Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull (1972)

Moderator: jogiwan

Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull (1972)

Beitragvon dr. freudstein » 18. Dez 2012, 01:48

Bild

Originaltitel: Silent Running

Herstellungsland: USA / 1972

Regie: Douglas Trumbull

Darsteller: Bruce Dern, Cliff Potts, Ron Rifkin, Jesse Vint, Steve Brown, Mark Persons,
Cheryl Sparks, Larry Whisenhunt, Joseph Campanella, Roy Engel

Story:
Lovell (Bruce Dern) gehört zu der Besatzung einer Kette von durch das Sonnensystem reisenden Raumschiff-Treibhäusern, die die letzten Bäume und Pflanzen der Erde beinhalten. Er geht seiner Arbeit mit Hingabe nach, doch als aus Kostengründen die Treibhäuser zerstört werden sollen, dreht er durch. Er sprengt die übrige Besatzung ab und führt die Gärten mit Hilfe von Robotern allein weiter. Doch es gibt noch andere Probleme...

http://www.ofdb.de/film/5688,Lautlos-im-Weltraum
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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon dr. freudstein » 18. Dez 2012, 02:28

Ein bisschen an 2001/2010 erinnernd vom Erzählstil und Bildern her. Der Film ist sehr ruhig und an eine gewisse (Weltraum) Romantik bindend erzählt, lebt in erster Linie von den Dialogen (Gesprächsinhalten) und im Verlaufe des Films von einer depressiven bedrückenden Stimmung, gegen diese sich der Astronaut zu wehren versucht. Quasi etwas wie eine futuristische Endzeitstimmung. Die meisten akzeptieren den Verlauf, ohne Natur und mit künstlich hergestellter Nahrung zu leben, denn diese Zukunft bietet ihnen kaum noch Krankheiten, Arbeit für jeden, warmen Temperaturen auf der Erde (immer 23°) und anderen Annehmlichkeiten, dessen aber Individualtäten und natürliche Ressourcen gewichen sind und manch einen depressiv machen.

Lovell mag die letzten natürlichen Naturgebiete mit Bäumen, natürlicher Nahrung und Kleintieren aber nciht aufgeben, sondern verteidigt diese und tötet dafür sogar einen Menschen. Denn die letzten verbliebenden Naturreservate, die lautlos im Weltraum unter riesigen Kuppeln dahingleiten (auf dem Planet Erde ist kein Gedeihen mehr möglich), sollen vernichtet werden zu Gunsten kommerzieller Interessen. Was ist der Tod eines Menschens gegenüber dem Leben von Hunderten Bäumen, Gemüse und Obst? Lovell wurde nur ausgelacht wegen seines "ewiggestrigen" Engagement. Das Glück der Menschen in ferner Zukunft basiert nur auf wenigen, dem Kapital dienenden Glück. Ziel sollte es wohl eher sein, auch ohne Lohnarbeit seinen Beitrag zum Fortbestehen der Menschheit zu leisten.

Und wenn alle Naturgebiete wie Wälder, Flüsse und Gemüsegärten von der Erdoberfläche verschwunden sind, mag die Menschheit (allem voran die kapitalistisch ausgerichteten Nutznießer) dieses zwar verschmerzen, denn Nahrung kann auch synthetisch hergestellt werden, ist jedoch farb- und geschmackslos. Aber kein Vergleich zu Essen, was man selbst erzeugt hat mit Hilfe Mutter Natur, welches Farbe und Geschmack hat, Vitamine und Nährstoffe, die nicht aus dem Lebensmittellabor stammen. Wer von euch kann auf eine Melone verzichten (ich, bekommen mir nicht) oder auf Broccoli (der Bux, ok. Der wäre in einer Welt ohne organischer Vegetation gut aufgehoben), aber man stelle sich vor, man könnte nicht mehr durch einen frisch riechenden Wald laufen, die Vögel zwitschern hören, natürliches Obst und Gemüse genießen können....die Vorbereitungen in eine solche Welt (ohne Botanik etc.) laufen auf Hochtouren im realem Leben. Aber wie viele Jahrzehnte mögen noch vergehen, bis das hier dargestellte Szenario Wirklichkeit werden wird. Die Besiedlung des Weltraums allein ist hier nicht mit gemeint, aber wenn dieses der Fluchtpunkt sein wird, weil man auf dem Planet Erde nicht mehr atmen kann, man Botanik in den Weltraum verlegen muss, dann ist das Ende da, die Apocalypse.

