Amok - He Was a Quiet Man - Frank A. Cappello (2007)

Moderator: jogiwan

Amok - He Was a Quiet Man - Frank A. Cappello (2007)

Beitragvon horror1966 » 11. Dez 2010, 22:32

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Amok - He Was a Quiet Man
(He Was a Quiet Man)
mit Christian Slater, Elisha Cuthbert, John Gulager, Jamison Jones, Michael DeLuise, Sascha Knopf, Cristina Lawson, K.C. Ramsey, David Wells, Randolph Mantooth, Frankie Thorn, Sewell Whitney, Lisa Arianna, Livia Trevino, Tina D'Marco
Regie: Frank A. Cappello
Drehbuch: Frank A. Cappello
Kamera: Brandon Trost
Musik: Jeff Beal
FSK 16
USA / 2007

Schom am frühen Morgen weiss Bob Maconel (Christian Slater), dass er einen miesen Tag haben wird. Einmal mehr acht Stunden in einem grauen Raum sitzen und von den Kollegen ignoriert werden, in einer Welt, in der er sich völlig fehl am Platz fühlt. Er ist am Ende und zu allem bereit. Das kann niemand von seinen Kollegen ahnen. Auch nicht die hübsche Vanessa (Elisha Cuthbert), welche er heimlich verehrt. Bob sieht nur eine Möglichkeit, seine rasende Wut auf jahrelange Demütigung und Nichtbeachtung zu besänftigen.


"He Was a Quiet Man"

Die Aussage treffen Nachbarn, die Bob kannten, gegenüber der Medien, als sie auf seine Person angesprochen werden. Nichts würde die Charakterrisierung des stillen Bob besser treffen, als dieser eine sehr kurze Satz, der doch aber so treffend ist. Doch keiner hat die gärende Wut und angestaute Aggressivität auch nur ansatzweise gesehen, die unter der Oberfläche am brodeln war.

Was Regisseur frank A. Cappello mit diesem Werk geschaffen hat, ist ein Drama, das doch etwas von anderen Genre-Vertretern abweicht, die eine ähnlich gelagerte Thematik bearbeiten. Ganz besonders die Tasache, das hier trotz des sehr ernsten Hintergrundes, der ja gerade in der heutigen Zeit aktueller denn je ist auch sehr viel schwarzer Humor mit eingebunden ist, macht diesen Film zu etwas Besonderem. Manche Passagen wirken sogar schon skurril, wie zum Beispiel der Umstand, das Bob sich immer mit seinen Fischen unterhält und diese ihm auch antworten.

Und das ist auch schon einer der Unterschiede, die etwa zu einem Film wie "Falling Down" bestehen, denn wird dort doch das Hauptaugenmerk der Story auf die taten an sich gelegt, so ist im vorliegenden Film doch ganz klar die Charakterstudie von Bob der eigentliche Kern des Films. Man bekommt einen tiefen Einblick in sein Gefühlsleben und seine Psyche und das, was man dort zu sehen bekommt, ist doch ganz schön erschreckend und beängstigend.

Besonders intensiv wird das durch die hervorragende Kameraarbeit von Brandon Trost herausgearbeitet, die Kleinigkeiten perfekt in Szene setzt, die einem ansonsten vielleicht gar nicht so aufgefallen wären. Doch besonders die fantastischen Kamerafahrten sorgen dafür, das man hier gerade diese Kleinigkeiten nicht übersieht, die diesem Werk seine ganz besondere Note verleihen.

