Freitag der 13. - Sean S. Cunningham (1980)

Moderator: jogiwan

Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon DrDjangoMD » 4. Aug 2012, 20:10

Ich mag "Freitag der 13.", ich fand, dass er gekonnt ein mulmiges Gefühl erzeugt, dass irgendetwas Unbekanntes unsere zumteil sehr süßen Protagonisten (ich mochte Mrs. Köchin-Anhaltergirl :cry: ) an den Kragen will. Das Ende gefiel mir besonders, da ich den Killer dieses Filmes äußerst schätze. Daher zähle ich den Originalfilm wegen seiner bedrückenden Grundstimmung neben dem sehr unterhaltsamen "Teil 4" und dem sehr spaßigen "Teil 6" zu den besten drei der Reihe, aber...

jogiwan hat geschrieben:Ich weiss nicht, da finde ich andere Slasher wesentlich stimmiger, auch wenn mir spontan nur "Brennende Rache" und "Blutiger Valentinstag" einfällt.


...da stimme ich dir zu. "Brennende Rache", "Blutiger Valentinstag" und wahrscheinlich* auch "Sleepaway Camp" sind noch um eine Spur stimmiger gelungen. Und an "Halloween" können sie sich sowieso nicht messen, aber es kann sich auch kein Giallo an "Profondo Rosso" messen und trotzdem hat das Genre was auf den Kasten.

*"wahrscheinlich", weil ich das Teil schon sehr lange nicht mehr gesehen habe, aber der Gedanke an das Ende schockt mich immer noch :angst:
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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon Blap » 5. Aug 2012, 12:17

Die F13-Reihe bringt (für mich) diesen typischen Backwood-Horror auf den Punkt. Für mich ist der Wald noch immer das stimmigste Umfeld für einen gepflegten Slasher. Zudem ist Pamela Voorhees grandios.
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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon ugo-piazza » 10. Jun 2013, 20:55

Ich hab den ja vor seeeeehr langer Zeit mal gesehen und fand ihn wie Jogi nicht überzeugend.


Gestern im TV hab ich wegen Müdigkeit auch nur sporadisch hingesehen, doch scheint mir, dass der Film für TV-Verhältnisse recht gewalttätig um die Ecke kam. Axt im Schädel, Kopf ab! Hat was gefehlt?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon buxtebrawler » 10. Jun 2013, 21:00

ugo-piazza hat geschrieben:Gestern im TV hab ich wegen Müdigkeit auch nur sporadisch hingesehen, doch scheint mir, dass der Film für TV-Verhältnisse recht gewalttätig um die Ecke kam. Axt im Schädel, Kopf ab! Hat was gefehlt?


Hab ihn gestern nicht gesehen, habe aber gehört, dass der ungeschnitten gewesen sein soll. Ist ein toller Film.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon ugo-piazza » 10. Jun 2013, 21:11

ARTE wiederholt noch einmal Freitagnacht
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon dr. freudstein » 19. Jul 2013, 22:38