Hier ist es nur Lovell, der die letzten Naturgebiete verteidigt und dadurch sein Leben riskiert, aber dank des letzten Waldes besteht Hoffnung. Doch er muss weiterforschen und beobachten, damit dieses Naturgebiet überlebt und er muss etwas gegen die Einsamkeit tun, denn er ist hier mit seinen Robotern auf sich alleine gestellt und stellt fest, das Bäume und Gemüse kein Ausgleich sind, wenn man keine Menschen mehr um sich hat. Doch er weiß sich zu helfen dank seiner Roboter. Doch auch diese können Menschen nicht ersetzen (Stichwort Langeweile) und so hofft er doch noch auf Rettung durch andere Raumfahrer. Den letzten lebenden Wald wird er jedoch nicht aufgeben.

Sehr düsteres und depressives Filmwerk, jedoch nicht ohne Optimismus. Von Einsamkeit und düsteren Zukunftsaussichten geprägt, wird jedoch doch noch ein Fünktchen Optimismus vorgelebt dank solcher letzten Opportunisten (?) wie Lovell. Man bräuchte jedoch viel mehr davon.

7/10
Zuletzt geändert von dr. freudstein am 18. Dez 2012, 13:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon Arkadin » 18. Dez 2012, 12:00

dr. freudstein hat geschrieben: wird jedoch doch noch ein Fünktchen Optimismus vorgelebt dank solcher letzten Opportunisten (?) wie Lovell. Man bräuchte jedoch viel mehr davon.


Also ich hoffe, es gibt nicht noch mehr Opportunisten. Da bin ich ganz Optimist.
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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon buxtebrawler » 18. Dez 2012, 12:21

Klingt nicht uninteressant. Danke für die Vorstellung, freudschi. Auch ich bevorzuge biologisch angebautes Obst und Gemüse, verzichte jedoch gern auf zum menschlichen Verzehr eigentlich nie gedachtes Grünzeug wie Broccoli (würg).
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon Blap » 18. Dez 2012, 12:51

"Öko-Dystopie" mit einem grandiosen Bruce Dern, toller Optik und intensiver Atmosphäre. Großartiger Film!
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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon Mad » 19. Dez 2012, 03:09

Nicht zu vergessen der wundervolle Soundtrack und ganz besonders das Lied im Abspann Rejoice in the Sun von Joan Baez, wo man immer ein Taschentuch bereitliegen haben sollte :cry:

Und nebenbei enthält der Film sogar zwei der knuffigsten Konservendosen der Filmgeschichte :D

Leider ein unterschätztes Juwel im Science Fiction-Kino.
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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon ugo-piazza » 20. Dez 2012, 01:06

Ewig nicht gesehen, hab den aber in guter Erinnerung.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon ugo-piazza » 1. Nov 2013, 23:46

Ganz frisch gesehen, und weiter in guter Erinnerung.

Ansonsten hat der Doc sich ja bereits ausführlich geäußert. :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon dr. freudstein » 2. Nov 2013, 01:02

ugo-piazza hat geschrieben:Ganz frisch gesehen, und weiter in guter Erinnerung.

Ansonsten hat der Doc sich ja bereits ausführlich geäußert. :D


:lol: du Tippfauler, nordischer du :opa:

Aber was für ein Zufall. Hab grad vor 2h mit nem Kumpel bei FB geschrieben, weil er den ebenfalls grad gesehen heut abend :o
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Re: Lautlos im Weltraum - Douglas Trumbull

Beitragvon ugo-piazza » 2. Nov 2013, 02:54

dr. freudstein hat geschrieben:
Aber was für ein Zufall. Hab grad vor 2h mit nem Kumpel bei FB geschrieben, weil er den ebenfalls grad gesehen heut abend :o


Lief auf ZDF Neo.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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