atmosphäre stimmt, ich fühlte mich gleich zu Beginn sehr wohl in dieser zombiefizierten Welt. Immer wieder bricht -teils herrlich ätzender- Humor hervor, der Film vermittelt den Eindruck, dass die Macher mit jeder Menge Freude bei der Sache waren. Obwohl sich das Werk immer wieder mit einem Augenzwinkern selbst ein wenig auf die Schippe nimmt, wird durch den Humor nie die eigentliche Ernsthaftigkeit in Frage gestellt. Die Darsteller liefern durch die Bank gute Leistungen ab. Hervorzuheben sind sicher die beiden Clanführer, von Kenneth Welsh und Richard Fitzpatrick erstklassig verkörpert. Alan Van Sprang passt wie die berühmte Faust aufs Auge in die Rolle des "Sarge". Devon Bostick rotzlöffelt als cleverer Halbstarker durch das Geschehen, ebenfalls eine ansprechende Leistung. Es würde den Rahmen sprengen auf jeden Nebendarsteller einzugehen, von daher sei als kurzes Fazit erneut betont: Alles im grünen Bereich!

Wie immer transportiert Romero jede Menge Gesellschaftskritik, doch mit zunehmendem Alter scheint mir seine Sicht der Dinge immer klarer zu werden. Dies erklärt den eingestreuten Humor, vielleicht eine Ansage, dass wir Menschen unsere eigene Existenz, unsere Wichtigkeit im Rahmen der Evolution masslos überschätzen. Man beachte nur das Ende des Films, welches in dieser Hinsicht wahre Bände spricht! Da ich nicht auf die deutsche Veröffentlichung warten konnte, habe ich mir kurzerhand die britische Blu-ray zugelegt. Die gebotene Bildqualität ist gut, lediglich der Schwarzwert ist nicht ganz optimal geraten, doch wer wird sich ernsthaft daren stören? Die Ausstattung der Scheibe ist allerdings eine kleine Frechheit. Man bekommt keinerlei Boni geboten, selbst für einen Trailer hat es nicht gereicht. Untertitel sucht man ebenso vergeblich. Schade eigentlich, denn man muss manchmal schon sehr die Ohren spitzen, um den Dialekt von Kenneth Welsh zu verstehen. In dieser Hinscht wären englische Untertitel sehr hilfreich, letztlich kommt man aber auch ohne diese Hilfestellung irgendwie zurecht. Ich bin darauf gespannt, wie sich die irgendwann erscheinende Version für den deutschen Markt präsentiert. Bonusmaterial würde mich bei diesem Film sehr interessieren. Wer als hoffnungloser Zombiesüchtling nicht warten kann, darf aber ohne Reue zur britischen Scheibe greifen. Besser eine DVD/BD mit dünner Ausstattung als gar keine.

Der alte Mann hat wieder alles richtig gemacht! Bereits nach der ersten Sichtung bin ich sehr angetan von "Survival of the Dead". Je mehr ich über das Gesehene nachdenke, desto besser und liebenswerter erscheint mir der Film. Um nicht gleich die Contenance zu verlieren, möchte ich meine Ausführungen nun zum Ende bringen. Zunächst setzt es dicke 8/10 (sehr gut), vermutlich ist aber noch Luft nach oben vorhanden, die Zeit wird eine Antwort liefern!

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Re: Survival of the Dead - George A. Romero

Beitragvon horror1966 » 15. Apr 2012, 17:37

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Survival of the Dead
(Survival of the Dead)
mit Alan Van Sprang, Kenneth Welsh, Kathleen Munroe, Devon Bostick, Richard Fitzpatrick, Athena Karkanis, Stefano DiMatteo, Joris Jarsky, Eric Woolfe, Julian Richings, Wayne Robson, Joshua Peace, Hardee T. Lineham, Dru Viergever, Shawn Roberts
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Adam Swica
Musik: Robert Carli
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

In der Hölle ist kein Platz mehr und die Toten kommen auf die Erde zurück. Die wenigen Überlebenden versuchen, sich aus den Klauen Millionen hungriger Zombies zu retten. Einer davon ist der abgeklärte Sergeant Crocket mit seiner desillusionierten Einheit. Durch Zufall erfahren sie von einer Insel vor der Küste Nordamerikas, einem angeblich sicheren Zufluchtsort. Dort angekommen stellen sie fest, dass nicht die Untoten die größte Gefahr darstellen: Eine blutige Fehde zwischen den alteingesessenen Familien O’Flynn und Muldoon macht das Leben auf der Insel unmöglich. Während die O’Flynns die auferstandenen Untoten vernichten wollen, versuchen die Muldoons die Zombies zu domestizieren. Die untoten Freunde und Verwandten werden hinter Schloss und Riegel gehalten - mit fatalen Konsequenzen.


