It follows - David Robert Mitchell (2014)

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It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon sergio petroni » 4. Jul 2015, 16:42

IT FOLLOWS

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Originaltitel: It follows

Herstellungsland/-jahr: USA 2014

Regie: David Robert Mitchell

Darsteller: Linda Boston, Heather Fairbanks, Aldante Foster, Keir Gilchrist, Ruby Harris,
Christopher Hohman, Olivia Luccardi, Maika Monroe, Lili Sepe, Bailey Spry,
Jake Weary, Debbie Williams, ...

Story: Es gräbt sich tief unter die Haut, ein Gefühl das dich nicht mehr loslässt. Es klopft an der Wand, es schmettert seine Fäuste gegen die Tür, es schlägt durch die Fenster: es verfolgt dich. Du kennst es vielleicht, manchmal kommt es in der Form eines Menschen den du liebst, nur um dich umso stärker zu zerstören oder um dir klar zu machen, dass es kein Entkommen gibt. Du kannst laufen, aber du kannst dich nicht verstecken. Es kommt langsam auf dich zu, sehr langsam, aber es kommt. Wo auch immer du bist, du vergisst nicht: es kommt.
(quelle: filmtipps.at)
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon sergio petroni » 4. Jul 2015, 16:42

DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon buxtebrawler » 14. Sep 2015, 13:36

Erscheint voraussichtlich am 27.11.2015 bei Weltkino/Universum Film auf Blu-ray und DVD:

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Hat den Film schon jemand gesehen?
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon jogiwan » 5. Mär 2016, 10:22

Originelle und vor allem auch verdammt gruselige Mischung aus Stalking-Horror und „Coming-of-Age“-Streifen mit sehr eindeutigen Anleihen beim japanischen Gruselfilm a la „Ju-On“ und John Carpenters Slasher-Klassiker „Halloween“, der auch geschickt und ohne moralischen Zeigefinger mit menschlichen Urängsten und dem „Kopfkino“ des Zuschauers spielt. In „It Follows“ geht es aber nicht um einen geisteskranken Killer, sondern um ein nicht näher definiertes „Monster“ welches scheinbar durch Sex übertragen wird und nach dem schnellen Akt im Auto wird die junge Jay mit der seltsamen Nachricht überrascht, dass sich von nun an ein Wesen in verschiedener Gestalt auf ihre Fährte heften wird, welches sie fortan verfolgen und irgendwann töten wird, solange sie dieses nicht durch weiteren Geschlechtsverkehr weitergibt. Dabei weiß man anfänglich nicht, ob die Aussagen nur einem kranken Geist entsprungen sind, oder die Bedrohung der sympathischen jungen Frau wirklich realer Natur ist. Der hübsch gemachte Streifen spielt in weiterer Folge auch geschickt Katz und Maus mit der Hauptdarstellerin und dem Zuschauer und immer wieder kippen die idyllischen und herbstlichen Bilder und aus Alltagssituationen heraus greift das Grauen nach der jungen Frau und ihren Freuden. „It Follows“ ist dann trotz vermutlichen eher überschaubaren Budgets für einen aktuellen Streifen nicht nur verdammt gruselig ausgefallen, sondern vermischt seine bekannten Elemente routiniert zu einem spannenden Mix zusammen, der einem gleich mehrmals das Blut in den Adern gefrieren lässt. Tipp!
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon buxtebrawler » 11. Mär 2016, 18:55

Freddy Krueger Inc. präsentiert: Sadakos finale Bestimmung in Haddonfield

Nach seinem Spielfilm-Debüt, der Coming-of-Age-Komödie „The Myth of the American Sleepover“ aus dem Jahre 2010, dauerte es vier Jahre, bis US-Regisseur und -Drehbuchautor David Robert Mitchell mit seinem Zweitwerk „It Follows“ einen waschechten Horrorfilm präsentierte.

