End of the Line - Maurice Devereaux (2006)

Moderator: jogiwan

End of the Line - Maurice Devereaux (2006)

Beitragvon horror1966 » 26. Jun 2011, 22:17

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End of the Line
(End of the Line)
mit Ilona Elkin, Nicolas Wright, Neil Napier, Emily Shelton, Tim Rozon, Nina Fillis, Joan McBride, Danny Blanco, John Vamvas, Robin Wilcock, Kent McQuaid, Eobert Vezina, David Schaap, Lori Graham, Christine Lan
Regie: Maurice Devereaux
Drehbuch: Maurice Devereaux
Kamera: Denis-Noel Mostert
Musik: Martin Gauthier
Keine Jugendfreigabe
Kanada / 2006

Die letzte U-Bahn der Nacht, ein paar Dutzend Fahrgäste. Plötzlich bleibt sie mitten im Tunnel stehen. Und damit beginnt für die Insassen ein verdammt grauenvoller Leidensweg: Anhänger eines religiösen Kultes, die auch in dem Zug sind, erhalten in diesem Moment eine SMS, dass heute Armageddon fällig ist. Ihre Mission: vor dem Ende der Welt so viele Seelen wie möglich zu erretten. Von einem Augenblick zum nächsten verwandelt sich der mitfühlend frömmelnde Singverein zur besessenen Massenvernichtungsmaschinerie - denn nur der Tod bringt die Erlösung ...


Mit "End of the Line" hat es Regisseur Maurice Devereaux geschafft, eine wirklich gelungene Mixtur aus Horrorfilm und Sozialkriti zu kreieren, die einerseits bestens und sehr spannend unterhält, aber teilweise auch sehr nachdenklich stimmt. Denn diese sehr düstere kanadische Produktion zeigt auf erschreckende Art und Weise auf, was möglich wäre, wenn man weiterhin fanatische Sekten-Kulte eher belächelt und weitesgehend unterschätzt. Und genau dieser phasenweise vollkommen blinde Fanatismus, der jenseits jeder Realität zu liegen scheint, wird hier ganz hervorragend zum Ausdruck gebracht. Die hier agierenden Sekten-Mitglieder, unter denen sich übrigens auch Kinder befinden, werden absolut überzeugend dargestellt, man kann den Fanatismus sogar in ihren Augen erkennen und ihre taten lassen sie wie gedankengesteuerte Subjekte erscheinen, die nur Eines im Sinn haben, nämlich den Befehlen ihres Herrn zu folgen.

Und diese Befehle lauten, alle Menschen zu töten, um damit ihre Seelen zu retten. Auch die Fahrgäste einer U-Bahn geraten in den Dunstkreis der Fanatiker, so das ein mörderischer Kampf ums nackte Überleben beginnt, der sich in den unterirdischen Katakomben der U-Bahn Linie abspielt. Besonders durch diese Location entwickelt sich hier innerhalb kürzester Zeit eine sehr gespenstisch und unheilvoll wirkende Grundstimmung, die einem schon so manche Schauer über den Rücken jagen kann. Die dabei entstehende Atmosphäre nimmt einen automatisch gefangen und lässt einen auch bis zum bitteren Ende nicht mehr los.

Dabei entwickelt sich auch ein Spannungsbogen, der kaum straffer gespannt sein könnte und so mit dafür verantwortlich ist, das man die gesamte Laufzeit über sehr angespannt ist, da jederzeit das Gefühl vorhanden ist, das in der nächsten Szene schon wieder etwas passieren kann. Auch im Bezug auf den Härtegrad kann man nicht meckern, zwar ist der Film nicht übermäßig hart, bietet aber doch einige recht blutige und harte Szenen, die selbst Gorehounds zufriedenstellen dürften.

Maurice Devereaux versteht es in "End of the Line" nahezu perfekt, mit den ureigensten Ängsten der Menschen zu spielen, denn wer hat nicht schon einmal daran gedacht, wie er selbst reagieren würde, wenn er einmal mit solch einer fanatischen Gruppierung konfrontiert werden würde? Denn das solche Gruppen brandgefährlich sind, hat man ja schon oft genug zu sehen bekommen, hier sei nur einmal der Name Charles Manson in die Runde geworfen. Hinzu kommt die ziemlich darstische Darstellung einer Situation, die so, oder so ähnlich hoffentlich nie wirklich passieren wird.

