Die Ilsa Trilogie

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Die Ilsa Trilogie

Beitragvon Blap » 3. Aug 2010, 23:12

Moin.

Ich bin der Ansicht, dass diese kleinen Bastarde einen eigenen Thread verdient haben. Da ich die drei Streifen in der letzten Zeit geschaut habe, kopiere ich die entsprechenden Kurzkommentare aus meinem Filmtagebuch hier hinein:

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Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7 (USA, Deutschland 1975 Originaltitel: Ilsa: She Wolf of the SS)

Die sadistische Ilsa (Dyanne Thorne) verrichtet ihren Dienst bei der SS. Sie trägt Rang eines Majors und leitet ein kleines Gefangenenlager. In erster Linie dient das Lager dazu, an Gefangenen grausige Experimente durchzuführen, alles zum Wohl des Deutschen Reichs. Nebenbei betreibt Ilsa besonders perverse Forschungen im Hinterzimmer, begierig will sie diese ihrem Vorgesetzten, einem fetten General, präsentieren. Zu allem Überfluß wird Frau Major auch noch von ständiger Riemigkeit geplagt. Also darf in der Nacht ein männlicher Insasse antraben, um der Lagerkommandantin als Freudenspender zu dienen. Ein Grund zur Freude ist dies für die ausgewählten Herren keinesfalls, denn Ilsa pflegt die unangenehme Gewohnheit, ihre Stecher am nächsten Morgen zu kastrieren. Doch selbst eine passionierte Rittmeisterin und Riemenschneiderin wie Ilsa soll ihren Meister finden! Der Deutsch-Amerikaner Wolfe (Gregory Knoph) kann so lang und ausufernd wie er will. Nach und nach verfällt Ilsa der Leidenschaft, giert nach weiteren Nächten mit dem Steher, während sich hinter den Kulissen eine Palastrevolution anbahnt...

Der Auftakt zur Ilsa-Reihe bietet eine Anhäufung von Absurditäten und Entgleisungen. Wo könnte man eine solche Handlung trefflicher ansiedeln, als in einem handelsüblichen Foltercamp, welches dazu noch unter der Knute der SS steht? Die Leistungen der Darsteller sind teils haarsträubend, doch immerhin nimmt man Dyanne Throne ihren Auftritt ab. Mit gestrenger Miene stiefelt sie durch das Szenario, bellt Befehle, peitscht, foltert, zeigt ihre Auslagen vor, lässt sämtliche Pfeifen ihrer Orgel bespielen. Die weiblichen Gefangenen lernen den Stößel des Grauens eindrinlich kennen, über die weiteren Freundschaftsdienste breite ich an dieser Stelle den Mantel des Schweigens aus. Die Ausstattung ist billig, wirkt aber durchaus stimmungsvoll, erfüllt voll und ganz ihren Zweck.

Nun kann man vortrefflich darüber diskutieren, ob man sich mit der Thematik "Drittes Reich" auf derartige Weise beschäftigen darf. Ja, der Film wurde gemacht um damit Geld zu verdienen. Ja, der Streifen leistet sich diverse Geschmacklosigkeiten. Ich vertrete aber nach wie vor die Ansicht, dass man sich dieser Thematik am besten mit dokumentarischer, seriöser Ernsthaftigkeit widmet. ...oder eben mit Humor! Denn nichts anderes als Humor haut uns "Ilsa" um die Ohren. Man betrachte nur ihr schleimiges Flehen, damit doch bitte endlich der General ihr Lager besucht. Der fette, abstossende Kerl entpuppt sich als sexuell gestörter Wurm, kommt als eine Art Karikatur der Nazigrößen daher (Wobei die allseits bekannten Herren bekanntlich sowieso lediglich Karikaturen, Abziehbilder waren). IMHO entlarvt gerade ein Film wie "Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7" die Absurdität der Naziherrschaft, auch wenn diese hier nur als Aufhänger für einen Foltercamp-Streifen genutzt wird. Filme die vorgeben "wertvoll" zu sein, letztlich aber grandios scheitern (Beispiel: Der Soldat James Ryan), halte ich in diesem Zusammenhang für weitaus verlogener. Denn dort wird unter dem Deckmantel der "politischen Korrektheit", beklebt mit dem Siegel "Pädagogisch wertvoll", letztlich lediglich ein Kriegsabenteuer um echte Männerfreundschaft und fragwürfiges Heldentum zelebriert (Wobei ich den guten Unterhaltungswert von "James Ryan" keinesfalls in Frage stelle).

