Inglourious Basterds - Quentin Tarantino (2009)

Moderator: jogiwan

Inglourious Basterds - Quentin Tarantino (2009)

Beitragvon horror1966 » 11. Feb 2011, 21:34

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Inglourious Basterds
(Inglourious Basterds)
mit Brad Pitt, Melanie Laurent, Christoph Waltz, Eli Roth, Michael Fassbender, Diane Krüger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B.J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Denis Menochet, Sylvester Groth
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Kamera: Robert Richardson
Musik: Keine Information
FSK 16
Deutschland / Frankreich / USA / 2009

Irgendwo im von Nazis besetzten Frankreich: Shosanna Dreyfus (Melanie Laurent) muss mit ansehen, wie ihre Familie vom 'Judenjäger' Oberst Landa (Christoph Waltz) grausam hingerichtet wird. Durch Zufall kann sie entkommen und flieht nach Paris, wo sie sich als Kinobesitzerin eine neue Identität aufbaut. Anderswo in Europa: Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und seine als 'Bastarde' gefürchtete Spezialeinheit machen Jagd auf Nazi-Skalps. Zusammen mit der deutschen Schauspielerin und Geheimagentin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) schmieden sie ein Komplott: Bei einer Pariser Filmpremiere wollen sie Hitler und seine Helfer ausschalten. Doch Shosanna hat ihre eigenen Rachepläne ...


Es ist ja mittlerweile keine weltbewegende Neuheit mehr, das Quentin Tarantino die Meinungen der Zuschauer zumeist extrem spaltet. Für viele stellt er eine Art Regie-Gott dar, andere widerum halten ihn für vollkommen überbewertet. So konnte man also wieder einmal sehr gespannt sein, wie die allgemeinen Reaktionen zu "Inglourious Basterds" ausfallen würden und wie nicht anders erwartet, gehen auch diese wieder einmal ziemlich stark auseinander. Was ich persönlich immer nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Kritik an Tarantinos eher dialoglastigen Werken, war dies schon bei "Death Proof" der Fall, so verhält es sich bei vorliegendem Film nicht anders. Doch warum soll man nicht auch einmal viele Dialoge einbauen, wenn diese die Qualität der beispielsweise hier enthaltenen enthalten. So bekommt man nämlich jede Menge Dialoge geboten, die voll sind mit verstecktem oder auch offensichtlichen Witz, was bei einem Werk mit der hier bearbeiteten Thematik doch einmal eine sehr willkommene Abwechslung bietet und das gesamte Geschehen etwas humoriger und lockerer darstellt, als es ansonsten der Fall ist.

Sicherlich bekommen die Deutschen auch hier ganz ordentlich ihr Fett weg, was ja anscheinend für viele Leute auch ein Dorn im Auge ist, doch wird dies in vorliegendem Fall doch immer mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus und teilweise exzellenter Situationskomik untermalt, so das man sich doch gar nicht ernsthaft darüber aufregen könnte. Die vorhandene Ironie, die sehr reichlich vertreten ist, macht diesen Film doch erst zu etwas ganz Besonderem, da können auch einige Aussagen oder Titulierungen gegenüber den Deutschen in dieser Geschichte nicht hinwegtäuschen, die von nicht gerade wenigen Zuschauern eher als Beleidigungen angesehen werden. Hier sollte man doch wirklich einmal die "Kirche im Dorf lassen" und nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen. Es ist doch eine wahre Freude hier zuzuhören, was die darsteller so alles von sich geben, denn die dabei phasenweise dargestellte Ernsthaftigkeit steht doch im vollkommenen Gegensatz dazu, was man als Betrachter dabei empfibdet, da man sich über viele Äusserungen und Dialoge einfach nur köstlich amüsieren kann.

