Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Moderator: jogiwan

Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Beitragvon buxtebrawler » 10. Nov 2010, 14:50

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Originaltitel: Aliens

Herstellungsland: USA / Großbritannien (1986)

Regie: James Cameron

Darsteller: Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Lance Henriksen, Paul Reiser, Bill Paxton, William Hope, Jenette Goldstein, Al Matthews, Mark Rolston, Ricco Ross, Colette Hiller u. A.

Nach der ersten Begegnung Ripleys (Sigourney Weaver) mit dem Alien sind 57 Jahre vergangen. Ziellos treibt sie sich immernoch im Kälteschlaf befindlich durchs All. Zufällig wird sie entdeckt und wieder zurück zur Erde gebracht. Ihren Berichten über die Ereignisse mit dem Alien wird zunächst wenig Glauben geschenkt, doch als der Kontakt zu dem mittlweile bevölkerten, aus dem ersten Teil bekannten Planeten abbricht, wird Ripley gebeten zusammen mit einem Trupp Space-Marines nach dem Rechten zu sehen. Sie kommen zu spät - die komplette Kolonie wurde von den Aliens überrannt und das Einsatzteam muss es mit der Übermacht aufnehmen...


Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon buxtebrawler » 10. Nov 2010, 14:50

Sieben Jahre nach Ridley Scotts bahnbrechendem Sci-Fi-Horrorfilm „Alien“ entstand unter der Regie des Kanadiers James Cameron diese Fortsetzung, Camerons erster Film nach „Terminator“. Dabei bediente er sich einer etwas anderen Rezeptur als zuvor Scott, indem er Atmosphäre und Erzähltempo des Erstlings hinwegfegte und mehr auf Action und Schauwerte abseits der morbiden Ausstrahlung düsterer Kulissen setzte. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden und dass „Aliens“ zu einem wahrhaft aberwitzigen Kreaturenspektakel geriet, erfreut und begeistert mich als Monsterfreund in hohem Maße. Das hohe Tempo war (und ist) zeitgemäß und wurde gekonnt eingesetzt, denn die Dramaturgie bleibt nicht auf der Strecke und bietet dem Zuschauer dabei nur wenige Augenblicke zum Durchatmen. Weniger positiv fiel aber leider fast schon US-typisch die Darstellung der alienjagenden Marines aus. Mit schwerem Gerät bewaffnet, wirken sie eher wie klischeebehaftete Schießbudenfiguren denn ernstzunehmende Charaktere. Sie entbehren nicht einem gewissen Nervfaktor und wenn sie mit ihren Megawummen durch die Gänge schleichen und die Kamera frontal draufhält, ist leider kaum noch etwas von der von Scott erzeugten „Alien“-Stimmung übrig; man wähnt sich eher in einem trashigen B-Actioner. Glücklicherweise blieb uns Sigourney Weaver als selbstbewusste, intelligente Kämpferin erhalten, die den notwendigen Kontrastpunkt setzt und erneut die Rolle der Identifikationsfigur für den Zuschauer einnimmt. Und dann gibt es da noch Paul Reiser als hinterlistige, durchtriebene Gestalt, dem man seine Rolle leider so gar nicht abnimmt. Lance Henriksen hingegen glänzt als Android Bishop mit seinem zerfurchten Gesicht als echter Charakterdarsteller. Leider war es aber mit den Militär-Actionfiguren noch nicht mit den Anbiederungen an den Mainstream getan, stattdessen flocht man noch ein süßes, kleines Mädchen in die Handlung ein, das – insbesondere am Schluss des Films – für einen nicht unbeträchtlichen Kitschanteil sorgt. Auch hat es das Drehbuch mit dem Märtyrertum seiner Protagonisten etwas zu weit getrieben. Nichtsdestotrotz ist „Aliens“ eine qualitativ hohe Fortsetzung geworden, bei der sehr vieles richtig gemacht wurde: Der Film macht großen Spaß, unterhält prima, ist hochspannend und bietet viel fürs Auge, in erster Linie durch die tollen Kreaturen-Spezialeffekte, die hier wesentlich öfter zum Einsatz kommen als im Vorgänger. Doch während Scotts „Alien“ half, den Mainstream zu bereichern, auf eine höhere Stufe zu hieven, bedient sich Cameron für „Aliens“ des bereits vorhandenen Mainstreams, ohne in seiner Materialschlacht wirklich innovative Wege zu beschreiten. Durch seine Potenzierung von Horror- und Kreaturenaction hat er aber sicherlich mit dazu beigetragen, dass sich der Anspruch der Zuschauer an derartige Filme geändert hat, was erklären dürfte, warum „Aliens“ vom heutigen Publikum nicht selten sogar als stärker als das Original eingeschätzt wird.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon purgatorio » 26. Sep 2011, 10:57

deutsches AHF (1986)

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Vasquez: "No, he’s dead. Wake up, pendejo, and then I’m gonna kill you. Back off – right now!"
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon Arkadin » 26. Sep 2011, 11:24

Ich wandere mal vom "Welchen Film habt ihr als letztes gesehen" hierhin. In letzteren Faden hatte ich ja erwähnt, dass ich finde, dass der Film eher schlecht gealtert ist. Dies will ich jetzt mal etwas aufführen.