Für den Freund (un)gepflegter Exploitationkost, bietet der erste "Ilsa" Erguss jede Menge Spass und sorgt für etliche Brüller. Mit Dyanne Throne hat man die perfekte Besetzung für die Hauptrolle gefunden, abstossend und reizvoll zugleich. XT hat die "Ilsa Trilogie" inzwischen in unterschiedlichen Varianten auf den Markt geworfen. Mir liegt die sogenannte "Limited Special Edition" vor. Diese bietet neben "Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7", die beiden Fortführungen "Ilsa - Haremswächterin des Ölscheichs" und "Ilsa - Die Tigerin" an. Als Verpackung dient ein hübsches Mediabook, das durch einen transparenten Schuber geschützt wird. Die Bildqualität des Erstlings fällt sehr ansprechend aus, auf die beiden anderen Streifen werde ich zu gegebener Zeit eingehen.

Gut bis sehr gut = 7,5/10

Lieblingszitat:

"Hier wird nicht gedacht. Hier werden Befehle befolgt! Verstanden?"


***
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Ilsa - Haremswächterin des Ölscheichs (Kanada 1976, Originaltitel: Ilsa, Harem Keeper of the Oil Sheiks)

Ilsa (Dyanne Thorne) arbeitet für den irren El Sharif (Jerry Delony). Der Scheich besitzt weitläufige Wüstengebiete, unter deren Oberfläche unfassbar gigantische Erdölvorkommen ihrer Ausbeutung harren. In erster Linie ist Ilsa für den Harem des Despoten zuständig. Da dem wandelnden Bettlaken die arabischen Schönheiten nicht zur Befriedigung seiner bizarren Lüste gereichen, schafft Ilsa auch gern (un)willige Importware per Entführung herbei. Ihre beiden Helferlein Samt (Marilyn Joi) und Seide (Tanya Boyd) unterstützen die gestrenge Ilsa bei der Ausübung ihrer Aufgaben. Die dunkelhäutigen (Un)schönheiten haben sich längst als äusserst loyal und schlagkräftig erwiesen, mancher Eunuch wird dies bestätigen können. Der geldgierige El Sharif erwartet den Besuch des US-Aussenministers Kaiser (Richard Kennedy), welcher ein Lieferabkommen bezüglich des schwarzen Goldes mit dem Sohn der Wüste aushandeln will. Selbstverständlich mißtraut man sich gegenseitig bis ins Mark. Ergo wird der US-Politiker von einem als Offizier der Navy getarnten Agenten begleitet, während der Scheich seine zuverlässige Mitarbeiterin Ilsa auf die Gäste ansetzt. Ilsa findet Gefallen an dem feschen Ami, der sich als Commander Adam (Max Thayer) vorstellt. Was zunächst als wildes Sexabenteuer startet, führt bald zu unstillbaren Begehrlichkeiten, die über das Gehoppel hinausgehen. El Sharif passt diese Entwicklung nicht in den Kram, sein Zorn wird Ilsa mit aller Härte treffen. Doch selbst ein Scheich pinkelt Ilsa nicht ungestraft ans Bein...

Nun hat es die liebenswerte Ilsa *räusper* also in die Wüste verschlagen. Der zweite Film mit der fragwürdigen Heldin, läuft überwiegend nach dem Strickmuster des Vorgängers ab. Ilsa bellt, peitscht, foltert und lässt ihre Möpse sprechen, verliebt sich und wird hintergangen. Statt wirrer SS-Schwachköpfe turnen diesmal irre Araber durch die Kulissen, ergänzt durch diverse andere Gesichtsruinen und einige sehr heisse Damen. Die Ausstattung wirkt ein wenig üppiger und farbenfroher, kein Wunder, der Scheich lebt schliesslich nicht in einem Foltercamp, zumindest nett man den Harem nicht bei diesem unschönen Namen. Für Ilsa macht die Farbe der Uniform (und der damit verbundene Dienstherr) keinen Unterschied. Sie erledigt ihren Job wie immer gewissenhaft, geht regelrecht im Taumel der Möpse und Folterinstrumente auf. Klar, ihre Leidenschaft für einen bestimmten Herren wird ihr erneut zum Verhängnis, doch ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten...

