Big Snuff - Findlay, Fredriksson & Nuchtern (1975)

Moderator: jogiwan

Big Snuff - Findlay, Fredriksson & Nuchtern (1975)

Beitragvon horror1966 » 5. Jun 2011, 18:38

Big Snuff

Bild

(Snuff)
mit Margarita Amuchastegui, Ana Carro, Liliana Fernandez Blanco, Michael Findlay, Alfredo Iglesias, Enrique Larratelli, Mirtha Massa, Aldo Mayo, Clao Villanueva
Regie: Michael Findlay / Horacio Fredriksson / Simon Nuchtern
Drehbuch: Michael Findlay
Kamera: Roberta Findlay
Musik: Rick Howard
Ungeprüft
Argentinien / USA / 1976

Eine Rocker-Sekte treibt in einer Argentinischen Gegend ihr Unwesen. Der Tagesablauf der Bande, angeführt vom einem Sadisten namens Satan (E. Larratelli), deckt sich mit Sex, Drogen, Raub und Mord. Auch Angelica, die Ex-Freundin eines Millionärsohnes, möchte in die Sektengemeinschaft aufgenommen werden. Satan wittert die große Chance an sehr viel Geld zu kommen …


Der umstrittenste Film der 70er Jahre, 100 % Gore


Mit diesen Aussagen wird der Zuschauer auf der Rückseite des DVD-Covers gelockt und anscheinend vollkommen bewust auf eine vollkommen falsche Fährte gesetzt, erwartet man doch schon fast ganz automatisch eine Geschichte, die sich auch um die besagte Snuff-Thematik drehtt. Doch so umstritten und fast schon legendär sich diverse Geschichten um dieses machwerk ranken, so zwiespältig ist auch der Eindruck, den "Big Snuff" beim Zuschauer hinterlässt. Zuerst einmal fällt es schon bei den ersten Passagen der Geschichte ins Auge, das es sich um eine extrem niedrig budgetierte Produktion handelt, was ja nicht zwangsweise bedeutet, das es sich dann auch um einen schlechten Film handeln muss. Als sich dann aber die Story-Line ziemlich schnell als äusserst wirr und eher nichtssagend offenbart, ist es schon fast vorbei mit dem erhofften Filmgenuss, den "Big Snuff" nun wirklich nicht präsentiert. Vielmehr wird man mit endlos unsinnigen Passagen bedient, in denen eigentlich gar nichts passiert, was bei einer Laufzeit von gerade einmal 76 Minuten für etliche Längen sorgt, die man sich am liebsten ersparen würde. Dennoch betätigt man nicht die Stoptaste seines DVD-Players, da man ja immer noch die Hoffnung hegt, das endlich einmal was passiert, das den fast legendären Ruf dieses Filmes in irgendeiner Art rechtfertigen würde.

Bis dies allerdings geschieht, muss man allerdings einen äusserst langen Atem vorweisen, denn lediglich in den letzten 5 minuten des ansonsten eher langweiligen geschehens bekommt man letztendlich einige Momente zu Gesicht, die den Titel dieses Werkes ein klein wenig rechtfertigen, was das bis dahin aber sehr schlechte Gesamtbild auch nicht mehr sonderlich aufwerten kann. Zwar bekommt der Betrachter bis zu diesem Zeitpunkt auch einige Morde präsentiert und an manchen Stellen ist sogar etwas Blut vorhanden, jedoch animieren diese Momente doch vielmehr zum schmunzeln, als das sie einen brutalen Eindruck hinterlassen würden. Nun muss man allerdings auch anmerken, das die legende um diesen Film eher durch einen geschickten Marketing-Gag entstanden ist, wurde doch damals das Gerücht gestreut, das bei den Dreharbeiten ein Mitarbeiter der Crew getötet wurde, was das Interesse der menschen auf dieses Werk steigern sollte. Wie leicht man von solchen Gerüchten beeinflusst werden kann, hat wohl schon jeder einmal am eigenen Leibe gespürt und sich aufgrund solcher Geschichten bestimmte Filme angesehen. Trotzdem galt "Big Snuff" zur damaligen Zeit insbesondere in den USA und Deutschland als großer Skandal, thematisierte man doch ein absolutes Tabu-Thema, das allerdings erst in den letzten 5 Minuten auch wirklich behandelt wurde.