Früher habe ich "Aliens" geliebt. Das erste Mal noch im Kino, was eine überwältigendes Erlebnis war. Meine letzte Sichtung lag aber nun schon bestimmt 20 Jahre zurück. Darum war gespannt, ob der Film auf mich immer noch so eine Wirkung auf mich hat. Und ich muss sagen: Leider nein. Die Action ist immer noch vorbildlich und dynamisch inszeniert, keine Frage. Dass der Film extrem in der Zeit verfangen daherkommt (Frisuren, Kleidung, Computerdesign) geschenkt - vielleicht kommt die schreckliche "Ich-Krämpel-Mir-Meine-Sakko-Ärmel-Hoch"-Mode ja in 200 Jahren ja tatsächlich zurück. Was aber gar nicht mehr geht ist das übertriebene Getue der Marines. Vasquez fand ich Mitte der 80er fürchterlich cool. Heute nervt sie mich extrem mit ihrer lächerlichen Macho-Attitüde. Vor allem aber geht mir Hudson ohne Ende auf die Nerven. Boah, was für ein Idiot. Generell kann ich mir nicht vorstellen, wie diese hyperaktive, sich selbst überschätzende, ständig blöd daherlabernde Gurkentruppe im wahren Leben gegen nur ein einziges Alien - oder auch nur ein gezähmtes Hausschwein - bestehen sollte. Schlimm auch der farbige Drill-Sargent, der zur kompleten Karikatur verkommt. Als Parodie mögen die Space-Marines noch durchgehen, aber sonst nicht. Das trübt den Eindruck dann doch. Insgesamt kann ich sagen, dass "Aliens" nicht mehr der SF-State-Of-The-Art ist, wie vor 30 Jahren und in allen Belangen doch sehr altmodisch und "80s" daherkommt. Ganz im Gegenteil zu Teil 1, der heute noch so frisch wie damals wirkt. Was mir noch aufgefallen ist (aber nicht nur hier, sondern auch bei anderen 80er filmen): Was haben die damals eigentlich für Filmmaterial benutzt? Filme aus den 80ern wirken immer blass und wie durch einen leicht milchigen Schleier gefilmt. Im Gegensatz dazu sind haben Filme aus den 60ern und 70er in der Regel immer ein sehr viel schärferes Bild mit besseren Kontrasten und kräftigeren Farben. Merkwürdig.
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon buxtebrawler » 26. Sep 2011, 11:55

Arkadin hat geschrieben:Was aber gar nicht mehr geht ist das übertriebene Getue der Marines. Vasquez fand ich Mitte der 80er fürchterlich cool. Heute nervt sie mich extrem mit ihrer lächerlichen Macho-Attitüde. Vor allem aber geht mir Hudson ohne Ende auf die Nerven. Boah, was für ein Idiot. Generell kann ich mir nicht vorstellen, wie diese hyperaktive, sich selbst überschätzende, ständig blöd daherlabernde Gurkentruppe im wahren Leben gegen nur ein einziges Alien - oder auch nur ein gezähmtes Hausschwein - bestehen sollte. Schlimm auch der farbige Drill-Sargent, der zur kompleten Karikatur verkommt. Als Parodie mögen die Space-Marines noch durchgehen, aber sonst nicht.


Danke, Arkadin. Das war auch mein Hauptkritikpunkt, siehe oben.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon purgatorio » 14. Feb 2012, 08:12

Arkadin hat geschrieben:(...) diese hyperaktive, sich selbst überschätzende, ständig blöd daherlabernde Gurkentruppe (...)


ich weiß gar nicht, ob's im Film gesagt wird. Aber so es sich um eine Gesellschaft mit Wehrpflicht handelt, ist das überzeichnete Bild eines Haufens von Freaks, die allesamt nicht so recht wissen warum sie eigentlich in der Armee sind, sich aber dennoch mit Knarren ganz besonders stark fühlen, durchaus realistisch :D
Ist in der Bundeswehr nicht anders gewesen. Und ich war quasi Hudson :mrgreen:



Heut kam über Schnittberichte ein DVD-BlauStrahl-Vergleich mit den entsprechenden Fehlerkorrekturen:
http://www.schnittberichte.com/schnittb ... ?ID=294598

bis auf die Kratzer an der Scheibe ist mir das alles nie aufgefallen. Und ich hab den Film wirklich oft gesehen :nick:
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon purgatorio » 20. Mär 2012, 14:01

starker Matte-Shot von Robert Skotack

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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon purgatorio » 21. Aug 2012, 20:10

hier ein angenehm lesbarer Artikel über den Bau der Alien-Queen mit allerhand Bildmaterial

https://www.stanwinstonschool.com/blog/ ... ize-puppet

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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon Onkel Joe » 21. Aug 2012, 20:28

Arkadin hat geschrieben:Was mir noch aufgefallen ist (aber nicht nur hier, sondern auch bei anderen 80er filmen): Was haben die damals eigentlich für Filmmaterial benutzt? Filme aus den 80ern wirken immer blass und wie durch einen leicht milchigen Schleier gefilmt. Im Gegensatz dazu sind haben Filme aus den 60ern und 70er in der Regel immer ein sehr viel schärferes Bild mit besseren Kontrasten und kräftigeren Farben. Merkwürdig.


Das stimmt, in den 80er gab es zeitweise ein wirklich miserables Film-Material(habe ich aber schon einige male erwähnt) was viele Studios benutzen.The Untouchables z.b. ist auch so ein Film der mir so überhaupt net gefällt und alleine nur das Material macht mir jede weitere sichtung kaputt.Bei Aliens muss ich sagen ist es net ganz so heftig weil er viel im dunkeln spielt.Gott sei dank war das komische Zeugs net lange am Lager !!

Ich muss Aliens nochmals sichten die Tage....
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon purgatorio » 1. Apr 2017, 17:02

Arkadin hat geschrieben:Was aber gar nicht mehr geht ist das übertriebene Getue der Marines. Vasquez fand ich Mitte der 80er fürchterlich cool. Heute nervt sie mich extrem mit ihrer lächerlichen Macho-Attitüde. Vor allem aber geht mir Hudson ohne Ende auf die Nerven. Boah, was für ein Idiot. Generell kann ich mir nicht vorstellen, wie diese hyperaktive, sich selbst überschätzende, ständig blöd daherlabernde Gurkentruppe im wahren Leben gegen nur ein einziges Alien - oder auch nur ein gezähmtes Hausschwein - bestehen sollte. Schlimm auch der farbige Drill-Sargent, der zur kompleten Karikatur verkommt. Als Parodie mögen die Space-Marines noch durchgehen, aber sonst nicht.


purgatorio hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:(...) diese hyperaktive, sich selbst überschätzende, ständig blöd daherlabernde Gurkentruppe (...)


ich weiß gar nicht, ob's im Film gesagt wird. Aber so es sich um eine Gesellschaft mit Wehrpflicht handelt, ist das überzeichnete Bild eines Haufens von Freaks, die allesamt nicht so recht wissen warum sie eigentlich in der Armee sind, sich aber dennoch mit Knarren ganz besonders stark fühlen, durchaus realistisch :D
Ist in der Bundeswehr nicht anders gewesen. Und ich war quasi Hudson :mrgreen:


Ich greife das hier nochmal auf, da ich mich kürzlich mit einem Freund über die militärische Komponente des Films unterhielt und wir zu spannenden Schlüssen gelangten. Interessant ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung: 1986. (ich bediene mich mal bei einigen Fußnoten aus meiner Dissertation und springe in die filmische Auseinandersetzung mit Vietnam, um das zu verdeutlichen) In aller Kürze: Vietnamfilme werden in Phasen kategorisiert. Hier herrscht Konsens in der Kriegsfilmforschung, die ihre Einteilungen trotz punktueller Variationen stets deckungsgleich hervorbringt. Meist werden vier Kategorien erfasst, die mit Überschneidungen aufeinander folgen:
(1) Allegorical epics nach 1975. Auch Phase der Politics of ambivalence, wobei auch Filme mit Vietnam im Subtext ergänzt werden können (und müssen), die bis 1975 entstanden.
(2) Veteran movies, die jedoch eher eine formale Kategorie darstellen und sich in jeder Phase finden.
(3) Revisionist movies und
(4) grunt ensemble movies, die den verrohten Soldaten ins Zentrum rücken.
[Vgl. insgesamt Mottram, James: Jungle Fever. How Vietnam Changed the Hollywood War Movie. In: Slater, Jay (Hrsg.): Under Fire. A Century of War Movies, Surrey 2009, S. 145-160, hier S. 147]