Die Besetzung bietet mehr Wahnwitz und Schauwerte als der Vorgänger. Natürlich ist Dyanne Thorne erneut Star der Sause, doch die Mitbewerber(innen) um die Gunst des Zuschauers, sägen eifrig am Thron der gestrengen Herrin! Da wäre zunächst Jerry Delony als durchgeknallter Scheich, der von Machtgier und sexuellen Gelüsten regelrecht zerfressen wird. Mit irrer Fratze ätzt er sich durch das groteske Szenario, beglückt seine Damen und bestraft ungehorsame Vasallen. Als Love interest der lüsternen Ilsa wird Max Thayer benutzt, dessen Darbietung recht ansprechend geraten ist. Er hat es nicht unbedingt leicht, sich gegen den Wahnscheich und die drallen Damen zu behaupten, doch kann man ihm diese Tatsache zum Vorwurf machen? Richard Kennedy war bereits im Vorgängerwerk als General der SS zu sehen, in der Rolle eines US-Politikers gibt er sich deutlich gemäßigter, bleibt aber erwartungsgemäß (und angenehmerweise) nach wie vor ein Unsympath erster Kajüte. Die wirklichen Herrscher des Harems sind zweifellos die Damen. Während Ilsa ihre Auslagen dieses Mal nur selten auf den Tresen klatscht, präsentieren sich andere Vertreterinnen weitaus offenherziger. Zunächst wären Marilyn Joi und Tanya Boyd zu nennen, die als Helferlein der Hauptfigur meist mit blanken Brüsten unterwegs sind. Die beiden dürren Damen entsprechen nicht meinen Vorlieben, doch auch für einen alten Lustmolch wie mich wird bestens gesorgt! Glücklicherweise mag der Scheich Damen aus fernen Ländern. Daher kommen wir in den Genuss von Uschi Digard, Colleen Brennan und Haji, die nicht mit ihren prallen Reizen geizen. Betreffende Damen kamen zuvor bei Russ Meyer zum Zuge, der Mann hat bekanntlich einen erlesenen Geschmack. So hängt mir dann auch schnell die Zunge aus dem Halse, da wäre man doch selbst gern Scheich...

Jetzt habe ich vor lauter Begeisterung, für die Rundungen der mitwirkenden Damen, doch glatt die Contenance verloren. Ich will hier nicht von "den Faden verloren" sprechen, ääähhmmm...urgh... ...wer, wie, was...(?) Zum Geier, was wollte ich denn noch über Ilsas zweiten Peitschenhieb loswerden? Als wären die üppigen Vorbauten nicht bereits Ablenkung genug, weicht die unmenschliche Hitze den bescheidenen Rest meines kranken Hirns zusätzlich auf. Wer an "Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7" seine Freude hatte, der wird auch den zweiten Teil der Reihe zu schätzen wissen. Betont zarte Gemüter sollten sich nach wie vor von diesem absurden Treiben fernhalten, denn erneut wird bei Bedarf fröhlich gepeitscht, gefoltert und georgelt. Für etliche Lacher ist gesorgt, sofern man sich für groben Unfug dieser Güteklasse erwärmen kann und möchte. Die DVD von XT ist erneut zufriedenstellend, der für die Trilogie aufgerufene Preis von rund 40€ (für die "Limited Special Edition") geht völlig in Ordnung. Ich freue mich auf das dritte Date mit Ilsa, lass die Knute knallen, Dyanne!

Guter Stoff = 7/10

Merke:

Möpse am Abend
erquickend und labend!


