Knight Moves - Carl Schenkel (1992)

Moderator: jogiwan

Knight Moves - Carl Schenkel (1992)

Beitragvon horror1966 » 14. Jul 2012, 00:42

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Knight Moves - Ein mörderisches Spiel
(Knight Moves)
mit Christopher Lambert, Diane Lane, Tom Skerritt, Daniel Baldwin, Codie Lucas Wilbee, Joshua Murray, Frank C. Turner, Don Thompson, Megan Leitch, Alex Diakun, Ferdy Mayne, Katharine Isabelle
Regie: Carl Schenkel
Drehbuch: Brad Mirman
Kamera: Dietrich Lohmann
Musik: Anne Dudley
FSK 16
Deutschland / USA / 1992

Zug um Zug liefern sich die beiden Schachgroßmeister ein nervenzerreißendes Duell. Schachmatt - der König stürzt, während eine junge Frau im Keller von einem Dolch durchbohrt wird. Der Killer, ein Wahnsinniger, ein Genie! Mit brillant ausgedachten Rätseln kündigt er jeweils seine nächste Tat an. Die Zeit rast - weitere Morde geschehen. Es gilt die blutigen Mordstrategien des Killers zu erkennen und ihn in diesem Spiel um Leben und Tod ein für allemal schachmatt zu setzen.


Als Carl Schenkels Film vor mittlerweile 2 Jahrzehnten erschien, handelte es sich um einen wirklich herausragenden Thriller, der zudem auch noch mit einer äußerst originellen Thematik ausgestattet war. Denn die Idee, hier eine brutale Mordserie in ein Spiel einzubinden und als Hintergrund auch noch ein Schach-Turnier mit einzubauen, war zur damaligen Zeit schon etwas Besonders. Doch auch in Sachen Spannung-und Atmosphäre wurde dem Zuschauer ein Film geliefert, der sich streckenweise zu einem echten "Nägelkauer" entwickelte und einen bis ganz wenige Minuten vor dem Ende förmlich in seinen Bann zog. Manch einer mag das aus der heutigen Sicht etwas anders sehen, doch für mich persönlich zählt die Geschichte immer noch zu den spannendsten, die es überhaupt im Thriller-Genre gibt. Natürlich beschränkt sich das hauptsächlich auf die Werke, denen die Serienkiller-Thematik beiwohnt, doch auch ganz generell empfinde ich das Werk immer noch als absolut herausragend.

Sicherlich fallen dem Zuschauer nach mehrmaliger Sichtung einige Schwächen im Drehbuch auf, die man vor lauter Spannung bei der Erstsichtung noch nicht aufgefallen sind, aber dennoch hat die Story auch nach 20 Jahren noch nichts von ihrem Reiz verloren. Christopher Lambert ist sicherlich in einer seiner besten Rollen zu beobachten, die Figur des leicht labilen Schach-Großmeisters scheint ihm geradezu auf den Leib geschneidert. Doch auch die an seiner Seite agierenden Kollegen liefern durch die Bank sehenswerte Leistungen ab und tragen ihren Teil zum überdurchschnittlich guten Gesamteindruck bei. Da stört es im Prinzip auch nicht weiter, das diverse Handlungen und Verhaltensweisen ein wenig überzogen erscheinen, wofür insbesondere die Ermittlungsmethoden der ermittelnden Polizei-Beamten als Indiz anzusehen sind. Hier wird nämlich das allseits beliebte Spiel "Guter Cop-Böser Cop ein wenig überspitzt dargestellt, denn während Tom Skerritt als Vorgesetzter noch relativ authentisch reagiert, entpuppt sich sein Assistent (Daniel Baldwin) doch als wahres Rauhbein, das anscheinend mit aller Gewalt bei seinen Mitmenschen einen extrem negativen Eindruck hinterlassen will.

Andererseits ist es insbesondere Baldwins Figur die dem Geschehen eine würzige Note verleiht, denn sein übersteigertes Macho-Gehabe und seine Sprüche sorgen doch für so einige Lacher in einer ansonsten todernsten Geschichte. Als vierte Hauptfigur kann auch Diane Lane durch eine überzeugende Performance punkten, wobei man sich allerdings die Frage stellen muss, ob es sonderlich realistisch ist, das sie sich auf eine Affäre mit dem Hauptverdächtigen einlässt. Sicherlich ist es durchaus nachvollziehbar, dem Film diese Dinge als Defizite anzurechnen, ich bin allerdings der Meinung das sie ganz hervorragend in das düstere Szenario hineinpassen. Und herrlich düster geht es streckenweise wirklich zur Sache, denn "Knight Moves" beinhaltet eine herausragende Grundstimmung, die in so manchen Passagen für ein tolles Gänsehaut-Feeling sorgen kann und dem Betrachter kalte Schauer über den Rücken jagt. Eine weitere Stärke sind ganz bestimmt die immer wieder wechselnden Verdachtsmomente, denn während der gesamten Laufzeit werden immer wieder Kleinigkeiten und falsche Fährten eingebaut, die einem mehrere mögliche Täter präsentieren. Zugegebenermaßen kann man auch durchaus früher auf den wahren Mörder kommen, dabei sollte man jedoch ganz besonders auf winzige Details achten.