Insgesamt gesehen ist hier ein richtig guter Horrorfilm entstanden, der durch seine Thematik auch durchaus nachdenklich stimmt und dem Zuschauer ein Szenario präsentiert, das zwar sehr extrem wirkt, aber durchaus zur Realität werden könnte, wenn man die fanatischen Sekten dieser Welt weiterhin eher belächelt, als das man sie als das ansieht, was sie wirklich sind, nämlich tickende zeitbomben, die jederzeit explodieren können.


8/10
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Re: End of the Line - Maurice Devereaux

Beitragvon buxtebrawler » 6. Sep 2013, 15:34

„Brüder, Schwestern, hört den Ruf…“

Die kanadische Horrorproduktion „End of the Line“ entstand unter der Regie von Maurice Devereaux („Slashers“) und wurde im Jahre 2006 veröffentlicht. Karen (Ilona Elkin, „Eternal“) wird während ihrer Arbeit als Krankenschwester in einer Psychiatrie mit extrem neurotischen Patienten konfrontiert, von denen der eine einen Rosenkranz verspeist hat und die andere ihr erst furchteinflößende Zeichnungen einer nahenden Apokalypse hinterlassen und sich unmittelbar nach ihrer Entlassung vor eine U-Bahn geworfen hat. Während die religiöse Sekte „Voice of Eternal Hope“ in den Straßen und sogar im Fernsehen missioniert, bleibt Karen davon weitestgehend unbeeindruckt. Als sie die letzte U-Bahn nach Hause nimmt, befinden sich auch einige der Sektenanhänger im Zug – und diese werden nach Erhalt einer Pager-Nachricht plötzlich zu selbsternannten „Erlösern“, die alle Nichtmitglieder abzuschlachten beginnen, da der Weltuntergang bevorstünde und die „Erlösten“ auf diese Weise vor bösen Dämonen errettet würden…

„End of the Line“ spielt gleichzeitig mit den Ängsten vor weitestgehend menschenleeren Bahnstationen und -schächten zu nächtlicher Stunde wie vor religiösen Eiferern, die in ihrer Verblendung und in ihrem Wahn zu allem fähig sind und auch vor grausamen Morden nicht zurückschrecken. Devereaux beginnt seinen Film mit einem herben Schockeffekt, auf den der eingangs beschriebene Selbstmord folgt und bleibt seiner kompromisslosen harten Linie treu, wenn die Sektenanhänger zu brutalen Morden per Kruzifix und anderen Stichwaffen übergehen. Im Anschluss jedoch wird der Film zu einer Art Kammerspiel in den U-Bahn-Schächten, aus deren unwirtlichem Ambiente man leider kaum Kapital schlagen kann und atmosphärisch dröge bleibt. Generell wirkt die Optik des Films zwar hier und da bemüht schmutzig, erreicht jedoch nie die Bildtiefe auf klassischem Material gedrehter Filme, sondern erinnert eher an Digitalaufnahmen. Schauspielerisch leistet das ohne große Namen auskommende Ensemble auch nicht gerade Herausragendes, schon gar nichts wirklich Glaubwürdiges, und zu allem Überfluss legt ihnen das Drehbuch zahlreiche Dialoge in die Münder, die manch Handlungsabschnitt beinahe zerlabern.

(Achtung, es folgen Spoiler!)