Lieblingszitat:

"Sie sieht unzufrieden aus. Soll ich ihr noch mehr Ameisen geben?"
"Mach ihr die Freude."


***
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Ilsa - Die Tigerin (Kanada 1977, Originaltitel: Ilsa the Tigress of Siberia)

Wir schreiben das Jahr 1953. Ilsa (Dyanne Thorne) leitet ein Gefangenenlager in Sibirien. Den Tag vertreiben sich Ilsa und ihre Helferlein mit der Erniedrigung und Folter der Insassen. Wer einen verzweifelten Fluchtversuch startet, wird nach der Ergreifung umgehend zur Ordnung gerufen. Damit die anderen Gefangenen nicht auf seltsame Gedanken kommen, wird kurzerhand der dicke Hammer ausgepackt, mit dessen Hilfe das Köpflein des Ausbrechers zu Mettgut verarbeitet wird. Die Nächte sind heiss, Ilsa lässt sich von ihren Kosaken besteigen. Ihr Höhlensystem erweist sich dabei als vollständig begehbar, in ihrer Gier bespielt sie zwei Orgelpfeifen zur gleichen Zeit. Als Stalin plötzlich den Löffel reicht, muss Ilsa überstürzt die Flucht ergreifen. Das Lager brennt man bei der Flucht nieder, inklusive der eingeschlossenen Gefangenen... ...inzwischen befinden wir uns im Jahr 1977. Ilsa lebt in Montreal, mit eiserner Härte hat sie sich ein Imperium aus Prostitution, Gewalt und Mord aufgebaut. Als die Überwachungskamera in das Wartezimmer eines Bordells blickt, erkennt Ilsa einen alten "Bekannten" auf dem Monitor...

Nach "Ilsa - Die Hündinnen von Liebeslager 7" (1975) und "Ilsa - Haremswächterin des Ölscheichs" (1976), folgte 1977 der dritte Streich der gestrengen Peitschenherrin. Der erste Abschnitt in Sibirien weckt Erinnerungen an den ersten Ilsa Film, nur handelt unsere Lieblingssadistin diesmal im Auftrag der Kommunisten, aber was macht das schon für einen Unterschied? Die winterliche Kulisse sorgt für eine gelungene Optik, ferner lässt sich auch im Schnee allerlei Schabernack mit den Gefangenen anstellen. Nach dem gelungenen Auftakt in Sibirien, sorgt die Sause auch in Montreal für beste Laune. Ilsa gibt sich als "Tigerin" besonders riemig. Noch ein wenig ausufernder als üblich, lässt sie sich von ihren Mitarbeitern bestücken und beglücken. Die 24 Jahre sind offensichtlich spurlos an der Rittmeisterin vorbeigezogen. Lediglich ihre Frisur wirkt noch ein strenger, während ihre beiden besten Argumente nach wie vor den Saugreflex anregen. Die übrigen Figuren verblassen neben Dyanne Thorne, doch dank der ausgeprägten Knallschotigkeit einiger Teilnehmer, wissen auch die Unterstützungstruppe und das Kanonenfutter gut zu unterhalten.

Ilsas erster Auftritt war der härteste, in der Wüste ging es dafür noch irrer zu, der dritte Aufguss in Sibirien und Kanada bietet das beste Drehbuch der Reihe. Natürlich ist das Treiben nach wie vor geschmacklos und grotesk, es wurde jedoch ein mehr Wert auf die Handlung gelegt. Besonders die zweite Hälfte sorgt immer wieder für herrliches Sleaze-Feeling, schäbige siebziger Jahre Atmosphäre der besten Sorte. Wer die beiden Vorgänger mochte, dürfte auch mit Ilsas drittem Peitschenhieb glücklich werden. Für Einsteiger scheint mir dieser Streifen sogar die beste Wahl zu sein, denn "eigentlich" ist die "richtige" Reihenfolge bei der Sichtung nicht zwingend notwendig (Ich rate aus Gründen des schlechten Geschmacks trotzdem dazu, mit den kranken Entgleisungen des ersten Teils zu beginnen).

