Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Moderator: jogiwan

Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon Salvatore Baccaro » 2. Apr 2017, 13:59

Auch wenn ich ALIENS kein bisschen kenne, sehr interessante Ausführungen. :thup:
Sagt die Forschungsliteratur denn eigentlich auch etwas zu solchen - wie soll man sie nennen? - "Pseudo"-Vietnamkriegsstreifen vor allem aus der italienischen Rip-Off-Schmiede bzw. zu dem Diskurs, den ich einmal die Bux-Kontroverse taufen möchte bzw. werden solche Streifen ebenfalls unter das obige scheinbar gängige Schema subsumiert? Wie man sich vielleicht erinnert, hatte ja besagtes hochgeschätztes Forenmitglied beim letzten Happening Matteis Kampfgiganten dafür abgekanzelt, dass in ihm der Kalte Krieg mit sämtlichen Ressentiments der US-Regierung gegenüber nicht-kapitalistischen Systemen als bloße Kulisse unhinterfragt Verwendung findet, um vor ihr so viele billige Actionszenen wie möglich abzuspulen, d.h. Filmemacher wie Mattei einfach ideologische Strukturen aus dem US-dominierten Mainstream-Kino übernehmen und dadurch etablierte Feindbilder schüren und stützen, ohne dass damit ein politischer Kommentar verbinden würde, der über die Reproduktion solcher Feindbilder hinausginge.
Das "John-Wayning" ist übrigens m.E. sehr schön in "Full Metal Jacket" dargestellt. Wird unser liebster Cowboy nicht sogar in der berühmten Interview-Szene dezidiert erwähnt?
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron

Beitragvon purgatorio » 2. Apr 2017, 16:28

Salvatore Baccaro hat geschrieben:
Auch wenn ich ALIENS kein bisschen kenne, sehr interessante Ausführungen. :thup:
Sagt die Forschungsliteratur denn eigentlich auch etwas zu solchen - wie soll man sie nennen? - "Pseudo"-Vietnamkriegsstreifen vor allem aus der italienischen Rip-Off-Schmiede bzw. zu dem Diskurs, den ich einmal die Bux-Kontroverse taufen möchte bzw. werden solche Streifen ebenfalls unter das obige scheinbar gängige Schema subsumiert? Wie man sich vielleicht erinnert, hatte ja besagtes hochgeschätztes Forenmitglied beim letzten Happening Matteis Kampfgiganten dafür abgekanzelt, dass in ihm der Kalte Krieg mit sämtlichen Ressentiments der US-Regierung gegenüber nicht-kapitalistischen Systemen als bloße Kulisse unhinterfragt Verwendung findet, um vor ihr so viele billige Actionszenen wie möglich abzuspulen, d.h. Filmemacher wie Mattei einfach ideologische Strukturen aus dem US-dominierten Mainstream-Kino übernehmen und dadurch etablierte Feindbilder schüren und stützen, ohne dass damit ein politischer Kommentar verbinden würde, der über die Reproduktion solcher Feindbilder hinausginge.
Das "John-Wayning" ist übrigens m.E. sehr schön in "Full Metal Jacket" dargestellt. Wird unser liebster Cowboy nicht sogar in der berühmten Interview-Szene dezidiert erwähnt?


"Bin ich vielleicht John Wayne? Oder sind Sie das?" 8-)

Der Gute hieß Private Joker und in der Tat ist gerade das John Wayning in FULL METAL JACKET ein Thema.
Die Frage ist interessant (und "Bux-Kontroverse" finde ich großartig!). Allerdings ist meine Lektüre schon wieder zwei Jahre her. Ich kann mich aber nicht entsinnen, dass ich je etwas zu den italienischen Vietnamablegern gelesen hätte. Ich glaube, hier muss man einfach akzeptieren, dass Exploitation nach eigenen Regeln funktioniert und entsprechend separiert betrachtet werden muss. Zumal die Italiener keinen persönlichen Bezug zu diesem Krieg haben, wohingegen er in den USA quasi mehr als eine Generation prägte und erschütterte. Darum wird für diese oben angeführten Kategorisierungen stets nur der amerikanische Output herangezogen, da hier Produktion, Distribution und Rezeption analysierbar und in Bezug zum Impact des Krieges auf die Gesellschaft setzbar ist. Aber natürlich könnte dieser Frage auch mal etwas detaillierter nachgegangen werden. Ich würde es lesen :nick:
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Beitragvon buxtebrawler » 2. Apr 2017, 18:16

