Hitcher, der Highway Killer - Robert Harmon (1986)

Moderator: jogiwan

Re: Hitcher-der Highway Killer - Robert Harmon

Beitragvon buxtebrawler » 15. Sep 2011, 18:06

purgatorio hat geschrieben:na mal schauen was der Bux sagt :wart:


US-Regisseur Robert Harmons Spielfilmdebüt „Hitcher“ aus dem Jahre 1986 ist ein ordentlicher Action-Thriller, wird meines Erachtens aber gemeinhin ein wenig überbewertet. Jim (C. Thomas Howell, „Die Outsider“, „E.T.“) nimmt den Anhalter John (Rutger Hauer, „Der Blade Runner“) mit, welcher sich als der gesuchte Highway-Killer entpuppt und nun auch Jim ans Leder will. Dieser kann entkommen, doch war das lediglich der Auftakt zu einem Katz- und Mausspiel, bei dem John perfiderweise munter weitermordet, es zunehmend aber so aussehen lässt, als wäre Jim der Killer. Somit muss sich Jim fortan nicht mehr nur vor John, sondern auch vor der Polizei in Acht nehmen.

Harmons verstand es, die weiten, endlos erscheinenden US-Highways effektiv in Szene zu setzen und als einen vereinsamten Ort der Isolation und der Gefahr zu zeichnen. John scheint Jim immer einen Schritt voraus zu sein und taucht stets dort auf, wo jener sich gerade aufhält. Das verleiht der von Rutger Hauer mit einer eiskalten Abgebrühtheit interpretierten Rolle etwas Übermächtiges, Unberechenbares. C. Thomas Howell scheint anfänglich noch eine gute Besetzung für den sympathischen, aber völlig durchschnittlichen Jüngling gewesen zu sein, vermag es aber nichts, seiner Rolle angesichts ihrer Entwicklung glaubwürdige Emotionen in einer Form einzuhauchen, die sich seine Mimik ins cineastische Langzeitgedächtnis einzuprägen erlauben würde.

Vor dem Hintergrund eines etwas drögen, nichtssagenden 80er-Synthie-Soundtracks spielen sich zahlreiche Actionszenen auf Leben und Tod ab, Schießereien, Stunts, Explosionen. Am stärksten ist „Hitcher“ aber mit seinen herben, unvorhersehbaren Schockmomenten, die zu den richtigen Zeitpunkten eingesetzt werden und nie ihre Wirkung verfehlen. Ansonsten hapert es aber bisweilen etwas mit dem Timing; ein paar unschöne Längen haben sich eingeschlichen, die man einem Debüt aber gern verzeiht. Dafür fängt die Kamera vermehrt beeindruckende Landschaftspanoramen wie aus einem Fotografiebildband ein, die der kalten Bedrohlichkeit des Asphalts eine trügerische Schönheit entgegensetzen, die letztlich das Gefühl der Verlorenheit aber noch unterstreicht und dadurch fast schon höhnisch wirkt.

Mit zunehmender Spielzeit nutzt sich die Geschichte aber etwas ab und das letzte Drittel wirkt mit Jims seltsamem Auftritt bei der Polizei ein wenig konfus. Die Dramatik des Finales, in dem dann auch für den begriffsstutzigsten Zuschauer deutlich wird, dass John auf seine „Erlösung“ durch Jim wartet, erscheint mir dann doch zu dick aufgetragen und wenn man schon eine Frau von zwei LKW zerreißen lassen muss, dann doch bitte auch mit adäquaten Spezialeffekten und nicht feige im Off. Überhaupt gibt sich „Hitcher“ trotz einiger blutigerer Szenen ziemlich zugeknöpft, was die Folgen des brutalen Handelns betrifft. Die bleiben genauso der Phantasie des Zuschauers überlassen wie die Frage nach dem Motiv bzw. dem pathologischen Hintergrund des Psychokillers. Dahingehend erfährt man nichts, obwohl man mir immer wieder damit zu kokettieren scheint, gegen Ende ein „Aha-Erlebnis“ zu ermöglichen. Dieses bleibt aus, wodurch „Hitcher“ leider eben nicht, wie evtl. geplant, noch bedrohlicher und fieser wirkt, sondern in dieser Form distanziert-realitätsfern und beliebig, was ihn endgültig in den Bereich der Phantastik verweist.