Die DVD von XT präsentiert auch den dritten Ilsa Streifen ungekürzt. Die gebotene Qualität geht in Ordnung, ist aber nicht für Pixelonanisten geeignet. Die "Limited Special Edition" beherbergt die drei DVDs in einem schicken Mediabook, welches durch einen transparenten Schuber geschützt wird.

Legt man "objektive" Maßstäbe an, ist "Ilsa - Die Tigerin" vermutlich der beste Film der Reihe. Ich sehe ihn auf Augenhöhe mit dem Erstling "Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7", der mich mit seiner fiesen Art ebenso begeistern konnnte. Daher setzt es auch für Ilsas Ausflug nach Sibirien und Kanada dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut, mit Tendenz zu 8/10)!

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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon buxtebrawler » 21. Okt 2010, 13:01

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Ilsa – Die Hündinnen vom Liebeslager 7

Während des Zweiten Weltkriegs leitet Ilsa als pervers brutale SS-Kommandeurin ein Konzentrationslager. Die Gefangenen werden gefoltert und für grausame wissenschaftliche und medizinische Experimente mißbraucht. Als Ilsa sich in einen gefangenen Amerikaner verliebt, nutzt dieser die Affäre und zettelt einen Gefangenenaufstand an...


Man nehme einen US-Regisseur, der anscheinend nicht viel zu verlieren hat, einen Drehbuchschreiber mit dem Vorsatz, so gut wie jedes Tabu zu brechen, eine dickbusige Möchtegernwalküre als Hauptdarstellerin und Nebendarsteller, die sich für nichts zu schade sind – und fertig ist er, der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Don Edmonds Naziploitation-Trash aus dem Jahre 1975 vermengt hier vollkommen sinnbefreit Sex und Gewalt vor dem skandalträchtigen Hintergrund eines Nazi-Gefangenenlagers bis zum Erbrechen und versucht, so viele Grenzen wie möglich zu überschreiten. Jegliche Grenzen überschreitend war auch das, was die echten Nazis ihren Opfern angetan haben. Das zu verarbeiten steht diesem Low-Budget-Knallbonbon selbstverständlich nicht im Sinn, statt dessen möchte man sein Publikum mit heftigen Folterszenen und vielen Nackedeis unterhalten. Offensichtlich zielt man dabei schamlos auf eine äußerst fragwürdige Zielgruppe, die sich gern an Gewalt gegen Frauen ergötzt. Der Make-Up-Künstler jedenfalls verstand sein Handwerk und sorgte für einige wirklich harte Szenen. Das wäre eigentlich alles zurecht ein Aufreger, wäre der Film nicht so unfreiwillig komisch. Er nimmt sich nämlich selbst bierernst und ist dabei aber in seinem Ideenreichtum so dermaßen übertrieben und unglaublich offensichtlich spekulativ, dass er zu einem großen Trash-Abenteuer wird. Dazu passend fielen die Dialoge zumindest in der deutschen Synchronfassung überaus hölzern und gekünstelt aus, insbesondere im Falle Ilsas höchstpersönlich, die nun wirklich zu keiner Sekunde bedrohlich oder angsteinflößend wirkt, während sie so vor sich hinvögelt und -foltert. Gegen Ende werden dann mittels Fäkalhumor die Nazis auch noch kräftig verarscht, was der Ernsthaftigkeit Ilsas den letzten Todesstoß versetzt – sogar noch vor den wilden Schießereien im Finale, bei denen der Make-Up-Künstler anscheinend keine Lust mehr hatte (oder nicht mehr bezahlt werden konnte), denn unpassenderweise gerieten diese sehr unblutig. Trashologen kommen an Ilsa (nicht nur wegen ihrer Körbchengröße) nur schwer vorbei; wer das Werk aber auf einer anderen Ebene schätzt, hat damit zumindest ein Indiz dafür, warum er keine Freundin hat und/oder sich in Behandlung befindet… (ok, für Menschen aus dem Sado-Maso- oder Uniform-Fetisch-Bereich könnte dieser Film evtl. noch von einem etwas anders gelagerten Interesse sein).