Nachdem die 19-jährige Jay (Maika Monroe, „The Guest“) mit dem ungefähr gleichaltrigen Hugh (Jake Weary, „Zombiber“) Sex hatte, klärt dieser sie mit Nachdruck darüber auf, dass er dadurch einen mysteriösen, jedoch akut lebensbedrohlichen Fluch an sie weitergegeben habe: Nur sie könne ihn sehen, er könne verschiedene menschliche Formen annehmen und werde sie unnachgiebig verfolgen. Sie könne ihn nur loswerden, indem sie – wie er es tat – ihn sexuell weitergebe. Sterbe jedoch der neue Verfluchte, falle der Fluch auf sie zurück. Zunächst glaubt Jay ihm kein Wort, muss jedoch bald einsehen, dass es sich anscheinend um mehr als nur die Hirngespinste eines irren Halbstarken handelte…

Angesiedelt in tristen und ärmlich wirkenden, herbstlichen Vororten Detroits, erzählt Mitchell in weitläufigen atmosphärischen Bildern eine Geschichte, die nur vordergründig unmittelbar mit Sexualität zu tun hat. Im Prolog rennt eine junge Frau in Unterwäsche auf die Straße, steigt in ein Auto und braust panisch davon. Später sitzt sie allein am Strand und telefoniert – und wird am nächsten Morgen zerfetzt aufgefunden. In angenehmem Tempo ohne künstliche Hektik wird man auf verdammt spannende und gruselige Weise Zeuge, wie der Fluch zunächst Jays Leben und schließlich das ihrer Clique bestimmt. Letztere glaubt ihr natürlich zunächst nicht und hält sie für paranoid, doch als Jay nach einem bösen Jump-Scare-Schockeffekt von einer für die anderen Unsichtbaren an den Haaren gezogen wird, die auch ihren Stiefbruder kurzerhand wegboxt, besteht kein Zweifel mehr. Trotz einiger Schockszenen setzt „It Follows“ nicht vornehmlich auf ihren inflationären Gebrauch, sondern erzeugt eine Stimmung permanenten paranoiden Misstrauens und ständiger Verunsicherung, garniert mit unheimlichen Bildern des in verschiedenen Verkörperungen auftretenden Fluchs wie einer schlurfenden alten Frau oder eines nackten Manns auf einem Hausdach, die sich gern langsam, aber beharrlich ihrer von ihnen beobachteten Opfer nähern und dabei unberechenbar wirken, menschlich und doch unmenschlich zugleich, der Realität entrückt, unfassbar, doch plastisch.

Seinen visuellen Vorzügen zum Trotz gibt sich „It Follows“ gern minimalistisch und pragmatisch; die Mimik der Schauspieler sagt oft mehr als tausend Worte, geschwätzig ist die Handlung nicht. Anstelle übertriebener Spezialeffekte zeigt sich „It Follows“ zurückhaltend und ist dafür in den entscheidenden Momenten umso effektiver. Man integrierte nur wenige Musikeinsprengsel, doch diese werden dramaturgiebezogen stimmig mittels lauter verzerrter Klänge oder als diffuse Hintergrunduntermalung eingesetzt. Weniger ist hier eindeutig mehr, ohne den Film spröde oder unzugänglich erscheinen zu lassen, im Gegenteil: Die Kamera vermittelt Sommerausklang und Herbstblues, während sie alleehafte Bilder sucht und findet oder ihren Film unterschwellig mit etwas Sex-Appeal versorgt, wenn sie immer mal wieder auf makellose Frauenbeine zoomt.

Oberflächlich betrachtet provoziert „It Follows“ natürlich, für eine – möglicherweise sogar reaktionär-lustfeindliche – Allegorie auf und Warnung vor Geschlechtskrankheiten durch vorehelichen Geschlechtsverkehr und Sexualpartnerwechsel gehalten zu werden. Doch das greift viel zu kurz, allein schon, weil man Geschlechtskrankheiten nicht durch Weitergabe loswird. Nein, „It Follows“ bietet mit seinem Subtext Anlass für Interpretationen, ohne ihn auf dem Silbertablett zu servieren. Nur eines ist klar: Es geht um Angst. Ich verstehe die Sexualität in Mitchells Film als Gegenentwurf zum unverbindlichen, schnellen Sex, den manch anderer Genre-Film – vornehmlich Slasher – als jugendliche bzw. adoleszente Realität zu verkaufen versucht. Ich meine, hier die sensible, zerbrechliche Seite der Sexualität zu erkennen, die oftmals eben nicht mit kühler Abgeklärtheit, sondern mit Verunsicherung, Selbstzweifeln, Zweifeln am Partner, durchaus auch Furcht vor Krankheit, einhergeht und nur ein Teil des Teenage-Angst-Gesamtpakets ist, das sensible Heranwachsende gern gerade zu den dunklen Jahreszeiten und in wenig Sicherheit und Geborgenheit vermittelnden Umgebungen befällt, während sie sich nach der Abkapselung von ihren Eltern einem Umfeld ausgesetzt sehen, in dem Miteinander daraus zu bestehen scheint, gemeinsam einsam zu sein. Eine deprimierte Einstellung zu sich selbst und zum Leben, die einen geradezu verfolgt und sich nicht einfach so abschütteln lässt. Und exakt dieser Gemütszustand ist es, den mir dieser Film vermittelte.