Der Name George A. Romero ist wohl der bekannteste, wenn es um das Genre der Zombiefilme geht, denn hat der Regisseur doch mit einigen seiner Filme wahre Meilensteine gesetzt. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn man in seinen Werken immer das Besondere erwartet, was in den meisten Fällen ja auch geboten wurde. Doch mit "Survival of the Dead" ist nun sein neuestes Werk der "of the Dead Reihe" erschienen, das den hohen Standard früherer Filme nicht mehr nicht mehr erfüllen kann. Damit wir uns nicht falsch verstehen, es handelt sich hier um einen durchaus unterhaltsamen Zombiefilm, der auch einen annehmbaren Härtegrad beinhaltet, aber aus der Sicht eines eingefleischten Romero-Fans handelt es sich eher um eine leichte Enttäuschung, denn fehlt es der Geschichte doch an den wichtigsten Dingen, die man in einem Zombiefilm vom Altmeister ganz einfach erwartet.

So ist es allein schon recht gewöhnungsbedürftig, das man vielmehr mit einer Zombie-Komödie als mit einem ernstzunehmenden Film zu tun bekommt. Ich wüsste nicht, das in einem vorherigen Teil der Reihe so viele komische Passagen enthalten wären, wie es in vorliegendem Film der Fall ist. Das äussert sich insbesondere in einigen Tötungen diverser Untoter, die zugegebenermaßen teilweise äusserst witzig erscheinen, die man aber in dieser Form nicht unbedingt in einem Romero-Film erwartet. Hinzu kommt die Tatsache, das absolut nichts von der üblichen Grundstimmung zu spüren ist, die ansonsten immer sehr beklemmend, düster und auch sehr bedrohlich war. Das ist vor allem deswegen sehr bedauerlich, da die herausragende Atmosphäre schon immer ein absolutes Markenzeichen der "of the Dead Filme" war und ganz besonders in den ersten 3 Teilen extrem stark zum Ausdruck kam.

In vorliegendem Film hat man sich aber leider nicht dieser Stärken besinnt und mehr auf Humor gesetzt, was für echte Fans sicherlich ziemlich gewöhnungsbedürftig ist. Gerade bei den Versuchen, die Untoten zu dressieren, fühlt man sich an einigen Stellen an die Zombie-Retro-Komödie "Fido" erinnert, was ja nicht zwangsweise als negativ zu bewerten ist, aber wir sprechen hier über einen Zombiefilm von Romero und da stellt sich die Frage, ob der Zuschauer das überhaupt will. Erwartet man doch viel eher ein äusserst bedrohliches Szenario, dem eine ordentliche Portion Sozialkritik beigemischt wurde und das erstklassige SFX beinhaltet. Nun kann man sich zwar über die vorhandenen Effekte nicht wirklich beklagen, denn gibt es doch einige wirklich sehenswerte Szenen zu begutachten, jedoch mangelt es etwas an Abwechslung, da es sich in der Mehrzahl lediglich um etliche Kopfschüße handelt. Echte Auseinandersetzungen zwischen Mensch und Zombie sind eher die Seltenheit, so das auch lediglich einige wenige Biss-Szenen zu sehen sind.

Ganz generell wird man auch die gesamte Laufzeit über das Gefühl nicht los, das die Untoten hier eher eine Art Nebenrolle einnehmen, dreht sich die eigentliche Geschichte doch hauptsächlich um die Familienoberhäupte zweier verfeindeter Familien, deren ewig andauernder Streit zu sehr in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Will der eine die Insel von sämtlichen Zombies säubern, so will der andere sie am "Leben" lassen, um sie dazu zu bringen, das sie andere Nahrung als Menschenfleisch zu sich nehmen. Man sieht also, das die Rahmenhandlung auch nicht unbedingt vor Innovation und Kreativität sprüht, hier hätte Romero sicherlich eine Menge mehr bewerkstelligen können. So kann man letztendlich festhalten, das hier ein größtenteils gut unterhaltender Zombiefilm vorliegt, der insbesondere als Komödie äusserst gut funktioniert und so auch sicher seine Fangemeinde finden wird. Aus Sicht eines echten Romero-Fans wird allerdings lediglich Durchschnitt und teilweise gewöhnungsbedürftige Filmkost geboten, denn hat der Altmeister hier doch definitiv den schwächsten Teil der Reihe abgeliefert.


