Du sollst nicht töten außer... - Josh Becker (1985)

Moderator: jogiwan

Du sollst nicht töten außer... - Josh Becker (1985)

Beitragvon Blap » 20. Dez 2012, 00:39

Du sollst nicht töten außer...

Bild

Originaltitel: Thou Shalt Not Kill... Except

Herstellungsland: USA / 1985

Regie: Josh Becker

Darsteller: Brian Schulz, Robert Rickman, John Manfredi, Timothy Patrick Quill

Marines, Manson & Mettgut

Sergeant Jack Stryker (Brian Schulz) kehrt 1969 angeschlagen aus dem Vietnamkrieg zurück. Allerdings scheint es um die nähere Zukunkt des Kriegsinvaliden gar nicht so übel bestellt zu sein, denn der erste Besuch bei seiner ehemaligen Freundin Sally (Cheryl Hausen) verläuft sehr harmonisch, die Zeichen stehen auf Versöhnung und Wiederbelebung alter Leidenschaft. Noch ahnt Stryker nichts vom aufziehenden Unheil, im Gegenteil, er freut sich über den überraschenden Besuch seiner Kriegskameraden Walker (Robert Rickman), Tim (Timothy Patrick Quill) und Lieutenant Miller (John Manfredi). Derweil überzieht ein wahnsinniger Massenmörder (Sam Raimi) die Gegend mit Terror und Mord, Sally fällt dem Irren und dessen zahlreichen Schergen in die Hände. Sofort sind sich die gestandenen Marines einig, gemeinsam will man das Gesindel zurück in die Hölle schicken. Ein gnadenloser und mit äusserster Brutalität geführter Kampf nimmt seinen blutigen Lauf ...

Bereits 1980 drehte Josh Becker den rund 48 Minuten laufenden "Strykers War" auf 8 mm. Damals mit Bruce Campbell in der Hauptrolle, Sam Raimi spielte bereits in der ersten Version den durchgeknallten Messias. Mitte der achtziger Jahre inszenierte Becker den Stoff erneut, diesmal in Spielfilmlänge und auf 16 mm Material. Überliefert ist ein Budget in Höhe von 20.000 US-Dollar. Freilich sieht man dem Streifen seine kostengünstige Machart an, dennoch sind Mensch- und Materialeinsatz erstaunlich, viel Herzblut macht locker jede feiste Geldmenge wett. Zunächst toben Stryker und seine Co-Helden durch Vietnam, erleben traumatisierende Grauenhaftigkeiten und sondern jede Menge Unfug ab. Zurück im heimischen Hinterwäldlerumfeld des humpelnden Protagonisten, schaltet das groteske Treiben zwei Gänge runter. Nach und nach kocht das Süppchen erneut hoch, mündet in ein ausufernders Gemetzel mit herrlich absurden Einlagen.

Klar, hier erwartet kein Mensch grosse Schauspielkunst, aber die Leistungen der Akteure bleiben fraglos in Erinnerung. Da Bruce Campbell aus Kostengründen nicht zur Verfügung stand, schaffte man einen Burschen namens Brian Schulz als Ersatz herbei. Jener Schulz macht einen richtig guten Job, spielt den Militärschädel mit Ironie und Biss, nur auf den ersten Blick mutet Schulz einen Hauch zu unscheinbar an. Oberknaller ganz klar Sam Raimi, vor allem als Regisseur von "Tanz der Teufel" und dessen Fortsetzungen bekannt. Raimi dreht am Rad, lässt die Sau raus, liefert eine total überzogene Parodie auf Charles Manson ab, unglaublich! Der selbsternannte Messias schreckt vor keiner Untat zurück, andere waschen ihre Hände in Unschuld, des Teufels Helferlein taucht seine Flossen in Blut, Blut, Bluuuut! Sams kleiner Bruder Ted darf nicht fehlen, wir dürfen ihn als einen "Mitarbeiter" des Blutheiligen bewundern. Eindruck macht auch Robert Rickman, ein kräftiger und schlagfertiger Brecher, einst als Imitator von Mr. T unterwegs. Timothy Patrick Quill (in den Credits als Tim Quill gelistet) sorgt für den Running Gag des Streifens, John Manfredi gibt den Offizier mit Verantwortungsgefühl. Es wäre ermüdend nun alle Nebendarsteller aufzuzählen, freut euch auf fiese Fratzen und jede Menge Gekloppe, Geballer und Gesterbe!