Der ansonsten eher sinnbefreite und dümmliche Eindruck der Geschichte wird zudem noch durch die wirklich schlechten Darsteller untermauert, bei denen es sich in der Hauptsache um Laiendarsteller handelt, was man auch ganz eindeutig an den äusserst hölzernen Darstellungen erkennen kann. Doch selbst mit erstklassigen Schauspielern hätte man das Werk nicht sonderlich aufwerten können, das mit schlechten Dialogen und vollkommen sinnlosen Passagen aufwartet, in denen schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit Ermüdungserscheinungen auftreten, gegen die man stark ankämpfen muss, um das Ende der Geschichte auch noch in wachem Zustand zu erleben. Und so lässt man dann auch geduldig die etlichen Softsex-Szenen über sich ergehen, mit denen das Szenario gespickt ist und die den Unsinn der Geschichte noch einmal zusätzlich in den Vordergrund rücken, obwohl das im Prinzip gar nicht nötig war, da die handlungsabläufe auch so schon die Nerven des Betrachters strapazieren. Einzig und allein durch die letzten Minuten des Filmes wird man dann noch einmal aus seiner Lethargie gerissen, die sich hier ganz automatisch einstellt. Dort bekommt man dann Momente geboten, die den Eindruck einer realistischen Doku vermitteln soll, wird einem doch weisgemacht, das ein Filmteam wirklich eine Darstellerin zerstückelt, was natürlich absoluter Quatsch ist. Dennoch entschädigen diese wenigen Minuten ein wenig für die bis dahin vorherrschende Langeweile, was für einen Horrorfilm mit einer Laufzeit von 76 Minuten nicht gerade als Kompliment zu verstehen ist.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei "Big Snuff" letztendlich um eine ziemliche Enttäuschung, wobei man durch den Filmtitel vollkommen bewust in die Irre geführt wird. Eine hanebüchene Geschichte und extrem miese Darsteller sind nicht unbedingt die Zutaten, die man für einen kurzweiligen Film braucht. Hinzu kommt noch erschwerend der Aspekt, das im Prinzip noch nicht einmal ein roter Leitfaden zu erkennen ist, der sich durch die wirre Story zieht und ein ordentlicher Spannungsbogen wurde erst gar nicht eingebaut. Man kann es drehen und wenden wie man will, hier ist es vollkommen ausreichend, wenn man sich die letzten gut 5 Minuten eines Filmes anschaut, der ansonsten doch ein ziemlicher Rohrkrepierer ist und den Zuschauer nicht unbedingt mit kurzweiliger Unterhaltung versorgt, sondern viel eher das Bedürfnis nach einer Mütze voll Schlaf auslöst.


Fazit:


70 Minuten gähnende Langeweile und 5 Minuten, die dem Titel des Filmes eine gewisse Berechtigung verleihen sind ganz einfach viel zu wenig, als das man von einem kurzweiligen Filmerlebnis sprechen könnte. Man sollte sich auf keinen Fall von den Legenden beeinflussen lassen, die sich um diese Billig-Produktion ranken sondern besser die Finger von diesem ziemlich üblen Machwerk lassen, das trotz seiner kurzen Laufzeit als echte Schlaftablette angesehen werden kann.


3/10
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Re: Big Snuff - Michael Findlay

Beitragvon Onkel Joe » 8. Jun 2011, 11:47

Roberta und Michael sind ja dem Porno Milieu entsprungen, beide wollte es Leuten wie Craven, Lustig und Co. gleichtun und ebenso mit wenig Geld die große Nummer Produzieren ;).Big Snuff hat damals so einiges bewegt aber heutzutage ist er nur noch für Nostalgiker ein Erlebnis.Michael hat es irgendwann mal bei einer Helicopter Vollrasur den Schädel weggerissen und keiner wußte wie dies geschehen konnte :?.Sachen gibts, einfach der Wahnsinn :prost: .
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Re: Big Snuff - Findlay, Fredriksson & Nuchtern (1975)

Beitragvon jogiwan » 8. Apr 2017, 09:31

Nach „Last House on Dead End Street“ brachte mich Teil zwei meines Snuff-Abends zu diesem nicht minder unrühmlichen Streifen, der ja bekanntermaßen zu 90 % aus eher belang- und Höhepunkts-losen Exploitation-Filmmaterial aus argentinischer Produktion handelt, die eine ebenfalls Manson-inspirierte Sekte zeigt, die es auf einen reichen Erben abgesehen haben. Doch nach knapp 70 Minuten ändert der Streifen seine Marschrichtung radikal, bietet einen Wechsel der Blickrichtung und zeigt dem Zuschauer die vermeintlich reale Ermordung einer der Darstellerinnen aus dem vorangegangenen Film durch das agierende Filmteam. Dieser Kniff ist aber schon fraglos gelungen und so ist es dann auch egal, dass die vorangegangene Story gar nicht aufgelöst wird. So kann man auch rasch noch aus dem Rohmaterial eines unfertigen Films noch ein paar Dollar generieren und die Findlays waren in diesem Punkt ja schon immer etwas kreativer, als andere Filmemacher und Produzenten. Der Plan ging wohl auf und auch wenn das Snuff-Ende überhaupt nicht zum Rest des wesentlich früher entstandenen Teils passt, so bleibt der Streifen doch durch diese Szene nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers. Sicherlich kein guter, aber doch ein bemerkenswerter Streifen mit einem überraschenden Kniff und hätte sich der ohne Vorkenntnis über den Inhalt in meinem Player geschmuggelt, wäre ich sicherlich geplättet gewesen. Mehr als einmal im Leben wird man „Snuff“, „Big Snuff“, „American Cannibale“ oder auch „The Slaughter“ aber wohl ohnehin nicht gucken.
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