„Sie setzen keine Narkose ein?“ –
„Man gibt Schweinen doch kein Kaviar!“
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon ugo-piazza » 22. Okt 2010, 16:13

buxtebrawler hat geschrieben:Bild
Ilsa – Die Hündinnen vom Liebeslager 7

Während des Zweiten Weltkriegs leitet Ilsa als pervers brutale SS-Kommandeurin ein Konzentrationslager. Die Gefangenen werden gefoltert und für grausame wissenschaftliche und medizinische Experimente mißbraucht. Als Ilsa sich in einen gefangenen Amerikaner verliebt, nutzt dieser die Affäre und zettelt einen Gefangenenaufstand an...


Man nehme einen US-Regisseur, der anscheinend nicht viel zu verlieren hat, einen Drehbuchschreiber mit dem Vorsatz, so gut wie jedes Tabu zu brechen, eine dickbusige Möchtegernwalküre als Hauptdarstellerin und Nebendarsteller, die sich für nichts zu schade sind – und fertig ist er, der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Don Edmonds Naziploitation-Trash aus dem Jahre 1975 vermengt hier vollkommen sinnbefreit Sex und Gewalt vor dem skandalträchtigen Hintergrund eines Nazi-Gefangenenlagers bis zum Erbrechen und versucht, so viele Grenzen wie möglich zu überschreiten. Jegliche Grenzen überschreitend war auch das, was die echten Nazis ihren Opfern angetan haben. Das zu verarbeiten steht diesem Low-Budget-Knallbonbon selbstverständlich nicht im Sinn, statt dessen möchte man sein Publikum mit heftigen Folterszenen und vielen Nackedeis unterhalten. Offensichtlich zielt man dabei schamlos auf eine äußerst fragwürdige Zielgruppe, die sich gern an Gewalt gegen Frauen ergötzt. Der Make-Up-Künstler jedenfalls verstand sein Handwerk und sorgte für einige wirklich harte Szenen. Das wäre eigentlich alles zurecht ein Aufreger, wäre der Film nicht so unfreiwillig komisch. Er nimmt sich nämlich selbst bierernst und ist dabei aber in seinem Ideenreichtum so dermaßen übertrieben und unglaublich offensichtlich spekulativ, dass er zu einem großen Trash-Abenteuer wird. Dazu passend fielen die Dialoge zumindest in der deutschen Synchronfassung überaus hölzern und gekünstelt aus, insbesondere im Falle Ilsas höchstpersönlich, die nun wirklich zu keiner Sekunde bedrohlich oder angsteinflößend wirkt, während sie so vor sich hinvögelt und -foltert. Gegen Ende werden dann mittels Fäkalhumor die Nazis auch noch kräftig verarscht, was der Ernsthaftigkeit Ilsas den letzten Todesstoß versetzt – sogar noch vor den wilden Schießereien im Finale, bei denen der Make-Up-Künstler anscheinend keine Lust mehr hatte (oder nicht mehr bezahlt werden konnte), denn unpassenderweise gerieten diese sehr unblutig. Trashologen kommen an Ilsa (nicht nur wegen ihrer Körbchengröße) nur schwer vorbei; wer das Werk aber auf einer anderen Ebene schätzt, hat damit zumindest ein Indiz dafür, warum er keine Freundin hat und/oder sich in Behandlung befindet… (ok, für Menschen aus dem Sado-Maso- oder Uniform-Fetisch-Bereich könnte dieser Film evtl. noch von einem etwas anders gelagerten Interesse sein).

„Sie setzen keine Narkose ein?“ –
„Man gibt Schweinen doch kein Kaviar!“



Sicherlich kann man (wie bei allen Exploitation-Granaten der 70er) davon ausgehen, dass die Macher seinerzeit eine Zielgruppe im Auge hatte, der unser heutiger trashologischer Blick fehlte. (Wo sind die ganzen Bahnhofskinogänger von damals eigentlich alle abgeblieben?) Zum Glück! Ist es doch gerade der unbefangene Umgang jener Zeit mit Sex, Gewalt und guter Laune, der dafür sorgt, dass heute sich Leute für den Schund vergangener Zeiten erwärmen können.

