Erlöse uns von dem Bösen - Scott Derrickson (2014)

Moderator: jogiwan

Erlöse uns von dem Bösen - Scott Derrickson (2014)

Beitragvon horror1966 » 28. Jan 2015, 16:28

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Erlöse uns von dem Bösen
(Deliver Us from Evil)
mit Eric Bana, Édgar Ramírez, Olivia Munn, Chris Coy, Dorian Missick, Sean Harris, Joel McHale, Mike Houston, Lulu Wilson, Olivia Horton, Scott Johnsen, Daniel Sauli, Antoinette LaVecchia, Aidan Gemme, Jenna Gavigan
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Scott Derrickson / Paul Harris Boardman
Kamera: Scott Kevan
Musik: Christopher Young
FSK 16
USA / 2014

Ralph Sarchie glaubt, als Cop in der Bronx schon alles gesehen zu haben. Doch drei besonders verstörende Fälle von Gewalt gehen auch dem Veteranen unter die Haut, der mit seinem Partner nach Gemeinsamkeiten im Tatvorgang sucht. Viel klarer als Sarchie sieht Jesuitenpriester Mendoza die schrecklichen Ereignisse, für die er einen Dämon verantwortlich macht. Sarchie aber jagt weiter nach einem Phantom und rationalen Erklärungen, bis ihn unerklärliche Visionen und schließlich sogar Hausbesuche aus der Hölle eines Besseren belehren.


Nachdem Scott Derrickson 2012 mit seinem Horrorthriller "Sinister" einen ziemlichen Erfolg landen konnte dem gerade einmal ein Budget von 3.000.000 $ zu Grunde lag, durfte er in seinem neuesten Werk "Erlöse uns von dem Bösen" immerhin gleich über die zehnfache Summe verfügen. Das Ergebnis ist ein weiterer sehenswerter Genrevertreter, der dieses Mal jedoch neben der eigentlichen Thematik des Okkulthorrors auch durchaus Elemente eines Copthrillers beinhaltet und so eine äußerst interessante Kombination darstellt. Im Vordergrund stehen jedoch ganz klar Dämonologie und die Besessenheits-Thematik und die Umsetzung dieser Elemente kann man auf jeden Falls als sehr gelungen bezeichnen. Zugegebenermaßen hat sich Derrickson in seiner Erzählung auch bei diversen anderen Genrefilmen bedient und so sind dann auch starke Anleihen zu Meisterwerken wie Friedkin's "Der Exorzist" oder auch david Fincher's "Sieben" zu erkennen. Dennoch behält "Erlöse uns von dem Bösen" seine Eigenständigkeit bei und dient keinesfalls als reiner Abklatsch der genannten Werke, denn die hier erzählte Story beinhaltet sehr wohl auch mehrere Passagen, die sie von bisher bekannten Abläufen abhebt. In erster Linie bezieht sich das auf mehrere humorige Momente die sich immer dann ergeben, wenn die Hauptfigur Ralph Sarchie mit seinem Partner unterwegs ist, um die immer öfter vorkommenden und teilweise sehr bizarren Verbrechen aufzuklären die innerhalb kürzester Zeit in New York begangen werden.

Während ihrer Ermittlungen tauschen die beiden Cops nämlich jede Menge witzige Dialoge aus die man auch ohne zu überlegen als Trashtalk bezeichnen könnte. Diese Momente passen allerdings äußerst gut in das ansonsten sehr düster gehaltene Szenario und lockern das Ganze ein wenig auf. Viel zu lachen gibt es ansonsten nämlich nicht, vielmehr ist es Scott Derrickson ganz hervorragend gelungen, seine Geschichte mit einer herausragenden Atmosphäre auszustatten, die dem Betrachter phasenweise eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Unterstützt durch einsetzenden Dauerregen und dem Aspekt das sich Großteile der Abläufe in der Nacht abspielen, herrscht so fast durchgehend eine fast schon deprimierende Grundstimmung vor, die bei einem gleichzeitig ein starkes Gefühl der Beklemmung hervor ruft. Gleichzeitig gelingt es von der ersten Minute an einen konstant ansteigenden Spannungsbogen aufzubauen der lediglich im letzten Drittel der Geschichte ein wenig stagniert, was allerdings auch in der Tatsache begründet liegt, das dem Zuschauer die Hintergründe für die Besessenheit einiger Figuren nicht wirklich näher gebracht wird. An dieser Stelle offenbart das Geschehen dann auch seine einzige kleine Schwäche, denn die eher unbefriedigenden Erklärungsversuche gestalten sich lediglich sehr oberflächlich. Hier hätte man wirklich noch eine ganze Menge mehr heraus holen können, was das gewonnene Gesamtbild noch einmal zusätzlich aufgewertet hätte.