Doch das Amusement ist nicht lediglich auf den verbalen Aspekt gemünzt, den ganz allgemein wird man hier bestens und trotz der Dialoglastigkeit auch extrem kurzweilig unterhalten, was aber sicherlich gerade die Tarantino-Gegner vollkommen anders sehen werden. Als Grund dafür wird sicherlich die mangelnde Action dienen, denn sehr viele solcher Passagen bekommt man wirklich nicht geboten. Für mich ist das aber überhaupt nicht als negativ anzusehen, denn weitaus mehr Action-Sequenzen hätten dem Film eher geschadet, als das sie ihn aufgewertet hätten. Davon einmal ganz abgesehen, ist die geschichte auch gar nicht unbedingt für ein Action-Spektakel ausgelegt, denn achtet man doch vielmehr auf Dinge wie eben den vorhandenen Humor, der phasenweise ziemlich schwarz geraten ist. Ein anderes Highlight ist die agierende Darsteller-Riege, die für dieses Szenario nahezu perfekt zusammengestellt wurde und in der auch einige bekannte deutsche-oder deutschsprachige Darsteller sich ein Stelldichein geben. So gibt es ein Wiedersehen mit Til Schweiger, Daniel Brühl oder auch Diane Krüger, die wirklich in ihren Rollen überzeugen können und so zum hervorragenden Gesamtbild beitragen können. Doch der absolute Höhepunkt ist ganz eindeutig das Schauspiel des Österreichers Christoph Waltz, der den "Judenjäger" Oberst Landa mit einer Brillanz darstellt, das es einfach nur Freude bereitet, ihm bei der Arbeit zuzusehen. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das ihm diese Rolle den Oscar für den besten Nebendarsteller beschert hat, den er sich hier redlich verdient hat.

Tarantino ist es also einmal mehr gelungen, einen Film auf die Menschheit loszulassen, der diese in zwei Lager spaltet. Ich zähle mich zu der Gruppe, die dieses Werk einfach nur grandios findet, denn es wird beste Unterhaltung geboten die in keiner Phase auch nur annähernd langweilig erscheint, so wie es manche Leute behaupten. Ein weiterer Geniestreich eines der brillantesten Regisseure unserer Zeit, voller Ironie und teils erstklassiger Dialoge, zudem mit einem Ende für Adolf Hitler und andere hochrangige Nazis versehen, das der gesamten Geschichte gerade am Ende noch einmal zusätzliche Symphatiepunkte einbringt, als sie von Haus aus schon verdient hat.


Fazit:


Genialität oder absolute Überbewertung, das ist bei einem Film von Tarantino fast immer die Frage. Für mich ist hier ein weiterer Geniestreich entstanden, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Tolle Dialoge, feinster Humor und phasenweise tolle Situationskomik sind nur einige der markenzeichen, die diesen Film auszeichnen. Hinzu kommt noch eine erstklassig agierende Darsteller-Riege, aus der ein brillanter Christoph Waltz herausragt, der durch sein charismatisches und ausdrucksstarkes Schauspiel das absolute Highlight eines tollen Filmes darstellt.


9/10
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon Santini » 29. Sep 2011, 21:13

Christoph Waltz, hier als 'Judenjäger' Oberst Landa, zuzusehen und -hören macht wirklich Laune.
Eine Glanzleistung von Herrn Waltz.
Til Schweiger gibt uns nen sehenswerten Hugo Stiglitz. Wer hätte jemals gedacht, dass Til Schweiger mal einen Charakter namens Hugo Stiglitz spielen würde.

Ansonsten bietet der Film kein "hirnloses" Dauergeballer, sondern fokussiert sich hauptsächlich auf seine Story und Charaktere - was nicht bedeutet, dass hier keine Skalps genommen werden und der rote Lebenssaft teils nicht in Strömen fließen würde.

Ein Kultfilm? Nö.
Ein Film der es in die persönliche TOP 100 schafft? Nö.

Inglourious Basterds unterhält einfach auf angenehme Weise.
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon jogiwan » 29. Sep 2011, 21:37

Santini hat geschrieben:Til Schweiger gibt uns nen sehenswerten Hugo Stiglitz. Wer hätte jemals gedacht, dass Til Schweiger mal einen Charakter namens Hugo Stiglitz spielen würde.