Fazit:


Wenn man nicht wüsste, das es sich bei "Survival of the Dead" um den neuesten Teil einer Kult-Reihe handelt, dann könnte man recht objektiv behaupten, das es sich um eine gelungene und teils sehr witzige Zombie-Komödie handelt, denn kurzweilige Unterhaltung ist jederzeit vorhanden. Legt man allerdings den altbewährten Romero-Maßstab an, bekommt man es doch eher mit einer leichten Enttäuschung zu tun. Haben schon die letzten beiden Teile "Land of the Dead" und "Diary of the Dead" die Meinungen extremst gespalten, so wird das bei vorliegendem Film noch mehr der Fall sein. Mir persönlich hat das Werk recht gut gefallen, ist aber dennoch der mit Abstand schwächste Teil der Reihe und darf vor allem nicht mit der genialen ersten Trilogie verglichen werden, denn dazu fehlt es ganz eindeutig an Klasse.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 87 Minuten
Extras: Making Of, International Shout Outs, Exklusives Booklet


6/10
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Re: Survival of the Dead - George A. Romero

Beitragvon purgatorio » 7. Jan 2014, 06:14

SURVIVAL OF THE DEAD (SURVIVAL OF THE DEAD, USA 2009, Regie: George A. Romero)

Kurzweilig und unterhaltsam. Jedoch sind die Charaktere durchgehend Arschlöcher und bieten keinerlei Identifikationspotenzial. Sie handeln unlogisch und albern. Im Grunde zögern alle ihren offenbar unvermeidlichen Tod nur mehr oder weniger lang heraus. Letztlich ist keinem von ihnen die Bedrohung an sich, die Romero früher noch aufzubauen vermochte, bewusst, was sich darin äußert, dass sie trotz des Zusammenbruchs der Gesellschaft noch im Netz surfen oder Unmengen an Geld horten. Wie ich schon nach der Erstsichtung konstatierte: Romero verliert offensichtlich zunehmend den Kontakt zu den Lebenden. Die Toten interessieren ihn, die Überlebenden verkommen zum Beiwerk.

Der (schwarze) Humor und der zeitweilige Klamauk war anfangs störend und nahm dem gesamten Film den erwarteten Ernst, fügte sich jedoch zunehmend in das insgesamt ironisch und metaphorisch angelegte Werk. 6/10

Zum Vergleich: NOTIZ VOM 31.10.2012
Besser als DIARY, teilweise sogar mit Witz. Jedoch auch mit den üblichen Mängelerscheinungen aus Romeros Spätwerk. Mehr und mehr wendet er sich hier vollständig den Toten zu und verliert die Lebenden mit ihren Ängsten, Sorgen und ihrer Gewaltbereitschaft, mit ihrem familiären Background und ihren Zielen innerhalb der Apokalypse aus den Augen. Dennoch auch gut guckbar: vorerst 6-7/10
SURVIVAL ist wieder wesentlich besser als DIARY geworden. Romero versucht sich hier erstmalig an Humor (der sich allerdings hauptsächlich auf die Toten und weniger auf die Lebenden bezieht) und liefert sogar eine Verknüpfung zu DIARY.


EDIT: als besonders störend empfand ich dich häufig furchtbar schlecht integrierten Digitaleffekte :(
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Re: Survival of the Dead - George A. Romero

Beitragvon buxtebrawler » 28. Feb 2017, 23:10

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Survival of the Dead

„Gott schickt uns alle in die Hölle und der Teufel schickt uns sicher wieder zurück...“

Nach Zombiefilm-Altmeister George A. Romeros Neubeginn mit „Diary of the Dead“, der zudem seinen ersten Ausflug in die Found-Footage-Ästhetik bedeutete, gingen zwei Jahre bis zu dessen Fortsetzung „Survival of the Dead“ ins Land: 2009 wurde sein bis dato letzter Zombiestreifen veröffentlicht, der zudem wieder auf den o.g. Stil verzichtet und in US-amerikanisch-kanadischer Koproduktion entstand.