Natürlich darf man sich gerade (insbesondere als Deutscher) bei Ilsa 1 fragen, ob diese Darstellung den Gräueltaten der Nazis auch nur ansatzweise angemessen ist. Die Grenzen des guten Geschmacks bleiben hier meilenweit zurück, doch kommt man nicht umhin, Ilsa einen hohen Unterhaltungswert zuzusprechen. This film is funny! (Das Thema, das ihm zugrundeliegt, natürlich nicht)

Zur deutschen Synchro kann ich nichts sagen, allerdings fällt mir die Vorstellung schwer, dass sie dem Film zum Vorteil gereicht. Ich kenne das Schweizer Tape im Original mit Untertiteln, und das stellt schon selbst einen gewissen Unterhaltungswert dar, wenn in die englische Originalsprache sinnfrei einzelne deutsche Brocken eingestreut werden und Ms. Thorne ständig "Reik" statt "Reich" sagt. :D Auch ist jene Fassung gekürzt, vermutlich im Bereich der Szenen der "medizinischen Experimente", was sicherlich auch die Wirkung des Films verändert haben dürfte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon Onkel Joe » 22. Okt 2010, 21:25

Nun die Synchro ist ja neueren Datums deswegen dann vielleicht nicht ganz so gut gelungen.
Die Bahnhofskinogänger sind wohl oder übel alle in Rente gegangen, es gibt ja kaum noch Kinos in dem Style und wenn dann laufen dort eh nur noch Pornos.Schade eigentlich :(, ich hab mir immer an den Aushangfenstern die Nase platt gedrückt.Was da so alles lief"seufz", dafür müssen wir heute weit reisen.
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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon ugo-piazza » 23. Okt 2010, 01:15

Onkel Joe hat geschrieben:Nun die Synchro ist ja neueren Datums deswegen dann vielleicht nicht ganz so gut gelungen.


Klar, aber wenn sich ein Film für OmU eignet, dann doch wohl Ilsa 1.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon ugo-piazza » 31. Okt 2010, 23:41

In den USA gibt es nun übrigens ein Remake:

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon jogiwan » 1. Nov 2010, 00:09

der ideale Film zu jeder gelungenen Tea-Party ;)
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon sid.vicious » 25. Mai 2011, 17:37

Ilsa – Haremswächterin des Scheichs
Die Fortsetzung von „Ilsa- Die Hündin von Liebeslager 7“ schlägt selbstverständlich den gleichen Weg wie sein Vorgänger ein. Zwar sind die hier dargestellten Charaktere vereinzelt nicht ganz so pervers, zeigen allerdings die von ihnen erwartete Krankhaftigkeit im ausreichenden Maße.

Die Story ist im Prinzip schnell dargelegt, da diese wirklich minimalistisch ist. Im Prinzip verlegt man das Konzentrationslager in den Nahen Osten und lässt Dyanne Thorne dort nach allen Regeln der Anti-Kunst wüten. Anders als im Erstling der Trilogie, unterstützt Ilsa zum Ende des Films die „Guten“. Sei es auch nur als Mittel zum Zweck um sich für die, ihr zugefügten Peinigungen, zu rächen. Das sie am Ende damit allerdings auch völlig daneben liegt, bringt dem Film zumindest eine witzige Pointe. Damit wären wir auch schon beim Thema: Ernsthaftigkeit. Wer „Ilsa – Haremswächterin des Scheichs“ ernst nimmt, dem ist aus meiner Sicht nicht zu helfen. Der Film überspitzt Sadismus und Gewalt und bringt eine Art kranken Humor ein. Dieser weiß auf die, eine oder andere Art, durchaus ansprechend zu sein,
zumindest wenn man dieses krankhafte Scheinambiente durchschaut hat.

Das Highlight des Films ist definitiv: Dyanne Thorne. Ihr gelingt es in jeder Phase des Films für Unterhaltsamkeit zu sorgen und das ein oder andere Schmunzeln hervorrufen. Die weiteren Darsteller sind im Vergleich zu „Ilsa- Die Hündin von Liebeslager 7“ nicht ganz so plump und daneben.