Fazit: Auf dem Highway ist die Hölle los. Ein guter, unterhaltsamer Action-Thriller mit vielen Stärken, aber unterm Strich einigen Drehbuchschwächen sowie Abzügen in der B-Note, die mich von Begeisterungsstürmen abhalten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Hitcher, der Highway Killer - Robert Harmon

Beitragvon Santini » 3. Feb 2012, 14:52

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Re: Hitcher, der Highway Killer - Robert Harmon

Beitragvon karlAbundzu » 18. Apr 2017, 11:09

Wiedergesehen auf DVD, MCP ab 18 Version!
Toller Roadmovie.
Ein junger Mann fährt von Chicago nach San Diego.
Von einer Industriestadt im Untergang zu der neuen Boom City der Dienstleistungsgesellschaft.
Ein junger Mann ohne erkennbare Vergangenheit auf dem typischen us-amerikanischen Erfahrungstrip, auf der Strasse nämlich durchs einsame Land (was manchmal richtig postapokalyptisch aussieht). Spätestens seit Kerouac wissen wir ja, dass das der richtige Ort zur Selbsterkenntnis ist. Nur ist er hier nicht der Anhalter, sondern der Fahrer, der seine verdrängte Lebensunlust und seinen destruktiven Animalismus am Strassenrand aufsammelt.
Einen Killer, der so ziemlich alles killt ausser Jim. Und immer da ist, wo Jim ist.
Wir sind hier tief im orientierungslosen Amerikana der 80er. Keine Vergangenheit, unsichere Zukunft, psychologisch irritiert, von den 60ern nur noch Reste im Ohr (hier klingt es für mich thematisch oft nach den Doors The End / Riders on the Storm).
Rutger Hauer als das übermystifizierte Monster brillant, C. Thomas Howell auch prima (leider sieht man ihn nur immer mal wiede rin irgendwelchen TV-Rollen), Jennifer Jason Leigh hier in der kleinen Rolle der zu rettenden Jungfrau. Und schön, Armin Shimerman zu sehen.
Das gute ist das Minimalistische und passt dann auch gut zu meiner eher freudschen Sehensweise. Man erfährt nur nichts vom Killer John, auch bleibt eigentlich alles von Jim im dunklen. die Kamera fängt das alles gut ein, sowohl im Hellen wie im Dunklen. Und die Musikist auch eher minimaljazzy.

Und: Auch ohne den ganzen erwähnten Psychozeug ist das einfach ein spannender Thriller mit hohen Gemeinheitsanteil!


PS: Für mich passt der Schluss so sehr gut. Gerade nachdem Jim das Polizeiauto kaperte und John ienholte, mußte das Ende Angesicht zu Angesicht sein!

PPS: Gerade noch beim Rumklicken gesehen: Der Regisseur zeichnete sich später hauptverantwortlich für die gute JESS STONE Reihe, schaut da mal rein. Und Drehbuchautor Eric Red schrieb auch NEAR DARK!!!

PPPS: Ach ja, leider nur deutscher Ton auf der Scheibe, ich würde den gern mal im original sehen.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Hitcher, der Highway Killer - Robert Harmon

Beitragvon sergio petroni » 18. Apr 2017, 18:56

@karl
Bei mir liegt die letzte Sichtung bestimmt zwanzig Jahre zurück (war also zumindest keine letzte Ölung :kicher: ).
Durch Deine Schilderung sind aber viele Bilder aus dem Film wieder hochgekommen.
Zum Beispiel diese apokalyptischen Regensequenzen.
Der muß unbedingt zeitnah in den Player!
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Hitcher, der Highway Killer - Robert Harmon

Beitragvon Arkadin » 19. Apr 2017, 09:40

karlAbundzu hat geschrieben:
PPPS: Ach ja, leider nur deutscher Ton auf der Scheibe, ich würde den gern mal im original sehen.


Ich habe die Doppel-DVD von Kinowelt. Da ist der mit drauf. Kann ich dir mal ausleihen.

Ansonsten erinnere ich mich gerne an meine erste Begegnung mit "Hitcher". Da war es hellichter Tag und draussen brütend heiß, ich hatte da eine eine TV-Aufnahme mit Senderlogo (der lief 1989 tatsächlich mal auf RTL) von einem Bekannten in den Player geworfen. Schlechteste Vorraussetzungen also - mir wurde aber trotzdem schnell kalt, ich habe ich wirklich gegruselt klebte atmenlos am Bildschirm. Das war so ein intensives Erlebnis - das vergesse ich nie!
Früher war mehr Lametta
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