Wenn „It Follows“ auch nicht gänzlich ohne Klischees wie das pünktlich zum Finale einsetzende Unwetter auskommt, erscheint er mir recht originell, ohne dabei seine Vorbilder und Einflüsse zu verleugnen. So ging offenbar die Fernost-Horrorfilm-Welle um Fluchfilme wie „Ring“, „The Grudge“ und Konsorten ebenso wenig spurlos an Mitchell vorüber wie „Final Destination“ mit seinem festen Todesregelwerk und verdiente Slasher à la „Halloween“, dessen herbstliches Kleinstadtambiente ihn neben der gleichzeitigen Phantomhaftigkeit und Entschlossenheit des Antagonisten inspiriert haben dürfte oder auch „A Nightmare on Elm Street“, dessen offensichtliche sexuelle Metaphern sich in „It Follows“ genauso finden wie der Zusammenhalt der Jugendlichen im Finale, die das Böse ganz ohne Hilfe Erwachsener anlocken, um es zu besiegen. Dadurch wiederum fühle ich mich auch an „Es“ erinnert und, hey – damit an eine ganze Reihe meiner Lieblingsfilme!

Kein Wunder also, das mich „It Follows“ sprichwörtlich an den Eiern packte. Es handelt sich um ein herrlich unprätentiöses Juwel unter den aktuellen Genrefilmen, das länger nachwirkt. Moderner Teenage-Horror vom Feinsten.
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon purgatorio » 3. Aug 2016, 16:13

IT FOLLOWS (USA 2014, Regie: David Robert Mitchell)

Holy Shit! Der Film ist ja mal kreuzunheimlich!

Sex überträgt die tödliche Verfolgung durch ein Etwas. Fertig, mehr kommt nicht. Aber die bedrohliche Stimmung, die der Film dabei aufzubauen vermag, ist unbeschreiblich gut. Der Film packt einen richtig, mit einfachen Mitteln, auf ganz subtile Art.

Hier wird offenbar eine Schuld beglichen, etwas latent Verdrängtes kehrt unaufhaltsam zurück und fordert stumm seinen Tribut ein (ja, ich hab ständig an ganz klassische Zombiemotive denken müssen). Bei der Frage nach der Natur der Schuld, die hier verfolgt wird, ist das Setting aufschlussreich: Die Suburb-Vorstadtidylle. Explizit wird diegetisch die Grenze zwischen Stadt und Vorstadt angesprochen, welche die Kinder nicht übertreten durften. Hier wird Idyll von Moloch getrennt und das klassische, amerikanische, weiße Kleinstadtparadies gehütet und gepflegt. Und doch träufelt das Böse in die friedliche Nachbarschaft ein. Dieses Motiv weckt zwangsläufig Assoziationen zum Slasherfilm, wo der übermenschliche Killer in die Suburbs einbricht und die meist sexuellen Ausschweifungen einer Jugendclique barbarisch bestraft. Diese reaktionionäre Schwarze-Mann-Logik des Slasherfilms ist in IT FOLLOWS jedoch nur oberflächig vorhanden, das Paradigma ist zeitgenössisch angeglichen. Denn seien wir ehrlich, mit den Gefahren von vorehelichem Sex kann man heute keinem mehr drohen. Aber man gucke sich mal bei Tinder, Lovoo und ähnlichen Portalen und Apps um - und ja, dass tue ich (natürlich nur aus Forschungszwecken :kicher: ). Die Bedrohung haftet hier nicht dem Sex an sich an, wie es in den 1970er und 80er Jahren vermittelt wurde, sondern dem schnellen Partnerwechsel, dem Onenight-Stand, dem Unbekannten, den man nach einigen Mails über ein Onlinedating-Profil zu kennen glaubt. IT FOLLOWS zeigt die Latenz der Bedrohung, die solchen Kontakten mit vermeintlich Unbekannten innewohnt. Und diese verdrängte Latenz entwickelt hier eine bestialische, seuchenhafte Kraft, verkörperlicht sich und beginnt die Verfolgung. Toller Film! Sehr ansprechend umgesetzt und - ich kann es nur abermals betonen - kreuzunheimlich!
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon sergio petroni » 12. Aug 2016, 15:41