Letztendlich handelt es sich in meinen Augen immer noch um einen äußerst spannenden Thriller, der zwar nach mehrmaliger Sichtung doch einige Logiklöcher offenbart, aber dennoch ein hochklassiges Filmvergnügen bietet, das man sich immer wieder gut anschauen kann. Eine tolle Geschichte, gute Darsteller und Spannung bis zum letzten Moment sind die Markenzeichen eines Filmes, dessen Sichtung sich allemal als höchst lohnenswert herausstellt. Die grandiose Grundstimmung und der größtenteils düstere Look des Filmes sorgen für zusätzliche Adrenalin-Schübe beim Betrachter, der sich der Faszination der schaurigen Ereignisse einfach nicht entziehen kann.


Fazit:


Wer Hochspannung zu schätzen weiß, ist bei "Knight Moves" definitiv an der richtigen Stelle. Manch ein ähnlich gelagerter Thriller der heutigen Zeit kann sich hier noch eine dicke Scheibe abschneiden, woran auch dezente Lücken im Drehbuch nichts dran ändern können.


8,5/10
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Re: Knight Moves - Carl Schenkel

Beitragvon Blap » 14. Jul 2012, 11:14

Vor allem für Giallo-Fans ein interessanter Titel, da er dem Chef-Genre aus Italien durchaus nahe steht. Es wird Zeit für eine solide Auswertung, die alte EuroVideo Scheibe ist eine einzige Frechheit, die neue Auflage von Koch auch nicht der Hit.
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Re: Knight Moves - Carl Schenkel

Beitragvon untot » 16. Jul 2012, 02:56

Ich fand den auch richtig spannend, hatte echt meine Freude an dem Streifen, solide Thrillerkost!

7/10
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Re: Knight Moves - Carl Schenkel

Beitragvon Arkadin » 16. Jul 2012, 09:44

Ist ewig her, dass ich den gesehen habe. Fand den bei der ersten Sichtung ganz okay, bei der zweiten Sichtung ziemlich doof. Seither habe ich die Finger davon gelassen.
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Re: Knight Moves - Carl Schenkel

Beitragvon buxtebrawler » 23. Mär 2017, 18:13

„Ich will ein Spiel mit dir spielen!“

Zwischen den Fernsehfilmen „Im Schatten“ und „Von Eifersucht besessen“ startete der Schweizer Regisseur Carl Schenkel 1992 mit einer größer angelegten deutsch-kanadisch-US-amerikanischen Koproduktion in die letzte Dekade des Jahrtausends: dem Düster-Thriller „Knight Moves“, dessen Handlung im Schachspieler-Milieu angesiedelt wurde.

„Schach ist ein Spiegelbild des Lebens.“

Während Schach-Profi Peter Sanderson (Christopher Lambert, „Highlander – Es kann nur einen geben“) sich eigentlich auf ein Turnier des Spiels der Könige auf einer US-Insel konzentrieren möchte, treibt ein wahnsinniger Mörder sein Unwesen, der sich scheinbar wahllos Opfer sucht und Peter mit hineinzieht, indem er dessen Bettgespielin Debi (Kehli O'Byrne, „Die Rückkehr der Piranhas“) abmurkst, ihn telefonisch kontaktiert und ihm kryptische Nachrichten u.a. auf Fotos der Leichen zuschickt. Das Ermittler-Duo Frank Sedman (Tom Skerritt, „Alien“) und Andy Wagner (Daniel Baldwin, „Ein ganz normaler Held“) versucht, mit Peters Hilfe den Mörder ausfindig zu machen, ermittelt jedoch in alle Richtungen – auch gegen Peter. Um diesen besser einschätzen zu können, wird die Polizeipsychologin Kathy Sheppard (Diane Lane, „Die Outsider“) hinzugezogen, die mit Peter anbändelt, schließlich jedoch ebenfalls an dessen Unschuld zweifelt. Es stellt sich heraus, dass es sich bei den Morden um eine besonders perfide Variante des Schachspiels handelt. Ist Peter evtl. also doch der Mörder?

Dass hochbegabte Gören, die bereits im zarten Kindesalter auf Schachturnieren glänzen, möglicherweise nicht alle Latten am Zaun haben, unterstreicht der in Schwarzweiß-Ästhetik gedrehte Prolog, eine Rückblende ins Jahr 1972: Zwei Jungen (Codie Lucas Wilbee, „12 Stunden Angst“ und Joshua Murray, „Ich war ein Playmate“) spielen vor Publikum eine entscheidende Partie gegeneinander, woraufhin sich der Verlierer als ein schlechter erweist, neben der Partie offenbar auch den Verstand verliert und sein Gegenüber mit einem Füllfederhalter angreift. Später findet der Wüterich seine Mutter blutüberströmt und beinahe tot in ihrem Bett vor, ihn um Hilfe bittend. Doch stattdessen schnappt er sich sein Schachbrett und vertieft sich ins Spiel. Eindeutiger Fall von autistischem Arschlochkind.