Nach der kleinen Enttäuschung des Remakes gab ich mir dank neuer (in meiner Sammlung) und geschenkter Fassung vom Original eine Wiedersichtung, um mich wieder in einer heilen Welt wiederzufinden. Die Therapie tat mir gut, ich sehe diesen Klassiker immer wieder gerne. Damals in der Schule war man ja der Held, wenn man eine nur ansatzweise halbwegs brauchbare Kopie-Kopie-Kopie-Kopie hatte. Org. Tapes hatte ja damals kaum einer, aber in dieser Altersklasse ist das ja nach wie vor genauso. Nur das man heut eben seine Filme unsichtbar auf Festplatte oder wenigsten als Spindel hat. Man galt damals ja als richtig hart, wenn man diesen frühen Slasher gesehen hatte. Nun, derartig profilieren kann man sich heutzutage natürlich nicht mehr damit. Ich denke, ein junges Publikum würde uns Älteren dafür auch eher müde belächeln. Und weil ich genauso solche nervtötenden Teenies hasse, liebe ich Jason umso mehr. (Ich wollt, er wäre mein Freund und wir könnten uns gemeinsam aufmachen, unsere Welt von dieser Plage zu befreien) So knallhart kommt er ja nun nicht mehr rüber wie es damals noch der Fall war. Und die Zeit der großen Beschlagnahmungen ist ja nun auch vorbei. Für mich jedenfalls ein immer wieder gern gesehener Kultklassiker, der zwar inhaltlich nicht wirklich spektakuläres zu bieten hat, aber wer erwartet das auch schon groß bei einem Slasher. Das übliche 10kleineNegerlein Prinzip, ganz schlicht und trotzdem weiß der Film zu begeistern. Die meisten anderen Filme dieses Subgenre kann man meist getrost vergessen, die langweilen einfach total, aber THE BURNING, Die HALLOWEEN Reihe und natürlich FREITAG DER 13. stechen da angenehm hervor und man kann diesen einfach nicht böse sein. Einfach, aber wirkungsvoll. Gut, mein Kumpel Jason taucht nur zum Schluß mal kurz auf (im wahrsten Sinne des Wortes), noch darf die Mutter die geltenden Gesetze brechen und den Bildschirm einem nach dem anderen von der lästigen Brut befreien. Sie tut das etwas gesprächiger und hysterischer als ihr Sohn später, der ja doch eher der stille Typ ist, aber sie macht ihren Job doch ganz anständig. Es ist nicht einfach, sich gegen sie zu wehren und darum geht es ja auch schliesslich. Wie soll man sonst auf Spielfilmlänge kommen. Die Identität wird hier ja erst viel später preis gegeben. Schwer zu sagen nach so vielen Sichtungen, würde man den Campleiter verdächtigen weil er auch einen Jeep fährt? Oder den Ralf? Was dachte ich damals noch bei der Erstsichtung? Ich weiß es nicht mehr. Hatte ich da noch Mitleid mit den Teenies? Ich glaube nicht, denn ich befand mich ja längst auf dem richtigen Wege, weg von der Einheitsmasse und soclhe Teenies ärgerten mich auch damals schon. Ich werd diese Reihe jedenfalls immer lieben und der Auftakt ist einfach unverzichtbar. Schlicht, aber genial umgesetzt und für Mehrfachsichtungen einfach immer wieder geeignet.

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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon buxtebrawler » 20. Jul 2013, 00:40

dr. freudstein hat geschrieben:Die meisten anderen Filme dieses Subgenre kann man meist getrost vergessen, die langweilen einfach total


Komm du mir nach Hause :basi:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon dr. freudstein » 20. Jul 2013, 00:50

Ja, wenn du mich endlich mal einlädst. Naja, wer am Tee nagt statt ihn zu trinken, hat bei mir ja schon von vornherein verloren.Weg mit Tee Nagern. Mal ehrlich, gibt ja echt wenig überragendes bei den Slashern. Das meiste ist einfallslos und sich ständig wiederholend. Wo du, gerade du nur auf anspruchsvolle Kost stehst, verwundert mich deine Begeisterung hierfür doch sehr. Aber klar, es gibt schon deutlich mehr gute Filme, als die bereits aufgezählten, aber sehr wenig im Vergleich zu den Veröffentlichten.
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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon untot » 22. Jul 2013, 15:03

Ich hab ja eine große Schwäche für Slasher und da gibt's nur zwei Möglichkeiten, entweder man liebt sie fast alle, oder man man kann nix damit anfangen.
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Re: Freitag der 13. - Sean S. Cunningham