Fazit:
Der Film ist unter dem Strich gesehen: sleazig, fies und gemein. Niveau gibt es keines, aber dieses erwartet man auch nicht. Für Fans 70er Sexploitation-Kinos absolut empfehlenswert.

6,5/10



Ilsa, die Tigerin
Ilsa erhält das Kommando über ein sibirisches Strafgefangenenlager, in dem Tod und Folter an der Tagesordnung sind. Auf Grund unvorhersehbarer Ereignisse, dem Ende des Stalin Regimes, muss Ilsa nach Kanada fliehen. Dort betreibt sie mit einem ihrer damaligen Folterknechte aus Sibirien ein Bordell. Der Zufall will es, dass ein ehemaliger Strafgefangener ebenfalls dort eintrifft.

Ungewöhnlich ist es schon, dass nach 40 Minuten die Handlungsstätte: Strafgefangenenlager, verlassen wird. Bis dahin werden dem Zuschauer ein paar Brutalitäten und Folterungen geboten, die allerdings nicht im Ansatz die Härte von denen aus Ilsa- She Wolf of the SS haben. Ilsa- Die Tigerin geht wesentlich harmloser zur Sache, auch wenn es für damalige Prüfstellen wohl vollkommen ausreichend war.

Nach 40 Minuten geht es mit einem Zeitsprung (20 Jahre nach vorn, so sagt es die deutsche Synchro) nach Montreal. Dort ist Ilsa in ihrer bekannten Weise tätig und meint ihre nicht vollendete Umerziehung des Ex-Strafgefangenen zu Ende bringen zu müssen. Aus dem Strafgefangenen-Lager-Film soll nun ein mit Sadismus angereicherter Agententhriller werden. Was es letztendlich unter dem Strich wurde, ist ein recht gelungener Exploiter, mit einigen Priesen Humor, der nur mit einem Augenzwinkern verstanden werden kann.

Fazit: Ilsa- Die Tigerin, weist lang nicht die Härte seiner Vorgänger auf. Allerdings gilt auch hier: Hirn abschalten- zurücklehnen- ansehen und sich unterhalten lassen. Denn auf diese Weise kann auch dieser Film zu einem äußerst kurzweiligen Trash-Vergnügen werden und das mit einer wie immer absolut überzeugenden Dyanne Thorne.

Gelungener Abschluss der Ilsa Trilogie, denn Francos Wicked Warden will ich nicht dazuzählen.

Auch wenn ich mich 1000 mal oute, irgendwie mag ich die Ilsa Filme.

6,5/10
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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon luca canali » 25. Mai 2011, 17:46

Es ist durchaus positiv, sich zu den Ilsa - Filmen zu bekennen, schließe mich da natürlich an...

Wie ist denn die deutsche Synchro ??? Kenne nur die englische, welche eigentlich auch voll klargeht - hoffe die Leute von X-Rated haben da nichts versaut(wenn die Synchro überhaupt von denen stammt...) !
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Re: Die Ilsa Trilogie

Beitragvon dr. freudstein » 26. Mai 2011, 02:54

Ilsa, die Tigerin habe ich ja mal zusammen mit jetzigen D.I. Buddies gesehen, war natürlich ein herrlicher Spaß in der Kinoversion, konsequenterweise im Kino (Kino 3000 im Rahmen der BIZARRE CINEMA Reihe). Ganz anderer Schnack als alleine zu Hause von VHS/DVD. Insofern pendelt mein Empfinden zwischen gut bis sehr gut, dennoch unmessbar und nicht gleichsetzend mit anderen Bewertungspunkten, da hier der blap'sche Wohlfühlfaktor eh wieder ganz andere Maßstäbe setzt, wenn ich mir diesen Wortklau mal erlauben darf. Mit Betrachtung auf die ILSA Trologie und dem damit wohlgesonnenem Empfindem viel niedriger angesetzt als im Gesamtvergleich. Einzelwertung also wesentlich höher (etwa 8/10) als in einer Gesamtwertung zu allen mir bekannten Filmen (6-7) möglich.
Kenne auch nur oben angesprochenen Film/Sequel und nur darauf bezieht sich dieser Text mangels Aussage.
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