In der Gegenwart spielt Peter Sanderson Schachturniere, hat eine kleine naseweise Tochter (Katharine Isabelle, „Ginger Snaps“), einen blinden Trainer (Ferdy Mayne, „Gebissen wird nur nachts - Happening der Vampire“) und in Debi eine Sexualpartnerin, was Schenkel zum Anlass für eine Erotikszene nimmt. Länger hätte er damit auch nicht warten können, denn kurz darauf wird sie aus dem Drehbuch gemeuchelt: „Remember“ hat ihr Killer mit ihrem Blut an die Wand über ihrem Bett geschmiert, ihr übriges Blut fehlt. Die Ermittler Sedman und Wagner geben je einen klassischen „good cop“ und „bad cop“, als sie einen emotionslosen und sie anlügenden Peter befragen, der kurz darauf vom Mörder kontaktiert wird. Dies nimmt Peter zum Anlass, nun doch mit der Polizei zusammenzuarbeiten, was nun unter denkbar schlechten Vorzeichen steht.

Schenkel lenkt den Fokus nun auf die Ermittlungsarbeit inkl. starker psychologischer Komponente, Psychologe Alan ist zeitweise ebenfalls involviert. Weitere Morde geschehen, die leicht gialloesk in düsterer Ästhetik vorbereitet, jedoch nie gezeigt werden. Stets spielt Licht bzw. dessen Abwesenheit eine Rolle: Der Mörder blendet seine Opfer mit einer Art Blitz. Beim zweiten Mord löscht er das Licht, indem er eine Glühlampe zerquetscht. Auf jeden Mord folgt Kommunikation mit dem Mörder, der auch schon mal eine seiner kryptischen Botschaften in einer Form sendet, die wie ein Faltblatt des Satire-Magazins „Mad“ gelesen werden muss. Von nervigen Hollywood-Klischees kann sich „Knight Moves“ leider nicht befreien und integriert so unglaubwürdigen Quatsch wie die natürlich attraktive Polizeipsychologin Kathy, die Peters rustikalem Charme verfällt. Diese Beziehung wird indes auch genutzt, um Peter erneut in den Kreis der dringend Tatverdächtigen zu rücken, wenn Kathy in seinem Telefonbuch die Opfernamen markiert vorfindet.

Die Spur führt schließlich zu einer Maklerfirma und endlich gewinnt Peter die Erkenntnis, dass der Mörder eine legendäre Schachpartie auf höchst morbide Weise nachspielt – woraus man sich einen Informationsvorteil erhofft, mir als Zuschauer jedoch den Eindruck einer reichlich abstrus konstruierten Handlung vermittelt. Abermals schlägt diese einen Haken und suggeriert erneut eine etwaige Täterschaft Peters, denn der Zuschauer ahnt natürlich, dass es das Durchdreherbalg aus dem Prolog sein muss, weiß aber nicht, welches beider Kinder Peter war… Dies stellt sich erst im Finale mit seinem Showdown in einem überfluteten Hotelkeller heraus, das dennoch – was zu befürchten war – einige Fragen offenlässt und so die eine oder andere Logiklücke nicht ver-, sondern besiegelt.

Den auch an der Produktion beteiligt gewesenen Lambert versucht man dem Publikum hier als hochintelligentes Schach-Ass, kernigen sexy Lover und trauernden Witwer (womit man seine Gefühlskälte zu begründen versucht) zugleich zu verkaufen, was nicht wirklich gelingt und ebenso an der Glaubwürdigkeit krankt wie weite Teile der Handlung. Dennoch gelingt Schenkel recht effektiver Spannungsaufbau, fängt die Kamera einige faszinierende Bilder ein und ahnt man zumindest immer wieder, welche Atmosphäre Schenkel erzeugen wollte, bis sie durch die eine oder andere Plumpheit wieder gefährdet wird. In seinen besten Momenten erinnert dieser Semi-Neo-Noir an David Finchers drei Jahre jüngeren „Sieben“, vor allem, da auch hier ein psychopathologischer Serienmörder seine Opfer „aufbereitet“ zurück- und mit ihrem Blut geschriebene Nachrichten hinterlässt. Auch „Das Schweigen der Lämmer“ scheint immer einmal wieder durch; zwei Pole, zwischen denen „Knight Moves“ jedoch ziemlich zerrieben wird – zeigten doch beide genannten Beispiele, wie man derartigen Stoff wesentlich schlüssiger konstruiert und verkauft.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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