Doch der absolute Höhepunkt von "He Was a Quiet Man" ist für mich persönlich Christian Slater, der ja in den letzten Jahren doch ziemlich abgetaucht war und höchstens einige kleinere Rollen in irgendwelchen B-Movies hatte. Doch was er hier abgeliefert hat, das kann man eigentlich nur als brillant bezeichnen. Er verkörpert den Charakter des verklemmten und sehr stillen Psychophaten so autenthisch und überzeugend, das es eine wahre Freude ist, ihn bei seinem Spiel zuzuschauen. Seine Mimik ist herausragend und so ausdrucksstark wie hier habe ich ihn ehrlich gesagt noch nie gesehen. Die anderen Darsteller, die ihre Sache auch durchaus gut erledigen, verblassen aber im Vergleich mit Slater total und werden regelrecht an die Wand gespielt.

Zum Abschluss ist da dann noch das doch ziemlich abrupte, aber absolut passende Ende des Films, das eventuell für einige sogar auf den ersten Blick etwas verwirrend sein könnte, aber das sehr gute Gesamtbild des Films nur noch einmal unterstreicht. Insgesamt ist hier ein wirklich faszinierender Film entstanden, der durchaus anders ist als die meisten Vertreter dieser Thematik, aber gerade dadurch auch sehr erfrischend und innotiv daherkommt. Beste Unterhaltung ist hier auf jeden Fall garantiert.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1.85: Widescreen
Laufzeit: 91 Minuten
Extras: Deleted Scenes, Originaltrailer, Bildergalerie
Bild Big Brother is watching you
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Re: Amok - He Was a Quiet Man - Frank A. Cappello

Beitragvon karlAbundzu » 15. Feb 2017, 14:04

Da hatte ich ja falsche Erwartungen: Ich dachte, wir begleiten Christian Slater dabei von einem Büroangestellten ohne Selbstbewußtsein und halt Mobbingopfer zu einem AMokläufer mit lustigen Untertönen.
Nun, das ist aber nur der erste Teil, circa die ersten 10 Minuten. Ihm kommt ein anderer unterdrückter Bürokollege zuvor, der herumballert. Als dieser die von Slater verehrte Elisha Cuthbert :knutsch: erschiessen will, tötet er ihn und wird zum Helden. Da beginnt der zweite Teil des Films: Sein Aufstieg in der Beliebtheitsskala, aber auch und vor allem, seine Überlegungen ob er der nun die ab dem Hals querschnittsgelähmte Elisha helfen soll, sich umzubringen.
Der dritte Teil beginnt dann mit der erneuten Rettung Elishas, die Steigerung seines Selbstbewußtseins, die Entwicklung einer Beziehung zu Elisha, und trotzdem seiner Selbstzweifel und seiner sozialen Unfähigkeit.
Vieles gefiel mir sehr gut: Slater und Cuthbert spielen sehr gut ihre Charaktere, Slater rockt richtig. Alle anderen Rollen sind eher Stereotypen, wir sehen Macy als Chef, immer gut, kein Ausfall. Die Kamera und die Erzählweise sind auch prima, wir bleiben immer ganz nah bei SLater, es gibt hübsche surreale Szenen aus der verrückten Welt des Protagonisten. Die Musik ist auch gut, zu meist jedenfalls. Ein schönes leicht schräger easy listening eletronic score. Nur anfangs bei Teil 3 gibt es ziemlich lächerlichen akutisches Gitarrengejaule, das ist mir da viel zu sehr 1zu1.
Nachteil des Films: Das Ende. Da kommt einiges, was wir eh schon ahnen zu anderen, es wird zwischen surrealen und halluzinatorischem gearbeitet und wirkt zusammengestückelt. Sehr schade.
Auf der DVD schafften es ein paar deleted Scenes, u. a. auch zwei alternative Enden, die ich beide besser gefunden hätte, besonders die zweite.
Das alles könnte man auch als eine Satire/Gesellschaftskritik verstehen: Das eiskalte Geschäftsleben, die Unmöglichkeit dort zu bestehen ohne moralisch zu korumpieren, auch der Umgang mit körperlich Behinderten wird thematisiert.
Also für Slater und Cuthbert Freunde und Leute, die gerne Schräges mögen zwischen Humor, Tragik und Gesellschaftskritik.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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