Beitragvon buxtebrawler » 30. Dez 2013, 01:42

„Das Blutcamp? Wird das etwa wieder eröffnet?“

Nach einer genrefremden Zusammenarbeit mit Wes Craven („A Nightmare on Elm Street“) bewies der US-Amerikaner Sean S. Cunningham bereits 1972 einen guten Riecher für provokante Low-Budget-Produktionen und finanzierte Craven den Rape’n’Revenge-Prototypen „Last House on the Left“. Nachdem John Carpenter mit der ebenfalls sehr kostengünstigen Produktion „Halloween“ aus diversen Psycho- und Horror-Thrillern, allen voran „Black Christmas“, Elementares herausfilterte und einen ebenso minimalistischen wie furchterregenden und vor allem finanziell einträchtigen Film erschuf, der das Subgenre des Slasher-Films begründen sollte, kratzte Cunningham ebenfalls läppische rund 500.000 Dollar zusammen, ließ Drehbuchautor Victor Miller Charakteristika aus „Psycho“, „Halloween“ und manch Prä-Slasher zwischen beiden, allen voran Mario Bavas Giallo „Bay of Blood“, zusammenwürfeln, nahm selbst auf dem Regiestuhl platz und ließ im Jahre 1980 mit „Freitag der 13.“ den Archetypus des Camp-Slashers auf ein begeistertes Publikum los, das einen feuchten Kehricht auf die vernichtenden Kritiken gab, den Film zu einem riesigen Erfolg machte und derart viele Fortsetzungen provozierte, dass die „Freitag der 13.“-Reihe die langlebigste der Horrorfilmgeschichte überhaupt geworden ist.

„Ihr seid verdammt! Ihr seid alle verdammt!“

Auf dem idyllischen Camp Crystal Lake scheint ein Fluch zu lasten: Erst ertrank dort 1957 ein Junge, dann wurden 1958 zwei Camp-Aufseher ermordet, der Täter nie gefasst. Seither besitzt das Camp den Kosenamen „Blutcamp“ und wird gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Doch 20 Jahre später will ein neuer Betreiber mithilfe einiger Jugendlicher allen Unkenrufen zum Trotz das Camp neu eröffnen. Man schlägt alle Warnungen in den Wind und beginnt mit den Arbeiten, doch nach und nach wird die Gruppe von einem unbekannten Mörder dezimiert...

„Wir wollen hier keine Ausflipperei!“

Mit „Black Christmas“ begann die Tradition, die Handlungen von Slasher-Filmen gern zu besonderen Anlässen spielen zu lassen. Statt Weihnachten wählte Carpenter die Halloween-Nacht und Cunningham suchte sich den als Unglückstag verschrieenen 13. eines Monats, der auf einen Freitag fällt. Der Beginn mit einer Rückblende wurde dabei von „Halloween“ entlehnt, die aufgedrehten Streicherklänge des Soundtracks erinnern nicht von ungefähr an „Psycho“, das pittoreske See-Ambiente kennt man aus „Bay of Blood“, den kauzigen, warnenden Einheimischen, den niemand ernst nimmt, aus Backwood-Terror-Filmen, die subjektive Point-of-View-Wackelkamera aus „Halloween“ und manch früherem Vorreiter-Werk. Doch „Freitag der 13.“ versteht es nicht nur, all diese Versatzstücke nahezu perfekt zusammenzufügen, sondern wählt geschickterweise im Gegensatz zu „Halloween“ (für den Michael Myers von vornherein als Mörder feststand) das Whodunit?-Prinzip aus „Psycho“ und Konsorten, was ihn zu einem kongenialen Plottwist befähigt. Außerdem nahm man die Möglichkeit wahr, mit Tom Savini einen echten Experten für Spezialeffekte zur Zusammenarbeit zu bewegen, dank dessen SFX-Kunst die blutigen Morde besonders gelungen umgesetzt werden konnten. Komponist Harry Manfredini drückte zudem der ganzen Filmreihe seinen Stempel auf und sorgte für ein Alleinstellungsmerkmal, indem er infolge eines Geistesblitzes das charakteristische „Kikiki... Mamama...“-Sample aus dem Imperativ „Kill her, Mommy!“ formte, selbst einsprach und dadurch eine bedrohliche Klangkulisse schuf. Das zeitweilige Banjo-Spiel wiederum – spätestens seit „Beim Sterben ist jeder der Erste“ mit einer unheimlichen Aura versehen – unterstreicht den Backwood-Charakter des Films. Musik findet indes nur dann Verwendung, wenn der Mörder in unmittelbarer Nähe ist, ansonsten herrscht Stille im Off.

