Nudist Colony of the Dead – Mark Pirro (1991)

Moderator: jogiwan

Nudist Colony of the Dead – Mark Pirro (1991)

Beitragvon DrDjangoMD » 21. Aug 2015, 09:05

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Originaltitel: Nudist Colony of the Dead
Land: USA
Jahr: 1991
Genre: Komödie, Horror, Musical
Regie: Mark Pirro
Darsteller: Deborah Stern, Tony Cicchetti, Rachel Latt, Forrest J. Ackerman,…
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Re: Nudist Colony of the Dead – Mark Pirro (1991)

Beitragvon DrDjangoMD » 21. Aug 2015, 09:05

Handlung:
Seit dem Moment, in dem Adam nach dem Feigenblatt griff, ist die christliche Kirche kein wirklicher Freund von Nacktheit. Aus diesem Grund bewirken gläubige Moralaposteln auch die Schließung eines Nudisten-Camps. Bevor die Bewohner der Freikörperkultur jedoch ihre geliebte Nacktheit aufgeben, nehmen sie sich das Leben und kehren fortan immer dann als Zombies zurück, wenn sich eine christliche Seele auf den Boden ihres alten Camps wagt. Zu dumm, dass eine Gemeinde ihre vom rechten Weg abgekommenen Sprösslinge genau dorthin zur Besserung schickt… Ach ja übrigens: Es ist ein Musical!!!

Kritik:
Nachdem ich zahlreich auf den Film verwiesen habe und unendlich oft die Songs daraus postete, wurde mir nun dank unserem wundervollen Jogi endlich die Freude zu teil, ihn vollständig zu sehen. Und ich weiß, was ihr euch nun alle fragt: Ist „Nudist Colony of the Dead“ der beste Film, der je gemacht wurde? Kurze Antwort: Nein! Längere Antwort: Nein, aber es ist der Film, dem wir „Inky Dinky Do Dah Morning“ verdanken! Um herauszufinden, wie „gut“ „Nudist Colony…“ nun ist, sollten wir uns Gedanken darüber machen, ob der Film in dem, was er sein will, erfolgreich war. Und das bedeutet: 1. Ist er ein kurzweiliger Unterhaltungsfilm? 2. Ist er eine amüsante Komödie? 3. Ist er ein gelungenes Musical?
Zu 1.: Und wie! Dadurch, dass der Streifen in seine 90 Minuten Laufzeit so eine Fülle an Unterhaltungsmaterial packt, ist es nahezu unmöglich sich auch nur eine Sekunde zu langweilen. Musiknummern und Zombieattacken wechseln sich ununterbrochen ab und wenn nicht gerade gesungen oder gestorben wird, wirft uns der Film einen Gag nach dem anderen um die Ohren. Die einzelnen Figuren sind auch so markante und unglaublich politisch unkorrekte Stereotypen, dass man sie sich schnell merkt und sie die Zeit sehr schnell verstreichen lassen. „Nudist Colony of the Dead“ gehört sicherlich zu den kurzweiligsten Filmerlebnissen, die ich je hatte!
Zu 2.: Hm? Die Komik in diesem Film ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gelang dem Drehbuchautor/Regisseur Mark Pirro teilweise wirklich guter Wortwitz, besonders wenn er sich über die christliche Bigotterie lustig macht. Ob dieser Wortwitz dann auch gelungen rüberkommt, hängt ein wenig von den Performances ab. Der predigende Priester zum Beispiel war für meinen Geschmack etwas übertrieben. Andere Figuren – wie die Dame die behauptet, dass uns Gott, wenn er gewollt hätte, dass wir nackt sind, keine kleinen Tiere gegeben hätte, um Pelzmäntel daraus zu machen – hatten eine Subtilität, die den Witz des Textes erst richtig spaßig macht.
Die visuelle Komik war teilweise wirklich gelungen, teilweise aber auch wieder etwas zu viel des Guten. Beispielsweise das Nacktkostüm der alten Nudistin hätte man, meines Erachtens nach, nicht so sehr auf Kleinkindhumor trimmen müssen. Allerdings kommt es dem Film als Horrorkomödie zugute, dass Todesfälle stark entschärft werden. Andere Vertreter des Subgenres scheitern für mich oft daran, dass ich einfach nicht lachen kann, wenn ein Leben nach dem anderen aufs Grausamste und Blutigste ausgelöscht wird. In „Nudist Colony of the Dead“ hingegen ist es erstens schwer überhaupt den Löffel abzugeben (fragt einfach die Leute, denen die Köpfe abgeschlagen wurden) und zweitens winkt selbst dann eine schillernde Zukunft im Himmel oder als Zombie auf Erden.
Von einem humoristischen Standpunkt aus fand ich es jedoch wiederum schade, dass einem die Charaktere nicht sehr nahe gebracht werden. Wie bereits erwähnt, sind sie erinnerungswürdig und kurzweilig. Aber es gibt niemanden, mit dem man richtig vertraut wird. Wie sehr vermisste ich die freundschaftliche Beziehung, die wir als Zuseher mit Matthau und Lemmon in „Ein seltsames Paar“ schließen, das Verständnis, das wir für Spencer Tracy in „Eine total total verrückte Welt“ haben, das Mitleid, das uns mit Timothy Balme aus „Braindead“ verbindet, die Komplizenschaft, die uns John Belushi in „Ich glaub mich tritt ein Pferd“ anbietet oder die Steffigkeit, die uns Anthony Steffen in „Der letzte Zug nach Durango“ zuteilwerden lässt. Figuren, die einen so sehr ans Herz wachsen gibt es in dieser Komödie nicht wirklich und das nimmt ihr ein wenig ihrer Liebenswürdigkeit.
Zu 3.: Gibt es bei den komödiantischen Aspekten also sowohl positive als auch negative Kritikpunkte, sucht man letztere bei den musikalischen vergebens. Die Songs sind die Herzstücke des Filmes und man kann wirklich kaum was an ihnen aussetzen. Kurz gesagt: Wenn Mark Pirro kommt, müssen sich selbst Rodger und Hammerstein warm anziehen: Über den Titelsong will ich nicht mehr zu viele Worte verlieren (siehe http://deliria-italiano.phpbb8.de/offtopic-f20/forentreffen-countdown-t9391-40.html#p158113); „God’s gonna show us the way“ ist eine nette Einstiegsnummer, um die Figuren kennen zu lernen; „The Ranger’s Rap“ gehört neben Falcos Diskographie und Murray Heads Interpretation von „One Night in Bangkok“ zu den einzigen Rap-artigen-Sachen, die ich mir auch mehrmals anhöre; der „Killer-Blues“ ist eine passende Entspannung im Mittelteil; „Satan“ ist eine flotte Nummer, bei der man merkt, dass die Sängerin echt viel drauf hat; „Kill, kill, kill all the Zealots“ bietet einen netten, einprägsamen Abschluss; und „Inky Dinky Do Dah Morning“… oh mein Gott „Inky Dinky Do Dah Morning“! Die ganze Nummer strotzt nur so vor einer liebenswürdigen Albernheit. Man wird fast hypnotisiert von all dem Kitsch und Unsinn, den dieser Song bringt. Hinzu kommt, dass die Melodie ein Ohrwurm sondergleichen ist und die Darsteller enormen Spaß zu haben scheinen.
Man merkt, dass mit verschiedenen Musikstilen gearbeitet wurde, die jeweils sehr passend und in gelungenen Abständen voneinander zum Einsatz kommen. Sämtliche Lieder gehen hervorragend ins Ohr und spätestens ab der zweiten Sichtung, wird man selbst mitsingen können. Ich will nicht verhehlen, dass ich mit der Meinung alleine dastehen könnte, weil die Songs aus „Nudist Colony…“ wirklich ziemlich genau mein Verständnis von spaßigen Liedern treffen, aber zumindest für mich gibt es kein großartigeres Musical als diese Perle!
Fazit: Da der Film kurzweilig bis zum geht-nicht-mehr ist und eine ganze Reihe von wundervollen Liedern beinhaltet, die einem das ganze Leben nicht mehr loslassen werden, allerdings in Sachen Komik nur ein Mittelmaß erreicht, wäre ich verleitet, ihm als Unterhaltungsfilm 8/10 zu geben… Dies schließt allerdings noch nicht den Inky-Dinky-Do-Dah-Morning-Bonus ein! Inklusive dem Inky-Dinky-Do-Dah-Morning-Bonus kann man dem Film getrost 1008/10 geben. Der Film hat sicherlich seine Schwächen, die sich teilweise aus dem kaum vorhandenen Budget ergeben, ist aber trotzdem ein einmaliges Phänomen, das man gesehen haben sollte/muss/darf.
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Re: Nudist Colony of the Dead – Mark Pirro (1991)