Achtung: Enthält Spoiler

"It follows" war für mich eine große Überraschung. Die Kommentare machten schon große
Lust, den Streifen endlich mal zu sehen. Aber was dann kam, war tatsächlich noch besser!

Vordergründig funktioniert "It follows" ganz wunderbar als Horrorfilm. Mittels Geschlechtsverkehr
kann ein "Fluch" übertragen werden. Die betroffene Person wird fortan von dämonenähnlichen
Gestalten verfolgt, die zwar langsam, aber zielstrebig hinter ihr her sind. Im ungünstigsten Fall
kann dies sogar zum Tod der/des Verfolgten führen. Dann nämlich, wenn der Fluch nicht rechtzeitig
an einen neuen Sexualpartner weitergegeben wird. Schon von der ersten Einstellung an, die
übrigens schwer an Carpenters "Halloween" erinnert, wird ein düsteres Szenario kreiert,
das durch unheimliche Settings und einen kongenialen Soundtrack in höchstem Maße
unterstützt wird.

Der geneigte Horrorfan wird mit vielen Verweisen an Großmeister des Genres beglückt.
Aufgefallen sind mir dabei wie schon genannt Carpenter (ähnliche Kamereinstellungen),
"Nightmare on Elm Street" (Storyline), "Evil Dead"/"Cat People"/"Shivers" (Drehorte)
sowie "Shining" (Aha-Effekt).
Aber: Keinesfalls haben wir es hier mit dem Werk eines Nachahmungstäters zu tun. Im Gegenteil.
"It follows" ist ein komplett eigenständiges Werk, das zum mehrmaligen Ansehen geradezu auffordert.

Auffallend ist, daß im gesamten Film Erwachsene nahezu keine Rolle spielen.
Sie finden geradezu nicht statt, ja, leben offenbar in einer völlig eigenen Welt.
Und damit bin ich auch schon bei dem Punkt, an dem der Film seinen unterschwelligen
Inhalt offenbart. Es handelt sich um eine coming-of-age-Geschichte, die eben
dieses Erwachsensein nicht unbedingt wünschenswert erscheinen läßt.
Die Dämonen verfolgen unsere Hauptakteurin Jay in bemerkenswert langsamer
Manier. Langsam, aber unaufhaltsam. Genauso vermittelt die tolle Kamera einen
ruhigen Eindruck. Keine hektischen Schnitte. Sie unterstützt dieses Gefühl des
Unausweichlichen, und kreiert damit eine geradezu dämonische Unterstützung
der Grundaussage des Films. Alles ist vergänglich, ohne Ausnahme. Und sobald
das dem Betroffenen bewußt geworden ist, ist der Rest des Lebens ein
Auf-dieses-Ende-Zusteuern.
Hierzu wird auch noch Dostojewski zitiert: "das Schecklichste ist diese absolute Gewißheit".
Daß hier Geschlechtsverkehr als Auslöser für diese Bewußtwerdung, diesen Eintritt in
das Erwachsenenleben herhalten muß, konterkariert die Aussagen des klassischen Slashers
(erst Sex, dann sofortiger Tod). Hier führt der Sex zur Bewußtwerdung der eigenen
Sterblichkeit, mit der man den Rest des Lebens zurecht kommen muß.
Bezeichnend auch, daß Jay im finalen Duell mit ihrem Dämon dieser die Gestalt
ihres Vaters annimmt. Nur durch den Tod des Vater-Dämons kann sie dem eigenen
Tod entkommen.
Dem Regisseur David Robert Mitchell gelang hier ein für mich sehr großer Wurf,
der allerdings ziemlich pessimistisch daherkommt.
Unbedingt sehenswert!
9/10
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon purgatorio » 12. Aug 2016, 19:49

