Die neun Pforten - Roman Polanski

Moderator: jogiwan

Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon sid.vicious » 15. Aug 2011, 12:28

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Alternativer Titel: Neuvième porte, La, Novena puerta, La
Produktionsland: Frankreich, Spanien, USA
Produktion:
Erscheinungsjahr:
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: John Brownjohn
Kamera: Darius Khondji
Schnitt: Hervé de Luze
Spezialeffekte: Gilbert Piéri, Gilles Piéri, Christophe Robin, Jean-Louis Trinquier
Musik: Wojciech Kilar
Länge: ca. 128 Minuten
Freigabe: FSK 12
Darsteller: Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner, Barbara Jefford, Jack Taylor, James Russo, Allen Garfield, Willy Holt


Dean Corso kauft mit Geschick und Skrupellosigkeit seltene Bücher, für geringe Preise auf. Ein gewisser Boris Balkan beauftragt Corso, die letzten zwei Kopien des okkulten Buchs "Die neun Pforten ins Reich des Schatten" zu beschaffen. Corso kommt dem nach und muss schon bald erkennen, dass hinter den Büchern wesentlich mehr steckt.

Die 90er Jahre waren nicht gerade ein Quell von guten Horrorproduktionen. Inmitten von einer neuen Teenie-Slasher-Welle, konnte einzig Tim Burton mit Sleepy Hollow und Jonathan Demme mit dem Lämmerschweigen glänzen. Das allerdings Roman Polanski zum Ende des Jahrzehnts noch einmal einen richtig genialen Film drehte, ist Vielen im Verborgenen geblieben. Die Kritiken waren teils positiv, teils negativ und hinterließen somit einen gespaltenen Eindruck.

Die Fähigkeiten eines Roman Polanskis sollten eh Jedem bekannt sein und wer seine Werke kennt, der wird innerhalb von „Die neu Pforten“, die ein oder andere Hommage an „Rosemaries Baby“, „Tanz der Vampire“ und „Frantic“ erkennen. Das der Film des weiteren noch mit Johnny Depp und Emmanuelle Seigner besetzt ist, ermöglichen diesem weitere Werte zum positiven Gesamteindruck beizusteuern.

1999 ist ein Jahr in dem die Welt bereits von Computeranimierten Filmen überflutet wurde und somit die Massenverdummung durch „Independence Day“ vollzogen wurde. Erfreulich hingegen, dass in dieser Zeit ein Roman Polanski in der Lage war, zwar mit Computereffekten zu arbeiten, diese allerdings auch Stimmungsbezogen richtig einzusetzen. Polanski gelingt es eine Atmosphäre von Spannung und zum Anklingen, sprich zur Vorbereitung auf das Unbekannte zu schaffen. Er begeistert den geeigneten Zuschauer in visueller, wie auch emotionaler Hinsicht.

Wie bereits angemerkt tragen vor allem Johnny Depp und Emmanuelle Seigner zu einem exzellenten Gesamtergebnis bei. Schauspielerisch sind beide Darsteller großartig. Dieses kann man allerdings auch vom weiteren Besetzungsstab behaupten. Polanski hat schlicht und ergreifend die richtigen Darsteller für diesen Film ausgewählt.

Fazit: Ein Film der von einigen unterschätzt wird, der allerdings reichhaltig Brillanz zu liefern hat. Ein Film der in einer Zeit gedreht wurde, in der man einen solchen nicht erwartet hatte. Atmosphärisch dicht und vom damaligen Publikumshype weit entfernt.


10/10
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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon buxtebrawler » 15. Aug 2011, 13:09

Die neun Pforten - immer wieder gut. Aber irgendwie seltsam, wie alle mit bloßen Fingern auf diesen wertvollen Uralt-Büchern herumtatschen und mit lecker Nikotin vollblasen. :lol:

Ich gebe sehr gute 8/10, Spitzenfilm.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon DrDjangoMD » 15. Aug 2011, 13:16

Wow, einen interessanten Zeitbezug hast du hergestellt, Sid :thup:
Bei meiner ersten Sichtung war ich zwar noch ziemlich verwirrt, aber bei den nächsten Sichtungen erschloss sich auch mir der Meisterwerkcharakter dieses Filmes. 8-9/10
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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon purgatorio » 15. Aug 2011, 14:47

DrDjangoMD hat geschrieben:Wow, einen interessanten Zeitbezug hast du hergestellt, Sid :thup:
Bei meiner ersten Sichtung war ich zwar noch ziemlich verwirrt, aber bei den nächsten Sichtungen erschloss sich auch mir der Meisterwerkcharakter dieses Filmes. 8-9/10

Da muss ich den wohl nochmal sichten. Ich fand den nämlich eher dürftig - trotz bekennender Bibliophilie! Aus der Erinnerung würd ich den nur bei 5-6/10 einstufen und das Ende klar als katastrophal kennzeichnen :nick: Werd ihm aber bestimmt nochmal eine Chance geben
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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon Arkadin » 15. Aug 2011, 15:27

purgatorio hat geschrieben:und das Ende klar als katastrophal kennzeichnen :nick:


Da war ich am Anfang auch ziemlich ratlos. Wobei mich das aber auch nicht sonderlich störte. Wenn man den Film ein zweites Mal sieht, dann entdeckt man schon einige Hinweise, die zumindest bei einer Interpretation des Endes helfen. Wobei ich jetzt nicht behaupten würde, alles kapiert zu haben. Aber darum geht es ja auch nicht und das passt auch sehr genau zur mysteriösen Stimmung des Filmes (ähnlich wie bei zwei meiner All-Time-Favorites: "Lost Highway" und "Mullholand Drive"). Ich muss sagen, dass mich der Film beim zweiten Gucken noch sehr viel mehr mitgerissen hat, da man dann nicht so auf die "Detektivgeschichte" fixiert ist und viele, viele kleine Details entdeckt, die einem vorher verborgen geblieben waren. An dieser Stelle muss ich auch tolle Musik von Wojciech Kilar (der eh über alle Zweifel erhaben ist - habe gerade erst seine Musik zu "Pan Thadeusz" gehört.. hach..) und die schöne Kamerarbeit von Darius Khondji, der sich hier scheinbar schon auf seine Spielereien in "Panic Room" vorbereitet. Und Johnny Depp gibt den Dean Corso in perfekter "Harry Angel"-Manier. Ich gab 8/10.
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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon buxtebrawler » 15. Aug 2011, 16:43

Verstehe eure Probleme mit dem Ende nicht ganz.
Zunächst hat Corso eine superästhetische Sexszene mit der Gehilfin Lucifers vor dem Ambiente der brennenden Burg. Dann erfährt er, wo sich die echte, letzte noch fehlende Seite befindet, beschafft diese und die nennen wir es mal "Prophezeiung" erfüllt sich. Wie das genau aussieht, bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen. Ein Art typisches Polanski-Unhappy-End, ähnlich "Rosemaries Baby". Oder?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon Vinz Clortho » 15. Aug 2011, 21:06

purgatorio hat geschrieben:Da muss ich den wohl nochmal sichten. Ich fand den nämlich eher dürftig - trotz bekennender Bibliophilie! Aus der Erinnerung würd ich den nur bei 5-6/10 einstufen und das Ende klar als katastrophal kennzeichnen :nick: Werd ihm aber bestimmt nochmal eine Chance geben

Als katastrophal würde ich den jetzt nicht bezeichnen, dennoch kann ich mit dem Film selbst nach zweimaliger Sichtung (1 x Kino, 1 x TV) vergleichsweise wenig anfangen ... Diesem pseudo-okkulten Hokuspokus die Höchstwertung zu verleihen, hieße ja, ihn auf eine Stufe mit (Ausnahme-)Werken wie "Der Mieter", "Ekel", "Rosemary's Baby" oder "Tanz der Vampire" zu stellen - und das halte ich doch für reichlich vermessen. Nee, beim besten Willen nicht. Übrigens glaube ich, dass kein anderer Film in Polanskis Oeuvre derart polarisiert wie dieser hier. Also entweder "lieben" oder "hassen" oder ganz ganz selten auch mal "mir doch egal" (wie in meinem Fall). Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob man den Streifen jetzt als eigenständiges Polanski-Werk oder als so 'ne Art Euro Trash-Hommage mit Sixties-Appeal betrachten soll. Beides fände ich nicht sonderlich gut gelungen, da der Film für mein Empfinden meilenweit hinter Polanskis Großtaten (und das waren schließlich einige) zurückbleibt und andererseits nur bedingt als exploitatives Arthouse-Destillat durchgeht. Bisschen zu artsy-fartsy das Ganze. Das schreit mir doch alles irgendwie zu offensichtlich nach Kult, hat dadurch schnell was von Esoterik-Budenzauber und ist eines Herrn Polanski m.E. nur bedingt würdig ...
Zuletzt geändert von Vinz Clortho am 15. Aug 2011, 21:10, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon Adalmar » 15. Aug 2011, 21:09

Sehr schwacher Polanski mit einem blasierten Johnny Depp, der sich in dem bibliophilen Intellektualismus seiner Figur badet, und klischeehafter Teufelsanbeterei.
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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon Blap » 15. Aug 2011, 22:00

Ultrakurzkommentar (September 2006):

Die neun Pforten

Grusel von Polanski mit einem gewohnt soliden J. Depp. Auf Blut und Gewalt wird verzichtet, der Film funktioniert auch ohne diese Zutaten. Gut.

7/10

***

Nachtrag: Vor allem die Szene, in der die Dame eine Treppe herabschwebt, sorgt bei mir für wohlige Gruselschauer. Es gibt nichts unheimlicheres als knapp über dem Boden schwebende Menschen. Brrrrr....
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Re: Die neun Pforten - Roman Polanski

Beitragvon buxtebrawler » 23. Jan 2017, 14:30

Erscheint voraussichtlich am 03.03.2017 bei Filmjuwelen noch einmal auf Blu-ray und DVD:

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Extras:
- Audiokommentar von Roman Polanski
- Making-of, Inside Roman Polanski
- Im Gespräch mit Roman Polanski
- Interviews, Trailer, Wendecover

Quelle: OFDb-Shop
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