Doch auch so ist "Erlöse uns von dem Bösen" ein richtig guter Beitrag, der insbesondere auch durch das grandiose Zusammenspiel seiner beiden Hauptdarsteller Eric Bana und Édgar Ramírez zu überzeugen weiß. Das ungleiche Duo aus Cop und unkonventionellem Priester harmoniert ganz ausgezeichnet und beide Figuren werden durch eine tiefer gehende Beleuchtung auch dem Betrachter gut näher gebracht. Zwar nimmt Bana den Löwenanteil der Spielanteile in Anspruch, doch mit zunehmender Laufzeit wird auch die Figur des Priesters immer stärker gewichtet, was ganz besonders in der zweiten Filmhälfte immer stärker zum Ausdruck kommt. Große Härten sollte man während der Abläufe nicht erwarten, denn schon aufgrund der 16er Freigabe kann man sich denken, das die Story keinerlei explizite Gewaltdarstellungen beinhaltet. Diese hätten meiner Meinung nach aber auch überhaupt nicht in diesen äußerst stimmigen Film hinein gepasst, der sich doch in erster Linie auf die spannend inszenierten Ereignisse und seine grandiose Atmosphäre konzentriert, von der eine unglaublich starke Faszination ausgeht, der man sich beim besten Willen nicht verschließen kann.

Und so kommt man am Ende zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck, so das man Derrickson nun schon den zweiten Treffer nacheinander attestieren kann. Genre-Liebhaber dürften definitiv auf ihre Kosten kommen und werden mit einem routiniert inszenierten Mix aus Okkulthorror und Copthriller belohnt, der während seiner Laufzeit von gut 110 Minuten keinerlei nennenswerte Längen beinhaltet.


Fazit:


"Erlöse uns von dem Bösen" konnte mich wirklich positiv überraschen und auch wenn hier längst nicht alles perfekt erscheint, beinhaltet die Geschichte sämtliche Zutaten, um durchgehend gruselige Genrekost zu servieren. Die Anlehnungen an diverse andere Filme fallen keinesfalls negativ ins Gewicht, denn die Umsetzung der einzelnen Elemente ist stimmig und kann jederzeit als sehr gelungen bezeichnet werden.


7,5/10
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Re: Erlöse uns von dem Bösen - Scott Derrickson (2014)

Beitragvon jogiwan » 23. Feb 2015, 07:39

Keine Ahnung was uns Regisseur Scott „Sinister“ Derrickson mit seinem vollkommen uninspirierten Mix aus „Sieben“, „Der Exorzist“, Buddy-Movie und Geisterbahnfahrt präsentieren wollte, aber das Ergebnis geht prompt voll in die Hose. Die Geschichte ist lahm, der Film zu lang und der unkonventionell gemeinte Genre-Mix wirkt vollkommen willkürlich zusammengezimmert und präsentiert nahezu nur Szenen, die im Dunkeln spielen und allesamt mit einem Schreckmoment aufgelöst werden. Das ist vielleicht beim ersten Mal noch funktional, entpuppt sich aber zunehmend als sehr nervig, da der Streifen auch ansonsten nahezu keine Spannung zu entwickeln vermag und außerdem wieder einmal mit Figuren langweilt, die von ganz unten aus der Klischeekiste stammen. Nach „Sinister“ jedenfalls eine herbe Enttäuschung und „Erlöse uns von den Bösen“ wäre vielleicht technisch und darstellerisch gar nicht mal so schlecht gemacht, würde uns Derrickson nicht mit Versatzstücken aus hinlänglich bekannten Genre-Klassikern langweilen, die allesamt besser gemacht sind als dieser vollkommen haarsträubende Schmonz.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Erlöse uns von dem Bösen - Scott Derrickson (2014)

Beitragvon sergio petroni » 18. Mär 2017, 15:06

Am Anfang steht ein unheimlicher Fund im Irak zu Zeiten des Krieges 2010.
Dann erfolgt ein Sprung in das New York des Jahres 2013. Cop Sarchie und sein Partner
sind von der harten Sorte, übernehmen vor allem kritische Fälle und finden auch Gefallen daran.
Doch in letzter Zeit häufen sich besonders grausame Verbrechen, bei denen es
anscheinend nicht mit rechten Dingen zugeht. Und plötzlich sind die Cops
persönlich betroffen. Ein Priester scheint die letzte Hoffnung zur Lösung
des Falles zu sein.

Angeblich wahre Erlebnisse des real existierenden Sozialismus Sarchie bilden
die Grundlage dieses Gruselstreifens von Derrickson. Als Aufhänger dient eine
Besessenheitsgeschichte mit Ursprung im Irak. Ein Exorzismus tut Not.
Versatzstücke aus "Das Omen" am Anfang und "Der Exorzist" am Ende des Films bilden den Rahmen.
Dazwischen ein New York, das in seiner ewigen Dunkelheit schwer an "Sieben" erinnert.
In versifften Straßen, dunklen Gebäuden oder nächtlichen Zoos wird der Horror
gerufen; und er kommt auch brav, jedesmal.

Derrickson gelingt es, eine permanent düstere Atmosphäre zu schaffen.
Die regelmäßigen, plakativen Schocks führen während der 110 Minuten
leider zu einem gewissen Abstumpfungseffekt. Die beiden Hauptdarsteller
(Eric Bana, Edgar Ramirez) machen allerdings einen guten Job.
Der Eindruck der Unausgegorenheit kommt vielleicht auch dadurch zustande,
daß die Erlebnisse des echten Ralph Sarchie mühsam zusammengschustert
und mit einem roten Faden versehen in einem Film untergebracht werden
mußten.
Kein Rohrkrepierer, aber bei dem zur Verfügung stehenden Budget hätte
man wesentlich mehr erwarten können.
5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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