In meinen schlimmsten, allerschlimmsten, allerallerallerschlimmsten Alpträumen.... :kotz:
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon dr. freudstein » 29. Sep 2011, 21:57

Til Schweiger Fans aller Länder - Vereinigt Euch :roll:
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon Santini » 29. Sep 2011, 22:50

jogiwan hat geschrieben:
Santini hat geschrieben:Til Schweiger gibt uns nen sehenswerten Hugo Stiglitz. Wer hätte jemals gedacht, dass Til Schweiger mal einen Charakter namens Hugo Stiglitz spielen würde.


In meinen schlimmsten, allerschlimmsten, allerallerallerschlimmsten Alpträumen.... :kotz:


Til Schweiger spielt lediglich einen Charakter namens Hugo Stiglitz.

dr. freudstein hat geschrieben:Til Schweiger Fans aller Länder - Vereinigt Euch :roll:


Es geht hier um Inglourious Basterds - nicht um Til Schweiger als Person.
Ich war noch nie ein Fan von Til Schweiger und werde wohl auch nie einer werden.
Das hält mich jedoch nicht davon ab, seine Rolle in Inglourious Basterds zu beschreiben.

Sinnloses Scheuklappen tragen als Fan von Genre-Filmen? Bei mir nicht. ;)
Es gilt den Film zu gucken - und sich dann ein Urteil zu bilden. ;)
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon dr. freudstein » 29. Sep 2011, 23:18

Alles klar, der Film kann ja nix für Til Schweiger und liest sich ja auch wirklich gut, H1966 gab ja 9/10, Santini zeigt Begeisterung....würd ich gerne mal sichten :nick:
Laut unken kann ich ja dann immer noch oder mich entschuldigen :mrgreen:
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon untot » 30. Sep 2011, 01:06

Hier mal ein älterer Kommentar von mir....

Zugebenen "Inglorious Basterds" ist nicht einer von Tarantinos Besten Filmen, trotzdem ist er immer noch genial.

Man hätte, aus der ganzen Story wesentlich mehr machen können, der gute Quentin hat hier nicht alles rausgekitzelt was machbar war und gerade von ihm hätte man das erwartet.

Deswegen waren wohl auch so viele enttäuscht von dem Film, weil die Erwartungen auch dementsprechend hoch waren.

Mir persönlich hat er super gefallen, vor allem natürlich Christoph Walz, er spielt zum niederknien, einfach göttlich, schon deswegen ist er sehenswert und seinen Oscar hat er sich verdient der Mann!

Von mir gibts 10 von 10 Punkten für Walz und 7,5 von 10 für den Rest.
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon purgatorio » 30. Sep 2011, 07:45

Die Enttäuschungen vieler nach dem Genuss dieses Films lag sicherlich darin begründet, dass der Trailer eine Schlachtplatte suggerierte, die dann nicht vorgelegt wurde. Viel eher ist "Inglourious Basterds" eine Liebeserklärung ans Kino. Und zwar eine - Zweitsichtung mit Perspektivwechsel fördert diese Erkenntnis zu Tage - sehr plakative, darum aber nicht weniger wirkungsvolle Inszenierung. Der gesamte Film ist auf das Kino ausgerichtet und auf die Wirkung eben dieses als auf die Menschen. Fantastisch :thup:
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon jogiwan » 30. Sep 2011, 08:05

Ich hab ja an anderer Stelle ja schon mal geschrieben, dass ich diese Art der "amerikanischen Geschichtsfälschung" ja generell nicht so mag. Der Film ist zweifelsfrei gelungen und Herr Waltz göttlich, andererseits möchte ich nicht wissen, wie viele Ami-Teens mittlerweile glauben, dass Hitler tatsächlich von irgendwelchen Söldnern in einem Pariser Kino ermordet wurde... :roll:
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Re: Inglourious Basterds - Quentin Tarantino

Beitragvon purgatorio » 30. Sep 2011, 08:15

hehe - ja ich erinnere mich, dass hatten wir schonmal. Aber andererseits: ein fiktionaler Film als künstlerische Ausdrucksform darf das. Scheiß doch drauf ob irgendwelche verblendeten oder verblödeten Teens das für bare Münze nehmen
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