Eine Kontroverse wurde nach mir benannt :o

Jetzt kann ich sterben :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 6. Apr 2017, 12:44

buxtebrawler hat geschrieben:Eine Kontroverse wurde nach mir benannt :o

Jetzt kann ich sterben :D


Sterben wäre zu einfach. Du musst dafür sorgen, dass es in München eine weitere Kontroverse gibt... ;-)
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Beitragvon buxtebrawler » 6. Apr 2017, 13:43

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Sterben wäre zu einfach. Du musst dafür sorgen, dass es in München eine weitere Kontroverse gibt... ;-)


Da ich zwei der vier Filme - so viel sei schon jetzt verraten - noch nicht kenne, ist dies gut möglich ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Beitragvon karlAbundzu » 6. Apr 2017, 14:58

Ich hab diese Diskursion jetzt gerade erst mitgelesen und finde ihn sehr spannend.

Zum Militär im Film: Ich hab die Marines immer als zynische Parodie auf den Krieg gesehen, bzw. was der Krieg aus dem Menschen macht.

Das passt ja ganz gut zu dem "John Wayning". Ich würde es sogar noch allgemeiner machen: Bilder, die massenweise verbreitet werden, formen ja das Denken, wie etwas oder jemand sein sollte. Konkret fällt mir da eine sehr gute Fotoausstellung zur organisierten Kriminalität ein, deren Hauptteil die Arbeit einer Fotojournalistin war, die über Jahrzehnte das Klientel in Italien fotografierte und darüber berichtete. Und man sah immer mehr, wie diese sichin ihrem Chic und ihren Posen an Hollywood-Filmen anlehnten. Es ging so weit, dass ich neben dem damaligen Bremer Polizeichef vor einem großen Photo stand und wir über die Tarantino-Coolness der abgebildeten Personen sprachen (vier Anzugträger im Pulp Fiction Style mit Knarren in der Hand und Sonnenbrillen), bis uns jemand aufklärte, dass das die Bodyguards eines Staatsanwaltes waren. Huch.
Auf die Soldaten bezogen heißt das,dass sie von ihrem Kino/TV-Bildschirmen ja gewohnt waren, dass sie so und so zu sein hätten. Und, dass es dann nicht funktioniert, die Enttäuschung und Frustration kommt. Und, da sie nie gelernt haben damit umzugehen, es zu Gewaltausbrüchen oder Selbstaufgabe kommt.

Im Exploitation Film italienischer Art sind wir tatsächlich ja einen Schritt weiter weg: Da werden die Bilder und auch deren "Kalter Krieg"-Inhalte ja abgezogen, bzw. nur als Bild benutzt, nicht als wirklicher Inhalt. Das Signifikat ist auf dem Weg zu verschwinden oder so. Für die Europäer fand dieser Krieg ja in den Medien statt, und durch eine weitere Kopie (Doku-Medien / Hollywood-Film / Exploitationer) geht ja immer mehr Inhalt verloren. Auch wenn das Bild deutlicher (brutaler, unmittelbarer) wird.



So wäre es für mich wieder interessant, Aliens mal wieder zu sehen. Fand ihn damals immer ganz ok, Weaver und Henrikson ganz toll, aber zu weit weg von Alien, als dass es mir sehr gut gefallen wollte.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Aliens - Die Rückkehr - James Cameron (1986)

Beitragvon purgatorio » 6. Apr 2017, 17:33

karlAbundzu hat geschrieben:Für die Europäer fand dieser Krieg ja in den Medien statt, und durch eine weitere Kopie (Doku-Medien / Hollywood-Film / Exploitationer) geht ja immer mehr Inhalt verloren. Auch wenn das Bild deutlicher (brutaler, unmittelbarer) wird.

Schöne Ergänzung! Unterschreibe ich sofort. Der Medienfilter ist hier ein wichtiger Punkt. Zwar gilt der Vietnamkrieg allgemein als einziger annähernd unzensierter Medienkrieg (die Propagandafilter der vorangegangenen und auch der nachfolgenden Kriege war hier überwiegend nicht existent - die Medien durften tatsächlich nahezu unabhängig berichten, was sie auch taten und was im späteren Kriegsverlauf die massive Antikriegsstimmung befeuerte, die Militärs zur Annahme einer amerikanischen Dolchstoßlegende animierte, bei welcher die Heimatfront das Gewinnen des Krieges verhinderte), jedoch fehlt überall auf der Welt die direkte Betroffenheit, die für den Amerikaner ja zusätzlich noch gegeben war. Antikriegsproteste, versehrte Veteranen, Todesfälle, Posttraumatischer Stress etc., das waren Dinge, die für Amerikaner überall sichtbar und im eigenen Umfeld stets vorhanden waren. In Europa fehlte diese direkte und unmittelbare Ebene.
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