Seit etlichen Jahren gilt "Tanz der Teufel" (The Evil Dead, 1981) als Klassiker der achtziger Jahre, eine dunkle Perle abseits kostenintensiver Hollywood-Ergüsse. An "Thou Shalt Not Kill... Except" waren führende Köpfe der TdT-Garde beteiligt, Namen wie Sam Raimi, Scott Spiegel und Bruce Campbell sprechen eine klare Sprache. Zwar geniesst "Thou Shalt ..." längst nicht den Status des teuflischen Tanzes, seine Fans sollte der überdrehte Mix aus Krieg, Action, Liebesgeschichte und jeder Menge Wahnsinn dennoch finden. Josh Becker führte nicht nur Regie, er bediente die Kamera und besorgte den Schnitt. Immer mitten in die Fresse, so die -hier angemessene- Marschrichtung. Überraschend tönt der Score von Joseph LoDuca, welcher dem obskuren Treiben eine "ernsthaft-bombastisch" angehauchte Untermalung spendiert. "Thou Shalt Not Kill... Except" ist großartiges Independent-Kino, obskur, hysterisch, humorig und ironisch. Abgefuckte Marines treffen auf die total abgefuckte Manson Family, seid ihr total bekloppt???

In Deutschland wurde das Werk unter dem Titel "Du sollst nicht töten... ausser" ausgewertet, später veröffentlichte Marketing-Film den Flick auf DVD (Stryker's War: Du sollst nicht töten... ausser). Mir liegt die BD/DVD-Combo aus den USA vor, gesichtet wurde die BD, Synapse hat dem Film eine sehr ansprechende Veröffentlichung spendiert. "Thou Shalt ..." kommt in stimmungsvoller Verfassung daher, die kernige Optik des 16 mm Materials blieb angenehmerweise erhalten. Für zusätzliche Freude sorgt der Bonusbereich, dort ist die erste Verfilmung mit Bruce Campbell enthalten, weiterhin ein Interview mit Bruce, dazu ein rund halbstündiges "Making of ..." und sonstige Beigaben. So stelle ich mir eine angemessene Auswertung vor, vielen Dank dafür!

8/10 (sehr gut)

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Re: Thou Shalt Not Kill... Except - Josh Becker

Beitragvon buxtebrawler » 1. Feb 2016, 15:31

Erscheint voraussichtlich am 04.03.2016 bei Shock Entertainment als Blu-ray/DVD-Kombination im Mediabook:

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Cover A

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Cover B

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Cover C

Jeweils limitiert auf 500 Exemplare.

Extras:
- 2 Audiokommentare (englisch) auf BD&DVD
- Bruce Campbell Interview (UT Deutsch)
- Made in Michigan Featurette (UT Deutsch)
- Strykers War Originalfilm (UT Deutsch)
- Deleted Scenes
- Trailer
- mehrseitiges Booklet

Quelle: OFDb-Shop
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Re: Du sollst nicht töten außer... - Josh Becker (1985)

Beitragvon jogiwan » 25. Dez 2016, 09:34

„Du sollst nicht töten außer…“ gilt ja wohl auch aufgrund seiner Vorgeschichte und Beteiligung von Sam Raimi als amerikanischer Action-Kultfilm, der mit seiner kostengünstigen Machart und brachialen Inhalt naturgemäß auch eher weniger feingeistige Menschen ansprechen wird. Leider ist der Ruf des Streifens aber wesentlich besser als der Actioner selbst, der neben 50 Minuten Langweile und Stirnrunzeln erst im Finale ein paar sehenswerte Momente und ein bissl Action bietet. Der Feldzug der vier Marine-Soldaten gegen die debilen Satansjünger ist jedoch so überzeichnet, dass hier der Begriff „Action-Parodie“ wohl eher zutrifft und meinen Geschmack hat Josh Becker mit seinem Mix aus Action, Gore und Amateurhaftigkeit leider so überhaupt nicht getroffen. Die Geschichte ist Mist, die Figurenzeichnung nicht existent, die Darsteller mies und am Set bzw. irgendwo im Wald waren ohnedies nur die Maskenbildner und Effektkünstler gefordert. Ansonsten kein Gespür für Action, Stimmung und/oder durchgehende Handlung, die mehr bietet, als lahme Sprüche, blutige Schusswunden und aufgespießte Menschen. Warum der Streifen bei unserem Blapschi und selbst auf der IMDB gut wegkommt, kann ich mir ja beim besten Willen nicht erklären und auch wenn die Macher bei den Dreharbeiten großen Spaß hatten, so überträgt sich dieser leider so gar nicht auf den Zuschauer. Mag sein, dass sich „Du sollst nicht töten außer…“ nicht so wirklich als Weihnachtsfilm eignet, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser billige Reißer an weniger besinnlichen Tages des Jahres besser geeignet ist. Selbst für das Action-Güllelager ein ziemlich beschi**enes Lowlight!
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Re: Du sollst nicht töten außer... - Josh Becker (1985)

Beitragvon Blap » 2. Jan 2017, 15:22

Thou shalt not punish Jogi... except

:lol:
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Re: Du sollst nicht töten außer... - Josh Becker (1985)

Beitragvon jogiwan » 2. Jan 2017, 15:32

Thou Shalt Not trust a Blapsch... Except... No, NO EXCEPTION!!!1!

:mrgreen:
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Re: Du sollst nicht töten außer... - Josh Becker (1985)

Beitragvon Blap » 3. Jan 2017, 10:08

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