Die Phasen in den 1980er Jahren sind hier besonders wichtig: Christer Petersen verweist explizit auf die revisionistische Phase in der ersten Hälfte der 1980er Jahre, die sich seit der Präsidentschaft des Republikaners Ronald Reagan mit der Politik der neuen Stärke innerhalb einer Phase nationaler Restauration und Rehabilitierung zeigt, und den Bruch durch die kritischen Combat Movies in der zweiten Hälfte.
[Vgl. Petersen, Christer: Der unbekannte Feind: Vietnam im filmischen Diskurs. In: Petersen, Christer (Hrsg.): Zeichen des Krieges in Literatur, Film und den Medien. (Bd. 1) Nordamerika und Europa, Kiel 2004, S. 194-230, hier S. 197, letztere inkl. Rescue- oder Prisoner-Of-War-/POW-Movies, vgl. ebd. 201f.]
Dies findet sich - um mal den Rundumschlag durch die Kriegsfilmforschung etwas auszureizen - auch bei Stefan Reinecke, der vier Phasen erarbeitet:
(1) Phase des langen Schweigens, die aber Allegorien beinhalte (bspw. die TV-Serie M*A*S*H*)
[vgl. Reinecke, Stefan: Hollywood goes Vietnam. Der Vietnamkrieg im US-amerikanischen Film, Marburg 1993, S. 23ff. und Reinecke, Stefan: Der Vietnam-Krieg im US-amerikanischen Kino – Rückblick auf ein Genre. In: Heller, Heinz-B.; Röwekamp, Burkhard; Steinle, Matthias (Hrsg.): All Quiet on the Genre Front? Zur Praxis und Theorie des Kriegsfilms, Marburg 2007, S. 93-100, hier S. 93]
(2) Nach Kriegsende Phase der Faszination am Scheitern und am Grauen in der Ära Jimmy Carter [Zaunpfahl: APOCALYPSE NOW (USA 1979, Regie: Francis Ford Coppola)]
(3) Die revisionistische Phase unter Reagan
und eine (4) letzte Phase bis zur Rehabilitierung der Schlagkraft im Golfkrieg (vgl. Reinecke 1993, S. 7f. und S. 27ff.)

Der knappe Überblick zeigt eine überwiegende Vierteilung (respektive Dreiteilung, sofern die Allegorien vor und nach 1975 subsumiert werden) in eine allegorische Phase während des Krieges, eine in der Carter-Ära, eine revisionistische unter Reagan und eine als authentisch suggerierte im Gefolge von PLATOON (USA 1986, Regie: Oliver Stone), FULL METAL JACKET (Großbritannien 1987, Regie: Stanley Kubrick) et al. Und eben in dieser letzten Phase, den grunt ensemble movies, kommt Camerons ALIENS und ist ein wenig auch seine Abrechnung mit und Verarbeitung von Vietnam. In einfacher Symbolsprache: Unfassbar hochgerüstete Soldaten, deren Waffenarsenale förmlich überquellen (man denke an Hudsons Ansprache kurz vor dem Abwurf) und die sich in maßloser Arroganz sonnen, treten gegen eine unbewaffnete Spezies an, die sich eher der Guerillataktik bedient (aus dem Hinterhalt angreift, sich durch Tunnel und Schächte bewegt). In einem Territorium, das sie unterschätzt haben, das unübersichtlich und schwül ist, sehen sie sich einer Übermacht gegenüber, die sie zu allem Überfluss tatsächlich kaum sehen. Ruhezonen gibt es keine, der Schlachtfeldstress wird zu einem Dauerzustand. Und die Jungs und Mädels sind damit hoffnungslos überfordert und gehen alle unterschiedlich damit um. Coolness ist dabei nicht von ungefähr an John Wayne angelehnt. Es gibt im Kontext von Vietnam sogar den Begriff „John Wayning“, der das veränderte Verhalten der Soldaten im Angesicht allgegenwärtiger Presse bezeichnet. Sie begannen zu posieren und sich wie Schauspieler zu inszenieren. Ein psychologischer Effekt, der auch Probleme mit sich brachte. Man betrachtete den Krieg wie auf der Leinwand. Die vorgeprägten Kriegserwartungen basierten auf dem John Wayne Thing, nämlich einer klar durch Gegensatzpaare strukturierten Welt aus Gut und Böse. Der inneren Logik eines Films folgend, hätte der Sieg gewiss sein müssen, man gehörte ja zu den Guten. Die Realität sah indes anders aus, was zu Desillusionierung, Frustration und Gewaltexzessen führte. Und zumindest die Desillusionierung ist bei Cameron durch die (bewusst) gespielte Coolness überdeutlich, womit Angst und Panik überspielt werden. Zuletzt sind es die vielen Details, die auf Vietnam verweisen: Klassische Luftlandung mit martialischem Auftritt. Dann wird einem "in den Arsch gekniffen" und schon steht die großflächige Bombardierung zur Debatte etc. Ich denke, man kann durchaus sagen, dass ALIENS eine kritische und definitiv auch überspitzte Karikatur des Vietnamkriegs ist und zumindest mit der Kritik an militärischer Überheblichkeit und der drastischen Darstellung der (psychologischen) Folgen für den einzelnen Soldaten genau im Zeitgeist lag.
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