Beitragvon Tomaso Montanaro » 21. Nov 2016, 12:21

Ein paar tolle Songs und schräge Nummern sorgen durchaus für Unterhaltung. Allerdings muss man auch sagen, dass das unausgegorene Drehbuch viel Potenzial verschenkt, dass man aus der schrägen Grundidee hätte ziehen können.

Mit Pirros "Death Game" oder (naheliegendster Vergleich) Trey Parkers "Cannibal - The Musical" kann dieses Werk leider nicht ganz mithalten.

Schade, man war auf dem besten Weg!

6/10 Punkten
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Re: Nudist Colony of the Dead – Mark Pirro (1991)

Beitragvon jogiwan » 21. Apr 2017, 07:28

„Nudist Colony of the Dead“ ist leider eine sehr zwiespältige Sache und so absolut großartig die Idee zu dem Streifen auch sein mag, so mau und unausgegoren präsentiert sich letzten Endes der Streifen dem Zuschauer. Technisch ist hier alles auf einem sehr geringen Niveau, was mich persönlich ja nicht so stören würde, aber das lahme Drehbuch verzettelt sich ständig auch noch in irgendwelchen Nebensächlichkeiten bzw. billigen und pubertären Witzen und die Nudisten- und Zombie-Sache wird ja auch nur am Rande gestreift. Stattdessen gibt es in dem Grusical vorwiegend ähm… jugendliche Figuren im Bibelcamp, die nervige Dinge labern und sich auf einmal mit Nudisten-Zombies auseinandersetzen müssen, die ihrerseits mit konservativen Gläubigen aus der Vergangenheit noch eine Rechnung offen haben. Dazwischen gibt es ein paar Songs, die mich auch nicht vom Hocker gerissen haben und ehe man sich versieht, ist die ganze Sache auch schon wieder vorbei, ohne nennenswerten Eindruck hinterlassen zu haben. Klar zählt „Nudist Colony of the Dead“ sicher zu den seltsamsten Genre-Beiträgen aller Zeiten, aber er ist leider auch weit davon entfernt ein Guter zu sein. Mit etwas mehr Einsatz, Budget und einer richtigen Geschichte wäre vermutlich ein herrlicher Streifen daraus geworden, aber so ist das leider statt sympathischem Genre-Kuriosum nur ein amateurhafter Low-Budget-Flick mit etwas Musik, untoten Nudisten, nervigen Figuren und lahmen Witzen.
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