So nutzt sich „End of the Line“ zunehmend ab und wird ermüdend, weil der Drive irgendwie verlorengegangen ist. Einen durchhängenden Spannungsbogen können i.d.R. überraschende Wendungen oder gewitzte Pointen wieder straffen oder zumindest dafür entschädigen. Devereaux fallen dazu Visionen von Menschen mit zugenähten Gesichtsöffnungen ein, die schön gruselig und morbide aussehen sind und das durchaus vorhandene Geschick für Spezialeffekte und Maskenarbeiten betonen, jedoch bedeutungsschwangerer erscheinen sollen, als sie für die Handlung letztlich sind. Diese schlägt gegen Ende tatsächlich Kapriolen und zeigt einige sehr ansehnliche Monster, verschenkt jedoch gleichzeitig sämtliche weitere Möglichkeiten. Die Bedeutung dieser Viecher soll sich das Publikum mit Einsetzen des Abspanns selbst erklären und naheliegend ist natürlich, dass suggeriert wird, die Fanatiker hätten mit allem Recht gehabt. Dass das ein alles andere als befriedigendes, auch kein aufwühlendes oder schockierendes, sondern lediglich ein die Aussage des Films zunichte machendes, doofes Ende ist, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung…

Mit Ach und Krach komme ich für die interessante Prämisse, „Zug-Horror“ mit religiösem Wahn zu kreuzen und mit einigen deftigen visuellen Härten aus dem Splatter-Fundus abzuschmecken, auf schwache 6 von 10 Kruzifix-Dolchen, der stellenweise herbeigeredete richtig gute Genre-Beitrag ist „End of the Line“ aber sicher nicht – eher Abteilung: Fantasy-Filmfest, Videothek, angeschaut, vergessen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: End of the Line - Maurice Devereaux

Beitragvon sergio petroni » 18. Nov 2016, 14:20

Kanadischer U-Bahn-Horror der eher härteren Art!
Hat durchaus seine Momente und ist für den Genrefreund trotz oder auch wegen der unbekannten
Darsteller durchaus mal einen Blick wert. Der blonde Wirrkopf, der von Anfang einen
auf Stalker und Schlimmeres macht, hat seine Mimik und seine Frisur ganz sicher bei
Andrew Robinson alias Scorpio abgeguckt. Die Terror verbreitenden religiösen
Eiferer versprühen einen gewissen Romero-Zombie-Charme. Ganz eindeutig ist hier auch
eine Szene in einem nur durch eine Treppe zu erreichenden Raum (darin die Flüchtenden,
unten die Sektierer) als Hommage an "Zombie" zu werten. Durch die kompromißlos
vorangetriebene Handlung bekommt man ganz gut anguckbare Horrorkost geboten.
Das Ende hat mich dann aber doch eher zum Schmunzeln eingeladen.
5,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: End of the Line - Maurice Devereaux (2006)

Beitragvon jogiwan » 8. Jul 2017, 08:50

Vielleicht sollte man bei manchen Filmen statt nur das Cover zu betrachten doch auch einfach mal das Backcover lesen, auch wenn ich das normalerweise ja vermeide. Jedenfalls gab es im Falle von „End of the Line“ statt der erwarteten U-Bahn-Action mit irgendwelchen Monstern nur religiöse Fanatiker mit Pfadfinder-Optik und handelsübliches „Stalk’s Slash“ durch irgendwelche Gänge, die von Regisseur Maurice Devereaux als vermeintliche U-Bahn-Versorgungsschächte ausgegeben werden. Nach ein paar durchaus funktionalen Schreckmomenten zu Beginn kommt der von „9/11“-geprägte „End of the Line“ auch irgendwie nicht vom Fleck und man merkt einfach zu stark, dass die vorhandenen Ambitionen am schmalen Budget und den unausgegorenen Drehbuch gescheitert sind. Die Sache mit dem religiösen Fanatismus ist auch so überhaupt nicht meins und selbst die teils recht herben Effekte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte für 90 Minuten einfach zu wenig hergibt und es Herr Devereaux auch nicht schafft, religiösen Fanatismus und die Verblendung der scheinbar breiten Masse durch einen einzelnen Prediger glaubhaft zu vermitteln. So ist „End of the Line“ statt Horror mit apokalyptischen Zügen meines Erachtens auch eher ein arg unterdurchschnittlicher Vertreter aus der Diskont-Horrorecke, der auch viel Wohlwollen des Zuschauers vorrausetzt und trotz jeder Menge roten Lebenssaftes sehr farblos bleibt.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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