„Wir spielen Strip-Monopoly!“

Dem kargen Budget geschuldet ist das Ensemble junger, unerfahrener Schauspieler, lediglich Betsy Palmer („Ehe in Fesseln“) sowie aus heutiger Sicht der damals noch am Karriereanfang stehende Kevin Bacon („Im Land der Raketenwürmer“) stechen aus der „namenlosen“ Besetzung hervor. Doch „Freitag der 13.“ beweist, dass für das Erzeugen einer Sommer-Camp-Stimmung mit leichtbekleideten Jugendlichen herausragendes schauspielerisches Talent zweitrangig ist. Vielmehr gilt es, eine Atmosphäre der juvenilen Sorglosigkeit und Unbedarftheit, des Übermuts, des pubertären Geltungs- und Balzdrangs zu schaffen, die ebenso albern wie erfrischend wirkt. Die (vermeintliche) Leichtigkeit des Seins schlägt sich in oberflächlichen Ritualen und Dialogen wieder, lädt ein zum entspannten bis voyeuristischen Beobachten und Verweilen, doch erweist sich – wie auch in der Realität – als nur allzu trügerisch, wenn einer nach dem anderen dafür mit seinem Leben bezahlt (wie hoffentlich weniger häufig in der Realität). Folgerichtig wird die Sommerstimmung alsbald durch den genretypischen Prasselregen in all seiner Unwirtlichkeit ersetzt und zwischen dem mit dramatisierenden Zeitlupen arbeitenden Beginn und Ende des Films manch Mord in Hitchcock'scher Spannungsmanier vorbereitet und ausgeführt. Dass es dabei vornehmlich diejenigen trifft, die sich gern dem Drogen- und/oder Sexualrausch hingeben, wird Filmen dieser Art oft als erzkonservativer Moralismus vorgeworfen, erfüllt jedoch einen anderen Zweck, in „Freitag der 13.“ gar in doppeltem Sinne: Zum einen erschreckt sich der die Szenerie kritisch Beäugende, der das Treiben der Jünglinge tatsächlich für amoralisch und prinzipiell bestrafenswürdig hält, vor der blutigen Konsequenz, mit der die Opfer ihre „Züchtigung“ erfahren, die sie nie wieder an derartige Flausen denken lässt, da sie schlichtweg aus dem Leben scheiden. Dem vorehelichem Sex, Drogenkonsum etc. ablehnend gegenüberstehendem Teil des Publikums halten diese Szenen einen hässlichen Zerrspiegel vor, der dessen Vorstellungen von Erziehung zu „Sitte“ und „Moral“ gnadenlos überzeichnet und dadurch auf abstoßende Weise parodiert. Bei genauerer Betrachtung erschließt sich dem offengeistigen Genrefreund indes, dass diese Szenen gar nicht so hässlich und abstoßend sind, sondern einer morbiden und makabren Ästhetik des kreativen, originellen Mordens folgen, die mutmaßlich ihren Anfang im italienischen Giallo nahm. Zum anderen erfährt der Zuschauer hier im Finale, was tatsächlich 1957 im Camp geschah (Achtung, ab jetzt Spoiler!) und erkennt endlich das Motiv: Sorglosigkeit, Geilheit und juveniler Egoismus waren es nämlich, die damals einem Außenseiter, dem unter dem Down-Syndrom leidenden Kind Jason Voorhees, das Leben kosteten, als sich die Camp-Aufseher lieber einem Schäferstündchen hingaben, statt ihre Verantwortung für die Schwachen unter ihnen wahrzunehmen: Jason war ein schlechter Schwimmer und ertrank. Und nun ist es seine einsame Mutter, die darüber den Verstand verlor und sich auf einem andauernden Rachefeldzug befindet – wie die für alle Genre-Neulinge, die bereits in „Freitag der 13.“ Jason als Mörder wähnten, überraschende Auflösung im überaus spannend inszenierten Finale erzählt, das Betsy Palmer als Pamela Voorhees schnell eine unheimliche Leinwandpräsenz entwickeln lässt. Sie wurde eins mit ihrem Sohn wie Norman Bates aus „Psycho“ mit seiner Mutter – ein ebenso einfacher wie genialer Schachzug, der die Vorzeichen des Genre-Seniors kurzerhand umdreht und damit auch die psychopathologischen Hintergründe der Slasher-Täter weiter manifestierte. Das Finale definiert darüber hinaus den Freitag, 13., als Jasons Geburtstag und Adrienne King („Nur Samstag Nacht“) als Final Girl nach Vorbild Jamie Lee Curtis' in „Halloween“. Das Etablieren einer starken weiblichen Rolle als letzte, meist wehrhafte Überlebende im Subgenre spricht ebenso gegen einen reaktionären Machismo wie das Meucheln sexuell aktiver Jugendlicher eben kein Plädoyer für religiös motivierte Enthaltsamkeit ist, sondern die Rache aus der Gesellschaft attraktiver, sportlicher, in mancherlei Hinsicht erfolgreicher Jugendlicher Ausgestoßener, Außenseiter, Kranker, unangenehm an die Schattenseiten des Lebens Erinnernder darstellt, die nur allzu oft und gerne vergessen werden, über die manch einer froh ist, sie nicht in seiner Nähe zu haben, die nur beim fröhlichen Balzen und Pimpern stören. Manch Slasher veranschaulichte dies mehr, mancher weniger, der eine todernst, der andere mit selbstironischem Augenzwinkern. Der Tonfall in „Freitag der 13.“ ist grundsätzlich ernst, wird jedoch durch einige kleinere Streckszenen und jugendliche Alberei immer mal wieder durchbrochen.