Auch auf der eigentlich beschaulichen Insel Plum Island vor der nordamerikanischen Ostküste bleibt man von der Zombie-Epidemie nicht verschont, wie die beiden Familienoberhäupter Patrick O’Flynn (Kenneth Welsh, „Der Exorzismus von Emily Rose“) und Seamus Muldoon (Richard Fitzpatrick, „Der blutige Pfad Gottes 2“) feststellen mussten. Und während O’Flynn die Ansicht vertritt, sich der Zombies jeweils schnellstmöglich durch Kopfschüsse zu entledigen, hält der religiöse verbrämte Muldoon dies für Sünde und plant, die Zombies zu domestizieren. Die beiden sind sich ohnehin seit jeher spinnefeind und es kommt zum offenen Konflikt, in dessen Folge O’Flynn samt Anhang vom Eiland verbannt wird. Soldat Sarge Crocket (Alan Van Sprang, „Phantom Punch“) und seine Männer halten sich gerade in der Nähe Philadelphias auf, als sie eine Videobotschaft O’Flynns erreicht, die von einer sicheren Gegend zu berichten weiß. Also begibt man sich auf den Weg dorthin und lernt O’Flynn schließlich persönlich kennen. Nachdem der Empfang wenig herzlich ausfiel, rauft man sich zusammen und macht zur Insel rüber, wo die Situation schließlich vollends eskaliert...

Crocket hatte man bereits im Vorgänger kurz als wenig skrupelbehaftetes Raubein kennengelernt, das die Protagonisten kurzerhand ausraubte. Seine Erzählstimme eröffnet Romeros sechstes „…of the Dead“-Vehikel, das mit der angedachten Zombiezähmung zarte Parallelen zu „Day of the Dead“, wenn auch unter etwas anderen Vorzeichen, aufweist und die zwischenmenschlichen Konflikte in den Mittelpunkt stellt, die das gemeinsame Überleben unnötig erschweren und in Romeros typischer Melange aus Kulturpessimismus und Zivilisationskritik einmal mehr illustrieren, das die Menschheit auch ohne Zombies früher oder später dem Untergang geweiht ist. Tatsächlich hat man die Zombieplage auf der Insel zunächst scheinbar im Griff, man legt die Untoten in Ketten oder hält sie in Ställen. Grundsätzlich klingt all das nach einer nicht unbedingt bahnbrechend innovativen, doch interessanten, durchaus vielversprechenden Grundkonstellation. Leider macht Romero daraus über weite Strecken einen miesen Action-Western mit komödiantischen CGI-Splatter-Einlagen, viel Geballer und zu häufig idiotischen Dialogen.

Glücklicherweise birgt das zerrüttete Vater-Tochter-Verhältnis der O’Flynns Potential, das Romero für eine an den spanischen Kollegen de Ossorio gemahnende „Reitende Leichen“-Szene inkl. Pferdebiss und eine ordentliche Portion Tragik gegen Ende ausschöpft. Auch darüber hinaus gelangen einige tragikomische Szenen wie die stumpf und roboterhaft ihren ehemaligen Tätigkeiten nachgehender Zombies sowie eine tatsächlich witzige Pointe. Auch die totale Eskalation auf Plum Island weiß dann doch mit einigen herben Splatterszenen gut zu unterhalten, in gleichem Ausmaße nervt jedoch das permanente „Erschieß mich, ich wurde gebissen!“-Mantra. Mit den genannten Qualitäten rettet Romero seinen vielleicht schwächsten Film in den Durchschnitt, ist von der Relevanz und ebenso verstörenden wie faszinierenden Wirkung seiner Tetralogie und seiner früheren Form jedoch weiter entfernt als O’Flynn und Muldoon von einem Friedensabkommen. Allzu leichtfüßig und mit humoristischem Augenzwinkern wollte Romero offenbar seinen Horror-Action-Western-Hybrid inszenieren, der daraus resultierend nicht Fisch, nicht Fleisch geworden ist und dem man zudem seine kostengünstige Machart empfindlich anmerkt, die eine konsequente Stimmung ebenso schmerzlich vermissen lässt wie die liebevolle, detaillierte Spezialeffektkunst eines Tom Savini.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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