Ich finde es total geil, wie sehr dieser Film bisher jeden hier zu einer (durchaus auch variierten) Interpretation genötigt hat! 8-)
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Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
- nicht nach Mitternacht füttern
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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon buxtebrawler » 12. Aug 2016, 22:44

purgatorio hat geschrieben:Ich finde es total geil, wie sehr dieser Film bisher jeden hier zu einer (durchaus auch variierten) Interpretation genötigt hat! 8-)


Ist mir auch aufgefallen, das spricht eindeutig für den Film - sehr schön, sergio!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: It follows - David Robert Mitchell (2014)

Beitragvon jogiwan » 24. Dez 2016, 09:58

jogiwan hat geschrieben:Originelle und vor allem auch verdammt gruselige Mischung aus Stalking-Horror und „Coming-of-Age“-Streifen mit sehr eindeutigen Anleihen beim japanischen Gruselfilm a la „Ju-On“ und John Carpenters Slasher-Klassiker „Halloween“, der auch geschickt und ohne moralischen Zeigefinger mit menschlichen Urängsten und dem „Kopfkino“ des Zuschauers spielt. In „It Follows“ geht es aber nicht um einen geisteskranken Killer, sondern um ein nicht näher definiertes „Monster“ welches scheinbar durch Sex übertragen wird und nach dem schnellen Akt im Auto wird die junge Jay mit der seltsamen Nachricht überrascht, dass sich von nun an ein Wesen in verschiedener Gestalt auf ihre Fährte heften wird, welches sie fortan verfolgen und irgendwann töten wird, solange sie dieses nicht durch weiteren Geschlechtsverkehr weitergibt. Dabei weiß man anfänglich nicht, ob die Aussagen nur einem kranken Geist entsprungen sind, oder die Bedrohung der sympathischen jungen Frau wirklich realer Natur ist. Der hübsch gemachte Streifen spielt in weiterer Folge auch geschickt Katz und Maus mit der Hauptdarstellerin und dem Zuschauer und immer wieder kippen die idyllischen und herbstlichen Bilder und aus Alltagssituationen heraus greift das Grauen nach der jungen Frau und ihren Freuden. „It Follows“ ist dann trotz vermutlichen eher überschaubaren Budgets für einen aktuellen Streifen nicht nur verdammt gruselig ausgefallen, sondern vermischt seine bekannten Elemente routiniert zu einem spannenden Mix zusammen, der einem gleich mehrmals das Blut in den Adern gefrieren lässt. Tipp!


Auch die Zweitsichtung in der größeren Runde hat der Streifen mit Bravour bestanden und auch wenn die ganze Sache beim zweiten Mal natürlich nicht mehr ganz so unheimlich ist, hat David Robert Mitchell doch zweifellos einen sehr originellen Genre-Zwitter abgeliefert, der seine Wirkung beim Zuschauer auch nicht verfehlt. Ob Horror, Drama, „Teen-Angst“ oder doch „Coming-of-Age“ ist ja nicht so eindeutig und irgendwie bietet der Streifen auch keine großartigen Antworten auf die Fragen, die die Story aufweist. Doch das ist hier völlig egal und stört auch gar nicht. Besonders schön und beim zweiten Mal noch auffälliger ist der Look des Streifens, der mit seinen heruntergekommenen und herbstlichen Vorstadt-Straßen und Settings irgendwie abgefuckt und retro erscheint, aber auf eine beiläufig-unbestimmte Art und Weise, die niemals aufdringlich wirkt. Auch darstellerisch ganz großartig und irgendwie holt der Streifen das Maximum aus der Story und seinem Budget heraus und daher sei hier auch nochmals der Verweis zu Carpenters „Halloween“ angebracht. Auch hier bricht das namenlose Grauen ganz unvermittelt in die heile Welt eines jungen Mädchens, auch wenn die Bedrohung in „It Follows“ wesentlich subtiler daherkommt. Großartiger Film, der sich auch ständig etwas anders entwickelt als erwartet und so auch geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt. Findet sich in ein paar Tagen auch sicher auf meiner „Best-of-2016“-Liste.
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