Es dürfte unschwer zu erkennen sein: Ich bin bekennender Freund des Subgenres im Allgemeinen und dieses Films im Speziellen, halte ihn gar für eine fast perfekte Symbiose aus „Psycho“, „Bay of Blood“ und „Halloween“, für einen Überraschungserfolg, der etwas lostrat, wovon Cunningham in seinen kühnsten Träumen nicht ausgehen konnte, der durch solide Handarbeit aller Beteiligter mehr wurde als die Summe seiner Einzelteile. Doch auch, wenn Kritiker sicherlich nicht zu Unrecht konstatieren mögen, dass das doch alles zusammengeklaut wurde, ein kommerzieller Rip-Off wäre, um sich an Carpenters Erfolg heranzuhängen, gefällt mir diese Idee; sie hat etwas Verwegen-Verschlagenes, irgendwie Böses an sich, das zum Film und seinem ihm vorauseilenden Ruf passt, seinen Teil zum Gesamtkunstwerk beiträgt. Böse fiel im Übrigen auch der einmal mehr die Crystal-Lake-Idylle zerstörende Superschockeffekt am Schluss aus, der erst durch Savinis Wirken derart sinister ausfiel und Jason nicht nur sein erstes Gesicht gab, sondern auch ideale Voraussetzungen für eine Fortsetzung schuf. Gut so, denn Slasher machen mit ihrer übersichtlichen Rezeptur, mit ihrer ebenso blutigen wie simplen Formel süchtig – wer empfänglich ist für ihren ganz bestimmten Thrill, will ihn immer und immer wieder erleben.
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